Blick über den Tellerrand

Martin H.

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Bayern
Beruf
Krankenpfleger, Berufspädagoge im Gesundheitswesen B. A.
Wie kann Deutschland das drohende Pflegedefizit – laut Bundesrechnungshof steigt es bis 2029 auf mehr als zwölf Milliarden Euro – abwenden? Ein Blick über den deutschen Tellerrand liefert Antworten. Skandinavische Länder wie Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland oder Island verfolgen einen fundamental anderen Ansatz als Deutschland.

Während hierzulande das Bismarck-Modell auf beitragsfinanzierten Versicherungen basiert, wird das skandinavische Beveridge-Modell primär aus Steuermitteln finanziert. Dies führt zu einer stabileren finanziellen Basis und macht Pflegebedürftigkeit nicht zur Armutsfalle. „Schweden oder Dänemark zeigen, dass Dezentralisierung der Schlüssel für ein wirksames Gesundheitssystem sein kann“, erklärt Wendt.

In Skandinavien ist der Pflegeberuf zudem akademisiert. Ein dreijähriges Bachelor-Studium ist Voraussetzung, um als Pflegefachkraft zu arbeiten. Das steigert Qualität und Ansehen des Berufs. Pflegekräfte übernehmen dort Aufgaben, die in Deutschland Ärzten vorbehalten sind, etwa Triage, einfache Diagnosen oder das Verschreiben von Medikamenten.“



Aber lieber soll die Pflege wieder kaputtgespart werden, siehe Die Pflege soll weiter kaputt gespart werden

Hat ja in D gute Tradition, weil’s auch so gut funktioniert hat. :rolleyes:
 
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Akademisierung kann sinnvoll sein – etwa für Pflegeforschung, Pflegeentwicklung, komplexe Fallsteuerung, Beratung oder bestimmte spezialisierte Aufgaben. Aber die körpernahe Grundpflege verschwindet dadurch nicht.
Auch in einer hoch akademisierten Pflege müssen weiterhin Menschen:
  • Inkomaterial wechseln und Inkontinenzversorgung durchführen,
  • Patienten waschen und duschen,
  • beim Toilettengang helfen,
  • bettlägerige Menschen lagern,
  • Essen anreichen,
  • Patienten mobilisieren,
  • Ausscheidungen beobachten,
  • Wunden versorgen,
  • Angehörige unterstützen,
  • und schlicht da sein, wenn ein Mensch Hilfe bei den elementarsten Dingen des Lebens braucht.
Und genau deshalb halte ich die Frage „Wer macht dann eigentlich die direkte Pflege?“ für völlig berechtigt.
Das Problem entsteht, wenn man Akademisierung mit einer Aufwertung der Pflege insgesamt verwechselt. Eine akademische Pflegekraft kann hervorragend ausgebildet sein – aber ein Bachelorabschluss macht die körperlich belastende Arbeit am Patienten weder überflüssig noch weniger notwendig.
Interessant wird es bei der Arbeitsteilung: Wenn immer mehr Pflegekräfte akademisch qualifiziert werden, müsste man gleichzeitig klären, wer die praktische Grund- und Behandlungspflege übernimmt, mit welcher Qualifikation, mit welcher Bezahlung und mit welcher Verantwortung.
Denn sonst entsteht eine Hierarchie, bei der die akademisch Qualifizierten planen, evaluieren und dokumentieren – und andere die eigentliche körperliche Arbeit machen.
Und dann stellt sich tatsächlich die etwas provokante Frage:
„Wer wechselt am Ende die Windel?“

Das ist keine polemische Frage. Das ist eine ziemlich grundlegende Frage nach dem zukünftigen Pflegemodell.

In der Hitzewelle. Ich laufe alleine auf der Abteilung herum, wie so oft und es erscheinen in den ersten 2 Tagen 4(!!!) Mitarbeiter, die nicht zum Arbeiten am Patienten kommen, sondern die z.b kontrollieren kommen wollen, OB ich eine Armbanduhr trage. Ich könnte sofort dem Mitarbeiter Stellen zeigen WO er aktiv werden müsste/ könnte... Das passiert aber nicht. Auf dem Auge ist man blind, und ich erhalte auf meine massive Kritik die Antwort: ES ist nicht SO, dass ich das in den Gremien nicht bespreche. Es wird zugehört mit den Schultern gezuckt und dann passiert überhaupt nichts, weil es dann doch zu peinlich war, dass ich sagte. " Schau Kollege ! DU hast mich mit einem selbst genähten Lappen vor dem Gesicht in die Pandemie geschickt! Ich dachte schon: Es gäbe Dich überhaupt nicht mehr. Jetzt renne ich mit 65 Jahren hier als Alleinunterhalter für 38 Patienten bei fast 40 Grad C herum und du willst wissen: Ob ich eine Uhr trage, Willst Du wissen wie spät es ist ? Das kann ich dir sagen: Es ist 5 Minuten NACH 12 ! Du bist jetzt schon der 4. der mich diese Woche kontrollieren kommt! Schaff Personal heran ! Sonst gehe ich nämlich nachhause, weil ich das hier gar nicht arbeiten darf !"
„Ihr kontrolliert lieber mich als die Bedingungen, unter denen ich arbeiten muss.“
Das Interessante wäre deshalb gar nicht:


„Warum kontrolliert der Hygienemensch meine Uhr?“


Sondern:


„Warum wird das, was alle sehen können, nicht genauso konsequent kontrolliert und bearbeitet wie das, was sich an einer einzelnen Mitarbeiterin überprüfen lässt?“


Denn eine Uhr kann man einer Mitarbeiterin abnehmen.


Ein strukturelles Personal- oder Organisationsproblem kann man nicht so einfach einer einzelnen Mitarbeiterin anlasten.
 
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Wer macht dann eigentlich die direkte Pflege?“ .
Die Pflegekräfte. Steht auch prinzipiell so in meinem verlinkten Beitrag („… Studium ist Voraussetzung“).
„Körpernahe“ Tätigkeiten sind auch weiterhin Aufgabe von Pflegekräften, egal ob akademisiert oder nicht. Bei Ärzten im Op z. B. gibt es auch sehr anstrengende Tätigkeiten (Hakenhalten).

Wenn wir dieses Thema nicht schon hundertmal in den letzten Jahren durchgekaut hätten… :rolleyes:
Grund- und Behandlungspflege
Das sind fachfremde Kategorien.
In der Hitzewelle. Ich laufe alleine auf der Abteilung herum, wie so oft und es erscheinen in den ersten 2 Tagen 4(!!!) Mitarbeiter, die nicht zum Arbeiten am Patienten kommen, sondern die z.b kontrollieren kommen wollen, OB ich eine Armbanduhr trage. Ich könnte sofort dem Mitarbeiter Stellen zeigen WO er aktiv werden müsste/ könnte... Das passiert aber nicht. Auf dem Auge ist man blind, und ich erhalte auf meine massive Kritik die Antwort: ES ist nicht SO, dass ich das in den Gremien nicht bespreche. Es wird zugehört mit den Schultern gezuckt und dann passiert überhaupt nichts, weil es dann doch zu peinlich war, dass ich sagte. " Schau Kollege ! DU hast mich mit einem selbst genähten Lappen vor dem Gesicht in die Pandemie geschickt! Ich dachte schon: Es gäbe Dich überhaupt nicht mehr. Jetzt renne ich mit 65 Jahren hier als Alleinunterhalter für 38 Patienten bei fast 40 Grad C herum und du willst wissen: Ob ich eine Uhr trage, Willst Du wissen wie spät es ist ? Das kann ich dir sagen: Es ist 5 Minuten NACH 12 ! Du bist jetzt schon der 4. der mich diese Woche kontrollieren kommt! Schaff Personal heran ! Sonst gehe ich nämlich nachhause, weil ich das hier gar nicht arbeiten darf !"
„Ihr kontrolliert lieber mich als die Bedingungen, unter denen ich arbeiten muss.“
Das Interessante wäre deshalb gar nicht:


„Warum kontrolliert der Hygienemensch meine Uhr?“


Sondern:


„Warum wird das, was alle sehen können, nicht genauso konsequent kontrolliert und bearbeitet wie das, was sich an einer einzelnen Mitarbeiterin überprüfen lässt?“


Denn eine Uhr kann man einer Mitarbeiterin abnehmen.


Ein strukturelles Personal- oder Organisationsproblem kann man nicht so einfach einer einzelnen Mitarbeiterin anlasten.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was Dein ausschweifend geschildertes Beispiel mit dem Thema zu tun hat?
Heißt nicht, daß ich Dir nicht glaube, was Du schreibst; aber der Zusammenhang erschließt sich mir nicht.
 
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