Hallo!
Ich arbeite als stellv. PDL in einem wachsenden privaten PD.
Als ich vor fast 5 Jahren da anfing, hieß es: "wir zahlen nicht nach Tarif." Nun weiß ich, "nicht nach Tarif" muss gar nicht schlechter sein. Wir bekommen zwar keine 80% Urlaubsgeld und nur wenig Weihnachtsgeld, aber dafür im Schnitt pro Monat etwas mehr als andere. Einer Freundin im benachbarten kirchl. Krankenhaus werden (oder wurden so gar schon) so gut wie alle Zuschläge gestrichen, was einer Gehaltskürzung von über 10% gleich kam. Wenn ich meine 3/4-Stelle (ohne stellv.-Zuschlag) auf ihre ganze Intensivstation-Stelle hochrechne, verdiene ich mehr als sie. Und Neuzugänge müssen dort die ersten 12 oder 24 Monate 100% arbeiten, bekommen aber nur 80% bezahlt...
Wir machen natürlich auch Überstunden, aber die werden nach Lage der Dinge ausbezahlt oder für "magere" Zeiten gesammelt. Ich bin aber meistens froh, wenn´s am Monatsanfang zusätzlich Geld gibt.
Meine Kolleginnen sind mit den Arbeitszeiten und ihren Diensten fast immer zufrieden, wenn jemand krank wird muss eben jemand einspringen, aber das kann jedem passieren. Wir haben z.Z. 7 Frühdienste die zwischen 6.00 und 7.00 beginnen und zwischen 11.00 und 13.30 enden. Den kurzen 4,5 Std.-Dienst fahren überwiegend eine 400€-Kraft, meine PDL und ich vor der Bürozeit. Die 3 Spätdienste kommen auch auf ihre 5-8 Stunden. Geteilten Dienst gibt es bei uns in der Regel gar nicht mehr, und der Dienstplan wird um die Wünsche der Angestellten drum rum geschreiben, die Dienste (Tage) und Stunden gerecht und nach Stelle verteilt.
Die Fahrzeiten zu den Patienten sind grundsätzlich bezahlte Arbeitszeit, und die Einsatzzeiten sind so bemessen, dass zu einem Plausch hier und einer Tasse Kaffee dort auch noch reicht. Patienten und Kollegen freut´s.
Verbrauchsmaterial wie Handschuhe, Desi und Autos (ups, das darf der Chef nicht lesen...) werden von der Firma gestellt.
Fort- und Weiterbildungen finden intern aber auch extern statt, sind Arbeitszeit und werden in der Regel vom AG bezahlt.
Für 6,50 hätte ich aber auch keine Lust in egal welchem Job zu arbeiten, man kann ja aber im Einstellungsgespräch klar sagen, was man sich vorstellt, und ggf "nein Danke" sagen. Meist kommt einem der zukünftige Arbeitgeber dann doch noch entgegen.
In meiner Ausbildung hatte ich in einem diako. PD einen Einsatz, die hatten so viele Schüler, dass die festangestellten Kräfte kaum auf ihre Stunden kamen. Eingearbeitet wurde ich von einer ungelernten Kraft, die ebenfalls auch noch Bereitschaftsdienst machte. Um die Fahrzeuge wurde sich morgens fast geprügelt, wer zu erst kam, nahm das Beste. So etwas gibt bzw gab es bei uns nicht. Da wir seit 3 Jahren selber ausbilden, arbeiten wir leider nicht mehr mit der Krankenpflegeschule zusammen. Bereitschaft haben nur 3jährig examinierte Kräfte, wir sind 15 examinierte KPs und APs, 1 HEP, 1 KPH, 2 AP-Azubis und 1 ungelernte PH, die Touren haben fest zugeteilte Fahrzeuge.
Im Großen und Ganzen gibt es sicherlich auch bei einem privaten Pflegedienst wie überall negatives, aber für mich überwiegt das positive und ich arbeite gerne hier.