Ernüchterndes Erlebnis

MaybeNurse

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Hallo,

letzten Monat habe ich für ein Paar Wochen ein Praktikum in einem Krankenhaus gemacht. Schon eine Weile frage ich mich ob dieser Beruf nicht etwas für mich ist, daher der Testlauf.
Leider war diese Praktikum sehr ernüchternd. Vor dem Praktikum war ich mir sicher das mich Ekel und/oder Berührungsängste von einer Ausbildung abbringen. Aber ganz im Gegenteil, nach ein/zwei Tagen hatte ich kaum noch Probleme und habe die meisten Patienten sogar ins Herz geschlossen :-).
Der Horror, die Pfleger. Ich hätte nie gedacht das es in diesem Beruf einen solchen miserablen Haufen von Menschen geben könnte. Über die Patienten wurde auf übelste Weise gelästert, fettärschig, dumm, nervig. Schon bei Schichtbeginn war alles was mit Patienten zu tun hat nur lästig. Die Übergabe war nichts anderes als eine "Lästerparty" auf der sich alle schön gegenseitig aufwiegeln. Wenn nicht über Patienten gelästert wurde dann über Kollegen.

-schon am zweiten Tag wurde erwartet das ich Blutdruck/Puls messen kann (als ich verneinte wurde nur geseufzt, zeigen wollte es mir aber niemand von den examinierten), dasselbe gilt für Bettpfannen und Patientenwäsche
-einige haben Fragen komplett ignoriert
-man wurde selten gegrüßt
-angesprochen wurde man nur auf Fehler
-fast jede PFLEGERIN auf dieser Station, konnte man als Zicke abstempeln und es wäre wahr
-jeder erste Alarm musste von Praktikanten oder Azubis beantwortet werden, denn wer hat denn Lust aufzustehen
-wenn man Fragen von Patienten an die Pfleger weitergibt, wurde immer mit stöhnen oder lästern geantwortet und in Bewegung gesetzt wurde sich erst nach einer Ewigkeit (nicht ein Mal habe ich erlebt wie ein Pfleger sofort und ohne zu murren aufgestanden ist)
-wurde als Schleimer tituliert weil ein Patient mir etwas geschenkt hat (und ich wusste das das passiert)


Schlimm ist für mich, das ich mir eine schwarz/weiss Antwort erhofft habe, sprich, ich finde alles furchtbar und vergesse die Ausbildung oder alles toll und ich bewerbe mich. Und jetzt will ich dieses Wissen, diese Fähigkeiten und den Patientenkontakt aber ich will nichts mit dieser Art von Pflegern zu tun haben. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und trotzdem die Ausbildung angefangen oder ein anderes Krankenhaus gewählt (weiter weg etc.)?
 

Elfriede

Poweruser
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Moin MaybeNurse !

Es sind Deine Eindrücke.
Die kann ich natürlich weder bestätigen noch dementieren.
Wie überall im Leben, gibt es sone und solche.
Das gilt natürlich auch für Pflegeeinrichtungen und deren Mitarbeiter.
Bevor Du Deinen Berufswunsch endgültig beerdigst, schaue Dir doch auch mal andere Betriebe an. Z.B. eine andere Klinik.
Oder einen anderen Berufszweig in der Pflege :
In der Altenpflege haben es Pflegende und Patienten (hier Bewohner) nicht nur ein paar Tage miteinander zu tun, sondern oft viele Jahre. Mit einer ablehnenden oder abweisenden Haltung kommt man hier garantiert nicht weiter.
Die "Seniorenresidenz" (das Altenheim) bei Dir um die Ecke lässt Dich sicher gerne ein paar Schichten "mitlaufen". So ein "Berufsfindungspraktikum" braucht wenig Formalitäten - nur guten Willen. Dein Ansprechpartner ist dort die Pflegedienstleitung (PDL).
Die Kontaktaufnahme machst Du am besten telefonisch.

Gutes Gelingen, Frieda
 
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MaybeNurse

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Moin MaybeNurse !

Es sind Deine Eindrücke.
Die kann ich natürlich weder bestätigen noch dementieren.
Wie überall im Leben, gibt es sone und solche.
Das gilt natürlich auch für Pflegeeinrichtungen und deren Mitarbeiter.
Bevor Du Deinen Berufswunsch endgültig beerdigst, schaue Dir doch auch mal andere Betriebe an. Z.B. eine andere Klinik.
Oder einen anderen Berufszweig in der Pflege :
In der Altenpflege haben es Pflegende und Patienten (hier Bewohner) nicht nur ein paar Tage miteinander zu tun, sondern oft viele Jahre. Mit einer ablehnenden oder abweisenden Haltung kommt man hier garantiert nicht weiter.
Die "Seniorenresidenz" (das Altenheim) bei Dir um die Ecke lässt Dich sicher gerne ein paar Schichten "mitlaufen". So ein "Berufsfindungspraktikum" braucht wenig Formalitäten - nur guten Willen. Dein Ansprechpartner ist dort die Pflegedienstleitung (PDL).
Die Kontaktaufnahme machst Du am besten telefonisch.

Gutes Gelingen, Frieda

Altenpflege allein interessiert mich leider nicht, es sollte tatsächlich GuK sein, vielleicht noch 6 Monate dranhängen für die Kinderkrankenpflege. Ich frage mich einfach nur ob es möglich ist, die ersten Monate zu überleben. Denn wenn ich in meiner Ausbildung so eine Station mit solchen Pflegern als Anfangsstation hätte, würde ich definitv in der Probezeit kündigen. Wenn man was das angeht etwas empfindlich ist, sprich, mir geht Geläster echt auf die Nerven aber wenn alle lästern und du nicht, kann dich so etwas schnell zum Aussenseiter machen. Und da ja leider oft nach Sympathie bewertet wird und nicht nach Leistung, habe ich vielleicht schlechte Karten.
 

-Claudia-

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Eine "Schwarz-Weiß-Antwort" :-) wirst Du nicht bekommen können. Einen Beruf ganz ohne Schattenseiten gibt es nicht, alles hat Vor- und Nachteile.

Die Stimmung ist nicht auf jeder Station so und (behaupte ich) dieses Verhalten ist mit Sicherheit auch nicht auf unseren Berufszweig beschränkt. Es menschelt überall; auch in einem anderen Beruf könntest Du mit Kollegen in Kontakt kommen, die sich über andere Kollegen (oder die Kunden oder die Chefin) mokieren.

Wieviel Zeit hast Du, um eine Entscheidung zu treffen? Musst Du Dich aktuell bewerben, oder wären noch andere Praktika möglich? Hast Du einen alternativen Berufswunsch?
 
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LukasMaier

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Licht und Schatten, gibt es in jedem Beruf. Finde es allerdings manchmal schon extrem.
 
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Recherchiere einmal die Begriffe "Burn-out" und "Cool-out" insbesondere im Bezug auf Pflegekräfte.

Bereits mit einer einfachen Suche via google kommst du an eine Menge von leicht verständlichem Material, ganz zu schweigen von Fachliteratur.
Viele der von dir erlebten Verhaltensweisen findest du dort teils mit wissenschafltlicher Begründung so oder in ähnlicher Form wieder.
Bedeutet im Klartext: viele KollegInnen hat das Arbeitsumfeld in eine Position getrieben, die einer meiner Dozenten 'mal sehr schön als "Scheinbar ausweglos gefangen in der eigenen Machtlosigkeit" beschrieben hat.
Jeder geht mit diesem Erleben anders um und entwickelt sich entsprechend.

"Zynismus ist die Vorstufe zum Burnout"
Man macht "...die Ideale, die man sich zu Eigen gemacht hat, lächerlich, weil man sie nicht mehr realisieren kann. Oder aber man erhebt sich über sie, um das Bedrohende dieser Ideale abzuwehren.“ – Quelle: Psychotherapie: Zynismus ist die Vorstufe zum Burnout ©2016


Ist die Aufnahme eines grundständigen Studiums im Bereich der Pflege für dich eine Option?
Soweit ich die Erfahrung gemacht habe, wird dort im Allgemeinen bereits sehr frühzeitig Wert auf Selbstreflexion gelegt...
 
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LukasMaier

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Ein Studium kann eine gute Alternative sein, wobei man mit seinen Kollegen auch sehr großes Glück haben kann.
 

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