Entlassung Obdachloser

InetNinja

Poweruser
Mitglied seit
24.01.2017
Beiträge
574
Beruf
Frisch GuK
Hallo.

Wie sieht das eigentlich mit der Entlassung Obdachloser in Zeiten des Entlassungsmanagement aus?

In meinem Ausbildungshaus hatten wir ab und zu mal Obdachlose die länger auf Station verweilten. Auf Nachfrage hieß es "wir dürfen nicht auf die Straße entlassen".

Stimmt das?

Ich finde nur im Entlassungsmanagement von 10.2017 das sich das KH um die anschließende weitere Versorgung kümmern muß.
Nach meinem Verständnis darf das KH nicht entlassen wenn der obdachlose Patient einer weitern Versorgung bedarf. Bzw. eben wenn sie einen Platz mit entsprechender Versorgung gefunden hat.

Ist das aber nicht notwendig könnte man doch bei Behandlungsende entlassen?

Gruß InetNinja.
 

-Claudia-

Board-Moderation
Teammitglied
Mitglied seit
04.09.2004
Beiträge
11.437
Standort
Ba-Wü
Beruf
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Chirurgie
Funktion
Pflegeexpertin ANP
Wenn ein Patient weiterer pflegerischer Versorgung bedarf, dies jedoch in seinem häuslichem Umfeld nicht möglich ist, kann er erst entlassen werden, wenn die nachstationäre Unterbringung gesichert ist. Gilt für Wohnungslose ebenso wie für jeden anderen.

Bedarf der Patient jedoch keiner weiteren Versorgung, sondern hat beispielsweise nur seinen Rausch ausgeschlafen, kann er natürlich entlassen werden. Gegen seinen Willen dürfen wir ohnehin niemanden festhalten, von bestimmten psychiatrischen Fällen mal abgesehen.

An meiner alten Arbeitsstelle gab es einen Obdachlosen, der im ganzen Haus bekannt war. Vor allem in der kalten Jahreszeit schlug er nächstens in der Notaufnahme auf, ließ sich mit Bett, Abendbrot und sauberen Handtüchern versorgen, pöbelte die Nachtschwester an, kassierte am folgenden Morgen deshalb eine Standpauke vom Arzt und verließ daraufhin unter Protest das Haus, um abends wieder auf der Matte zu stehen. Zeitweise also tägliche Aufnahme, Entlassung und abends neuerliche Aufnahme.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reaktionen: InetNinja

BellaSwan2012

Stammgast
Mitglied seit
17.06.2012
Beiträge
319
Beruf
GKP/ B.Sc.
Wie es in der Somatik ist kann ich dir nicht sagen, aber in der Psychiatrie werden Patienten definitiv nicht in die Obdachlosigkeit entlassen. Der Sozialdienst recht früzeitig eingeschaltet und notfalls eine Obdachlosenunterkunft organisiert.
 
  • Like
Reaktionen: InetNinja

Resigniert

Poweruser
Mitglied seit
27.12.2012
Beiträge
721
Beruf
GuK
Akt. Einsatzbereich
Innere Medizin
In "meiner" Somatik:
Wenn der Obdachlose nicht unter Betreuung steht, entscheidet der Patient/Obdachlose selbst wohin er entlassen wird, wenn er entlassen wird. Die meisten (98%) entlassen sich selbst - selbst im Winter
 
  • Like
Reaktionen: InetNinja

InetNinja

Poweruser
Mitglied seit
24.01.2017
Beiträge
574
Beruf
Frisch GuK
Hey.

Danke für die Antworten.

Ich hab es vllt. 1-2 mal erlebt das Obdachlose das KH doch sehr zu schätzen wussten und die dann nicht entlassen wurden. In meinem alten Haus gab es eine Station im Haus wo min immer einer auf der Station "verwahrt" wurde. Häufig ging es da um ein Zimmer im Männerheim oder Obdachlosenunterkunft.

Allerdings fällt mir nicht ein Obdachloser ein der nicht irgendeine Chronische Erkrankung hatte. Daher dachte ich es stünde damit in Verbindung das dass Haus wirklich nicht entlassen darf.
 

Resigniert

Poweruser
Mitglied seit
27.12.2012
Beiträge
721
Beruf
GuK
Akt. Einsatzbereich
Innere Medizin
Ja, krank sind sie alle. Stärker ist aber der (vermeintliche?) Freiheitsdrang. Kein Krankenhaus kann es sich finanzziell leisten, jemanden aufzubewahren
 

InetNinja

Poweruser
Mitglied seit
24.01.2017
Beiträge
574
Beruf
Frisch GuK
...Kein Krankenhaus kann es sich finanzziell leisten, jemanden aufzubewahren
Eben das hat mich gewundert... Ich glaubte sie sind dazu verpflichtet und es sich halbwegs eindämmt da die Pat. ja von sich aus selten bleiben wollen.

Es kam unterschwellig so rüber. "oh man schon wieder ein Pe... den haben wir wieder ewig an der Backe wenn der nicht von alleine abhaut" Und einige waren wirklich lange da. Manchmal mehr als 4 Wochen.
 

Resigniert

Poweruser
Mitglied seit
27.12.2012
Beiträge
721
Beruf
GuK
Akt. Einsatzbereich
Innere Medizin
Unsere gehen schnell wieder - sogar der Mensch mit den Madenbefallenen diabetischen Füßen. Sie dürfen im Haus nicht rauchen und Alkoholkonsum wird von den Ärzten auch nicht toleriert.
 
  • Like
Reaktionen: -Claudia-

InetNinja

Poweruser
Mitglied seit
24.01.2017
Beiträge
574
Beruf
Frisch GuK
Unsere gehen schnell wieder - sogar der Mensch mit den Madenbefallenen diabetischen Füßen. Sie dürfen im Haus nicht rauchen und Alkoholkonsum wird von den Ärzten auch nicht toleriert.
Ähm ok. Das war in meinem alten Haus an der Tagesordnung. Entweder durften sie sich weiter versorgen oder bekamen auf Wunsch Distra. Zum Rauchen sind sie selber runter gegangen.
Das Haus gilt da als sehr liberal und das ist bekannt. Christliches Haus.

Allerdings kam mir das eher so vor als wäre das den Leuten von Oben egal und weniger ein christlicher Gedanke...:gruebel: Letztendlich hat mich das noch mehr gewundert. Wie schon gesagt, das kann sich kein Haus leisten...

Ich hab aber auch die Gerüchte gehört das ein verbot der Substanzen zu Anstrengung bis hin zu Gewalt seitens der Pat. eskaliert war und man deswegen diese Verbote abgeschafft hatte.
 

Ähnliche Threads


Über uns

  • Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit mehr als 15 Jahren eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

Unterstützt uns!

  • Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!