Wie reagiere ich auf eine Minusbilanz?

Aniki

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13.11.2012
Beiträge
9
Beruf
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
häusliche Intensivpflege
Hi Leute.

meine Freundin schilderte mir neulich folgenden Fall: Patientin mit Heimbeatmung über Trachealkanüle (aufgrund COPD), PEG-Anlage, Herzinsuffiziens (ohne Flüssigkeitsbeschränkung), DK. Weitere Bemerkungen: Es besteht kein Diabetes mellitus, sie erhält keine Diuretika. Sie ist die meiste Zeit orientiert und kooperativ. Sie erhält Sondennahrung nur als Zusatz.

Die Patientin wurde vom Nachtdienst mit einer Minusbilanz von ca. 1 Liter übernommen, die Folge dessen war, dass die Patientin völlig desorientiert und aggressiv wurde (sich sogar an der Trachealkanüle zog). Daraufhin wurden 500ml Wasser über die PEG (150ml/h) verabreicht. Woraufhin sich der psychische Zustand erheblich besserte. Im Verlauf des Tages stieg die Urinausfuhr jedoch erheblich an. So wurden ca. 6 l verabreicht (immer als Reaktion auf die erhebliche Urinausfuhr), diese wurden verteilt über 24 Stunden verabreicht. Jedoch zeigte sich am nächsten Tag keine Besserung, es war wieder eine Minusbilanz von ca. 800ml. Die Hausärztin wurde darüber informiert und schlug einen stationären Aufenthalt zur Ursachenklärung vor, diesen lehnte die Patientin/Angehörige jedoch ab. Es wurde vereinbart dies über das Wochenende zu beobachten und weiterhin das Flüssigkeitsdefizit über die PEG auszugleichen (keine genaueren Angaben wie). In diesem Zeitraum normalisierte sich die Flüssigkeitbilanz wieder.

Meine Fragen: 1.Wurde in dieser Situation richtig reagiert? Oder hätte man warten sollen bis zur Nacht, um dann zu schauen wie hoch das Defizit ist und anschließend nur einmal Flüssigkeit zuführen sollen und über den Tag so viel wie möglich oral?
2.Die Flüssigkeitmenge ist für eine Herzinsuffizienz viel zu hoch, jedoch ist die Patientin durch die Minusbilanz nicht mehr führbar und selbstgefährdend. Hätte man in dieser Situation trotzdem die zugeführte Flüssigkeitsmenge gering halten sollen und den psychischen Zustand akzeptieren (eventuell sogar Fixieren in Betracht ziehen (Zustimmung diesbezüglich liegt vor))?

Ich danke schonmal für alle Antworten und bin sehr gespannt:)
 
Hallo Aniki,

so kann man gar nichts dazu sagen. Wichtig wäre zu wissen, wie die Bilanz gerechnet wurde und ob die Perspiratio mit eingerechnet wurde. Wurde die Sonennahrung nur nach flüssigen Bestandteile berechnet und wie war die Körpertemperatur?
So wie sich die Geschichte liest, war die Dame exikiert und wurde wieder ausreichend mit Flüssigkeit versorgt. Wichtige Parameter der Krankenbeobachtung, wie Ödembildung, Urinfarbe, trockene Lippen und Mundschleimhaut fehlen leider in Deiner Schilderung. Krankenpflege ist meistens mehr als Plus und Minus rechnen.

Gruß KGK
 
man hätte evtl nur bis zur remission der symptomatik rehydrieren können *grübel* ... hm ... naja, sechs liter...


würde gerne ergänzend fragen, um was für eine herzinsuffizienz und um welchen grad es sich handelt. gibt es noch andere ggf relevante diagnosen? insbesondere würde mich interessieren, ob evtl vorher ödeme vorlagen, die vllt sogar nach diesem tag verändert waren?




€: fenster mal wieder viel zu lange offen gelassen vorm abschicken; lasse es jetzt trotz doppelungen mal stehen
 
Der Verwirrtheitszustand muss ja nicht zwingend mit einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr zusammenhängen, zumal ich es seltsam finde das die Patientin ohne Diuretika und trotz Peg über einen so kurzen Zeitraum exikiert.Es kommt auf den Grad der Herzinsuffizienz an aber wenn man die Patientin derartig Überwässert ist sicherlich kontraproduktiv.
Is immer schwer aus der Ferne aber vielleicht ist sedieren und abwarten in dem Fall besser man muss ja nich gleich fixieren...
 
Moin,

einem akut verwirrten Patienten, der dazu eine Minusbilanz zeigt, erst einmal Wasser anzubieten, ist eine gute Idee. Bessern sich daraufhin die psychischen Symptome- Bingo.

...Im Verlauf des Tages stieg die Urinausfuhr jedoch erheblich an. So wurden ca. 6 l verabreicht (immer als Reaktion auf die erhebliche Urinausfuhr), diese wurden verteilt über 24 Stunden verabreicht. ...

Wenn ich diese viele Flüssigkeit als Reaktion auf eine vermehrte Urinausscheidung sozusagen "hinterherkippe", ist die Herzinsuffizienz erst mal außen vor. Wichtig ist, die Maßnahmen rechtzeitig anzupassen und das ist unter häuslichen Gegebenheiten schwieriger, als mit dem ganzen Apparate- und Laborschnickschnack. Es wird immer ein Ausprobieren sein und eine gute Krankenbeobachtung.

In dem Fall, tät ich sagen, alles richtig gemacht.

Gruß, Marty
 
Zustand vorher: keine Ödeme, Temperatur normal (also keine erheblichen Verluste durch Schwitzen) -keine Auffälligkeiten. Nur die flüssigen Bestandteile der Nahrung werden in Bilanzierung miteinbezogen. Bilanzierung erfolgt von 6.00 Uhr - 6.00 Uhr (24 Std). Urinfarbe hell und klar. Hautbild unauffällig. Soweit ich weiß Herzinsuffizienz Stadium B (strukturelles Herzerkrankung, keine Symptome in Ruhe, leichte Atemnot bei Belastung, intermittierendes VHF). Die Patientin zeigte an den Tagen davor keine Auffälligkeiten, selbst am Tag der erhöhten Minusbilanz "nur" die psychischen Symptome.

Der Vorwurf der Vorgesetzten (2 Tage später): Es wurde zu viel Flüssigkeit verabreicht, man würde so das Herz überlasten und der Kreislauf würde folglich zusammenbrechen?! Wenn Flüssigkeit zuführen, dann nur einmal in er Nacht, wenn man die Bilanzierung besser überschlagen kann.

Meine Frage: Ist es nicht ebenso belastend für den Kreislauf, wenn eine Minusbilanz von circa 1 Liter besteht? (eventuell wäre der Flüssigkeitsverlust sogar höher gewesen hätte man nicht so viel Flüssigkeit verabreicht?) Hätte man nicht ebenso falsch gehandelt, wenn man nichts getan hätte und abgewartet hätte bis es sich selbst regelt, und in der Zwischenzeit muss man sich mit dem psychischen Zustand abfinden? Hätte denn eine Flüssigkeitszufuhr in der Nacht (also einmalige Gabe, statt verteilt über den Tag) nicht den selben Effekt, als wenn man die Flüssigkeit verteilt über den verabreicht?
 
Naja das Argument nur Nachts wegen der Bilanz ist denk ich durch eine Zwischenbilanz schon mal zu entkräften.
 

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