Aus dem Tagebuch einer Erstkurslerin...

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von bellkadse, 18.09.2016.

  1. bellkadse

    bellkadse Newbie

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    Hallo ihr Lieben :-)
    Ich hab meine Ausbildung am 1.9. begonnen und bin jetzt seit genau einer Woche auf Station (7 Tage durch gearbeitet) und finde das Klima etwas... eigenartig. Mit anderen Schülern oder FJSlern komme ich gut klar und wir begegnen uns auf Augenhöhe. Bei den Fachkräften sieht das allerdings ein wenig anders aus. Wenn es darum geht, mir Aufgaben zu geben, Dinge zu erklären und anderes fachspezifisches Zeug ist meistens alles tutti. Aber wenn wir gemeinsam in der Pause sitzen und frühstücken, werde ich ignoriert. Es wird sich unterhalten und gelacht und ich bin total außenvor. Kann vielleicht daran liegen, dass ich erst fast 20 bin und meine Kolleginnen zwischen Ende 20 und Mitte 30. Dennoch werde ich überhaupt nicht in Gespräche eingebunden. Wenn ich dann doch versuche, meinen Senf dazu zu geben, wird das ignoriert und man unterhält sich munter mit der Kollegin weiter. Vielleicht ist das ja auch normal, wenn man "die Neue" und dazu eine Schülerin im 1. Kurs ist, aber so krass? Mich hat es jetzt am Wochenende sehr belastet, dass eine Drittkurslerin, mit der ich mich sonst viel unterhalten habe, frei hatte und ich somit 8 1/2 Stunden niemanden hatte, mit dem ich mich auf Augenhöhe auch einfach mal nebenbei über private Themen unterhalten konnte, sondern stur meine Arbeit gemacht habe. Man muss dazu auch sagen, dass ich manchmal Phasen habe, in denen ich extrem überempfindlich bin, was heute dazu führte, dass ich, als ich genau darüber nachgedacht habe, schnurstraks auf Toilette rennen musste und da erstmal geweint habe. Alle quatschen, alle lachen und ich werde nicht mit eingebunden und sogar ignoriert, wenn ich versuche, mich einzubringen. Es wirkt wie eine krasse Hierarchie, in der sich Fachkräfte zu schade sind, auf Schüler einzugehen. Zudem fühle ich mich manchmal wie ein Kind behandelt. Gestern unterhielten sich meine Kolleginnen über Schüler, die nicht kritikfähig sind. (Das war, glaub ich, das einzige Gespräch, in dem ich nicht komplett ignoriert wurde) Ich warf dann ein, dass es ja gerade wenn man frisch begonnen hat, nicht leicht ist, sich jeden Tag den ganzen Tag anhören zu müssen, was man alles noch nicht kann, dass ich es aber richtig und wichtig finde, Kritik zu bekommen, da man ja sonst nicht weiter kommt. Da hielt mir eine Schwester nen Vortrag, dass wir ja alle unser privates Päckchen zu tragen haben, dieses auf Arbeit aber ablegen müssen, um für Patienten da zu sein und unsere Probleme nicht an ihnen auszulassen und so weiter und sofort. Und dass man ja keine Ausbildung bräuchte, wenn man schon alles könnte. Das ist für mich eine absolute Selbstverständlichkeit und außerdem hat sie mit dieser Aussage mehr oder weniger das Thema verfehlt. Ich kam mir dennoch so dumm vor, als sie mir diesen Vortrag hielt, weil es für mich einfach total logisch und selbstverständlich war und ich mir die Frage stellte, für wie doof mich diese Frau wohl halten muss. Kann jetzt auch eine Überreaktion meinerseits sein, doch dieser Moment war einfach sehr unangenehm für mich, weil sie auch vor fast versammelter Mannschaft mit mir gesprochen hat.
    Letztens gab es auch so eine unheimlich dämliche Situation. Ich habe einen Gegenstand an eine falsche Stelle getan, weil ich ihn da schon mal gesehen habe und mir sicher war, dass er dahin gehört. Irgendwann kam dann eine Kollegin an und meinte, dass er woanders hin gehörte und ich bei sowas doch bitte vorher nachfragen soll. Als ich ihr sagte, dass ich mir aber sicher war, dass es dahin kommt und deshalb logischerweise nicht gefragt habe, meinte sie nur "Trotzdem immer fragen", wo ich mir einfach dachte "HÄ??? Soll ich jetzt bei jedem Lappen, Eimer, Müllbeutel, jeder Inkondinenzhose (die Liste könnte ich ewig weiterführen) fragen, wo was hingehört?" Ich meine, das hat sie mit ihrer (zugegeben dummen) Antwort ja gesagt. Ich hab es dann einfach dabei belassen und es nicht weiter ausdiskutiert, weil ich mich als Schülerin eh wie ein Mensch, der keine Meinung haben darf, fühle. Ein anderes Mal war ich mit der selben Kollegin bei einer Patientin und wir haben sie gerade gewaschen. Als ich das Wasser aus der Waschschüssel in die Toilette gekippt habe (was ich bei einer Kollegin immer so gesehen habe) meinte sie, ich solle es doch unbedingt ins Waschbecken kippen. Ne Begründung gabs nicht. Später sah ich dann, wie es ne andere Kollegin ebenfalls ins Klo gekippt hat und habe ihr von meinem vorherigen Erlebnis erzählt, was sie nur mit einem verwirrten Blick beantwortete. Diese Widersprüche zwischen den Ansichten meiner Kolleginnen kotzen mich so dermaßen an, weil man versucht, es allen recht zu machen, obwohl es bei vielen Dingen (siehe Waschschüssel) kein richtig oder falsch gibt.
    So, das waren erstmal meine Gedanken zu den ersten 7 Tagen...
     
    #1 bellkadse, 18.09.2016
    Zuletzt bearbeitet: 18.09.2016
  2. FLORA.BLEIBT

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    gibt leider solche und solche stationen...
    nicht stressen lassen, du wirst in deiner ausbildung auch noch andere bereiche erleben wo es besser läuft.
    ein paar wochen und gut ;) aber lass dich von so ein paar affen doch bitte nicht unterkriegen.
     
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  3. Onkel Etsch

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    Ich kann gut nachvollziehen wie du dich fühlst. Bin zwar ein alter Hase im Geschäft, aber ich kannte solche Situationen auch von Station. Oft spielt bei den examinierten auch Frust eine Rolle. Sie kriegen den Druck von oben und geben ihn nach unten weiter. Zum thema mit der waschschüssel sag ich nur: die wollen sich profilieren und dir zeigen dass sie die profis sind. aber es gibt unendlich viele stationen, wo nicht solche kolleginnen rumlaufen, sondern wo man als teammitglied angesehen und wertgeschätzt wird.
     
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  4. narde2003

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    Du kannst dein Waschwasser in das Waschbecken entleeren, dann aber hinterher eine Desinfektion von Waschbecken und Umgebenung. Warum? Weil es dabei zu Verwirbelungen vom Wasser und den ggf. darin "schwimmenden" Keimen kommt. Dies ist besonders wichtig, wenn es sich bei z.B. MRGN 3 oder 4 Erregern handelt.
    Waschwasser in der Toilette geht genauso.
     
  5. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Ganz ehrlich: Ich sehe eine Menge Dinge, die meines Erachtens nicht persönlich gemeint sind, von Dir aber so aufgefasst werden. Möglicherweise, weil Du, wie Du sagst, "schon immer" Phasen "extremer Überempfindlichkeit" hast. Eure Kommunikation ist meiner Meinung nach ein Paradebeispiel für das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun (kriegste noch in der Ausbildung) und bei Dir kommt vieles ganz anders an, als es gemeint ist.

    Ich rate Dir zu einer Unterredung mit Deiner Praxisanleiterin oder der Stationsleitung. Sag, wie Du Dich fühlst, frage nach Rückmeldung. Deine bisherige Reaktion, zu schweigen, beleidigt zu sein oder Dich heimlich auszuheulen wird Dir nicht weiterhelfen und dem Team nicht zeigen, dass Du Dich unwohl fühlst.

    Du bist seit einer Woche auf Station, die anderen sind seit Jahren (wahrscheinlich) miteinander bekannt. Logisch, dass sie leichter untereinander über private Themen sprechen können. Wie muss ich mir Dein "Einbringen" in die Gespräche vorstellen? Zeigst Du Interesse an den anderen Teammitgliedern? Erkundigst Du Dich z.B. , wie lange sie schon in der Pflege sind, wo sie ihre Ausbildung gemacht haben, wie sie in Dein Ausbildungshaus oder in diesen Bereich geraten sind? Möglicherweise kommt das besser an als Einwürfe zu Insider-Themen, die Du gar nicht verstehen kannst.

    P.S.: Mit einigen Absätzen lässt sich ein längerer Text wie Dein erster Beitrag deutlich leichter lesen. Auch diese Kritik solltest Du nicht persönlich nehmen ;)
     
    #5 -Claudia-, 19.09.2016
    Zuletzt bearbeitet: 19.09.2016
  6. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Ich schließe mich Claudia an und frag mich gerade:
    Ist es nicht meine Entscheidung mit wem ich mich über privates austausche?
    Selbstverständlich hab ich Kollegen die ich auch privat kenne und sehr schätze.
    Insgesamt spielt es aber weniger eine Rolle wie lange jemand im Team ist und ob es sich um einen Azubis handelt oder andere.
    Selbstverständlich hab ich auch Kollegen - bei denen ich auf den Austausch von privatem exakt keinen Wert lege.
    Da sind die Themen während der Schicht - halt fachlich im engeren/ weiteren Sinne. Geht problemlos.

    Was ich rauspicke, weil das auch falsch rübergekommen sein könnte:
    "......Ich warf dann ein, dass es ja gerade wenn man frisch begonnen hat, nicht leicht ist,
    sich jeden Tag den ganzen Tag anhören zu müssen, was man alles noch nicht kann
    ,
    dass ich es aber richtig und wichtig finde, Kritik zu bekommen, da man ja sonst nicht weiter kommt......."

    Ist das so, von jedem kommt den ganzen Tag sowas?
    Der anschließende Monolog - kann sein, dass es der Vermutung geschuldet ist, dass (das fettgedruckte) als heftiger Vorwurf gegen das gesamte anwesende Team verstanden wurde - könnte sein.
    Meine Interpretation, kann sein dass dies zutrifft, aber ebenso - nicht. Wenn Du das so nicht gemeint hast.
    Ich kann jetzt hier nur auf das eingehen was hier steht, mit den von Dir gewählten Worten.
    Was anderes steht nicht zur Verfügung.
     
  7. GKP2012

    GKP2012 Stammgast

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    Ich kann dich total verstehen. War auch häufig auf solchen Stationen eingesetzt. Entweder man wird behandelt wie Luft oder zusammengestaucht.
    Es kommen auch andere Stationen. Verschwende nicht zu viel Energie damit eine Station umkrempeln zu wollen.
    Das macht dich nur fertig. Entweder es wird besser, wenn sie dich kennen oder eben nicht. Aber ich würde da jetzt keine großen Gespräche mit wem auch immer entfachen. Das würde meines Erachtens nur böses Blut geben.
    Mach deine Arbeit, zeig dich interessiert zu lernen und schau nach vorne. Der Einsatz geht nicht ewig. Nimm so viel mit wie es geht, aber verschwende nicht deine Energie. Setz deine Energie bewusst ein.
    Es kommen solche und solche Stationen. Verzweifel daran bitte nicht. Es wird nicht die ganze Ausbildung so laufen. Und umso mehr du dich auflehnst, umso schlimmer wird es.
    Sei nett und freundlich, bemühe dich möglichst viel Wissen und Tätigkeiten dort mitzunehmen und versuche den Rest Nebensache sein zu lassen.
    Es fühlt sich natürlich nicht schön an, aber du kannst es nicht ändern.

    Im Endeffekt bringt dich das weiter was du dort lernen kannst.
    Und auch wenn du das Gefühl hast, du lernst nichts und du machst alles falsch. Das stimmt nicht, man lernt immer etwas. Und das ist das was zählt. Sich mit allen zu verstehen ist zwar schön, aber je nach Größe der Klinik nicht nachhaltig.
    Ansonsten lass dir auch viel von anderen Schülern zeigen und erklären, das ist auch für die Schüler selbst eine gute Methode ihr Wissen nochmal zu überprüfen und zu lernen wie man Schüler anleitet.

    Mir ist immer und auch jetzt noch aufgefallen, dass ich einiges nicht aus dem Stegreif beantworten konnte/kann. Das motiviert mich mich mit diesen Themen nochmal zu beschäftigen. Und damit gehe ich auch offen um. Wenn ich etwas nicht weiß, gebe ich es auch zu und forsche nochmal nach.
     
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