Uniklinik: Pfleger leiden – Patienten auch? (Gießener Allgemeine)

Martin H.

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Im Prinzip nichts Neues... wobei ich anmerken möchte, daß die Anzahl der Überlastungsanzeigen kein eindeutiger Beleg für eine Veränderung bei der (realen) Überlastung der MA darstellt, weder in die eine noch die andere Richtung - so gibt bzw. gab es MA, die nichts über Überlastungsanzeigen wissen (man hätte sicherlich auch schon früher, also in den 80ern oder 90ern punktuell Überlastungsanzeigen mit Fug und Recht machen können, aber damals hat davon noch keiner was gehört); andererseits sind heutzutage die Zustände stellenweise so schlimm, daß die Leute gar keine Zeit haben, eine Überlastungsanzeige zu schreiben...
Aber am allergeilsten ist ja die Geschäftsführung - da geht einem echt das Messer in der Tasche auf: :x
"UKGM: Die UKGM-Geschäftsführung war und ist im kontinuierlichen und konstruktiven Dialog mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat über die Arbeitsbedingungen der verschiedenen Berufsgruppen am UKGM. Seit drei Jahren gibt es an beiden Standorten ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement. Zahlreiche Initiativen wie die regelmäßigen Mitarbeiter-Gesundheitstage, spezielle Schulungen auf Station (z. B. Rückenentlastung) oder für den Transportdienst (z. B. Heben, Tragen, Schieben), die Sensibilisierung der Führungskräfte aller Ebenen für Gesundheitsfragen und -Belastungen am Arbeitsplatz, unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und Unterstützungsleistungen zu Familie und Beruf, Beruf und Pflege Angehöriger sowie Schulungen »gesund managen« für Führungskräfte belegen dies aus Sicht der UKGM-Führung eindrucksvoll."
Nicht euer Ernst, oder? :roll:
Hier wird so getan, als ob (salopp gesagt) die MA "zu blöd zum rückengerechten Arbeiten" wären. Oder die Stationsleitungen "zu blöd, um familiengerechte Dienstpläne zu schreiben"... nee, Leute; da fehlt schlicht Pflegepersonal, und zwar massiv. Da kann ich mir auch sämtliche "Gesundheitsangebote" schenken!

"Schon vor zwei Jahren hatte sich die Geschäftsführung zudem mit der Gewerkschaft ver.di auf ein wichtiges Projekt zur Objektivierung der Belastungssituation verständigt: Die Durchführung einer flächendeckenden Mitarbeiterbefragung an beiden Standorten zu psychischen und physischen Belastungen am Arbeitsplatz. Im Ergebnis zeigte die Befragung eine vergleichbare Belastungssituation mit anderen Kliniken."
Weil auch in praktisch allen anderen Kliniken dieses Landes die Belastungssituation genauso sch***e ist - mit geringen Abweichungen nach oben oder unten. :roll: Das belegt gar nix, man sollte vielleicht mal mit dem Ausland vergleichen (was man sicherlich aus gutem Grund tunlichst sein lassen wird!!).
 
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alesig

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Hallo
Es ist doch schon mal gut, wenn die obere Führungsebene Fortbildungen für Gesundheit etc anbietet. Es ist auch nicht selbstverständlich daß Stationsleitungen familienfreundliche Dienstpläne schreiben. Ich habe in den letzten Jahrzehnten eher erlebt, daß der Dienstplan zur Bestrafung benutzt wurde, Wünsche waren verboten, und Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter ->Häääääää??????? Flächendeckende Mitarbeiterbefragungen erinnern mich an einen ehemaligen Chefarzt, der war ein Fan von "agressivem Zuwarten", bis der Gesundheitszustand des Patienten sich von alleine verändert. Befragungen brauchen wir jetzt nicht mehr, eher Handlung. So ist es ein Unding, daß es für Kliniken keine Fachkräfteqote gibt. Der Personalschlüssel ein großes Geheimnis der PDL`s zu sein scheint, um dann bei Beschwerden, es sei zu wenig Personal da, antworten zu können-> Die Planstellen sind alle besetzt. Nicht umsonst hat man die PPR zur Personalberechnung abgeschafft, weil man dann viel mehr Pflegekräfte hätte einstellen müssen. Seit 1990 wird gezetert und geschrien, daß zu wenig Pflegefachkräfte da sind, dass alles kollabiert. Aber immerhin hat die Politik es geschafft aus Krankenschwestern-> Gesundheits-und KrankenpflegerInnen und aus diesen -> Pflegefachfrauen und Männer zu machen, welch ein Fortschritt.
Alesig
 

Martin H.

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Hallo Alesig,
ich stimme Dir ja in den meisten Aussagen zu... bei ein paar Sachen hatte ich mich glaub ich mißverständlich ausgedrückt. :wink1:
Es ist doch schon mal gut, wenn die obere Führungsebene Fortbildungen für Gesundheit etc anbietet. Es ist auch nicht selbstverständlich daß Stationsleitungen familienfreundliche Dienstpläne schreiben.
Ja, im Prinzip sind solche Fortbildungen ja alle mal nicht schlecht... lassen sich nur halt kaum umsetzen, mangels Pflegepersonal!
Mich regt das schon lange auf, daß von gewisser Seite bezüglich der Pflegemisere argumentiert wird, daß dann ja "Schulungen" angeboten werden müßten; meist zum rückenschonenden Arbeiten (aber auch anderes), so als ob die Pflegenden ja nur zu doof wären, das zu machen. Dabei weiß jede Pflegekraft schon seit der Ausbildung, wie das geht; viele haben auch z. B. Kinästhetikkurse. Nur was hilft mir das, wenn ich nur noch im Eiltempo quasi "am Patienten rumreißen" kann?? Kinästhetik braucht Zeit! Ein Bett hoch- und runterzupumpen braucht Zeit - Zeit, die sich viele Pflegekräfte gar nicht nehmen (können).
Oder was helfen mir "Entspannungskurse" (autogenes Training, Yoga...) oder "Betriebssport"... wenn ich gar nicht mehr die Zeit dafür finde, da ich ständig einspringen soll.
Und bei den SLs gibt´s halt auch solche und solche (kenn auch solche wie du´s beschreibst) - ich glaub schon, daß etliche gern "familienfreundliche" Dienstpläne schreiben würden. Aber wie soll´s gehen, wenn die Personaldecke derart dünn ist? Da wird man dann doch wieder recht schnell aus seinem wohlverdienten Frei geholt und zum Einspringen genötigt!
Auch meine letzte SL in der Klinik fragte bei der PDL nach mehr Personal nach... Antwort: "Sie haben genug Personal, Sie kriegen nicht mehr Personal! Und jetzt überlegen Sie sich mal, wie Sie die Überstunden Ihrer MA abbauen können." Ohne Worte...
So ist es ein Unding, daß es für Kliniken keine Fachkräfteqote gibt. Der Personalschlüssel ein großes Geheimnis der PDL`s zu sein scheint, um dann bei Beschwerden, es sei zu wenig Personal da, antworten zu können-> Die Planstellen sind alle besetzt. Nicht umsonst hat man die PPR zur Personalberechnung abgeschafft, weil man dann viel mehr Pflegekräfte hätte einstellen müssen. Seit 1990 wird gezetert und geschrien, daß zu wenig Pflegefachkräfte da sind, dass alles kollabiert.
Na die kommt ja jetzt - leider erst ab 2018, und leider nur für sog. "pflegesensible" Bereiche...
Bundesregierung | Mindestgrenzen für Personal ab 2018
Da bin ich auch mal sehr gespannt drauf...
 
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Romsen2014

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Na die kommt ja jetzt - leider erst ab 2018, und leider nur für sog. "pflegesensible" Bereiche...
Bundesregierung | Mindestgrenzen für Personal ab 2018
Da bin ich auch mal sehr gespannt drauf...

Wenn es so ist...
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) werden beauftragt, im Benehmen mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung Pflegepersonaluntergrenzen in zuvor von ihnen festgelegten Bereichen im Krankenhaus bis zum 30. Juni 2018 verbindlich zu vereinbaren.

dann bin ich nicht gespannt.
 

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