E-Health ein Rohrkrepierer?

Elisabeth Dinse

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Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
Akt. Einsatzbereich
Intensivüberwachung
E-Health ein Rohrkrepierer?
Aus den USA berichtet Professor Elizabeth Teisberg, Beraterin der Obama-Administration, dass es nicht ausreicht, E-Health ohne genaue Kenntnis der Bestandteile und der Abläufe der Versorgungskette als Allheilmittel gesundheitspolitischer Probleme zu fordern, denn diese muss präzise gedacht und strukturiert sein, damit sich die Wirkung von E-Health bestmöglich entfalten kann. Insbesondere zählt dazu eine optimale Strukturierung der Versorgung chronisch Kranker. Eine lediglich hervorragend ausgestaltete Akutversorgung wird nur teuer, wie das Beispiel USA eindrucksvoll zeigt.

.....

Sie diskutieren länderübergreifend, wie DRGs erst bei effizienter Managed Care sowie funktionierender integrierter Versorgung wirksam sein können. Bessere Abstimmung innerhalb und zwischen Berufsgruppen ist mittels modernen Managements im Sozial- und Gesundheitswesen leistbar. Aber es erfordert zudem modern konzipierte Ausbildungen für neue Berufe im Gesundheitswesen. Dies alles sind notwendige Bedingungen für eine effiziente Patientenversorgung, ...

GesundheitsPiazza [newsletter@gesundheitspiazza.eu]

Wo können wir da eingreifen? Ist es möglich eine Vernetzung zwischen Akutversorgung und Nachsorge in die Hand der Pflege zu legen? Pflege als Koordinator des Behandlungspfades- ist dies denkbar und welche Strukturen bräuchten wir dann?

Elisabeth
 
Da "E-Health" ein vielschichtiger Begriff ist, wäre es gut, wenn Du Deine verwendete Version mal kurz definieren würdest.

Ulrich Fürst
 
Ich beziehe mich auf die Vernetzung zwischen Akut und Nachsorge inklusive Kommunikation zwischen allen Beteiligten- wie bereits beschrieben und dem Text zu entnehmen. Ich habe bewusst auf die Verlinkung zu Tante Wiki verzichtet.

Elisabeth
 
Ich beziehe mich auf die Vernetzung zwischen Akut und Nachsorge inklusive Kommunikation zwischen allen Beteiligten- wie bereits beschrieben und dem Text zu entnehmen.
Ich finde, Deinem Zitat im OP ist so gut wie gar nichts zum Thema E-Health zu entnehmen. Insbesondere nichts, was ich unter E-Health verstehen. Deswegen habe ich nachgefragt. Solltest Du unter wikipedia nachsehen, wird dort übrigens der Sinn meiner Nachfrage bestätigt.
Dein Link, hinter dem ich den Text erwartet hätte, führt nur zu einer Kongress-Werbung...


Dann halt nicht.
Ulrich Fürst
 
Wo liegt dein Problem? Wir sind in der Akutpflege tätig. Was nach dem KH-Aufenthalt passiert interssiert viele Kollegen nicht. Was vor dem KH-Aufenthalt war ebenfalls nicht. Ich gehe davon aus, dass hier noch - wie beschrieben- gewaltige Ressourcen liegen. Beispiel: Verkürzung der Liegdauer bei optimaler Nachsorge. Stichwort: Fast Track.
Dem entgegen stehen die Bemühungen der KH um eine hohe Bettenauslastung und den fehlenden Möglichkeiten in der professionellen Nachsorge.

Elisabeth
 
Mir fehlt der Zusammenhang zum "E" von E-Health in Deinen Auführungen. Bisher beschreibst Du einfach altbekannte Schnittstellenproblematiken.
Dieses Thema ist so groß, dass ich vermute, dass es Dir um einen Teilaspekt geht. Und das wollte ich wissen. Auch wenn's nicht so ist. Weil bei einem so großen Thema einfach ins Blaue hinein antworten ist mir zu aufwändig. Ich wollte nämlich kein Buch schreiben.

Ulrich Fürst
 
ich hatte wahrscheinlich wirklich zu hoch angesetzt. Entschuldigung. Also einen Schritt zurück.

Wie kommen die Infos von A nach B.
Beispiel: Fast Track Darm- Im Kh wird eine hohe Qualitätssicherung betrieben und nach diversen Checklisten gearbeitet. Und nach der Entlassung?

In D legt jeder Bereich für sich fest, was zu machen ist. Die altbekannte Schnittstellenproblematik ist da mehr als hinderlich. Hinderlich empfinde ich auch die Aufsplittung diverser Leistungen bezüglich der Abrechnung: Krankenkasse vs. Pflegekasse.

Die zunehmende Klientel chronisch Kranker profitiert meiner Meinung nach nicht von der möglichen Fachkompetenz der Pflege.

Wo wird diese Problematik von uns systematisch angegangen? Wer setzt den Entlassungsstandard um mit welchen Mitteln? Welche Rolle spielen dabei elektronische Medien? Wie geht man mit der Klientel um, die kein Internet nutzen? Wie kann Pflege in Funk und Fernsehen aktiv werden?

Geht also alles in den Bereich der Beratung, Anleitung und Begeitung.

Elisabeth
 
noch geht in D die Nachsorge-nach Entlassung des Patienten- in die Sprechstunde des Hausarztes über,evtl. werden 2-4 Termine zur z.B.Wundkontrolle vereinbart...(wobei ich mich meine zu erinnern,das das Krankenhaus nur 4 oder 6 (?) Nachsorgetermine vornehmen darf,mehr übernehmen die KK nicht??)
Eine weiter Nachsorge durch das Krankenhaus würde also hier schon Änderungsbedarf der Strukturen erkennen lassen,richtig?
Im Sinne der (NL) Organisation von Polikliniken IN den Krankenhäusern,der Ansiedlung von allgemein/Hausarzt an den Kliniken,ergibt sich auch für die Pflege ein weites Tätigkeitsfeld.Ich denke an eine Pflegesprechsunde,Weiterleitung der Patienten, die Vor- und Nacharbeit fürs Casemanagement...
ABER,würde nich ein Aufschrei durch D gehen, man würde Arztpraxen schliessen kostendeckender arbeiten...aber der Deutsche an sich ist da unflexibel....wir leisten uns einen Porsche,wollen aber nur für einen alten Golf bezahlen...
 
E-Health ein Rohrkrepierer?
Aus den USA berichtet Professor Elizabeth Teisberg, Beraterin der Obama-Administration, dass es nicht ausreicht, E-Health ohne genaue Kenntnis der Bestandteile und der Abläufe der Versorgungskette als Allheilmittel gesundheitspolitischer Probleme zu fordern, denn diese muss präzise gedacht und strukturiert sein, damit sich die Wirkung von E-Health bestmöglich entfalten kann. Insbesondere zählt dazu eine optimale Strukturierung der Versorgung chronisch Kranker. Eine lediglich hervorragend ausgestaltete Akutversorgung wird nur teuer, wie das Beispiel USA eindrucksvoll zeigt.

.....

Sie diskutieren länderübergreifend, wie DRGs erst bei effizienter Managed Care sowie funktionierender integrierter Versorgung wirksam sein können. Bessere Abstimmung innerhalb und zwischen Berufsgruppen ist mittels modernen Managements im Sozial- und Gesundheitswesen leistbar. Aber es erfordert zudem modern konzipierte Ausbildungen für neue Berufe im Gesundheitswesen. Dies alles sind notwendige Bedingungen für eine effiziente Patientenversorgung, ...

GesundheitsPiazza [newsletter@gesundheitspiazza.eu]
Wo können wir da eingreifen? Ist es möglich eine Vernetzung zwischen Akutversorgung und Nachsorge in die Hand der Pflege zu legen? Pflege als Koordinator des Behandlungspfades- ist dies denkbar und welche Strukturen bräuchten wir dann?

Danke Elisabeth. Ein super Thema.
Unter E-Healt verstehe ich die elektrionische Patientenakte.

Ich versuche hier deine Fragen zu beantworten.
Wo können wir da eingreifen?
Gar nicht bzw gering. Dies ist Aufgabe der Politik. Wir haben darauf leider nur geringen Einfluss
Ist es möglich eine Vernetzung zwischen Akutversorgung und Nachsorge in die Hand der Pflege zu legen?
Ich hoffe nicht, das wäre zu einseitig und würde noch zu wenig weit gehen.
Es braucht eine reorganisation/reform der gesamten Gesundheitsversorgung. E-Healt bzw. die elektronische Patientenakte ist dabei nur ein kleiner Schritt.

reorganisation/reform zwei starke Schlagworte. Und niemand weis was sie damit gemeint ist.
Ich empfehle euch den "Bericht des Staatsrates an den Grossen Rat zur Gesundheitspolitik 1999-2008" zu lesen. Es sind nur 50 Seiten auf deutsch (die anderen 50 sind auf französisch)

Pflege als Koordinator des Behandlungspfades- ist dies denkbar und welche Strukturen bräuchten wir dann?
Ja mit einer Weiterbildung als Case Manager durchaus. (Fallmanager)


Hier noch ein weiterer Artikel aus der Zeitschrift Primary-Care http://www.primary-care.ch/pdf/2004/2004-22/2004-22-146.PDF

cheers Angus
 
Wo wird diese Problematik von uns systematisch angegangen? Wer setzt den Entlassungsstandard um mit welchen Mitteln? Welche Rolle spielen dabei elektronische Medien? Wie geht man mit der Klientel um, die kein Internet nutzen? Wie kann Pflege in Funk und Fernsehen aktiv werden?

Geht also alles in den Bereich der Beratung, Anleitung und Begeitung.

Und Werbung für den Beruf?

Ulrich
P.S. ich bin mal ein paar Tage nicht da und werde deshalb etwas später antworten.
 
Gleich mal zu Beginn:
Ich habe den Expertenstandard Entlassungsmanagement nicht gelesen und habe wenig Einblick in das was danach passiert (ist ja wohl Systembedingt).

Die Aufsplittung der ganzen Abrechnung nicht nur in Krankenkasse vs. Pflegekasse, sondern auch innerhalb der Krankenkassen in ambulant vs. stationär, in Hilfsmittel vs. Arzneimittel usw. ist sicherlich hinderlich und verursacht m. E. mehr Kosten als es je einsparen könnte (und viel Frust und Kosten bei den Betroffenen). Falls das in der Pflegekasse ähnlich abläuft, um so schlimmer.

Die mir bekannten Überleitungsbögen sind alle eher nicht dafür gedacht, dass Pflegekräfte nach dem Lesen über den Patienten bescheid wissen. Das berichten mir auch KollegInnen aus Pflegeheimen mit denen ich mich unterhalten habe. Das liegt allerdings nicht daran, dass es sich um eine Papierversion handelt, sondern am Inhalt der Überleitungsbögen, bzw. daran, dass sie wohl eher auf Rehakliniken und Krankenkassen ausgerichtet sind

Die zunehmende Klientel chronisch Kranker profitiert meiner Meinung nach nicht von der möglichen Fachkompetenz der Pflege.
Da gibt's ja gleich mehrere Probleme:
Erstens ist die Fachkompetenz nur möglich und nicht immer und überall vorhanden. Das kommt sicherlich mit daher, dass man eigentlich auch zunehmend weniger Fachkompetenz benötigt, weil man sowieso für Pflegeinterventionen häufig nicht die Ruhe oder Zeit hat und viele Kollegen v.a. mit organisatorischem Tätigkeiten beschäftigt sind und Denken im Sinne einer Pflegeplanung oder eines Pflegeprozesses schwer umsetzbar ist und auch die Liegedauer im Akutkrankenhaus eine Pflege mit einem Sichtbaren Prozess(-planung) an sich schon aufgrund der Kürze schwer und evtl. sogar unnötig(?) macht.

Wo wird diese Problematik von uns systematisch angegangen?
Wer setzt den Entlassungsstandard um mit welchen Mitteln? Welche Rolle spielen dabei elektronische Medien? Wie geht man mit der Klientel um, die kein Internet nutzen? Wie kann Pflege in Funk und Fernsehen aktiv werden?
Geht also alles in den Bereich der Beratung, Anleitung und Begeitung.
Elisabeth
An der Organisation der Entlassung sind wir z. B. beteiligt als Schnittstelle zwischen Arzt, Patient und Sozialdienst. Und natürlich beim Ausfüllen diverser Anträge. Elektronische Medien benutzen wir dabei eigentlich nicht (der Überleitungsbogen wird zwar auf einer Word-Vorlage basierend erstellt, aber das wars dann schon an Elektronik), vermutlich v.a. da bei uns überhaupt die ganze Pflegedokumentation auf Papier läuft.

Internet Wozu benötigt ein Klient Internet? Ohne elektronische Gesundheitskarte können doch gar keine Daten an Außenstellen übertragen werden und ob es überhaupt geplant ist (praktisch und nicht nur als theoretisches Modell), dass der Patient selbst Zugriff auf seine Daten hat, wage ich mal an zu zweifeln. (Davon abgesehen, dass das wahrscheinlich bei der Anzahl der Virenbefallenen heimatlichen Rechner keine Gute Idee ist).
Aber vielleicht verstehe ich Dich da auch falsch oder Du arbeitest in einer Modellregion?

Pflege in Funk und Fernsehen
Ich glaube, ich komme wirklich nicht mit:gruebel:
Meinst Du Sendung über oder von Pflege? Zum Zweck der Werbung für unseren Beruf? Oder als Beratungssendung? Das wäre dann eher ein weitgefasster Begriff von eHealth und nicht so wie Angus oder ich den Begriff auffassen würden.

Pflege kann zumindest da aktiv werden, wo wir Fortschritten nicht entgegen stehen. Also ist es z. B. wichtig, dass sich jeder einzelne mit dem Umgang mit EDV allgemein beschäftigt und v.a. Grundfertigkeiten in diesem Bereich erlangt.

Ulrich Fürst
*der sich nicht sicher ist, ob er nicht völlig an Deiner Frage vorbei geantwortet hat.*
 

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