Pflege Mitschuld am Personalmangel?

Daß Pflege mitverantwortlich ist für die Zustände und deshalb an Nachwuchsmangel leidet ? Stimmt schon irgendwie. Wenn Pflege sich organisieren würde, dann könnte sie auch an den Zuständen was ändern. Geänderte Zustände mehr Nachwuchs, weil der Nachwuchs dann nicht schon in der Ausbildung verheizt wird.
Alesig
 
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Das Herr Rüddel am besten nichts mehr zur Pflegesituation sagen sollte. Aber das dachte ich schon vor einem Jahr.

Natürlich stimmt es, dass die Pflege besser organisiert sein müsste und das ständige hinweisen auf Missstände den Beruf nicht "Sexy" machen.

Aber ganz ehrlich! Die Schuld alleine bei den Pflegenden zu suchen, ist einfach Billig und völlig an der Realität vorbei.
 
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Die Schuld alleine bei den Pflegenden zu suchen,
Ach nö Bitte, nicht gleich wieder draufhauen, wenn einer die Wahrheit sagt übrigens soooooooo lange ist der Text doch nicht, dass man ihn nicht ganz durchlesen könnte - oder?
Wo steht da irgendwas von "alleine"?
Ein Gesundheitspolitiker sagt, dass Pfleger*innen Mitschuld am Personalmangel in der Branche haben, weil sie zu schlecht über ihren Beruf reden würden.
und natürlich hat er da Recht.
 
Ich kann den Link leider nicht öffnen, kann zum Artikel deshalb nichts sagen.
Aber solange "die Pflege" nicht selbst eine professionelle Antwort auf die Frage: "Was macht ihr?" geben kann und auch nur sowas wie:" Hintern abputzen" entgegnen - Ja, wir sind auch mitschuldig!

PS: Ich frage gerne mal meine Kollegen: wie erkläst du Mitmenschen deinen Beruf, was ist unsere Aufgabe. Da kommen einfach keine Antworten, da kommt nur ein fragender Blick und dann: waschen, Hintern abwischen, essen reichen, Infusionen anhängen.
Nix mit Ressourcen sehen und fördern, Hautzustände/Ernährungszustände erkennen und reagieren, Bewußtsein für Veränderungen in Lebenslagen schaffen, Beratungen, Anleiteitungen zur Selbstpflege etc.
Ja, dafür haben wir oft gar keine Zeit, aber deshalb sind diese Aufgaben doch nicht spurlos im All verschwunden!
 
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und natürlich hat er da Recht.
Das ist hoffentlich ironisch gemeint oder so?!
Im Gegenteil - die Pflegekräfte tragen dadurch Schuld, dass sie das alles so lange hingenommen und nicht viel lauter geschrieen und Missstände publik gemacht haben!!
 
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Ach nö Bitte, nicht gleich wieder draufhauen, wenn einer die Wahrheit sagt übrigens soooooooo lange ist der Text doch nicht, dass man ihn nicht ganz durchlesen könnte - oder?

Ich geb ihm in nur einem Punkt Recht, wenn der überhaupt gemeint ist. Wir Pflegende müssen unsere Fachkompetenz mehr betonen und in den Fordergrund stellen. Die Bedingungen und Misstände müssen ohne wenn und aber angeprangert werden. Und genau das passiert mit dem Hastag #twitternwierueddel. Genau so wie ich diesem Autor von der Süddeutschen zum einem Teil Recht gegeben habe. Dort ging es um die Form und die Art und Weise. Pflege ist schlecht Organisiert... Mehr in Gewerkschaften ... Ich habe den Text wohl durchaus gelesen.
Und ich schreibe dies nun auch schon seit mindestens einem Jahr in diesem Forum.

Aber ich sehe den Text bzw. den Tweet von Herrn Rüddel im Kontext zu seinen vorher immer wieder getätigten Aussagen und Vorhaben, wie z.B. die Senkung der 50% Fachkraftquote.

Erwin Rüddel MdB - Pflegeexperte Rüddel fordert: Sicherstellung von ausreichend Pflegepersonal durch Maßnahmenmix

Nur weil einer das offensichtliche Anspricht und hervorhebt/anprangert muss ich nicht alles von Ihm bzw. was im Text drin steht gut heißen.

4 Gute Kapitel machen noch lange kein gutes Buch.
 
PS: Ich frage gerne mal meine Kollegen: wie erkläst du Mitmenschen deinen Beruf, was ist unsere Aufgabe. Da kommen einfach keine Antworten, da kommt nur ein fragender Blick und dann: waschen, Hintern abwischen, essen reichen, Infusionen anhängen.
Nix mit Ressourcen sehen und fördern, Hautzustände/Ernährungszustände erkennen und reagieren, Bewußtsein für Veränderungen in Lebenslagen schaffen, Beratungen, Anleiteitungen zur Selbstpflege etc.
Ja, dafür haben wir oft gar keine Zeit, aber deshalb sind diese Aufgaben doch nicht spurlos im All verschwunden!

Das sehe ich eher als Problem. Darauf bezog ich mich auch bei meiner Kritik bzgl des Kommentars bei der Süddeutschen. Wenn ich jemanden kritisiere bzgl. Seiner wortwahl über Pflege oder über unsere Misstände beziehe ich immer meine Aufgaben, Fähigkeiten, Kompetenzen und Anforderungen mit ein. Denn nur so kann man jemand außenstehendem glaubhaft vermitteln, dass es hierbei nicht nur um das "Händchen halten und trösten" geht, sondern um z.T. komplexe Situationen bei Menschen die sich in Gesundheitlich existenziellen Krisen befinden können.

Aber bei dem Tweet der so lautete:

"#Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege "

Verstehe ich ein gutes Reden über Pflege im Allgemeinen und Ausblenden der Misstände. Wie z.B. meine Lieblings Aussage :
"Ja, also ich arbeite jetzt seit 14 Tagen durch, hatte keine Pause und jeden Tag 2 Überstunden bei 0 Ausgleich. Aber wenn mir meine Patienten/Bewohner ein "Danke" entgegenbringen und ich in ihren Augen lesen kann, dass ich ihr für diesen einen Moment etwas gutes getan habe. Ja dann... dann rechtfertigt dies das alles."

Und dies darf nicht passieren.
 
Ich geb ihm in nur einem Punkt Recht, wenn der überhaupt gemeint ist. Wir Pflegende müssen unsere Fachkompetenz mehr betonen und in den Fordergrund stellen.
Nö, das hatte ich so nicht verstanden, daß dieser Punkt gemeint sei. Sondern daß wir quasi nur gut über unseren Beruf reden sollen.
 
Das Pflege Mitschuld trägt, im Sinne von niedriger Organisationsgrad, sehe ich absolut ein.
Das Pflege aber Mitschuld trage, weil ich nicht gut genug vom Beruf gesprochen werde, halte ich für lachhaft.
Wieso die Bedingungen verschweigen? Die Auszubildenden finden schnell genug raus, wie es tatsächlich aussieht.
 
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Mitschuld, nur indem sie unzumutbare Arbeitsbedingungen hinnehmen und sich nicht dagegen wehren. Außerdem muss niemand unseren Beruf schlechtreden. Wer sich vorher über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung informiert, stellt schnell fest, da gibt es Berufe, die sich finanziell mehr lohnen und die einen nicht so auslaugen.
Wer jeden Tag hingeht stellt fest, wie der Pflegealltag aussieht und wie viele Berufsanfänger fangen gleich nach der Ausbildung ein Studium an oder lernen gleich was neues? In meiner Klinik machen ca. 40 Schüler im Jahr Examen und wie viele fangen dann hier an? Wenn es gut läuft 10!%
Und das sicher nicht, weil alle examinierten Kollegen ihren Beruf schlechtreden.
Mich hat mal ein Patient gefragt, ob ich meinen Kindern den Beruf empfehlen würde, da habe ich gesagt, eher nicht, aber es relativ selten vorkommt, dass Kinder meiner Kollegen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.
 
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Wer sich vorher über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung informiert, stellt schnell fest, da gibt es Berufe, die sich finanziell mehr lohnen und die einen nicht so auslaugen.
Die Bezahlung ist (in der Krankenpflege) gar nicht mal so schlecht, wie immer behauptet wird. Anders schaut´s in der Altenpflege aus.
Aber was die Arbeitsbedingungen betrifft, muß man sich ganz klar vor Augen halten, daß die mal ganz anders aussahen. Es war nicht möglich, sich darüber vorher zu informieren, da Anfang der 90er (als ich die Ausbildung begann) keiner voraussehen konnte, daß es mal so werden würde wie jetzt.
In meiner Klinik machen ca. 40 Schüler im Jahr Examen und wie viele fangen dann hier an? Wenn es gut läuft 10!%
Das war bei mir damals auch so ähnlich, als ich Examen gemacht habe. Allerdings ist die breite Mehrheit aus meinem Kurs an andere Kliniken gegangen.
 
Mich hat mal ein Patient gefragt, ob ich meinen Kindern den Beruf empfehlen würde, da habe ich gesagt, eher nicht, aber es relativ selten vorkommt, dass Kinder meiner Kollegen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.

Mein Sohn ist gerade in der 10. Klasse und macht in einem halben Jahr seinen Mittleren Schulabschluß.
Ich versuche den Jugendlichen um ihn herum durchaus zu vermitteln, dass mein Beruf ein schöner Beruf ist und auch nicht in der untersten Liga mitspielt, was die Löhne angeht. Und ich versuche ihnen zu vermitteln, dass sie - durchaus mit etwas Mut - antizyklisch denken lernen sollten. Soll heißen: so schlecht, wie die Arbeitsbedingungen momentan sind, kann es nicht in alle Ewigkeit weitergehen, es besteht also durchaus Hoffnung, dass für künftige Generationen von Pflegekräften wieder bessere Zeiten einkehren. Und falls das nicht eintritt, hat man eine Ausbildung absolviert, die mindestens die Persönlichkeit entwickelt und den Charakter stärkt und auf keinen Fall verlorene Zeit darstellt.
Zumindest wenn ich das vergleiche mit den Vorstellungen, die die Jugendlichen momentan von ihren Lebenswegen haben (Youtube-Star, App-Entwickler-Millionär, ... :wut:).

Gruß spflegerle
 
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Mir hat mal ein Berufsberater vom Arbeitsamt gesagt:
"Ich gehe von Schule zu Schule, versuche für diese Berufe zu werben, über ihre Perspektive und Sicherheit gerade in Zeiten der Digitalisierung. Ich rede wirklich davon wie anspruchsvoll dieser Beruf ist und über dem was in der Gesellschaft sterilisierten:" Händchen halten, Waschen und Füttern" hinausgeht. Aber weißt du was? Es bringt nichts, wenn hinter jedem 4ten Schüler/Schülerin eine Pflegerin steht die sagt:" Wehe du gehst in diesem Beruf!""

Also wie gesagt, es hat durchaus was damit zu tun, wie wir uns und unseren Beruf darstellen. Aber die Misstände sind einfach so eklatant, Gefährlich, schockierend und unvorstellbar zugleich, dass jede verschönerung, jede relativierung, jedes verschweigen, sich zu einem Mitschuldigen macht.
 
Es bringt nichts, wenn hinter jedem 4ten Schüler/Schülerin eine Pflegerin steht die sagt:" Wehe du gehst in diesem Beruf!""

Also wie gesagt, es hat durchaus was damit zu tun, wie wir uns und unseren Beruf darstellen.
Ich hab ja selber keine Kinder, kann es aber sehr gut verstehen, wenn Kollegen, die das Ganze seit Jahren und Jahrzehnten mitmachen und die kontinuierliche Verschlechterung miterlebt haben, dann zu ihren Kindern sagen: "In die Pflege? Davon würde ich Dir abraten!"
Traurig, aber nachvollziehbar.
 
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Also ich kenne meine Neffen gut, keiner würde diesen Beruf lange machen. Mein Patenkind ist mit einer Krankenschwester liiert, die aber inzwischen Medizin studiert und ihm jedes Mal, wenn sie mal in ihrem gelernten Beruf arbeitet erzählt, was sie da so alles machen muss und sie hat mich mehrmals gefragt, wie ich das aushalte...
Auch meine Neffen finden es schlimm, wenn ich entweder Weihnachten oder Silvester freihabe, immer wenn andere frei haben arbeiten muss etc und das, ohne dass ich ein Wort sage.:fidee:
Auch die Kinder meiner Freunde, die meist nicht in der Pflege arbeiten sagen mir, sie werden keine Ausbildung machen, wo abzusehen ist, dass sie später mit einem Bein im Gefängnis sind, wo andere Berufsgruppen einen wie Handlanger behandeln und ohne wirkliche Karrierechancen.
Außerdem finde ich ich darf schon sagen wie ich arbeiten muss. Zugegeben, nur motzen ist Mist, aber ich beschreibe eben meine Situation, wie es sich anfühlt 8! Tage am Stück entweder Spät oder Nachtdienst zu haben, unterbesetzt. Wie es sich anfühlt jeden Tag ohne Pause die Schicht durchzuziehenm mit Aushilfen, Zeitarbeitern und Berufsanfängern, die jedes mal zu mir kommen und ich betreue dazu noch Patienten und mache alle Außenarbeiten und suche Ersatz für Kollegen, die sich krank gemeldet haben, tröste die Kollegen, die wegen der Fehler die sie machen von anderen Kollegen und Berufsgruppen blöd angeredet werden, muss mir von Angehörigen Beschimpfungen anhören, weil sie mit keinem Arzt reden können (Mensch, warum unterbricht er nicht mal die REA und redet mit ihnen...):angry:
Dann treffe ich meine Nachbarin, die sagt, wenn ich so oft nicht zu Hause bin, soll ich mir doch keine Katze anschaffen, das arme Tier! Sie ist Freigängerin und ich habe nicht den Eindruck, dass sie leidet...:angryfire::angryfire:
 
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Die Bezahlung ist (in der Krankenpflege) gar nicht mal so schlecht, wie immer behauptet wird. Anders schaut´s in der Altenpflege aus.
Aber was die Arbeitsbedingungen betrifft, muß man sich ganz klar vor Augen halten, daß die mal ganz anders aussahen. Es war nicht möglich, sich darüber vorher zu informieren, da Anfang der 90er (als ich die Ausbildung begann) keiner voraussehen konnte, daß es mal so werden würde wie jetzt.

Das war bei mir damals auch so ähnlich, als ich Examen gemacht habe. Allerdings ist die breite Mehrheit aus meinem Kurs an andere Kliniken gegangen.

Bei uns eben leider nicht, viele studieren, einige machen Jobs wo sie keinen 3 Schichtdienst machen oder sie werden Stewardess, Animateur oder machen ganz was anderes.
 
Ich ddnke, dass wir Pflegenden „mitschuld“ an der Misere sind, aber nicht voll und ganz verantwortlich. Wenn in den Medien, der Presse etc. von Pfle die Rede ist, ist die yBerichterstattung grundsätzlich negativ. Wenn bei uns Schülerinnen kommen und jeden Tag und ich wiederhole jeden Tag von den Examinierten zu hören bekommen: „Wir funktionieren nur noch“ „Hungerlohn“-was meiner Meinung nach zumindest für die Krankenpflege nicht stimmt, „keine Lobby“, „keine Wertschätzung“, dann wundert es mich nicht, dass viele das Handtuch werfen und studieren. Einen ganz erheblicher Faktor wurde noch nicht so sehr angesprochen: Der klassische Schichtdienst! Ist für mich einer der Faktoren überhaupt. Diese ständige Wechselschicht schlaucht! Das will und das kann auch nicht jeder. Wenn nur 10% der Schüler wirklich in der Pflege arbeiten, zeigt das doch, dass etwas fundamental schief läuft. Und das war auch vor Alexander Jorde bekannt. Der wird jetzt als „Gesicht der Pflege“ vermarktet und nach der Regierungsbildung ist der vergessen. Ich schätze ihn sehr, aber er kann die Pflegelobby auch nicht immens vergrößern
 
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Wer von euch, sofern er in Deutschland arbeitet, würde jetzt nochmal einen Pflegeberuf erlernen? Hand auf´s Herz und im Wissen um die Misstände im Jahre 2018. Wir haben nicht 1988 oder 1996 etc. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich ein gutes Handwerk erlernen.
 

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