Kollegen "mitreißen" zur positiven Veränderung in der Pflege

Sachertorte

Stammgast
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Ich frage mich häufig was kann ich als einzelne Person tun um eine positive Wendung in der Pflegeproplematik beizusteuern. Und wenn es nur ein mini kleiner Schritt ist der nur im Team oder im Haus zunächst Auswirkungen hat.
Pflege könnte letztlich so schön sein. Aber das was ich besonders in den deutschen Kliniken gesehen habe, hat vieles, aus bekannten Gründen, nicht mehr viel mit Pflege zu tun.

In fast allen Teams wo ich bisher war, war oder ist man sich einig so kanns nicht weiter gehen. In Gesprächen untereinander ist man sich einig doch allein wenn man Probleme, Veränderungswünsche bzw, diverse Themen beim Teamgespräch anspricht steht man plötzlich wieder alleine da (selbst wenn sogar grundsätzlich auch die Stationsleitung der delben Meinung ist). Keiner traut sich den Mund aufzumachen. Oder die Kollegen stehen plötzlich auf Seite des Arbeitgebers. Ich kann das nicht nachvollziehen. In der heutigen Zeit braucht man doch wahrlich nicht mehr den Schwanz einziehen.

Man bekommt immer den Druck von oben, aber Gegendruck gibt es keinen, somit scheint ja für die Chefs alles zu passen.
 

alesig

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Du kannst Menschen nicht ändern, nur deine Einstellung zu ihnen. Den Satz sage ich mir seit Jahren. Viele jammern und jammern, wenn es dann aber in den Konflikt geht ziehen die meisten den Schwanz ein und tuns alles was von ihnen verlangt wird, natürlich mit reichlich jammern. Ich habe für mich entschieden, daß ich nur noch für mich einstehe und kämpfe. Ich bilde mich ständig fort, welche Rechte und Pflichten ich habe um gut Argumentieren zu können. Das Ergebnis ist für mich persönlich durchaus zufriedenstellend. Mein Dienstplan paßt, es wird kein Dienst im laufenden Plan geändert ohne mich zu fragen, ich springe nicht ein, meine Telefonnummer ist auf Station nicht bekannt, ich übernehme keine pflegefremden Tätigkeiten solange ich mit meiner Arbeit nicht fertig bin, erst kommt der Patient, die Administration kann warten, Ärzte versuchen erst gar nicht mehr Teile ihrer Arbeit auf mich zu deligieren. usw usw usw. Ich habe mich jahrelang im Betriebsrat für andere eingesetzt, und die sind mir dann in den Rücken gefallen als es zur Sache ging. Inzwischen ist meinen Chefs klar, was sie mit mir machen können und was nicht. Mir geht es damit gut und das ist die Hauptsache.
Ich schreibe Gefährdungsanzeigen ,wenn ich es für notwendig erachte, auch wenn der Chef "sowas nicht sehen will".Wenn mir was nicht passt oder suspekt erscheint, gibt es eine schriftliche Mitteilung/Beschwerde/Aufforderung zu Behebung des Mißstandes, an die Obrigkeit, mit Kopie an den Betriebsrat. Auf mündliches lasse ich mich schon lange nicht mehr ein, da sehr oft was "vergessen " wurde oder ich was falsch verstanden habe, oder es war ja ganz anders gemeint. Das Schwierigste war das schlechte Gewissen los zu werden und mein Helfersyndrom.
Aber mit viel gutem Willen und Übung ist es mir gelungen. Ich habe so das Gefühl, daß sich vielen in der Pflege gar nicht verbessern wollen, denn das würde ihnen die Grundlange zum jammern und bedauert werden ,nehmen.
Druck von oben bekomme ich nur noch sehr selten, denn ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert.
 

niesreiz

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Aber das was ich besonders in den deutschen Kliniken gesehen habe, hat vieles, aus bekannten Gründen, nicht mehr viel mit Pflege zu tun.
Was bedeutet für dich "besonders in den deutschen Kliniken"? "...hat vieles, aus bekannten Gründen..." ist mir zu wage formuliert. Mir scheint es hier eine gewisse Sättigkeit im Sinne von "Nasevoll" durchzuklingen - dennoch, gerade dieses allgemein halten nimmt in meinen Augen die wichtige Grundlage einer sachlichen und somit zweckdienlichen Diskussion.

In Gesprächen untereinander ist man sich einig
Tatsächlich? Ich hab eher häufig den Eindruck, dass zwar zugestimmt wird, wenn man etwas anprangert, aber unausgesprochen unterschiedliche Ursachen dafür ausgemacht werden. Probleme, okay, da könnte Einigkeit bestehen - aber in der Ursachen der Probleme... da lassen sich meiner Erfahrung nach viele unterschiedliche Ursachen hören. In dieser Folge lassen sich auch nicht immer unbedingt gemeinsame Maßnahme bzw. Lösungen für gleich erscheinenden Probleme entwickeln - ein klassisches Konfliktpotential mit folgerichtiger Konsequenz: Da...
steht man plötzlich wieder alleine da
Mögliche Ursachen für Probleme: Personalführung, mangelnde bzw. fehlerhafte Kommunikation, Kostendruck, konträre Zielsetzungen, im Auftrag bzw. der Verantwortung des/der Einzelnen, Gesellschaftssystem fehlerhaft (z.B. Leistunggesellschaft), Wirtschaftssystem, Bequemlichkeit, Selbstgier/Egozentrismus, Nepotismus, niedere menschliche Beweggründe (z.B. dedizierte Machtausübung, Herablassungen), Faschismen, Wahrnehmungsfehler, Sexismus, unehrlich gelebte Fehlerkultur, Ungleichbehandlung... usw.. usf...

Spreche ich mit KollegInnen können die meisten zwar noch Probleme benennen bzw. Empfindungen subjektiv schildern - aber mögliche Ursachen dafür erweisen sich gesprächstechnische als argumentative Rohrkrepierer. Wie viele sind den in Gewerkschaften, Berufsorganisationen, Fachgesellschaften oder sonst einer Interessenvertretung organisiert? Löblich, dass du da evtl. vorbildlich vorran gehst und dir sogar Gedanken über deinen Bereich hinaus machst, aber am Ende, solltest du deinem Beruf treu bleiben, wird es z.B. ein heranbilden von Resilienzfaktoren bei dir selbst bleiben.

Ich, für mich, habe mich in meinem Selbstverständnis damit abgefunden, dass ich in meinem begrenzten Rahmen der Querdenker und Kritiker sein kann - stets im Versuch sachlich, würdewahrend und evidenzbasiert zu sein. "Läuft bei mir" damit - in meinem Haus bzw. Team, wie auch in Arbeiten in einer Fachgesellschaft und Organisation in einer Berufsorganisation. Mein, vielleicht kläglicher, Versuch für den Einen oder die Andere ein Vorbild sein zu können. :knockin:Hier und da trifft man sogar mal auf einen/eine VorgesetzteN, welcheR das dann sogar zu schätzen und zu nützen weiß. ;) Keep on fightin'!

PS: Achja... und, ich habe es schon einmal in einem anderen Thread erwähnt (ich weiß nur nicht mehr ob du da beteiligt warst), solltest jemand hier einen revolutionären Systemumsturz planen, möchte ihr bei der Planung beteiligt sein. :engel:
 
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