Hilfe, mein Traumjob gefällt mir nicht bzw. Jammern auf hohem Niveau

Goldhase18

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Hallo,

das hier ein Zweitaccount, damit erhoffe ich "anonym" von euch Feedback zu bekommen, und ich würde gerne eure Meinungen hören.

Habe Ende März meine Stelle als KS in KH aufgegeben: Gründe für meinen Wechsel waren: Wollte keine Nachtdienste mehr, mein AG war nicht so attraktiv, fühlte mich oft unterfordert.

Arbeite seit dem 1.4.18 eigentlich in meinem Traumjob (Hauptsächlich Organisation/ Koordination/ minimaler Patientenkontakt), aber mir fehlt der Schichtdienst bzw, mir fehlt es unter der Woche frei zu haben, mir fehlt es dass ich vor oder nach der Arbeit nichts mehr erledigen kann, diese tägliche Routine bringt mich, fühle mich schon nach drei Monaten unterfordert. Positiv ist, dass die Kollegen total nett sind und das Gehalt ist überdurchschnittlich.

Jetzt ist sozusagen Halbzeit während der Probezeit, soll ich mit meiner Leitung sprechen und ihr sagen, dass ich mehr Verantwortung will, oder still halten und sobald ich die Probezeit vorbei ist, mich versetzten lassen - auf eine normale Station wieder mit Schichtdienst ? Den AG würde ich ungern aufgeben, da großes städtisches Klinikum für den ich schon länger arbeiten wollte.

Danke im Voraus für eure Zeit und Hilfe. Hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt.
 
G

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Gast
reduzier doch einfach mal auf 85 oder 80 % dann hast du mehr frei.. ist ne frage der zeit dann wird dich die schichterei wieder nerven. bist doch nicht umsonst weg vom bett/patient.
 

Kalimera

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Ich vermute mal Du hast jetzt einen nine-to-five-Job mit freien Wochenenden.
Ich kann Dein Jammern teilweise verstehen aber wie Du selbst schon schreibst ist es ein Jammern auf hohem Niveau. Ich denke die Mehrheit der Kollegen im Schichtdienst wird Dich beneiden u.U. sogar neidisch sein.
Mir ging es vor einiger Zeit ähnlich. Nach etlichen Jahren im 3 Schichtsystem habe ich auch als erstes die freien Tage unter der Woche und die scheinbar höhere Freizeit am Tage vermisst.
Es dauerte bedeutend länger als ein halbes Jahr mich daran zu gewöhnen und so umzuorganisieren, dass es wieder passte. Ich habe mich dann mehr auf die Vorteile konzentriert, wie garantiertes Frei von 2 Tagen nach maximal 5 Arbeitstagen. Keine Anrufe an freien Tagen wo ich entscheiden muss ob ich einspringe oder nicht. Feste jeglicher Art, die meist am We sind, konnte ich wahrnehmen und vor allen Dingen zusagen ohne erst nach dem DP zu schauen oder zu überlegen wer mit mir tauscht. Plötzlich hatte ich Lust abends noch etwas zu unternehmen, was bei Frühdiensten selten der Fall war, eindeutig eine Erhöhung meiner Lebensqualität.
Ich habe noch Patientenkontakt, allerdings mit dem Luxus Zeit zu haben, weil ich nicht im Stationsablauf eingebunden bin.
Ab und an helfe ich noch auf den Stationen in ganzen Diensten aus, was mir auch gefällt, aber die Vorteile, die Regelmäßigkeit im jetzigen Job überwiegen eindeutig, tauschen würde ich nur noch unter Zwang.
Soviel zu meinen Erfahrungen nach einem Wechsel.

Was Dein Gefühl der Unterforderung betrifft musst Du sicher andere Überlegungen anstellen. Egal wo Du arbeitest, es wird immer ein Zeitpunkt eintreten wo vieles Routine ist, Du Deine Tätigkeiten beherrschst und Dich wenig überrascht. Jetzt kannst Du natürlich immer wieder den Bereich wechseln, einige machen das und es war noch nie so einfach wie heute. Dennoch wird dieser Punkt mMn immer wieder eintreten.
Nach 3 Monaten finde ich es sehr früh und ich würde zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall meine Leitung ansprechen, das könnte falsch verstanden werden bis hin zu, dass Du als arrogant und selbstüberschätzend wahrgenommen wirst. Nach 3 Monaten ist bei den meisten Tätigkeiten kaum die Einarbeitungsphase vorbei.
Einen guten Weg zu zeigen, dass man mehr Verantwortung übernehmen kann und möchte ist der sich anzubieten Dinge zu übernehmen, Vorschläge zu machen wie man etwas anders gestalten kann...ect.
Ich bin eher der Typ, der zeigt was er kann und meist wurde das erkannt und honoriert, selten musste ich in die Offensive dabei gehen.
Ob Du nach der Probezeit eine Versetzung zurück auf Station beantragst hängt davon ab, wo Deine Prioritäten bei der Arbeit, aber eben auch in der Freizeit liegen. Mal ein bisschen die Perspektive auf die einzelnen Aspekte wechseln, was möchtest Du auf keinen Fall, was muss unbedingt dabei sein, worauf kannst Du am eheseten verzichten, was musst Du vielleicht nur ein bisschen verändern und es stimmt wieder für Dich...usw.

Godd luck und bloß keinen Schnellschuss, etwas ändern kann man zu jeder Zeit.
 

malu68

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Hallo Goldhase,
ich kann Kalimera hier nur zustimmen....

Auch ich bin zweimal aus dem Schichtdienst zu planbaren Arbeitszeiten gewechselt (jeweils in eine Arztpraxis)
Das erstmal 1990, bin dann 99 wieder in den Schichtdienst bis 2016 und dann Anfang 2016 wieder vom Schichtdienst weg zu regelmäßigen Arbeitszeiten.
Beide Male fielen mir schwer. Ich vermisste den Schichtdienst mit den freien Tagen und den halben Tagen"frei".
1990 habe ich wie du auch überlegt, wieder in den Schichtdienst zu gehen und es dauerte über 6 Monate, bis ich meine festen Arbeitszeiten zu schätzen wusste.
Auch 2016 ging es mir anfänglich wieder so.... nur war ich dieses Mal darauf "vorbereitet", ich erinnerte mich an 1990, und wusste, ich muss es aussitzen... :wink:
jetzt nach 2,5 Jahren weiss ich meine geregelten AZ seehehr zu schätzen, bin auch am Ende der Woche deutlich ausgeruhter und unternehmungslustiger.
Auch die regelmäßige Anrufe um einzuspringen vermisse ich üüüüüüüberhaupt nicht....:flowerpower:

Wie du fühlte ich mich nach kurzer Zeit in der jetzigen Arztpraxis unterfordert (ich kam auch der Notaufnahme dorthin....). Ich hatte das Gefühl, mit 180 gegen die Wand gefahren zu sein, fühlte mich ausgebremst und gelangweilt.
Ich habe mir nach und nach das Vertrauen meines Chefs erarbeitet, bekam seitdem dieses und das als Zusatzaufgabe, als Langzeitaufgabe bestimmte Arbeiten und bin jetzt wirklich ausgelastet ohne überfordert zu sein. (Natürlich hat sich mein Arbeitstempo auch gedrosselt.... nicht unbedingt ein Nachteil, ich bin deutlich ruhiger bei der Arbeit ohne langsam zu sein...). Zudem mach ich noch eine Weiterbildung, die mich auch fordert und mir eine Zukunftsperspektive bietet.
Insgesamt fühle ich mich eigentlich ganz wohl und bin mir 100% sicher, dass ein Stationsbetrieb mich nicht wieder sieht.

Komm erstmal zu Ruhe, dann wirst du auch Perspektiven in deinem jetzigen Beschäftigungsfeld sehen...

Viel Spaß und Erfolg
Malu
 

Goldhase18

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Vielen Dank für eure Antworten. Es beruhigt mich zu wissen, dass man doch solange braucht zum Umgewöhnen. Ich dachte nach drei Monaten müssete ich an den neuen Rhythmus gewohnt haben. Ich muss wohl mir mehr Zeit geben.
 

DirkK

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Der Wechsel vom Schichtsystem in "geregelte Dienstzeiten" fiel mir gar nicht so schwer.
Ich hatte zuletzt wirklich Probleme, nach dem Nachtdienst zu schlafen, und bin dann in der dritten Nacht als Zombie auf der Abteilung erschienen.
Mo-Fr hat meine Lebensqualität wirklich positiv verändert.
Ich habe zwar immer noch Wochenweise Dienst am Bett, jedoch habe ich mich mit meinem AG darauf geeinigt, dass ich nicht am Wochenende und nur im Frühdienst arbeite.

Bezüglich des Unterfordert sein, da würde ich mir Zeit geben. Ein neuer Job verlangt Zeit um sich einzuleben, Abläufe kennenzulernen und auch die Feinheiten zu erfassen.

Auch in Deinem neuen Job warden sich im Laufe der Zeit weitere Perspektiven ergeben, und Du wirst für Dich selber herausfinden müssen, ob die Wahl gut war oder nicht.

Und wenn es nicht der Traumjob ist, dann kannst Du immer noch versuchen, ein Arbeitszeitmodell zu finden, welches vollkommen Deinen Vorstellungen entspricht.
 

vronilein

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Ziehe besser jetzt die Reißleine und schau dich nach etwas andrem um, bevor du es in 10 Jahren dann bereust.
 

malu68

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Ziehe besser jetzt die Reißleine und schau dich nach etwas andrem um, bevor du es in 10 Jahren dann bereust.

Warum sollte sie in 10 Jahren etwas bereuen? Im Gesundheitssystem hat man jederzeit die Möglichkeit was anderes zu machen. Aber ständig was anderes zu machen und alle 3 Monate zu kündigen, zeugt nicht gerade von Ausdauer und Beharrlichkeit. Und beides braucht man doch oft genug im Job....
Man muss Veränderungen auch die Chance geben zur Routine zu werden. Nur in der Routine kann ich beurteilen, ob ich es auf Dauer aushalte und die Arbeit weiter machen möchte.
Am Anfang nach einem so radikalen Wechsel ist erstmal vieles neu und ungewohnt, so dass die Urteilsfähigkeit eingeschränkt ist, weil man sich noch nicht heimisch fühlt....
 

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