Arbeitsschutz beim Instrumentieren

Lieke94

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Hallo zusammen,

bei mir im Haus gibt es eine Unart, die mich schon lange stört. Sämtliche spitze Gegenstände (Nadel, Skalpelle, Redonspieße etc.) werden in die Saugertasche geworfen.
Laut Schule dürfen wir das nicht, aber weil es Abteilungsstandard ist, nimmt die Schule es so hin, auch in Prüfungen. Ich habe mich schon mal an einer 6-0-Nadel gestochen, weil diese sich durch die Saugertasche gebohrt hatte. Ich habe der Schule klar gesagt, dass ich mit diesem Zustand extrem unzufrieden bin. Die Schule sagt dann, sie könne der jeweiligen OP-Leitung nicht reinreden, fertig.
Dass ich es anders machen will, wird nicht akzeptiert. Eine Kollegin, die mich zur Pause auslösen sollte, hat sich das Schälchen mit den Spitzen Gegenständen von meinem Beistelltisch genommen und den Inhalt, trotz meiner Proteste, in die Saugertasche geschüttet.

Ich habe schon mehrfach versucht, das Thema anzusprechen, aber werde jedenfalls abgeblockt. Es gab wohl mal Magnetplatten, die jedoch abgeschafft wurden, weil die Mitarbeiter sie nie benutzten. In Fachzeitschriften habe ich gelesen, dass man eigentlich auch die Nadeln vor dem Wundverschluss zählen muss. Das geht ja dann auch nicht. Eine Bekannte, die auch im OP arbeitet, meinte, ich solle mich einfach weigern unter diesen Umständen zu instrumentieren. Wenn ich mich weigere, kriege ich eine schlechte Bewertung und komme dann gar nicht mehr an den Tisch. Da ich aber Übung für die Prüfung brauche, muss ich an den Tisch.
Ich bin da jetzt echt in der Zwickmühle und weiß nicht, wie ich mich da durchsetzen soll. Es geht ja schließlich um meine Gesundheit.

Ich hoffe, mir kann hier jemand Tipps geben.

LG Lieke94
 

lusche

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Moin Lieke,
„Unart“ ist nett ausgedrückt. Das ist m.M.n. ein klarer Verstoß gegen Arbeitsschutzrichtlinien.
Wie werden die spitzen Dinge denn endgültig entsorgt, also wie geht es für den gefährlichen Saugersack nach der OP weiter? Letztendlich wird der Müll doch von den Reinigungskräften entsorgt. Was sagen die Damen und Herren dazu?
Mal ganz abgesehen von der fehlenden Zähl - Kontrolle... oh jeh.

Die Tatsache, dass berechtigte Denkanstösse in eurem OP mit „schlechten Bewertungen“ bzw. mit „dann darf die halt nicht mehr instrumentieren“ quittiert werden, überrascht mich nicht. „Die (Kritikerin) wird schon sehen, was sie davon hat“...so sieht es leider in vielen OPs aus.

Gerne wird Kritik auch über den Dienstplan abgestraft.
Es soll einzelne OP – Inseln geben, wo es nicht so ist … hab ich mal gehört, nie erlebt.

Wie lange musst du dort noch bleiben?
Der einzige Tipp, der mir im Moment einfällt ist:
Wie wäre es, wenn du das unauffällige Gespräch mit eurem Beauftragten für Arbeitssicherheit suchst? Sie/er könnte doch mal einen unangemeldeten Check machen?
VG Lusche
 
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matras

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Kann den Tipp bezüglich der Information von Arbeitssicherheit von Lusche nur mit unterstützen und ggf. vielleicht noch um die Beteiligung von Betriebsarzt und Personalvertretung ergänzen.
Das beschriebene Verfahren widerspricht jedenfalls eklatant den Vorgaben an Personalsicherheit, OP-Sicherheit und auch Lerninhalten.
 
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Lieke94

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Moin Lieke,
„Unart“ ist nett ausgedrückt. Das ist m.M.n. ein klarer Verstoß gegen Arbeitsschutzrichtlinien.
Wie werden die spitzen Dinge denn endgültig entsorgt, also wie geht es für den gefährlichen Saugersack nach der OP weiter? Letztendlich wird der Müll doch von den Reinigungskräften entsorgt. Was sagen die Damen und Herren dazu?
Mal ganz abgesehen von der fehlenden Zähl - Kontrolle... oh jeh.

Die Tatsache, dass berechtigte Denkanstösse in eurem OP mit „schlechten Bewertungen“ bzw. mit „dann darf die halt nicht mehr instrumentieren“ quittiert werden, überrascht mich nicht. „Die (Kritikerin) wird schon sehen, was sie davon hat“...so sieht es leider in vielen OPs aus.

Gerne wird Kritik auch über den Dienstplan abgestraft.
Es soll einzelne OP – Inseln geben, wo es nicht so ist … hab ich mal gehört, nie erlebt.

Wie lange musst du dort noch bleiben?
Der einzige Tipp, der mir im Moment einfällt ist:
Wie wäre es, wenn du das unauffällige Gespräch mit eurem Beauftragten für Arbeitssicherheit suchst? Sie/er könnte doch mal einen unangemeldeten Check machen?
VG Lusche

Morgen Lusche!
Vielen Dank für den Tipp. Ich versuche mal, jemanden vom Arbeitsschutz ins Boot zu holen.
Die Saugertasche landet in einer Tonne für spitze Gegenstände, damit sich die Reinigungs- und Entsorgungskräfte nicht verletzen.
Bin nächstes Jahr mit der Ausbildung fertig und auch froh darüber, weil das gesamte Betriebsklima dort völlig vergiftet ist und niemand was verändern will.

LG Lieke94
 

Lieke94

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Das beschriebene Verfahren widerspricht jedenfalls eklatant den Vorgaben an Personalsicherheit, OP-Sicherheit und auch Lerninhalten.

Hallo matras,
leider klaffen an meinem Haus Theorie und Praxis sehr weit auseinander. Die Schule hat uns beigebracht, alles Spitze zur Seite zu legen. In der Praxis läuft es leider wie oben beschrieben.
Ich mache mir momentan Sorgen, wie ein neues Haus darauf reagieren könnte, wenn die Mitarbeiter merken, dass ich bezüglich des Arbeitsschutzes keine Routine habe.
Wenn wir neue Mitarbeiter aus anderen Häusern bekommen, sind diese wirklich entsetzt, weil wir im Grunde keinen Arbeitsschutz haben. Oder wegen anderer Dinge wie keine Zählkontrolle nach dem Vier-Augenprinzip, keine präoperative Zählkontrolle von Loops, Kodan zur Desinfektion von Schleimhäuten etc.

LG Lieke94
 

opjutti

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Hallo Lieke,

ich bin mal wieder entsetzt, wie fahrlässig manche Leitungen mit ihren Mitarbeitern und deren Gesundheit umgehen.

Gibt es in eurem OP einen MA, der für die Arbeitssicherheit zuständig ist? Diese Person müsste eigentlich die gesetzlichen Vorgaben kennen und vor allem - auch gg. den Widerstand der Leitung - umsetzen!!

In meiner Abteilung gibt es MA, die für bestimmte Bereiche zuständig sind.
Da gibt es die Hygienebeauftragte, MPG-Beauftragte, Beauftragte für Arbeitssicherheit und Biostoffverordnung.
Diese sind verpflichtet an den entsprechenden Pflichtschulungen für den Bereich teilzunehmen. Das Erlernte und alle Neuerungen müssen sie an die anderen Mitarbeiter weitergeben und auch für die Umsetzung sorgen. Ich, als Leitung muss auch an diesen verpflichtenden Schulungen teilnehmen und meine Mitarbeiter bei der Umsetzung unterstützen.

4 x im Jahr gibt es eine Sitzung für alle Arbeitssicherheitsbeauftragten des Hauses mit dem Betriebsarzt, Geschäftsführung und BR. Dort werden Neuigkeiten mitgeteilt, Arbeitsunfälle, Stichverletzungsursachen und deren Verhinderungen besprochen.
Aufgrund dieser Sitzungen haben wir ab Werk bereits in alle unsere Abdecksets die Magnetnadeldosen packen lassen. Zusätzlich haben wir die Spritzenabfallbehälter mit größeren Öffnungen angeschafft, in denen die Magnetbehälter entsorgt werden. Somit haben wir zwar doppelt gemoppelt, aber wir sind auf der sicheren Seite, auch niemanden, der in der Folge mit unseren "spitzen" Abfällen zu tun hat, zu verletzen.

1 x im Jahr gibt es Arbeitssicherheitsbegehung im OP, an der der Betriebsarzt, der BR, der MA für Arbeitssicherheit im OP, die GF und ich oder meine Stv. teilnimmt. Dort werden die praktischen Umsetzungen der Arbeitssicherheitsmaßnahmen im OP überprüft.

Die Schule kann sich auch nicht einfach damit heraureden, dass es bei euch so Standard ist. Da gibt es auch im Curriculum genaue Vorgaben zur Arbeitssicherheit, die nicht nur theoretisch, sondern auch vor allem praktisch vermittelt werden müssen.
Was nützt es, wenn es auf Papier steht, aber nicht praktisch angewandt wird?

Setz dich durch, es geht um deine Gesundheit. Und diese darf nicht zu Lasten deiner Ausbildung gehen.
Wie die Vorgänger schon geschrieben haben, nimm den BR, den Arbeitssicherheitsbeauftragten für das Haus und den Betriebsarzt mit ins Boot.

Ich hoffe, du hast deine Stichverletzung gemeldet und es gibt ein standardisiertes Verfahren dafür in eurem Haus?
Denn auch dafür gibt es Vorgehensweisen, die vorgeschrieben sind, da es sich um eine Verletzung im Rahmen der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit handelt, der aufgenommen, dokumentiert und an die Berufsgenossenschaft gemeldet werden muss.

LG

opjutti
 
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Lieke94

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Hallo Lieke,

ich bin mal wieder entsetzt, wie fahrlässig manche Leitungen mit ihren Mitarbeitern und deren Gesundheit umgehen.

Gibt es in eurem OP einen MA, der für die Arbeitssicherheit zuständig ist? Diese Person müsste eigentlich die gesetzlichen Vorgaben kennen und vor allem - auch gg. den Widerstand der Leitung - umsetzen!!

In meiner Abteilung gibt es MA, die für bestimmte Bereiche zuständig sind.
Da gibt es die Hygienebeauftragte, MPG-Beauftragte, Beauftragte für Arbeitssicherheit und Biostoffverordnung.
Diese sind verpflichtet an den entsprechenden Pflichtschulungen für den Bereich teilzunehmen. Das Erlernte und alle Neuerungen müssen sie an die anderen Mitarbeiter weitergeben und auch für die Umsetzung sorgen. Ich, als Leitung muss auch an diesen verpflichtenden Schulungen teilnehmen und meine Mitarbeiter bei der Umsetzung unterstützen.

4 x im Jahr gibt es eine Sitzung für alle Arbeitssicherheitsbeauftragten des Hauses mit dem Betriebsarzt, Geschäftsführung und BR. Dort werden Neuigkeiten mitgeteilt, Arbeitsunfälle, Stichverletzungsursachen und deren Verhinderungen besprochen.
Aufgrund dieser Sitzungen haben wir ab Werk bereits in alle unsere Abdecksets die Magnetnadeldosen packen lassen. Zusätzlich haben wir die Spritzenabfallbehälter mit größeren Öffnungen angeschafft, in denen die Magnetbehälter entsorgt werden. Somit haben wir zwar doppelt gemoppelt, aber wir sind auf der sicheren Seite, auch niemanden, der in der Folge mit unseren "spitzen" Abfällen zu tun hat, zu verletzen.

1 x im Jahr gibt es Arbeitssicherheitsbegehung im OP, an der der Betriebsarzt, der BR, der MA für Arbeitssicherheit im OP, die GF und ich oder meine Stv. teilnimmt. Dort werden die praktischen Umsetzungen der Arbeitssicherheitsmaßnahmen im OP überprüft.

Die Schule kann sich auch nicht einfach damit heraureden, dass es bei euch so Standard ist. Da gibt es auch im Curriculum genaue Vorgaben zur Arbeitssicherheit, die nicht nur theoretisch, sondern auch vor allem praktisch vermittelt werden müssen.
Was nützt es, wenn es auf Papier steht, aber nicht praktisch angewandt wird?

Setz dich durch, es geht um deine Gesundheit. Und diese darf nicht zu Lasten deiner Ausbildung gehen.
Wie die Vorgänger schon geschrieben haben, nimm den BR, den Arbeitssicherheitsbeauftragten für das Haus und den Betriebsarzt mit ins Boot.

Ich hoffe, du hast deine Stichverletzung gemeldet und es gibt ein standardisiertes Verfahren dafür in eurem Haus?
Denn auch dafür gibt es Vorgehensweisen, die vorgeschrieben sind, da es sich um eine Verletzung im Rahmen der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit handelt, der aufgenommen, dokumentiert und an die Berufsgenossenschaft gemeldet werden muss.

LG

opjutti

Hallo opjutti,

die Nadelstichverletzung habe ich gemeldet und war auch beim D-Arzt. Die Patientin war zum Glück nicht mit Hep-C oder HIV infiziert.

Die Schule zieht sich da leider völlig raus. Meine Lehrer waren bis vor wenigen Jahren selbst in den entsprechenden Abteilungen beschäftigt und wollen keinen Ärger mit dem Personal, mit dem sie teilweise sogar befreundet sind.

Ich bin an einer Uniklinik tätig, deshalb gibt es keinen Zentral-OP sondern viele verschiedene Abteilungen. Uns Schülern wird nicht gesagt, welcher Mitarbeiter welche Funktion hat, es hängt auch nirgends aus. Es ist auch nicht nur die Leitung, die das duldet. Alle Mitarbeiter sind mit den Zuständen einverstanden. Ausnahmen sind lediglich Mitarbeiter aus anderen Häusern, die aber auch nicht viel ausrichten können, da sie völlig allein dastehen. Das Personal findet die Saugertaschen einfach praktischer, also keine Widerrede.

Fortbildungen zum Thema Entsorgung hatten wir mal. Manche Abteilungen nehmen das ernst, andere machen weiter wie bisher. Auch Anweisungen der Hygiene werden ignoriert. Dann heißt es, es sei ja keiner da, der es sehe, also können wir es ignorieren.

LG Lieke94
 

Neuromaus

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Wenn wir neue Mitarbeiter aus anderen Häusern bekommen, sind diese wirklich entsetzt, weil wir im Grunde keinen Arbeitsschutz haben. Oder wegen anderer Dinge wie keine Zählkontrolle nach dem Vier-Augenprinzip, keine präoperative Zählkontrolle von Loops, Kodan zur Desinfektion von Schleimhäuten etc.
Also da würde ich weder arbeiten wollen noch als Patient operiert werden. Kann gut verstehen, dass du unter diesen Umständen nicht arbeiten willst. Würde mich dem Vorschlag von @lusche anschließen, das Ganze über die Arbeitssicherheitsbeauftragten zu klären. Normalerweise wäre in der Ausbildung die Schule der erste Ansprechpartner, aber das hat ja leider kein vernünftiges Ergebnis gebracht.
 

Fast1engel

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Hallo,

ein weiterer Ansatz wäre eine CIRS- Meldung zu machen, es besteht ja auch eine potentielle Patientengefährdung, wenn Nadeln zB nicht gezählt werden können, weil sie in einer Tasche rumdümpeln :-)

LG
der Fast1Engel
 
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