Ich arbeite in der häuslichen Pflege und habe daher unterschiedlichste Erfahrungen gemacht mit recht unterschiedlichem Klientel. Dabei bin ich zu folgenden Schlüssen gekommen:
Professionalität und Offenheit im Umgang mit der Intimpflege sind meine erste Wahl.
1. Professionelle Wortwahl: Besonders im Erstkontakt mit dem Patienten achte ich darauf die Dinge beim Namen zu nennen. Ich rede von Intimpflege und umgehe es nicht mit "unten rum frisch machen". Ich sage nicht Po, sondern Gesäß. Ich nenne die Dinge beim Namen: After, Scheide, Schamlippen, Vorhaut, Penis. Diese Begriffe sind selbst alten Menschen geläufig.

2. Intimsphäre: Wenn ich über Themen spreche, die eventuell Schambehaftet sein könnten, tue ich es unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch bei einer Intimpflege oder Toilettengängen. So geht es NICHT:
Eigene Erfahrungen als Patientin in einem Krankenhaus:
- Nach einer kleinen OP im Stationszimmer.
- Ich verspüre Harndrang.
- Schwestern wollen nicht, dass ich ins Bad gehe.
- Holen Toilettenstuhl
- Meine 2 Nachbarn schauen dabei zu, wie die Schwestern meinen Hintern lüften.
- Ich kann nicht pinkeln...
- Warteraum einer chirurischen Station/ Ambulanz
- habe dicken Abzess in der Leiste, kann kaum laufen
- ich klingle an der Stationstür
- Schwester öffnet
- "Ich soll hier herkommen"
- "Warum?"
- Hhm, komisch. Keiner bittet mich rein. Schwester steht in der Tür. Andere Frau 2 Meter von mir im Wartebereich.
- Ich extra laut: "Ich habe einen schmerzhaften Abzess in der Leiste. Sind Sie für mich zuständig?"
- Schicken mich zur Gynäkologie...
3. Offenheit mit einer gesunden Portion Distanz: Menschen sind häufig emphatische Wesen. Durch eine verhaltene ungeschickte Wortwahl und "Angstschweiß" wird der Zugang erschwert. Mache auch durch Mimik, Gestik und Professionelle Handlungsabläufe deutlich, dass Du weißt, was Du tust:
- Vorstellung mit vollem Namen, Funktion und höfflicher "Begrüßung" - "Ich freue mich Sie kennen zu lernen" z.B., Händedruck
- Grund des Erscheinens/ Hilfe anbieten
- Prozedere erläutern
- Besonderheiten erfragen
- Hinweis: "Sollte Ihnen etwas unangenehm sein,...."
- .....
- .....
Mit Distanz ist nicht gemeint, dem Patienten durch Dein Verhalten zu signalisieren, dass Du ihn nicht wahrnimmst oder dir seine Persönlichkeit egal ist. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet, dass Du ihm professionell nahe kommst:
- keine Vorurteile, Ekel, Angst, Ablehnung, Rassismus, Intolleranz, Sexismus...
- sondern den Patienten, seine Bedürfnisse, Ängste, Fähigkeiten... wahr nimmst, ernst nimmst und förderlich auf ihn einwirkst.
In gewisser Weise trägt das auch zum Selbstschutz bei.
Sicherlich ist diese Vorgehensweise nicht auf alle Menschen/ Patienten übertragbar, kann varriieren und muss angepasst werden.
Außerdem, das Geschlecht des Pflegenden spielt zwar eine Rolle, aber auf unterschiedlichste Art und Weise. So gibt es:
Frauen, die ausschließlich von Frauen gepflegt werden wollen,
Männer, die es ablehnen von Männern gepflegt zu werden,
Frauen, die sich darüber freuen von Männern geplegt zu werden,
Frauen, die sich darüber freuen von Frauen gepflegt zu werden,
Männer, die von Männern gepflegt werden wollen,
Männer, die sich freuen von Männern gepflegt zu werden,
Männer, die sich freuen von Frauen gepflegt zu werden.
Ich hoffe, Ihr versteht, wie ich das meine....
Es läuft nie nach einem wirklichen Schema ab.
"Was DU nicht willst, dass man dir tu´, das füg auch keinem andren zu" trifft es nicht immer.
Von einem selbst auf andere zu schließen, ist nicht das non plus ultra.
Emphatisch zu sein, ist eine Möglichkeit den richtigen Weg zu finden