Pflegekräfte: Helden der Selbstverzwergung

matras

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Na ja, schön kann man das nicht finden.
Aber wir kennen ja die leidvolle Debatte auch hier im Forum! Die Eine findet die Kammer tut nix (obwohl noch nicht gegründet). Die Nächste, dass sie nicht mehr in der Pflege arbeitet usw. bei soviel Solidarität und Gemeinsinn ist es kein Wunder, dass es nicht vorwärts geht! Es lebe der Egoismus...
 

renje

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Ungeschönt, ehrlich und sowas von auf den Punkt gebracht.

Dieser Artikel sollte an jeder Pinnwand hängen.

Hier drei Schmankerl aus dem Artikel zum Nachdenken und als Motivation den Artikel zu Lesen:

Die Bedingungen in ihrer Branche sind mies, doch dagegen könnten die Pflegekräfte selbst viel mehr tun.
Man weiß gar nicht, wie man das nennen soll: Selbstzerfleischung? Oder besser: Selbstverzwergung?
Wer nicht organisiert ist, ist politisch weder bedeutend noch sichtbar.
 

Martin H.

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Das Versagen ist ein kollektives, an dem auch Pflegekräfte selbst ihren Anteil haben: So gut sie sich um Belange anderer Menschen kümmern – an der Pflege ihrer eigenen Interessen scheitern sie. Dieser Tage ist das gut in Schleswig-Holstein zu beobachten.

(...) Dort bekämpfen sich Pflegekräfte gerade mal wieder gegenseitig. Konkret: Sie kämpfen gegen ihre eigene Pflegeberufekammer. Das irritiert, machen sich Kammern (man denke nur an die zuweilen nervtötend lauten Ärztekammern) doch in Politik und Öffentlichkeit für die Interessen ihrer Mitglieder stark. Unter anderem setzen sie über Berufsordnungen und Fortbildungsverpflichtungen Standards und werden früh in alle Gesetzgebungsprozesse eingebunden, die die Branche betreffen. Für die gebeutelten Pflegekräfte ist so eine Vertretung überfällig. Aber in Schleswig-Holstein muss dafür jede Pflegefachkraft durchschnittlich neun Euro im Monat zahlen – verpflichtend. Das lehnen viele ab. So vehement, dass die Mitglieder jetzt über eine Auflösung der Kammer abstimmen.“


:wut:
Wahre Worte, leider!

Ihre Berufsverbände sind so zersplittert, dass sie an die Parteienlandschaft im italienischen Parlament erinnern, leider auch in ihrer Wirksamkeit.“

Das stimmt allerdings nicht.
Es gibt einige Berufsverbände, sie sind aber fast alle im Dachverband DPR zusammen geschlossen und ziehen inhaltlich an einem Strang - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (DBVA).
Das Problem ist eher, daß zu wenige Pflegekräfte bereit sind, in einen der Berufsverbände einzutreten; der DBfK ist der größte und meine Empfehlung.
 
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Pevaueff

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Der Artikel trifft´s schon ganz gut. Wobei ich persönlich mich schon fast wieder von einem potenziellen Erfolg von Pflegekammern verabschiedet habe. Die gezielte Propaganda gegen die Kammern u.a. von Arbeitgeberverbänden aber auch z.B. von Verdi hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die negativen Schlagworte (Zwang, Bürokratie etc...) finden sich überall wieder. Sieht man auch in den Kommentaren unter dem Artikel.

Was bleibt ist: „Wer nicht organisiert ist, ist politisch weder bedeutend noch sichtbar.“ Die Ärzte machen das seit Jahrzehnten richtig gut und erfolgreich. Und wir so?

Jetzt, in Zeiten von Pandemie, haben wir ein bisschen positive Aufmerksamkeit, eigentlich eine einmalige Gelegenheit, die so schnell nicht wieder kommen wird. Statt irgendwie Kapital daraus zu schlagen, statt sich mal selbstbewusst hinzustellen und zu sagen, Leute, hier sind wir, wir haben was drauf, wir sind wichtig für euch, wir sind auch sehr viele (!) … zerfleischen wir uns mal wieder selbst z.B. in den Impfdebatten, die in der breiten Öffentlichkeit eher erbärmlich ankommen. Gäbe es eine Motzweltmeisterschaft, wären wir wohl im Kreis der Favoriten. Ob Kammer, Berufsverband, Gewerkschaft oder sonstwas, der Organisationsgrad ist so gering wie unsere Fähigkeit uns geschlossen positiv ins Gespräch zu bringen. Pandemie ist auch irgendwann mal vorbei und dann war´s das wieder, alles bleibt wie gehabt?

Ich versuche in meinem begrenzt kleinen beruflichen Wirkungskreis immer wieder für die große Sache zu werben, sich zu organisieren, laut zu werden. Die Resonanz ist und bleibt aber nach wie vor gering, keine Lust, keine Zeit, bringt eh nichts, aber rummotzen wie die Weltmeister. Die CuteMary-Mecker-Comfort-Zone ist scheinbar bequemer. Etwas zum positiven verändern wird sie aber nicht. Im Gegenteil – kaum jemand nimmt uns ernst, ohne laute einheitliche Stimme, ohne Interessenvertretung.

Was hätten geschätzte rund 1,2 Millionen (!) Pflegekräfte für eine Macht, wenn wir uns selbst mal grün wären...
 

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