Strukturiertes Arbeiten

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Hallo Zusammen,

mein Problem ist das strukturierte Arbeiten in meinem zweiten Praxiseinsatz.

ich habe im April
mit 37 Jahren die generalistische Ausbildung begonnen, nachdem ich in meinem ersten Leben mal ein wirtschaftsrechtliches Studium erfolgreich abgeschlossen habe.

Die erste Klausur habe ich sehr gut bestanden, die Patienten loben mich sehr, fragen nach mir, sodass ich fühle, dass ich da "richtig bin ". Es fällt mir jedoch schwer strukturiert zu pflegen. Gleichzeitig merke ich,.wie meine Wahrnehmung überfordert ist.

Heute sollte ich auf der Geriatrie ein Zimmer mit zwei Männern pflegen.
Bei beiden soll ich Vitalzeichen und bei dem dementen Herren die Grundpflege machen.
Es soll der "Eisenwagen" mit vor die Tür gefahren werden, davon die Kurven mit ins Zimmer und direkt eingetragen werden.

Die Grundpflege des dementen Herren soll im Badezimmer erfolgen und dabei auch die Kleidung gewechselt, als auch das Bett aufgefrischt werden.

Tatsächlich gehe ich ohne Eisenwagen zum Zimmer, nur mit dem Pulsyoxemterie-Turm, notiere die VZ auf dem Patientenbelegungsbogen, Patient verneint meine Frage nach der Grundpflege, meint er sei sauber, wobei ich auch nur nach dem Wechsel des verschmutzen Unterhemds frage und mich damit zufrieden gebe, natürlich auch das Bett vergesse und auch Unordnung am Bett nicht beseitige.

Nun habe ich in der Schule gelernt, dass ich die Pflege VORBEREITET und dann STRUKTURIERT umsetzen soll, ich zb auch nicht ständig rausrenne, um irgendetwas zu holen, was bei mir tatsächlich der Fall ist, mich selbst auch stört, ich jedoch nicht vermeiden kann, weil ich nicht alles vordenken kann.

Grundsätzlich kenne ich den strukturierten Ablauf, kann ihn zb auch perfekt niederschreiben, bin in der praktischen Ausführung jedoch damit überfordert, weil ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen kann und mich gleichzeitig der demenzielle Patient verunsichert, als auch die Schwester, die eine ruhige, zielgerichtet Arbeitsweise verlangt, mich gleichzeitig mit ihrer Art unter Druck setzt und verunsichert.

Hoffentlich konnte ich es auf den Punkt bringen.

Wo liegt mein grundsätzliches Problem?
Ist so eine Überforderung im zweiten Praxiseinsatz nicht auch normal?

Lieben Dank für Eure Unterstützung und dass Ihr Euch meinen langen Schrieb hier antut.

Viele Grüße:-)
 
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Ovian

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Du bist weder unstrukturiert noch überfordert. Du hast einfach keine Routine und das kommt mit der Zeit.

Spätestens wenn du beim 20. Dienst wegen jeder Kleinigkeit raus rennst denkst du dran. Der eine nach 20 Dienste, der andere nach 3 Monaten und manch einer kann es als Pflegefachkraft immer noch nicht.


Stell dir vor, ich renne heute noch zum Patienten um BZ zu messen und vergesse Blutzuckermessgerät etc. auf'm Wagen. So what.
Wenn du fertig bist mit deiner Ausbildung stört sich nur noch einer an deine Vergesslichkeit und zwar du selbst. Solange du deine Arbeit machst ist es in Ordnung. Hatte mal eine Kollegin die hat alles auf Zettel aufgeschrieben, also wirklich alles. Vielleicht hilft dir sowas am Anfang.

Bei dem Dementen Patienten würde ich nicht anders handeln. Eventuell nach Verletzungen, Deku etc. schauen aber dann in die Doku vermerken, dass eine Grundpflege verweigert wurde. Und gut ists. Hast vollkommen richtig gemacht. Jeder hat ein Recht auf Verwahrlosung. Der Stationsdrache hätte dir vielleicht was anderes gesagt, dass es deine Aufgabe ist den zu waschen usw. aber die musst immer reden lassen.

Mein Arbeitsdreieck war währen der Ausbildung und eig. auch während der Prüfung (meiner Meinung nach) einfach miserable.
Wenn man einfach mal logisch denkt und macht funktioniert es. Alles nach Buch und Praxisanleiter Style gemacht usw. und bin einfach nicht damit klar gekommen.

Ich vergleichs jetzt einfach mal mit Fahrstunden. Ich habe auch erst nach bestandener Fahrprüfung fahren gelernt. Davor fühlt es sich einfach an als hätte man einen Stock im A.
Wenn du ständig an den Schulterblick denken musst und wann er zu machen ist bringt es einfach nichts. Wenn du selber mal überlegst wieso man es macht, dann weiß man wann man es zutun hat und macht es freiwillig dauerhaft.

Üben, üben, üben.

Ich denke genau deshalb fiel es mir damals so schwer. Es heißt man solls üben, gleichzeitig bleibt im Stationsalltag kaum Zeit um sowas zu üben. Und plötzlich ist die Anleitung und dann musst dich beweisen. Dann muss man sich verstellen und und und.
Wie oft hört man bitte "Wir gehen jetzt duschen". Nein, wir gehen nicht duschen. Aber alle Kollegen leben es einen vor und man selber denkt irgendwann nicht mehr nach und babbelt alles nach und während der Anleitung sagt man wieder, obwohl man es weiß dass es nicht richtig ist, "wir gehen jetzt duschen". Nein verdammt. Wir gehen nicht duschen. Sie geht duschen.
 
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11066977

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Danke für Dein Beispiel mit dem Schulterblick. Das hat mir total geholfen das Problem klar zu bekommen .:flowerpower:

...und Deine weiteren Ausführungen helfen mir auch sehr, weil ich grade dieselbe Erfahrung mache:

Es soll direkt richtig UND zügig sein.

Das kann nicht klappen. Erst muss ich es richtig können, zügig wird es ab dann von selbst.:besserwisser:

Ich vermute, dass dieses ,,Wir gehen jetzt.../wir machen jetzt..." mal so gedacht war, dass man es vermeiden will Befehle von ,,oben herab" zu erteilen also ,,Sie gehen jetzt.../Sie machen jetzt". So nimmt man mehr am Leben des Patienten teil, wie ich denke.
Um sich die Arbeit zu erleichtern, wird die Kommunikation irgendwann standardisiert und nicht mehr hinterfragt, so dass es vielleicht oft unfreiwillig unpassend wird.
Aber wie gesagt, nix genaues weiss ich.:engel:

Ich achte oft noch darauf zu sagen, dass ich jemanden ,,positioniere" statt zu ,,lagern". Menschen werden nicht gelagert - lebloses Material, oder Waren/Güter werden gelagert. So erklärt es auch der Lehrer spricht dann trotzdem selbst wieder vom ,,Lagern".

Manchmal empfinde ich Kritik als unverhältnismäßig, wenn ich einen Fehler mache und gefragt werde, ob ich mit meinen 37 Jahren schonmal gearbeitet hätte...

Vielen Dank für Deine wertvollen Erfahrungen, die haben mich sehr weitergebracht :thinker:
 

Jillian

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Bezüglich "lagern": Ich denke, jeder von uns nennt das so, bekommt das auch irgendwo so gelehrt; aber eigentlich hast du Recht, gelagert werden Vorräte und Dinge.
Ich versuche, achtsam solche Begrifflichkeiten zu vermeiden. Patienten werden bei mir "gebettet" oder erhalten "Hilfestellung, sich auf die andere Seite zu drehen". Wenn Kollegen dem Patienten ankündigen, man würde sie jetzt lagern, ist mir das genauso unangenehm, wie wenn man sie "windelt" und "füttert". Der ein oder andere denkt viel zu selten darüber nach, wie sich der Empfänger der eigenen Worte und Taten dabei fühlen mag.
 

Pflegeflucht

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Du hast vor paar Monaten die Ausbildung begonnen - da kann und darf absolut keiner erwarten, dass du eine komplette Körperpflege in einem Zweibettzimmer inklusive VZ-Kontrolle nach einem selbst geplanten Ablauf vorbereiten und durchführen kannst, meiner Meinung nach.

Setz dich nicht unter Druck...wie schon erwähnt wurde beißen sich Theorie und Praxis wie Hund und Katz und die Ausbildung wird nicht einfach sein - versuch einen Mittelweg für dich selbst zu finden, mit dem noch ein ganz wenig "schulisch nach Lehrbuch" arbeitest und gleichzeitig im realen Stress auf Station zurecht kommst...damit du nicht komplett überfordert bist in zukünftigen Praxisbesuchen, Sichtwaschungen, praktischer Prüfung etc. Ich kann dich sehr gut verstehen!
Das haben schon so viele irgendwie geschafft - und viele bleiben auch nach dem Abschluss schusselig und chaotisch ;) *hust*
 

Neuromaus

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Hatte mal eine Kollegin die hat alles auf Zettel aufgeschrieben,
Mach ich auch bis heute (Examen vor 6 Jahren). Ich mache immer zu Beginn des Dienstes eine To Do Liste, wo ich abhake, was erledigt ist und ergänze, was neu dazugekommen ist. Und bevor ich ins Zimmer gehe, schaue ich auf meinen Zettel, was ich alles machen will und nehme dann die benötigten Sachen mit. Manche Kollegen belächeln das, aber wenn es mir hilft, ist das doch meine Sache.:weissnix:

Ich achte oft noch darauf zu sagen, dass ich jemanden ,,positioniere" statt zu ,,lagern". Menschen werden nicht gelagert - lebloses Material, oder Waren/Güter werden gelagert.
Und das dazugehörige Formular, in dem ich das dokumentiere, heißt dann... Lagerungsprotokoll.:gruebel::knockin::knabber:
Ich finde den Begriff auch ehrlich gesagt nicht so schlimm. Ja, lagern klingt so wie die Lagerung von Gegenständen. Aber es kommt ja nicht von dem Wort "Lager", sondern von dem Wort "Lage". Wenn ich Patienten lagere, bringe ich sie nicht in ein Lager, sondern in eine andere Lage (Rückenlage, Seitenlage, Bauchlage), und voilà, es ist nicht abwertend. Ehrlich gesagt macht man sich da generell oft zu viele Gedanken um Begrifflichkeiten. Ich habe noch nie Patienten getroffen, die sich an solchen Ausdrücken gestört haben, im Gegenteil, viele fanden unsere doch häufig etwas ungelenken Umschreibungen lächerlich, und eine Patientin fand sogar diese krampfhaften Umschreibungen verletzend, weil sie sagte, das signalisiere ihr, dass es etwas sei, wofür man sich schämen müsse, wenn wir es noch nichtmal aussprechen wollen, sondern irgendwelche, z.T. aus ihrer Patientensicht haarsträubenden anderen Begriffe erfinden, nur um die Dinge nicht beim Namen nennen zu müssen. Fand ich irgendwie nachvollziehbar die Argumentation. Ich denke, da sollte man sich einfach an den Patienten anpassen. Man merkt ja, ob jemandem die Formulierung unangenehm ist, so zumindest meine Erfahrung.
 

Gego

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Hallo zusammen!

OT: Den Begriff "lagern" finde ich nicht anstößig. Gibt ja auch das Nachtlager... (=Bett), oder ich lagere mich am Strand... (lege mich also bequem hin).

Zur Struktur: Die Krux in der Praxis ist oft, wenn ich einen zu detailliert ausgearbeiteten Plan mache, kommt bestimmt was dazwischen, was den ganzen Plan umstößt. Daher nur grobe Eckpunkte, dazwischen Puffer für unvorhergesehenes einbauen.

Wie oben schon erwähnt: erstmal richtig lernen, dann kommt die Routine schon.

Schönen Gruß, Gego
 

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