Mein erstes Erlebnis mit einem Toten

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von <3Sarah<3, 12.06.2010.

  1. <3Sarah<3

    <3Sarah<3 Newbie

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    Wie ihr sehen könnt, ist es schon spät in der Nacht und ich kann nicht mehr schlafen. Vor dieser Nacht hatte ich Frühdienst. Ich habe meine Ausbildung vor 2 Monaten angefangen und bin zur Zeit auf der Kurzzeitpflege. Wir hatten lange Zeit einen Herrn auf unserer Station, ich habe noch erlebt wie er war als es ihm noch relativ "gut" ging. Meistens habe ich und eine Kollegin uns jeden Morgen zusammen um ihn gekümmert. Irgendwann hat sein Zustand sich so verschlechtert, das er auf die innere Station gekommen ist, hat dort kaum noch gegessen und getrunken. 3 wochen war er da und kam irgendwann nur noch zum sterben zu uns rüber (Wir haben extra ein Zimmer für sterbende Patienten)
    15 Tage war er bei uns, in denen er weder gegessen noch getrunken hat, er hat alles verweigert, wenn man ihm essen oder trinken anreichen wollte, hat er seinen Mund verschlossen und seinen Kopf weggedreht. Er bekam auch keine Lebenserhaltende Maßnahmen, da er damals eine Verfügung geschrieben hat, das er nich am leben erhalten werden will in so einem Zustand usw.
    Ich war ständig in seinem Zimmer und habe nach ihm geschaut, hab an seinem Bett gesessen wenn Zeit dazu war. Und heute hat er nicht mehr reagiert, er hat nur noch so gestarrt und war kalt und hatte marmorierte Füße. Irgendwann als fast schon übergabe zum SD war hatte ich so ein Gefühl, gleich wird er von uns gehen. Ich habe mich an sein Bett gesetzt und gemerkt das er immer weniger geatmet hat und dann auch von uns ging. Er hat irgendwann einfach die Augen geschlossen und ihm liefen Tränen über das Gesicht. Jemand ist vor mir gestorben und dabei habe ich noch nie einen Toten gesehen oder jemanden sterben sehen. Ich habe dann jemand aus meinen Kurs geholt, der auch gerade FD hatte und gemeint "Ich glaube er ist tot, schau mal ob noch ein Puls da ist" und er sagte dann "Ja, er ist tot..." und dann kamen alle Schwestern rein und haben ihn angeschaut und meinten wieso hast du hier alleine gesessen, das ist doch das erste mal für dich das ist viel zu hart für den Anfang. Und ich bin auch rausgegangen und irgendwie sind mir Tränen übers Gesicht gelaufen, weil das irgendwie das erste mal war das ich jemanden so sterben sehe. Ich hatte irgendwie Angst das die dann denken das ich für den Beruf nicht geeignet bin, aber das bin ich. Nur mit sowas hatte ich noch nie zu tun. Das alles ist nur so sclhimm für mich, weil ich 2 Tage davor träumte, das er sterben würde und ich in sein Zimmer geschickt wurde und er immer wieder sagte "lass mich noch nicht gehen, lasst mich nicht gehen"
    normalerweise kann ich vieles sehen, aber ich muss dauernd an diesen Anlbick denken als er verstarb und die tränen die ihm übers Gesicht liefen ... ich habe nach dem FD auch bis vor einer halben Stunde durchgeschlafen.
     
  2. Silvana

    Silvana Senior-Mitglied

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    Hallo Sarah!

    Der Kontakt mit dem Tod, besonders der erste Kontakt, ist für keinen Menschen einfach, auch nicht für Pflegekräfte. Niemand schließt aus deinen Tränen, dass du nicht geeignet bist für diesen Beruf. Viel eher würde ich an deiner Eignung zweifeln, wenn der Tod dieses Mannes in dir keine Emotionen ausgelöst hätte.
    Du hast den Mann in der Endphase seines Lebens betreut, warst während des Sterbeprozesses dabei - wieso sollte dich das denn nicht emotional berühren?
    Es ist nur wichtig, dieses Erlebnis auch zu verarbeiten. Sprich mit Kollegen, Freunden oder Familie, lass die Tränen ruhig laufen, wenn sie kommen, schluck deine Gefühle nicht einfach herunter.
    Aber ich kann dir versichern, dass schon bei fast allen Pflegekräften mal Tränen geflossen sind. Schließlich sind wir alle keine Roboter, sondern fühlende Wesen.
    Ich wünsche dir alles Liebe!!!
     
  3. Arcadia

    Arcadia Junior-Mitglied

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    Ich kann mich Silvana nur anschließen:

    Es ist vollkommen o.k., daß Du geweint hast vor Deinen Kollegen.

    Ich habe schon mehrere Sterbebegleitungen gemacht, es berührt mich jedesmal wieder emotional.
    Doch man lernt, mit solchen Situationen umzugehen. Ich kenne auch das Gefühl, zu spüren oder zu träumen, daß ein Patient bald stirbt, das ist schon manchmal unheimlich.

    Rede mit Kollegen oder Freunden, um das Erlebte aufzuarbeiten.

    Ich finde, gerade wil Du Dir jetzt so viele Gedanken machst, bist Du sehr gut für den Beruf geeignet.

    Alles Gute,

    Arcadia
     
  4. <3Sarah<3

    <3Sarah<3 Newbie

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    Danke für eure Antworten!
    Ich denke ihr habt recht... ich habe ja auch nicht stundenlang in einer Ecke gesessen und geweint, das waren 5 minuten die ich mich zurückgezogen habe und mir dann die Tränen weggewischt habe
    und dann nochmal mit den Schwestern drüber geredet habe. Ich habe mich dann auch zusammenreißen müssen das mir nicht wieder Tränen kamen als ich ihnen erklärt habe wie das alles grad lief.
    Bei uns auf der Kurzzeitpflege ist das alles auch anders als auf den Stationen .. dort haben wir mehr Zeit für die ältern Herrschaften weil die sehr wenig sind und leisten dort im Spätdienst eher sozialarbeit, d.h. viel mit den patieten reden mit ihnen spielen usw. So lerne ich dort alle patienten gut kennen, da sie dort auch mehrere Wochen sind. Deshalb ging mir der Tod auch so nahe ..
    Aber andererseits denke ich mir "endlich" ist er tot, er muss nicht mehr leiden. Er hat die 15 Tage lang gehungert damit er stirbt. Ich wollte auch bei ihm sein weil die Kinder & seine Frau ihn nicht mehr sehen wollten, sie sagten sogar das sie vor 8.30 Uhr morgends nicht über den Tod informiert werden wollten, sonst hätte ihn niemand in den letzten stunden begleitet :(
     
  5. Schwester Rabiata 2

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    Ich finde es ganz toll, dass du deinem Gefühl gefolgt bist und den Pat auf seinem letzten Weg begleitet hast!!! Dass du geweint hast, ist überhaupt nicht verwerflich. Im Gegenteil. Es tut der Seele gut, wenn man weint und nicht alles herunterschluckt!!! Kopf hoch!!!
     
  6. Mari1981

    Mari1981 Senior-Mitglied

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    Hallo!
    @Sarah: Ich finde es auch toll das du den Pat. auf seinem
    letzten Weg begleitet hast! Was sicher nicht ganz leicht war,
    da es dein erstes Mal war das du mit dem Tod konfrontiert
    wurdest.
    Und ich weiß noch wie ich die erste Tote gesehen habe, da
    gings mir genauso wie dir, dass ich nachts teilweise den jenigen
    vor Augen hatte und das hat einfach ne Weile gedauert bis
    es dann weg war, also das Bild.
    Ich denke das ist normal und wär es einfach so an dir vorüber
    gegangen dann wärst du ein kalter Mensch und davon gibts
    Gott sei dank nur wenige!
     
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