Gesundheitspfleger mit 32 werden - Meinungen

velo85

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Hallo liebes Forum,

freut mich den Weg hierher gefunden zu haben.

Ich habe Mathematik studiert und während des Studiums habe ich meine krebskranken Eltern gepflegt. Ein Elternteil davon abschließend. Mit Abstand zu diesen Ereignissen und mit Absolvierung des Studiums kam die Einsicht, dass ich mich zum Pfleger berufen fühle.

Ich kann mir zum ersten Mal in meinem Leben vorstellen, dass es nicht eine Qual ist morgens aus dem Haus zu gehen - ich stelle mir als Pfleger vor, dass ich für diesen Beruf gerne aufstehe. Auch wenn Schichtdienst und die Belastung nicht ohne sind. Auf der anderen Seite tausche ich ziemlich viel Geld ein. Als Mathematiker in der Wirtschaft würde ich mindestens das doppelte verdienen.

Was sind eure Meinungen dazu? Ich bin mir im klaren, dass es meine Entscheidung sein wird, aber ggf. könnt ihr mir mit euren wertvollen Erfahrungen wichtige Impulse geben.

- wie wird man z. B. als Mann in diesem Beruf/Ausbildung wahrgenommen, bzw. wie sehen die Frauen die Männer?
- kann man von dem Gehalt später leben? Meinen Kinder damit ein Studium zu finanzieren (oder was auch immer, ich will das was meine Eltern mir geben konnten auch zurückgeben) und in einer Eigentumswohnung/Haus alt werden, erscheint mir schwierig. Ich befürchte fast, dass der Pflegerberuf zwangsweise dazu führt, dass ich als Rentner nebenher jobben muss.
- ich bin sportlich, mache Yoga & Krafttraining. Kann man seinen Rücken so auch nach 30 Jahren im Beruf noch schmerzfrei halten?
-kann man sich nach der Ausbildung rasch an Weiterbildungsmaßnamen beteiligen?

Bis bald, velo
 

einer

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Hallo Velo,

Wie du schon festgestellt hast: am Ende musst du die Entscheidung selbst treffen !!!
Aber davon ab kann ich dir folgende Infos geben:

- Wie ich als Mann wahrgenommen werde habe ich nie hinterfragt. Aber ich fühle mich als Mann sehr wohl im Beruf und hatte auch während der Ausbildung keine Probleme, in einem (angeblichen) Frauenberuf zu arbeiten.Habe übrigens für die Pflegeausbildung mein Maschinenbaustudium abgebrochen.
- Weiterbilden kann man sich (meiner Meinung nach) zur Zeit recht gut. ABER: Entgegen der Situation in der Industrie bzw. der freien Wirtschaft hat dies in der Pflege keine oder nur minimale finanzielle Relevanz . Weiterbildungen werden im Pflegebereich meist aus Eigeninteresse gemacht.
- Sport wie Joga oder Krafttraining dürften kein Problem sein. Ob du vor oder nach der Schicht ins Studio gehst ist egal. Insgesamt ist der Rücken in der Pflege ein Problemfeld, das du mit regelmäßigem Training aber im Griff behalten kannst.
- FINANZEN: Ja .Man kann von dem Gehalt leben. Als Handwerker in einem kleinen Betrieb verdienst du weniger. In Bereiche wie in deinem studierten Beruf wirst du aber wahrscheinlich nicht kommen (wobei ich nicht weiß, was ein Mathematiker verdient). Ob du als Rentner nebenbei jobben mußt, weiß ich nicht. Ich habe es zumindest nicht vor :wink1:.

Mache dir doch einfach mal eine simple Pro/Kontra Tabelle (vielleicht mit einer Einbeziehung der Wichtigkeit) um dir über deine Entscheidung klar zu werden. Bedenke aber, dass es ein riesiger Unterschied ist, Angehörige oder fremde Menschen zu pflegen.

Alles Gute für deine Entscheidung
Einer
 

Martin H.

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Grüß dich, Velo!
Also zunächst mal finde ich es auf jeden Fall toll, wenn sich jemand für die Pflege begeistern kann, zumal jemand, der aus einem komplett anderen Bereich kommt. Und Männer in der Pflege finde ich eh gut! 8-) Auch ich hab vorher was anderes gemacht, bevor ich die Krankenpflegeausbildung gemacht hab; mich hat der Zivildienst zur Pflege gebracht.
Was mir nicht ganz klar ist - hattest Du Dein Studium schon komplett beendet? Hast Du dann schon im Bereich (Wirtschafts)Mathematik gearbeitet?
Was Du auch unbedingt bedenken solltest:
Jemanden aus der eigenen Familie zu pflegen ist noch mal was komplett anderes, als fremde Menschen zu pflegen. Alleine schon vom Gefühl her.
Dann gilt es zu bedenken, daß man heutzutage (leider) meist nicht so viel Zeit für die Pflege hat, wie man gern hätte bzw. wie die Pat. eigentlich bräuchten. Es gibt einige wenige Nischen (ich habe so eine gefunden), aber in den meisten Bereichen ist der Streß und Zeitdruck ziemlich hoch.
Daher würde ich Dir dringend empfehlen, ein Praktikum zu absolvieren, um zu sehen, ob Dir der Ablauf im stationären Bereich auch liegt. Z. B. in einer Klinik oder einem Pflegeheim, je nachdem ob Du eher Gesundheits- und Krankenpfleger oder Altenpfleger machen willst.
- wie wird man z. B. als Mann in diesem Beruf/Ausbildung wahrgenommen, bzw. wie sehen die Frauen die Männer?
Unterschiedlich. Im Großen und Ganzen wird man bei den Kolleginnen positiv gesehen, vereinzelt habe ich aber auch schon ein äbschätziges "Männer in der Pflege!" gehört - m. M. n. absolut bescheuert und ungefähr genauso "intelligent" als wenn über Ingenieurinnen oder Physikerinnen gelästert wird. :roll:
In der Gesellschaft hingegen sehe ich eher Probleme, es gibt immer noch Leute, die einen da nicht für voll nehmen und einen mit der saudummen Frage konfrontieren ob man denn nicht noch "weiter" machen wolle (gemeint ist von den "Denkern", die diese Frage stellen, zumeist ein Medizinstudium. Hintergrund ist das überholte, aber immer noch in manchen Köpfen steckende Bild vom männlichen Ärzt und der weiblichen "Gehilfin", das zwar nichts mit der Realität zu tun hat, aber leider nicht auszumerzen ist).
- kann man von dem Gehalt später leben? Meinen Kinder damit ein Studium zu finanzieren (oder was auch immer, ich will das was meine Eltern mir geben konnten auch zurückgeben) und in einer Eigentumswohnung/Haus alt werden, erscheint mir schwierig. Ich befürchte fast, dass der Pflegerberuf zwangsweise dazu führt, dass ich als Rentner nebenher jobben muss.
Also ich finde, man kann damit durchaus leben, ich habe mir z. B. auch ein Haus mit meiner Frau zusammen angeschafft. Wir haben allerdings keine Kinder und verdienen beide.
- ich bin sportlich, mache Yoga & Krafttraining. Kann man seinen Rücken so auch nach 30 Jahren im Beruf noch schmerzfrei halten?
Das ist schon mal gut, wobei sowas aber auch Veranlagungssache ist. Und es kommt drauf an, wie man arbeitet, ob rückenschonend bzw. mit Kinästhetik, oder nicht.
Ich selbst bin Ende 40 und es geht meinem Rücken immer noch recht gut; kenne aber auch junge Kolleginnen, die es bereits mit Anfang 20 im Rücken hatten.
-kann man sich nach der Ausbildung rasch an Weiterbildungsmaßnamen beteiligen?
Ich würde sagen, ja. Es werden ja z. B. im Bereich Intensivpflege auch händeringend Leute gesucht (wie fast überall in der Pflege), daher lassen sich viele Arbeitgeber drauf ein, auch frisch Examinierte auf der Intensivstation arbeiten zu lassen.
Was schwebt Dir denn vor?
 
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Kalimera

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Wenn ein bestimmtes Einkommen notwendig ist, damit Du Dinge erwerben kannst die Dich zufrieden machen, dann wiegt ein solcher Punkt sicher mehr, als wenn Deine Zufriedenheit durch andere Dinge erreichbar ist.
Ich gebe auch zu bedenken, dass die Pflege Deiner Eltern weitaus mehr Aspekte beinhaltete, als wenn Du professionell pflegen möchtest. Die emotionale Bindung, das Verhältnis, die Dankbarkeit und ich denke auch die Zeit, die Du dafür hattest können in einem professionellen Pflegeverhältnis gänzlich anders aussehen.
Die beruflichen Aufstiegschancen sind mMn sehr begrenzt, die finanzielle Entlohnung keinesfalls entsprechend. Und eine Weiterbildung ist auch oftmals Eigeninteresse und Wissenserweiterung, was u.U. nur bedingt angewendet werden kann, eine entsprechende Stelle zu erhalten keineswegs immer gewährleistet.
Ich empfehle immer zu überlegen was erhoffe ich mir von der Berufswahl und dem weiteren beruflichen Leben und dann abzugleichen ob das realistisch auch zu erreichen ist.
Ich möchte Dir keineswegs abraten, nur einfach genau über Deine Beweggründe nachzudenken nach Deinem Studium die berufliche Richtung komplett zu wechseln. Alle Eventualitäten kannst Du nicht bedenken, aber Du kannst erreichen wenn Du die Entscheidung triffst ganz sicher zu sein, dass es die richtige ist.
Dein Anfang mit der Informationssammlung hier finde ich gut. Je mehr Du weißt um so mehr Aspekte kannst Du in Deine Enscheidung mit einbeziehen.

Ich empfehle ein Praktikum um die tatsächlichen Bedingungen auch wirklich direkt mitzuerleben. In diesem Praktikum löchere die Pflegekräfte mit Fragen, beobachte und mach eigene Erfahrungen. Wenn es Dir mgl. ist mache es ruhig ein paar Wochen, ich bin sicher, dass Du dann klarer siehst.
 
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Bachstelze

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Mit zwei Gehältern kann man in manchen Wohnlagen sicher ein Eigenheim finanzieren, aber nicht überall.
Mit einem Gehalt wird es schwer, dazu noch Kindern finanziell durch die Uni helfen? Dann muss man sich richtig krumm machen, vor allem wenn man nicht in einer Universitätsstadt lebt und noch zusätzlicher Wohnraum bezahlt werden muss.

Ich wünsche mir jedenfalls nicht, das mein Sohn später in die Pflege geht.

Mach mal ein längeres Praktikum, guck Dir den Tarifspiegel und die Immobilienpreise in Deiner Umgebung an. Rechnen kannst Du dann selber, ob Deine Zukunftswünsche mit dem späteren Einkommen zusammen passen.

Ob die Gesundheit mitspielt? Wer weiß das schon?
Meine Mutter war viele Jahre in der Pflege, ihr Rücken und alle anderen Gelenke sind 1a. Dafür hat sie aber mit Mitte 50 Allergien entwickelt, die damals kaum beherrschbar waren. Latex, Antibiotika (selbst bei verdünntem Hautkontakt) Desinfektionsmittel, Lanolin usw. und wurde dadurch erwerbsunfähig.
So etwas kann man nicht vorhersehen.
 

velo85

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Danke für eure zahlreichen Antworten.

Ein bisschen bin jetzt schon in das Grübeln gekommen. Mir ist aufgefallen, nachdem ich mich richtig hineinversetzt habe, dass es echt Etwas anderes ist, schwerstkranke Fremde zu versorgen. Auf der anderen Seite: es muss gemacht werden, das ist auch die Realität. Ihr habt mit eurer Erfahrung viele Negativseiten, über die man sich im klaren sein muss, nochmals verständlich gemacht. Man muss wirklich überzeigt sein.

Ich möchte allerdings nicht unbedingt bei einem Ambulanten dienst später arbeiten. Verdient man dort besser?
Wie realistisch ist es nach der Ausbildung 2300,- brutto zu begkommen und wie realistisch ist es in einem Krankenhaus (der Wahl und wegen TVöD) unterzukommen - ggf. mit mehrmals bewerben innerhalb von 1-2 Jahren ?
A

Wenn ich 2300 ,- verdiene nach der Ausbildung, wieviel würde man z. B. als Intensivpfleger zusätzlich verdienen ?

Ich frage, weil mit 2300,- und den TVöD Stufen könnte ich es mir finanziell durchaus vorstellen!
 

Martin H.

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Ich möchte allerdings nicht unbedingt bei einem Ambulanten dienst später arbeiten. Verdient man dort besser?
Meinst Du in der normalen ambulanten Pflege (Tourenpflege)? Also wo man von Pat. zu Pat fährt? Nein, eher schlechter.
Aber ich bin in der ambulanten Intensivpflege, da ist es für mich in etwa mit dem vergleichbar, was ich auch an der Klinik hatte.
Wie realistisch ist es nach der Ausbildung 2300,- brutto zu begkommen und wie realistisch ist es in einem Krankenhaus (der Wahl und wegen TVöD) unterzukommen - ggf. mit mehrmals bewerben innerhalb von 1-2 Jahren ?

Wenn ich 2300 ,- verdiene nach der Ausbildung, wieviel würde man z. B. als Intensivpfleger zusätzlich verdienen ?
Guck mal hier CDU fordert Pflegekammer für Nordrhein-Westfalen (hoffe das klappt mit dem Verlinken, ich meine ludmillas Beitrag). Dort ist so eine Tabelle mit den Verdienststufen.
Ansonsten müßte sich hier noch jemand anderes äußern, da ich bei TVöD nicht wirklich informiert bin.
 

Kalimera

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Du kannst die einzelnen Tarife im Internet finden, Du fängst immer in der untersten Stufe an. Dazu kommen noch Zulagen für Sonntage und steuerfrei für Nachtdienst. Nicht tariflich gebundene Krankenhäuser lehnen sich meist an diesen Tarifen an. In den ambulanten Pflegediensten verdienst man meist weniger als im Krankenhaus.
Direkt nach dem Examen auf der Intensiv zu arbeiten bringt meist nur eine Stufe, mehr gibt es nach der Weiterbildung, allerdings dauert das im gübstigsten Falle ungefähr 4 Jahre. Genauer können hier sicher die Leute, die auf ITS arbeiten erzählen.
Die letzten beiden Jahre haben bei uns alle Schüler ihre Wunschanstellung im entsprechenden Krankenhaus erhalten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das großartig ändert, aber in die Zukunft sehen kann ich nicht.
 

einer

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Hallo Velo,

Die 2300 brutto dürften im KH kein Problem darstellen. Im Bereich der Caritas (kirchliche kath.Häuser) sind dies zur Zeit 2575 brutto Einstiegsgehalt. Auf Normalstation steigst du in einigen Jahren bis auf 3220. Alle Angaben ohne Zulagen. (Wobei die in KH nicht gigantisch sind) In Funktionsbereichen natürlich etwas mehr.
Kannst du hier nachlesen AVR Anlage 31

Im TVöD wird es nicht weniger sein.

LG Einer

P.S. Nur mal aus Neugier: Was würdest du in deinem bisherigen Beruf verdienen?
 

velo85

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Meinst Du in der normalen ambulanten Pflege (Tourenpflege)? Also wo man von Pat. zu Pat fährt? Nein, eher schlechter.
A
Jetzt beides, vorallem Tourenpflege. Meine Mutter wurde auch von so einem Dienst mitversorgt. Teilweise mit sehr schönen und ebenso schlechten Erfahrungen.

Guck mal hier CDU fordert Pflegekammer für Nordrhein-Westfalen (hoffe das klappt mit dem Verlinken, ich meine ludmillas Beitrag). Dort ist so eine Tabelle mit den Verdienststufen.
Ansonsten müßte sich hier noch jemand anderes äußern, da ich bei TVöD nicht wirklich informiert bin.
Okay 2500-3500 ,- da spielt es sich ab. Ich denke ein großes Problem in der Pflege sind einfach auch die echt dürftigen Gehaltsentwicklungen. Aber ich muss sagen, alles in allem habe ich es mir schlimmer vorgestellt. Mein bester Freund ist Koch und verdient nach 6 Jahren Berufserfahrung gerae mal 1550 Netto .- ohne Optionen auf Zulagen.

Hallo Velo,


P.S. Nur mal aus Neugier: Was würdest du in deinem bisherigen Beruf verdienen?

Also bei ner Promotion wären es 50%-100% von TVöD Stufe 13 im ersten Jahr. ALso ca. 1600,- netto und im 2 und 3 Jahr 1800,-.

In der freien Wirtschaft kann man ohne Probleme (ohne Doktor) mehr als 40000,- p.A. verlangen, selbst mit nem mittelmäßigen Abschluss. Es kommt sehr auf die Branche und die Zusatzqualifikationen an. 50000,- p.A. sind nicht unnormal.

Wenn man klug war und sich nach dem Arbeitsmarkt im Studium gerichtet hat (d.h Auslandsaufenthalt und die richtigen Schwerpunkte und die richtigen Werkstudentenstellen) gehen auch 60000.
 

Reinsdyr

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Hallo Velo,

wenn du dich nicht gerade in die neuen Bundesländer bewegst, so haben viele ihren Tarif an den des Öffentlichen Dienstes angelehnt. Und der zieht zb ab Juli so aus: P7 Stufe 2 fängt man an. D.h. man fängt mit Zuschlägen schon bei knapp 1700 Euro Netto an. Und dann geht es ja alle 2-3 Jahre aufwärts. Je höher die Stufe, desto längere Aufstiegszeiten. Auf Intensiv und anderen Stationen fängt man bei P8 an. Ich finde das Gehalt gut, auch wenn es viele nicht angemessen halten. Was man sich dafür leisten kann, kommt ja immer auf den eigenen Lebensstil und das Wohnumfeld an. Ich könnte mir aber zB nicht vorstellen, meine Familie zu pflegen, oder andere bekannte Erwachsene. Zumindest keine Intimpflege. Dabei habe ich da absolut keine Probleme bei anderen. Da ist es einfach meine Arbeit. Bei Bekannten ist es mir zu persönlich. Und sowas kann man nur herausfinden, indem man ein Praktikum macht. Während in der Chirurgie viele Körperpflege brauchen, weil sie nicht aufstehen können, ist das auf der Kardiologie oft schon anders herum. Da machen es viele selbst, dafür fallen andere Arbeiten mehr an. Aber genau dafür durchläuft man ja so viele unterschiedliche Stationen. Da findet jeder schon seine Station die einem zusagt. Und wenn nicht, dann gibt es auch ausserhalb des Krankenhauses genügens Möglichkeiten.

Gehaltsrechner Öffentlicher Dienst
 

Martin H.

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Jetzt beides, vorallem Tourenpflege. Meine Mutter wurde auch von so einem Dienst mitversorgt. Teilweise mit sehr schönen und ebenso schlechten Erfahrungen.
Also wie gesagt, gerade in der "normalen" ambulanten Pflege ist der Verdienst eher ziemlich bescheiden - es kommt dabei aber auch stark auf den Träger an: Insbesondere private Träger zahlen oft hundsmiserabel.
Dazu kommt, daß man bei der Tourenpflege seine 8 h normalerweise nicht am Stück abarbeiten kann, sondern meist einige Stunden früh bzw. vormittags die Pat. versorgt und dann die restlichen Stunden nachmittags/abends. Daher arbeiten die wenigsten in der (normalen) ambulanten Pflege Vollzeit; diese Arbeit ist eher geeignet, wenn man Familie und kleinen Kinder hat und einige Stunden Teilzeit arbeiten möchte.
Vorteil, bei den Pat. handelt es sich vergleichsweise um weniger schwere Fälle und es gibt keinen Nachtdienst.
Okay 2500-3500 ,- da spielt es sich ab. Ich denke ein großes Problem in der Pflege sind einfach auch die echt dürftigen Gehaltsentwicklungen.
Ganz recht. Wobei man aber auch ganz klar sagen muß, daß es beim Gehalt sehr stark drauf ankommt, wo man arbeitet: Wer ist Träger/Arbeitgeber? Am besten verdient man im TvÖD, gefolgt von den kirchlichen Trägern (mir wurde mal gesagt, daß die Caritas etwas besser zahle als die Diakonie). Häufig die schlechteste Bezahlung bieten private Träger, da muß man aber im Einzelfall genau gucken (ich bin bei einem privaten AG und mit meinem Gehalt ganz zufrieden). Im Osten sind die Gehälter schlechter als im Westen und Altenpfleger verdienen meist schlechter als (Kinder)Krankenpfleger.
Abgesehen davon ist das Gehalt vergleichsweise undifferenziert, wie bereits geschrieben wurde, bringen Weiterbildungen oder auch ein Studium nicht unbedingt den gravierenden Gehaltsunterschied (entsprechende Stellen z. B. für Pflegewissenschaftler bieten meist nur größere Häuser oder Universitätskliniken an). Es zählt eher, wie viele Jahre im Beruf bzw. Betrieb man vorweisen kann, was m. M. n. oft dazu führt, daß manche Kollegen "Dienst nach Vorschrift" machen und sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, während junge engagierte Kollegen ausgebremst und frustriert werden (meine Erfahrungen).
Aber ich muss sagen, alles in allem habe ich es mir schlimmer vorgestellt. Mein bester Freund ist Koch und verdient nach 6 Jahren Berufserfahrung gerae mal 1550 Netto .- ohne Optionen auf Zulagen.
Ja, es gibt eine Reihe von Berufen, die deutlich schlechter verdienen als wir (Arzthelferinnen, Schreiner, Friseure...).
Bedenken muß man aber die hohe Verantwortung, die wir tragen; ebenso unsere Arbeitszeiten (Wechselschicht, Nachtschicht, Wochenenden und Feiertage).
 

velo85

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Ja, es gibt eine Reihe von Berufen, die deutlich schlechter verdienen als wir (Arzthelferinnen, Schreiner, Friseure...).
Bedenken muß man aber die hohe Verantwortung, die wir tragen; ebenso unsere Arbeitszeiten (Wechselschicht, Nachtschicht, Wochenenden und Feiertage).
Da fällt mir noch ein (angenommen im Krankenhaus): wie üblich ist es denn mehr als 5 Tage am Stück zu arbeiten und können Schichtwechsel Wöchentlich stattfinden? Eine 40 Stundenwoche ist auch eher unrealistisch oder? Ich würde mal 50 schätzen...

Wie wird man denn von den Ärzten behandelt - ist da Akademiker Arroganz oder eher Teamplay angesagt?
 

-Claudia-

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Da fällt mir noch ein (angenommen im Krankenhaus): wie üblich ist es denn mehr als 5 Tage am Stück zu arbeiten und können Schichtwechsel Wöchentlich stattfinden? Eine 40 Stundenwoche ist auch eher unrealistisch oder? Ich würde mal 50 schätzen...
Kommt aufs Arbeitszeitmodell an; zwischen der 4,75-Tage- und der 6-Tage-Woche ist alles dabei. In der 6-Tage-Woche heißt es 12 Tage durcharbeiten und anschließend freies Wochenende; in der 5-Tage-Woche hast Du eine längere Schicht, aber eben auch mehr freie Tage pro Monat. Acht oder zehn Tage am Stück sind aber auch hier Usus. Das Arbeitsgesetz gestattet maximal 19 Tage am Stück.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt je nach Träger und Bundesland zwischen 38,5 Stunden und 40 Stunden (in Einzelfällen auch etwas mehr), also nicht mehr als bei anderen Arbeitnehmern auch. Nur errechnet sich der Durchschnitt halt über einen gewissen Ausgleichszeitraum; eine bestimmte Kalenderwoche kann deutlich mehr Stunden haben.

Wie wird man denn von den Ärzten behandelt - ist da Akademiker Arroganz oder eher Teamplay angesagt?
Das hängt sehr von der Persönlichkeit des Arztes ab. Nach meiner persönlichen Erfahrungen lässt sich aber heutzutage mit den meisten gut auskommen.
 
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Martin H.

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Da fällt mir noch ein (angenommen im Krankenhaus): wie üblich ist es denn mehr als 5 Tage am Stück zu arbeiten und können Schichtwechsel Wöchentlich stattfinden? Eine 40 Stundenwoche ist auch eher unrealistisch oder? Ich würde mal 50 schätzen...
Das Wesentliche dazu hat Claudia ja schon geschrieben.
Also an der Klinik, wo ich mal gearbeitet hatte, hatten wir ursprünglich die 38,5 h-Woche mit 7,7 h pro Schicht (Früh- und Spätschicht, Nachtschicht war länger); wurde später auf 40 h-Woche und 8 h-Schicht (Früh & Spät) geändert.
Im Prinzip 5-Tage-Woche, aber je nachdem arbeitete man auch mal deutlich länger am Stück... ich glaube, das Maximum was ich mal durchgearbeitet habe, waren 16 Tage.
Als ich noch in der Ausbildung war, hatten wir übrigens kürzere Schichten (Früh 7 h und Spät 6,5), dafür aber (wie Claudia schon schrieb) 11 oder 12 Tage am Stück und dann max. 2-3 Tage frei. Auch geteilt haben wir damals noch gearbeitet, das gibt es aber m. W. heute in Kliniken kaum noch.
Wie wird man denn von den Ärzten behandelt - ist da Akademiker Arroganz oder eher Teamplay angesagt?
Hängt vom einzelnen Arzt ab (wobei es übrigens auch Pflegekräfte gibt, die sich "daneben benehmen"); im Gegensatz zu Claudia hatte ich aber an der Klinik eher den Eindruck, daß die guten Zeiten vorbei sind und die Arroganz bei manchen frischgebackenen Medizinern eher zunimmt - bin aber jetzt auch schon seit gut 3 Jahren weg von der Klinik.
 

velo85

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Danke Claudia und Martin.

Wie siehen die Pfleger die kommende Digitalisierung ihres Berufes?

http://www.arbeitgestaltengmbh.de/assets/Uploads/2016-05-25-Doku-Tagung-Pflege-4.0-Web.pdf


Ich will keinem aufzwingen, das alles zu lesen. Aber Fakt ist: die Roboter werden kommen, die Live-Erfassung von Patienten Daten wird kommen, und es wird mehr und mehr mit IT-Software dokumentiert/gesteuert.

Ich frage mich schon, wie lange der Beruf noch so sein wird wir er heute ist. Mit 40 Jahren Berufsleben vor mir sehe ich schon, dass die ein oder andere Innovation da den Weg in die Pflegeanwendung finden wird.

Ich hoffe, dass der Beruf (die menschliche Seite vorallem) nicht irgendwann wegrationalisiert werden.
 

-Claudia-

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Ich frage mich schon, wie lange der Beruf noch so sein wird wir er heute ist. Mit 40 Jahren Berufsleben vor mir sehe ich schon, dass die ein oder andere Innovation da den Weg in die Pflegeanwendung finden wird.
Na, letzteres will ich auch stark hoffen - in meinen zwanzig Berufsjahren (wenn man die Ausbildung mitrechnet) hat sich da schließlich auch einiges getan- und zwar auch etliches zum positiven. Neue Verfahren, bessere Medikamente, neue Pflegesysteme, manche Mediennutzung.

Weder Medizin noch Pflege bleiben statisch. Alles andere wäre doch furchtbar.
 

Reinsdyr

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Das finde ich jetzt ziemlich weit ab vom Thema. Aber auch ich sehe die Digitalisierung positiv. Es wird sicher niemals die Menschen ersetzen, aber ich bin mir sicher, es wird vieles damit erleichtert oder unterstützt. Und wenn es nur die kleine Maschine ist, die das Essen zu den Patienten fährt oder den Besuchern den richtigen Weg zeigt. Es wird helfen, den Druck auf die Pflegekräfte zu reduzieren. Auch Telemedizin wird ja schon praktiziert und hilft oft da, wo Ärzte kaum hinkommen oder eben nicht genug Personal da ist. Roboter werden in Schulen sehr erfolgreich eingesetzt und das sollte auch im Krankenhaus genutzt werden.

Roboter empfängt Besucher in belgischen Krankenhäusern

In Boston arbeitet ein Roboter auf der Entbindungsstation

1. Deutscher Japan-Business Blog: Innovation aus Japan (39): Roboter als Empfangsdame und Portier im Krankenhaus

Roboter arbeitet als Rezeptionist in belgischem Krankenhaus
 

Martin H.

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Wie siehen die Pfleger die kommende Digitalisierung ihres Berufes?

http://www.arbeitgestaltengmbh.de/assets/Uploads/2016-05-25-Doku-Tagung-Pflege-4.0-Web.pdf


Ich will keinem aufzwingen, das alles zu lesen. Aber Fakt ist: die Roboter werden kommen, die Live-Erfassung von Patienten Daten wird kommen, und es wird mehr und mehr mit IT-Software dokumentiert/gesteuert.

Ich frage mich schon, wie lange der Beruf noch so sein wird wir er heute ist. Mit 40 Jahren Berufsleben vor mir sehe ich schon, dass die ein oder andere Innovation da den Weg in die Pflegeanwendung finden wird.

Ich hoffe, dass der Beruf (die menschliche Seite vorallem) nicht irgendwann wegrationalisiert werden.
Uff... habe mir nun erst mal den Precht-Vortrag reingezogen, die PDF steht noch aus.
Also zunächst mal finde ich den Precht ja nicht übel, höre ihm gerne zu wenn er im Fernsehen in Talkshows usw. spricht; aber ich finde, daß er mit seiner Einschätzung "die Altenpflege wird größtenteils wegrationalisiert und von Robotern erledigt" (wen´s interessiert - ist in dem Youtubevideo so ab Min. 25) völlig daneben liegt.
Warum?
Ganz einfach, im Bereich der Pflege spielt nicht nur die Kontrolle irgendwelcher Parameter eine Rolle, ebensowenig wie sie nur aus einfachen, mechanischen Tätigkeiten besteht... sicher ist das ein kleiner TEILbereich, in dem sich u. U. Maschinen als nützliche Entlastung erweisen könnten. Aber da Herr Precht eben nicht aus unserer Profession kommt, ist ihm nicht klar, daß Pflege nicht nur aus "dem Pat. ein Glas Wasser bringen" oder "den Pat. von der Schüssel runter tun" besteht. Angenommen, der Roboter bringt dem dementen, alten Menschen ein Glas Wasser... wie will die Maschine denn dafür sorgen, daß dieser das Wasser auch trinkt? :lol: Wer schon mal einen dementen, widerspenstigen Menschen erlebt hat (die meisten von uns), der weiß genau, was ich meine. :cool:
Man hat ja schon in den 50er/60er Jahren (Prof. von Neumann) großspurig prophezeit, daß die Maschinen ja bald viel intelligenter sein werden als wir... die Ergebnisse bis jetzt sind eher ernüchternd. :mrgreen:
Nee, sei unbesorgt: Gerade Pflege ist ein Bereich, der niemals völlig oder überwiegend "digitalisiert" werden kann und wird.
P.S.:
Ach ja... die Beispiele von Reinsdyr stammen ja nicht umsonst fast alle aus dem Bereich Empfang/Rezeption u. ä.
 
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-Claudia-

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Das Fraunhofer-Institut arbeitet an einem Pflegeroboter, der Wäsche einräumen soll. Gegen den hätt ich nichts.

Es werden sicher Maschinen entwickelt werden, die uns unterstützen. Im Vergleich zu den letzten 30 Jahren gibt's die ja längst: Monitore zur Überwachung, elektronische Betten und Lifter, Klingelmatten oder Näherungssensoren, PCA-Pumpen, Scanner zum Bestellen von Medikamenten oder Material, mancherorts sogar Maschinen zum Richten von Medikamenten. Aber ich fürchte, bis wir R2D2 mit einem simplen "Kümmer Du Dich drum" das Raumschiff reparieren oder den Patienten überwachen lassen können, brauchen wir noch eine Weile.
 
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