Einführung MTS in der Notaufnahme

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Hallo erstmal, im Rahmen einer Facharbeit für die Weiterbildung zur Stationsleitung wollen wir ein Konzept zur Einführung des Manchester Triage Systems entwickeln. Wie wurde dies bei euch gemacht und welche Probleme ergaben sich dabei? Wie habt ihr Patienten informiert? Bin für jede Hilfe von Herzen dankbar.
 

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Zur praktischen Umsetzung, bzw. Konzept dazu, wie ist das Vorgehen, wenn man so etwas vor hat. Zudem ist unser Haus eher klein, 165 Betten. Gearbeitet wird momentan 2-2-2, die Tagschicht wird zudem von jeweils 1 Arzthelferin begleitet zur Administration.
 

ZN-Ator

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Habt Ihr ne Notaufnahmesoftware bei der man die Triage sieht? Farbe o.äh.?
Bei der alle den Überblick auf einen Blick haben?

dann, "eigentlich" ganz einfach:
- Alle Mitarbeiter (auch Ärzte) schulen nach MTS in Eurem Fall
- Den Prozess der Triage definieren, also wer macht wann was mit welcher Konsequenz
- Auch ärztliche Konsequenz (wie schnell muss Arzt dazu)
- Konsequenz für den Patient (kann warten oder muss sofort rein)
- Info an den Patient muss eigentlich gar nicht erfolge, wenn sich einer am Empfang meldet dann ist er nach der Triage entweder direkt an einem Platz weil "dringlich" oder er wartet. Im zweiten schritt wenn es funktioniert und eingeführt ist Patienteninformation mit Plakat oder Wartezimmer-Info-Monitor womit erklärt wird dass nicht first come/first serve sondern nach definiertem international anerkanntem System die Dringlichkeit von erfahrenen MA erhoben/definiert wird.
Mit Zwei Mitarbeiter werdet ihr keinen Notfallkoordinator oder eine "Triage oder Quicklooknurse" haben? Wer soll triagieren? die MFA? Einer von den Zweien?

Grüße
 
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Nun, dass ist natürlich die fast wichtigste Frage: Wer soll es machen? Eine examinierte Pflegekraft, so wurde mir gesagt... Deshalb würde mich auch interessieren, ob es schon irgendwo in einer ähnlich "kleinen" Einrichtung praktiziert wird. Vielen herzlichen Dank, Frage nach EDV und Räumlichkeiten stehen zur Klärung an, momentan sind wir noch mitten im Brainstorming, was ist zu beachten, mit einzubeziehen usw. Scheitert es schon am Personal und der Größe? Oder entwickeln wir "the best Off" und setzen uns erst dann mit Wiedrigkeiten bzw. Schwierigkeiten auseinander?!?
 

tacoshy

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Also ich kenn mehrere Versionen das MTS anzuwenden.

KH A:
Hat eine Besetzung von 2-2-2 und ein nicht so hohes Patientenaufkommen wobei eine Pflegefachkraft die Anmeldung macht. Bei der Aufnahme wird dann gleich von der Schwester ohne Vitalparameter triagiert. Ich persönlich sehe so was eher kritisch, da die Vitalparameter auch bei der Dringlichkeit mitentscheiden. Zum anderen gibt es Patienten die einem etwas von Schmerzen von 10/10 erzählen aber weder RR noch HF belegen das und der äußere Eindruck ist auch nicht, dass sie solch starke Schmerzen haben. Viele Patienten erhoffen sich dadurch eine schnellere Behandlung und wir alle kennen auch Patienten die Schmerzen 10 vom BZ messen haben. Auch sind Schmerzen von 10 die erst nach x Wochen ins KH gehen auch keine dringender Behandlung. Die gilt es dann natürlich auszufiltern damit sie nicht das MTS aushebeln. Patienten die durch den RD gebracht werden dann durch den abnehmenden Arzt triagiert.

KH B:
Ist ein Krankenhaus mit KV-Arzt. Dort müssen alle selbst kommenden Patienten durch. Der schickt alle Patienten die zum HA gehen können zum HA und den Rest triagiert er und schickt sie in die Notaufnahme. Auch dort werden die Patienten vom RD durch den Arzt triagiert.

Mein KH:
Mein KH hat eine Besetzung von 4-4-3 wobei versucht wird auf 5-5-3 zu kommen (ca. 200 Patienten am Tag). Oft ist aber erstere mit einem zusätzlichen Tagdienst. Wir haben dann auch immer eine Administrationskraft die die Karte einliest, nach den Grund des kommen fragt und die Akte anlegt sowie im EDV (SAP) den Patienten anlegt und die Fachrichtung bestimmt. Danach geht es zur Pflegekraft 1 die den Patienten in den Triageraum nimmt dort VZ misst, Blut abnimmt und einer erste Anamnese erstellt und auf Grund der VZ und der Anamnese den Patienten triagiert. Die anderen 3 Mitarbeiter sind für die Bereiche Innere/Neuron/Derma, Überwachungseinheit und Chirurgie verantwortlich wobei der 5. Mitarbeiter springt. Schüler/Praktikanten helfen immer in der Überwachungseinheit (Pat. verkabelt und Betten aufbereiten) oder halt in den Inneren/Neuro die VZ der Pat. messen sowie EKG's schreiben. Sollte ein Patient durch den RD gebracht werden, entscheidet eine Pflegekraft ggf. Mit einem Arzt ob der Pat. In den Wartebereich oder Überwachungseinheit oder direkt in ein Untersuchungszimmer geht. Dementsprechend entscheidet sich auch wer der Pflegekräften ihn triagieren muss. Wir haben mehrere Monitore die alle Pat. auflisten und die Möglichkeit dort die Dringlichkeit eines Patienten anzuzeigen sowie Kommentare zu dem Patienten zu scheiben zur Kommunikation zwischen Ärzten und Pflege. Diese virtuelle Akte kann von jedem Computer in der Notaufnahme (auch in jedem Patientenzimmer) bearbeitet werden. Auch nutzen wir diese virtuelle Akte um den Patienten dann später zu verschieben auf die jeweiligen Stationen. Ebenso hat man jederzeit die Möglichkeit den Pat jederzeit nach unten (z.B. eine Lyss die keine ist) oder nach oben (Pat. Verschlechtert sich) zu triagieren.


Grundsätzlich kenne ich von allen KH das sie mehrere Plakate haben um das Triagesystem zu erklären. Dieser Aushang wird leider nicht oft gelesen aber von den meisten Pat. akzeptiert. Meine Erfahrung ist, dass es ganz wichtig ist, dass man eine kurze abgespeckte Anamnese macht und Aufgrund dessen und der VZ einen Patienten triagiert. Oft kommen auch Pat. durch den RD die sich dadurch eine schnellere Behandlung erhoffen oder einem etwas von einem Pferd erzählen um das MTS auszuhebeln. Hierbei ist Erfahrung ganz wichtig um die schwarzen Schafe von den wirklich dringenden Patienten zu unterscheiden. Deshalb besetzt den Triageraum i.d.R. unsere erfahrensten Pflegekraft.
 
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niesreiz

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Hallo Datenschützer,

mein KH hat rund 300 Betten, unsere Notaufnahme bedient täglich im Schnitt 40-80 Patienten (ambulant wie stationär) mit einer Personaldecke (unter optimalen Bedingungen) von 3-3-1 Pflegekräften. Als wir uns die Frage stellten, welches Triagesystem für uns in Frage kommen könnte, fiel die Wahl bewusst auf ESI. Es erschien uns einfacher und zügiger im Alltag umzusetzten.

Das A und O ist, dass die Triage nur von Pflegefachkräften mit Berufserfahrung (mind. 2 Jahre in der Notaufnahme) durchgeführt werden kann (!) und es bei uns nur der sog. "Stützpunktdienst" macht. Sozusagen ist jeweils eine der Pflegekräfte im Früh- und im Spätdienst ständig am Stützpunkt und übernimmt die Triage. Nebenher, d.h. zusätzlich dazu, dass man mit dem Dienstarzt zusammen noch Patienten versorgen soll, ist unserer Erfahrung nach keine suffiziente Triage möglich. Bei Einführung eines Triagesystems, muss auch am Dienstplan bzw. an der Besetzung gefeilt werden.

Im Patientenwartebreich gibt es einen entsprechend erklärenden, mehrsprachigen Aushang über das angewendete Triagesystem. Das macht vieles einfacher und erhöht in meinen Augen die Compliance derer, welche dann u.U. warten müssen. Selbstverständlich ist der Aushang so formuliert, dass lediglich die Anwendung und die daraus folgenden Konsequenzen für Patienten ersichtlich werden - jedoch nicht das System selbst, ab welchen Kriterien, welcher Score (bzw. welche Dringlichkeit) zustande kommt. Warum das so ist bzw. besser so sein sollte, muss ich wohl keinem, in einer Notaufnahme Tätigen aufzeigen müssen. ;)

Probleme zu Beginn der Triage waren vor Allem die unzureichende Personaldecke für die Triage. Damals wurde unser Stützpunkt zeitweise noch von Mitarbeitern aus der Patientenaufnahme oder von med. Fachangestellten besetzt. In meinen Augen waren das massive "Triagekiller". ESI, von MTS kann ich leider nicht berichten, lebt davon, dass einerseits mittels der Erfahrung (Pat.-Beobachtung&Anamnese) bzw. dem benötigten Aufwand zur Versorgung in der Notaufnahme triagiert wird und andererseits, unter bestimmten Vorgaben, mittels Vitalparameter die letztendliche Behandlungsdringlichkeit festgelegt wird. Wenn das eine un- oder nur angelernte Kraft erledigen soll, bewegen sich die verantwortlichen Vorsetzten in meinem Augen in grob fahrlässigen Bereichen der Patientenversorgung.

Schulungen durch offizielle Instruktoren halte ich für selbstverständlich. Falls doch noch Interesse an einer Alternative zu MTS besteht kann ich "ESI" wärmstens empfehlen. Wir wurden von Kollegen aus dem Klinikum Fürth unterrichtet, welche extra Fortbildungen vor Ort anbieten (für Pflegepersonal sowie Ärzte). Ich schreibe das namentlich extra dazu, da ich weiß, dass der Weg nach Nördlingen von dort aus nicht soooo weit ist. ;) (btw... unsere beiden Einzugsgebiete unserer Krankenhäuser sind nur durch die Kliniken WUG und GUN getrennt ;) )

Zusammengefasst: Warum ein Triagesystem scheitern kann, liegt wohl nicht primär am System selbst, sondern aus den Bedingungen unter welchen es Umgesetzt werden soll. - Personalbemessung insgesamt - Durchführung von Fachpersonal? - Akzeptanz bzw. Schulung der Anwender

Bei weiteren Frage oder Unklarheiten - einfach Rückfragen. Viel Erfolg und noch gute Einfälle für deine Facharbeit. ;)
 
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