Mitarbeiterjahresgespräch: Gibt's was zu besprechen?

Röntgenbär

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Hallo,

wir - also mein Team und ich - haben nun wieder das Problem der jährlichen Mitarbeiterjahresgespräche. Die letzten Jahre konnten wir die Gespräche nicht durchführen - nun wird uns mehr oder weniger die Pistole auf die Brust gesetzt.

Es sollen ja ausdrücklich keine Kritikgepräche, Dienstbesprechungen o.ä. sein.
Der eigentliche Sinn eines Mitarbeiterjahresgesprächs ist mir ja auch klar. Nur hier entsteht das Problem:

Wir sind eine ziemlich kleine Gruppe. Vakante Stellen können aus diversen Gründen nicht nachbesetzt werden. Der Aufgabenbereich ist seit Jahren gleich geblieben, auch die Schnittstellen zu anderen Bereichen. Weil wir so wenige sind können wir keine mehrtägigen Weiterbildungskurse und Fortbildungsveranstaltungen besuchen - der Ausfall trifft dann die Patienten.

Auch andere Ziele lassen sich eigentlich nicht definieren, da wir ja mit (meistens) mit Menschen arbeiten, und deren Liegedauer, Untersuchungen und Krankheitsverlauf wir ja nicht beschleunigen können.

Was bespricht man in solch einer Situation denn in einem Mitarbeiterjahresgespräch?
Wie macht ihr das?

Danke für eure Antworten.

PS: keine Ahnung ob das Unterforum richtig ist, aber das Mitarbeiterjahresgespräch gehört ja mehr oder weniger zum Qualitätsmanagement.
 

Elfriede

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Wir machen uns das bequem.

Für das Gespräch wird eine Stunde pro Mitarbeiter fest eingeplant.
Da wird gemeinsam das Protokoll, das wir uns bei www.pqsg.de heruntergeladen haben, ausgefüllt (Formsache).

Das dauert eine viertel Stunde. Dann werden Thermoskanne und Keksdose geöffnet, und wir plauschen - so schön unter vier Augen - über Enkelkinder, Merkel und Petunien.

An sich die beste Form der "Mitarbeiterzufriedenheitserhebung". Wenn man mit ein wenig Empathie und dem s.g. "4-Ohren-Hören" darangeht, kann man für das Team hier viel gewinnen.

Findet Frieda.
 

Tante Doll

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@ Elfriede,
geht es in so einem Gespräch primär um "Mitarbeiterzufriedenheitserhebungen"?
Das kann man nämlich einfacher und zeitsparender durchführen...
 

Tante Doll

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Hier in Norwegen habe ich, Gott sei dank, die Erfahrung gemacht, dass in solchen Gesprächen alles diskutiert werden kann, was mit mir in Zusammenhang mit meinem Arbeitsplatz steht. Auch Kritik, beiderseitig, kann diskutiert werden...

Warum eigentlich auch nicht? Gerade der gute Zeitrahmen solcher Gespräche ist doch wunderbar geeignet um sich (auch) mit den unangenehmen Seiten auseinander zu setzen...
 

renje

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Liebe Elfriede,

wenn das Führung ist, dann ist das mehr als unprofessionell und zeugt nur davon, dass die Führungskraft ein Fachgespräch mit dem Mitarbeiter nicht ernst nimmt und damit auch die nötige Wertschätzung vermissen lässt und wir uns veräppelt vorkämen, oder der Vorgesetzte die Bedeutung eines Mitarbeitergesprächs nicht verstanden hat.

Beides nicht akzeptabel und bei uns ging das für eine Führungskraft gewaltig nach hinten los. Wurde abgelöst. Bei uns hätte keine kumpelhafte Vorgesetzte mit der ich Kekse esse und über Enkelkinder plaudere unseren Respekt.

Auch privates Plauschen, Austausch über Familiäres hat in so einem Gespräch überhaupt nichts zu suchen. Ich würde mich prinzipiell dagegen verwehren, nach privatem gefragt zu werden in einem Mitarbeitergespräch.

Die letzten Jahre konnten wir die Gespräche nicht durchführen
Entschuldige, aber das halte ich für eine Ausrede. In 12 Monaten keine 30-60 Minuten Zeit um mit dem Mitarbeiter zu sprechen, bei einer ziemlich kleinen Gruppe?

Das nehm ich dir nicht ab, das ist eine ziemlich durchsichtige Ausrede oder zeugt von mangelndem Zeitmanagement.

Sei mir nicht bös, wenn ich das so deutlich hier schreibe, aber so kommts bei mir an - vielleicht bei deinen Vorgesetzten auch?
 
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-Claudia-

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Gibt es keine hausinternen Vorgaben, welche Punkte im Mitarbeiterjahresgespräch thematisiert werden müssen?
 

verenalgo6

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@renje: zum Großteil geb ich deinen Aussagen ja recht, Kekse und privates Geplänkel gehören wirklich nicht in ein Mitarbeiterjahresgespräch und verfehlen definitiv denn Sinn.

Jedoch wundere ich mich über den Satz, dass ein Vorgesetzter bei euch keinen Respekt erwarten könnte wenn man mal gemeinsam nen Kaffee trinkt und vielleicht auch noch private Sätze dazu verliert. Solch einen Ansicht würde ich in meinem Team durchaus zunächst mal hinterfragen...

@Röntgenbär: dein Problem ist durchaus nachvollziehbar. Schwierig mit dem Mitarbeiter weitere Schritte und Ziele zu vereinbaren wenn man eigentlich nichts dahingehend anbieten kann... Hast du dies mal mit eurem QM- Beauftragten besprochen? Ist ja schön, dass solche Gespräche erwartet und gewünscht werden allerdings sollte dahinter ja auch Ziel/ Sinn stehen und vor allem für alle "verstehbar" sein...

*Ironie on* wenn es lediglich darum geht, dass man wieder irgendwo abhaken kann das diese im Betrieb durchgeführt werden sind Kaffee und Kekse vielleicht nicht die schlechteste Entscheidung. ;) *Ironie off*

Lg
 

renje

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keinen Respekt erwarten könnte wenn man mal gemeinsam nen Kaffee trinkt und vielleicht auch noch private Sätze dazu verliert.
da hast du mich gründlich Missverstanden, oder ich hab mich nicht deutlich ausgedrückt - ich beziehe mich mit meinen Aussagen ausschließlich auf das< Mitarbeiterjahresgespräch.

Bei einem kleinen Pausenplausch zwischendurch, nichts dagegen einzuwenden, wers mag.
Ich bin da mittlerweile aufgrund diverser Erfahrungen seeeehr vorsichtig mit Vorgesetzten über privates zu Plaudern und überlege mir sehr was ich da Preis gebe und was nicht. Ich gehöre auch nicht mehr altersmässig zur Generation Facebook, meine Sozialisation lief noch ein wenig anders.

Ich habe noch grundsätzlich gelernt Job ist Job und Privat ist Privat. Mache manches mal Ausnahmen, aber sehr bewusst und bin damit auch schon auf die Nase gefallen - man lernt nicht aus.
 

verenalgo6

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OT: Ich gehöre glaub altersmäßig zur Generation Facebook hatte aber tatsächlich trotzdem noch nie nen Account dort. ;)

Ok, dann hatte ich dich wirklich missverstanden, ich dachte du beziehst dies auf jegliche Situation.

Ich bin grundlegend auch nicht der Typ der sein gesamtes Privatleben auf der Arbeit teilt, aber gewisse private Themen sind ja irgendwie unumgänglich finde ich...

Lg
 

Elisabeth Dinse

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Was mich sehr erschreckt, dass man sich so unterwürfig gibt. Man besucht keine Fort- und Weiterbildung weil der Patient leiden würde? Patienten leiden meist mehr darunter, dass Pflegekraft glaubt, dass sie unersetzbar ist.

Ein Ergebnis eines solchen Gespräches kann ja auch sein, dass man der PDL den Ball zurück gibt: wir haben ff. vor und erwarten eine entsprechende Unterstützung. Man darf auch erwarten, dass ein Team es schafft, sich kollegial weiter zu bilden. Wenn es sowas längst gibt- umso besser. Da gibt es dann auch was positives zu beleuchten.

Und keine Kritik... ich denke eher, hier ist gemeint, dass man nicht nur Kritik üben soll. Aber das versteht sich ja von selbst.

Elisabeth
 

Elfriede

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Hm...

Ist wohl in - aktueller Sprachform - "POV".

Wir sind ein ambulanter Pflegedienst und ein Kleinbetrieb.
Wir arbeiten seit vielen Jahren miteinander und der eine dem anderen zu.
Den familiären Umgang schätzen und pflegen wir.
Dabei bleibt die (betriebliche/fachliche) Weisungskompetenz strikt gewahrt.
Wenn es Kritikpunkte gibt, versuchen wir das Problem auf dem kürzesten Weg zu lösen.
Wenn sich so etwas bis zum "Jahresgespräch" aufstauen kann, vermute ich ein Kommunikationsdefizit.
--- Wie gesagt : "Mein Erleben". ---

In anderen/größeren Betrieben vermutlich nicht praktikabel.
 

Elisabeth Dinse

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Es scheint- wie so oft in der Pflege- der Sinn bestimmter Maßnahmen nicht ganz klar zu sein. Zur Beruhigung: auch in der freien Wirtschaft laufen genug Manager rum, die infolge mangelnder Führungskompetenz das abarbeiten, was im Lehrbuch Seite XYZ drin steht. Mit irgendwas muss man seine Daseinsberechtigung ja belegen können. Gibt übrigens weit schlimmere Ideen in diesen Büchern als ein Jahresgespräch.

Elisabeth
 

Philipp Tessin

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Hallo Röntgenbär,

ich schließe mal aus deinem Usernamen und deiner Beschreibung, dass du in einem Krankenhaus in einer Röntgenabteilung arbeitest, und eben nicht in der Pflege.
Das MA-Gespräch sollte in meinen Augen kein "Kaffeekränzchen" sein. Und ich bin mir sicher, dass auch in der Radiologie Themen mit den Mitarbeitern besprochen werden können. Die Frage ist nur: wie zieht man das auf?
Was ich für die direkte Praxis nicht immer günstig finde, ist aus den MA-Gesprächen "Zielvereinbarungen" zu machen. Das ist häufig überambitioniert.
Aber meistens gibt es immer noch Themen, die man für das kommende Jahr besprechen kann.
Ich würde das Gespräch grob in zwei Themenkomplexe unterteilen:
1. Ziele der Abteilung.
2. Ziele für den Mitarbeiter.
zu 1. Auch wenn sich die Schnittstellen nicht ändern, gibt es immer wieder dieselben Themen: Wartezeiten, verzögerte Patiententransporte usw. Daraus können sich Ziele für die Abteilung ergeben. Weiterhin gibt es vielleicht Veränderungen im Krankenhaus, die euch betreffen? Ich kenne eigentlich kein KH, in dem es keine Veränderungen gibt. Hieraus lassen sich ebenfalls meist Ziele herausziehen.
zu 2. Was gibt es für Ziele für den MA? Was kann er gut? Wo brauch er noch Unterstützung? Gibt es neue Anforderungen, die erfüllt werden müssen? Auch wenn keine mehrtägigen Fortbildungen organisiert werden können, gibt es fast immer Themen, die "abgearbeitet" werden müssen. dafür ist das Gesundheitssystem zu schnellebig.
Ich würde mir aus 1. zunächst allgemeine Themen ziehen und diese dann in konkrete Themen für den einzelnen MA umarbeiten, das ganze dann kombiniert mit individuellen Themen des MA.
Und zur Vorbereitung würde ich dem einzelnen MA eine Fragenliste geben:
1. Was möchtest du im kommenden Jahr erreichen?
2. Wo möchtest du in 5 Jahren stehen?
3. Wenn du 3 Wünsche (auf die Arbeit bezogen) frei hättest: Was wären diese?
4. Dein Feedback an mich.

So, und nun viel Erfolg beim Führen der MA-Gespräche :-)
Philipp Tessin
 

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