Mitwirkungspflicht des Patienten

InetNinja

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Muss ein Pat. sich entsprechend verhalten das die Maßnahme für den helfenden erleichtert wird wenn er Hilfe erwartet?

Hatte vorhin wieder so ne unschöne Situation. Eigentlich hätte ich unverrichteter Dinge gehen müssen. Aber auch das bekomm ich nicht hin.
 

Pevaueff

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Ich finde deine Frage zu unkonkret. Was genau ist vorgefallen?
 

InetNinja

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Ich bin nebenberuflich im Hausnotruf.

Ich hatte vorhin eine Dame die von der Couch gerutscht ist. In einer fürchterlich zugestellten Bude. Ging schon Richtung Messi, aber ohne Müll. Vieles waren Briefe etc. Die Dame lebt auf der Couch und entsprechend ist um die Couch alles eingerichtet. Eine Große Stehlampe, komplett zugestellter Tisch keine 50cm von der Couch entfernt und dann Schränkchen weiß Gott was in der nähe. Die Frau ist unter den Tisch gerutscht und war komplett in den Tischbeinen Verknotet. Also kein ran kommen an die Frau. Typischen Gänge zur Küche, Klo etc. wo man so gerade noch durch kommt.

Die Tochter, selber Betagt und Kundin bei uns, pfleget die Frau und war überhaupt nicht Herr der Lage. Sie wird von ihrer Tyrannischen Mutter hin und Her geschickt. Die Frau hat einen riesen Aufstand gemacht weil ich den Tisch, wie Stehlampe weg geräumt habe um überhaupt an sie dran zu kommen. Die Frau auch kein Leichtgewicht etc. Ich hab ihr mehrfach versucht zu erklären das es notwendig ist die Möbel bei Seite zu räumen um ihr aufzuhelfen. Am Ende hab ich es gegen ihre Wehr getan. Das war für sie Kontrollverlust (Verständlich) und der Rest des Einsatzes war grausam. Sie wollte permanent Hilfe, wollte aber nicht einsehen das sie dafür auch etwas geben muß. Eben für den Mom. zu ertragen das die Möbel verrückt werden.

Dann endlich auf der Couch, hab ich sie nicht genau so hingelegt wie sie es erwartet hatte. Ich war froh das unter der Last mein Rücken gehalten hat und musste unter der FFP Maske auch erstmal Luft holen und neue Kräfte sammeln um sie anschließend in die gewünschte Position zu bringen. Und dann gings los. Das war schlichtweg nicht möglich. 1000 Kissen auf der Couch etc. und ein rutschiger Stoff haben es unmöglich gemacht sie stabil auf die Couch zu legen. Erst später habe ich erkannt das die große Stehlampe ihre Stütze ist an der sie sich aktiv festhält. Pat. COPD, Periphere Ödeme, Ulcus C. etc. Wollte natürlich mit den 1000 Kissen den Oberkörper aufrichten und die Beine Hochlegen.

Es war mir schlichtweg nicht möglich ihren Willen auszuführen. Weil ich sie gestützt habe damit sie nicht von der Couch fällt, hat sie noch nach mir geschlagen und da war für mich Schluss mit lustig. Da wurd ich mal kurz laut. Etwas was die Frau wohl grundsätzlich nicht kennt. Das ihr wer widerspricht und dann noch vernünftiges Benehmen von ihr erwartet. Und vor allem es sich nicht gefallen lässt geschlagen zu werden.

Ich hab mich echt einen abgemüht und fragte warum sie denn kein Bett hat? Und da erfahre ich das die gute sehr wohl ein vollausgestattetes Pflegebett hat, welches sie aber patu nicht nutzen will. Und da habe ich ihr erklärt was ich davon halte so unvernünftig zu sein und anderen das leben so schwer zu machen. Vor allem wenn man so sehr nach Hilfe schreit.

Weil sie nicht will muss sich ihre Tochter abmühen und wir als Hausnotruf auch. Meine Kollegen sind doch echt hingegangen und haben die unter den Tisch hergezerrt ohne die Position der Möbel zu verändern. Weil sie das nicht wollte. Was das für den Rücken bedeuten mag... Ich hab es beim Platz schon deutlich im Rücken gespürt. Und das wäre alles zu vermeiden wenn die Damen min. akzeptiert das man Möbel verrückt oder im besten Fall das Pflegebett nutzt.

Meine Situation ist eine typische Dilemmasituation. Wäre man konsequent hätte ich sagen müssen. "Letztes Wort hier wird kein Möbelstück bewegt, ok... dann kann ich ihnen nicht Helfen und sie müssen weiter auf dem Boden bleiben" So lange sie mündig ist, ist es ihre Entscheidung. Genauso das Pflegebett zu nutzen oder nicht. In derartige Situationen bin ich sehr häufig im Hausnotruf. Viele der Kunden wollen nicht ins Heim, oder einen Pflegedienst in der Wohnung haben. Erwarten aber dennoch auch sehr häufig pflegerische Hilfe die wir als Hausnotruf nicht anbieten, aber die Gutmütigkeit der Kollegen ausgenutzt wird. Wir werden sehr häufig für Toilettengänge gerufen und weil sie wissen das dass keine Leistung ist, antworten sie auf unsere Kontaktversuche nicht und wir müssen einen Fahrer schicken. Das ist definitiv keine unsere Leistungen. Aber auch ich tue mich schwer wenn ich dann einmal da bin den Toilettengang zu verweigern. Auf diese Weise wird der Gang ins Heim oder der Pflegedienst vermieden ( Was ich verstehen kann). Auf die Frage warum man das nicht angeht wird klar geäußert das man das nicht wolle.

Zurück zum Thema. Ich hab mich sehr über das Verhalten geärgert. Obwohl ich glaube das dies Pathologisch ist. Dennoch mich hat es geärgert das sie Hilfe verlangt, aber kein Stück bereit ist mitzuhelfen. Und das sie das Bett nicht nutzen will. Was den Pflegenden die Arbeit auch deutlich leichter machen würde. Und darüber fragte ich mich in wieweit ein Patient zur mithilfe verpflichtet ist. Natürlich können sie selber entscheiden wie sie leben wollen, dann wird ihnen ggf. aber Hilfe versagt.

Ich kenne es nur aus der ärztlichen Behandlung das der Pat. zur Mithilfe verpflichtet ist. Bedeutet seine Therapie nicht zu sabotieren und Fragen ehrlich zu beantworten. Tut er das nicht ist der Arzt aus kausalen Behandlungsfehlern frei.

In Meinem Fall hätte ich ja nur die Hilfe verweigern dürfen. Zum Glück hatte ich einen Kollegen als Zeugen und eine Einsichtige Tochter anwesend. Egal wie ich es gemacht hätte. Gegen ihren Willen die Wohnung verändern oder eben ihren Willen akzeptieren und dafür die Hilfe aus Eigenschutz verweigern. Leider kommt es auch häufig vor das sich nicht anwesende Angehörige beschweren und meinen die Situation besser beurteilen zu können. Glücklicher Weise schützt uns unser Chef vor sowas. Sehr häufige Unterstellung ist der Diebstahl. Also nichts neues. Haar genau das gleiche wie in der mobilen Pflege.

Also die Frage selber ist nicht so abstrakt wie dieser Einsatz. Mir kam nur dabei diese Frage in den Sinn.

Hier war ein Dilemma was durchaus zu lösen war, aber eben auch getragen werden muss. Das versagen sehr viel Kollegen inkl. mir. Ich fühle mich nach solchen Einsätzen immer mies. Da hat keiner was gewonnen.
 
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malu68

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Dieses „Dilemma“ findet man inzwischen ja leider in vielen Situationen im Gesundheitswesen.
Ich bin der Meinung, dass Konsequenz das einzige Mittel ist, nicht noch tiefer in diese „Sklaverei“ reinzurutschen...
RTWs werden bei Nichtigkeiten von der Lasse bezahlt, weil die Ärzte diesen doofen Trapo unterschreiben... damit die Kommunen nihh VZ t die Rennerei dem Geld hinterher haben...
ich bin auch da der Meinung, sobald sich rumspricht, wieviel ein RTW kostet und die Pat den selber zahlen müssen, verringert sich die Nachfrage nach dieser Art von Taxi von alleine...
Und zu deinem Fall: ich glaub ich wär gegangen mit entsprechender Dokumentation....
Es wird Zeit, dass wir alle (auch Ärzte) aufhören uns zum Deppen zu machen auf unsere Kosten und der Pat lacht sich kaputt...
ich mach meinen Job echt gerne, aber diese Rumkommandiererei sprengt inzwischen alle Grenzen...
ich hatte auch so einen Fall gestern... würde jetzt hier aber den Rahmen sprengen...
Wenn Pat nicht geholfen haben wollen, dann eben nicht... wir sind med Fachpersonal und keine Samariter oder Apostel...
 
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Jillian

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Da schließe ich mich Malu an. Wenn ein Patient partout keine Hilfe annehmen kann, meine Pflege sabotiert oder mich sonstwie wiederholt ablehnt, dann wird das dokumentiert, fertig, tschüss. Solange jemand noch für sich selber entscheiden darf, nötige ich mich nicht auf, erst recht nicht auf Kosten meiner Gesundheit.

In deinem Falle hätte ich evtl höflich angeboten die 112 zu wählen, da die "Bergung" nicht in einem gemeinsamen Konsens zu zweit stattfinden kann.
 

Martin H.

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Meine Situation ist eine typische Dilemmasituation. Wäre man konsequent hätte ich sagen müssen. "Letztes Wort hier wird kein Möbelstück bewegt, ok... dann kann ich ihnen nicht Helfen und sie müssen weiter auf dem Boden bleiben"
Genau so.
Zurück zum Thema. Ich hab mich sehr über das Verhalten geärgert. Obwohl ich glaube das dies Pathologisch ist. Dennoch mich hat es geärgert das sie Hilfe verlangt, aber kein Stück bereit ist mitzuhelfen. Und das sie das Bett nicht nutzen will. Was den Pflegenden die Arbeit auch deutlich leichter machen würde. Und darüber fragte ich mich in wieweit ein Patient zur mithilfe verpflichtet ist. Natürlich können sie selber entscheiden wie sie leben wollen, dann wird ihnen ggf. aber Hilfe versagt.

Ich kenne es nur aus der ärztlichen Behandlung das der Pat. zur Mithilfe verpflichtet ist. Bedeutet seine Therapie nicht zu sabotieren und Fragen ehrlich zu beantworten. Tut er das nicht ist der Arzt aus kausalen Behandlungsfehlern frei.
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten müssen Pat. immer mithelfen, da gibt´s überhaupt keine Diskussion.
Z. B. wenn sie selber noch ein Stück weit mithelfen können, dann müssen sie das auch, selbst wenn "sich komplett passiv rumheben lassen" doch so viel bequemer ist - nix gibt´s! :angryfire:
Du musst auch an Deine eigene Gesundheit (Rücken) denken, Eigenschutz ist absolut grundlegend:!:
 

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