Advanced Nursing Practice oder Fachweiterbildung Intensiv / Anästhesie, Erfahrungen?

doctorpolar

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Hallo,

ich arbeite seit etwas über einem Jahr in der Anästhesiepflege und musste feststellen, dass es wirklich schwer ist über das Haus für einen Platz berücksichtigt zu werden, wenn es um die FWB geht. Dies liegt weniger an der Anzahl von uns, sondern eher daran, dass das Haus kein großes Interesse hat dort mehr als eine Person alle 2 Jahre zu schicken, da die Intensivstation bevorzugt wird. Dies möchte ich auch garnicht mit Vor und Nachteil kommentieren.
Meine Frage ist nun, ob ich nicht mit Advanced Nursing Practice eventuell sogar bessere Karten habe? Dort gibt es ja Wahlschwerpunkte aus den Bereichen der Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und anderen Bereichen.
Kennt sich hier jemand aus und kann mir eventuell sagen, ob man mit ANP entweder schlechter, gleichwertig oder besser darsteht gegenüber FWB?
Mir geht es hier primär erst einmal um das Fachwissen, was damit ausweisbar (also laut Lehrplan vermittelt wird) ist. Eigens angeeignetes Fachwissen unterschlage ich nun, damit wir den Vergleich objetiver halten können. Das man sich einiges selbst aneignen muss ist selbsterklärend. Auch Dinge wie Jobaufstieg etc. können zumindest für mich aussen vor bleiben. Da ich hier konkrete Vorstellungen habe, die mit beiden erfüllbar sind. Vermutlich schneller mit ANP, aber darum ja meine Frage.

Vielen Dank
 

-Claudia-

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Um die Frage beantworten zu können, müsstest Du die "konkreten Vorstellungen" Deiner Karriere genauer beschreiben. Ein ANP-Studium hat nämlich mit der Fachweiterbildung absolut nichts zu tun.

ANP wird mit erweiterter Pflegepraxis übersetzt, es geht um erweiterte pflegerische Aufgaben der unterschiedlichsten Art. Die direkte Arbeit am Patienten bleibt bestehen, jedoch steigt das Level. APNs können z.B. in der Pflegeforschung tätig werden, Projektarbeit leisten, Beratungssprechstunden für ein bestimmtes Klientel einrichten...
Ein paar Informationen findest Du hier: https://www.dbfk.de/media/docs/download/Allgemein/Advanced-Practice-Nursing-Broschuere-2019.pdf

Um als Advanced Practice Nurse zu arbeiten, benötigst Du einen Masterabschluss. Das sind fünf Jahre Vollzeitstudium. Das Studium wird an mehreren Hochschulen im deutschsprachigen Raum angeboten; ob eines davon Vertiefungen in Anästhesie- und Intensivpflege anbietet, weiß ich nicht. Das Studium ist jedenfalls nicht dazu ausgelegt, die Fachweiterbildung zu ersetzen, es geht in eine ganz andere Richtung.

Alternativ gibt es einige wenige Studiengänge, die die Fachweiterbildung integriert haben. Meines Wissens aber keine ANP-Studiengänge.
 
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doctorpolar

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Hallo Claudia,

vielen Dank erst einmal für Deine Rückmeldung.
Ich habe mich primär mit den Kozepten der Medical School Hamburg und der Steinbeiss Hochschule in Essen auseinander gesetzt, da diese noch am leichtesten zu erreichen sind.
In beiden Übersichten wurde vertieft auf die Bereiche der Anästhesiepflege, Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin eingegangen, sodass ich der Meinung war/bin, dass man hier auch fundierte Praxisnahe Wissensvermittlung erhält, wie ebend in einer Fachweiterbildung auch.
Beide Hochschulen haben von mir diesbezüglich auch eine Email mit Fragen erhalten, leider kam bis Dato noch keine Antwort zurück.
Der Bachelor und Master Studiengang im ANP unterscheiden sich zumindest auf dem Papier doch erheblich, da der Master fast nur noch Wissenschaftliche und Forschende Module dabei hat. Das war auch der Anlass für meinen Glaube, dass bis zum Bachelor Praxisrelevantes Wissen mitvermittelt wird.
Meine Zukunftsambitionen liegen in der Ausbildung neuer Mitarbeiter und Schüler, sowie Teilnehmer der Fachweiterbildung. Ich möchte durch Fach und Methodenkompetenz die Wunschanlaufstation für eine fundierte und gute Einarbeitung und Weiterbildung in unserer Abteilung sein/werden, da hier m.M.n. großer Nachholbedarf ist. Bei meinem vorherigen Arbeitgeber war dies anders. Dort war Ausbildung, Anlernung und Anleitung unter den Augen der Leitung geschehen und man wurde richtig gefordert. Dieses Niveau würde ich auch gerne bei meinem neuen Arbeitgeber einrichten, denn am Ende profitieren alle von guter Ausbildung und Einarbeitung.
Das ist meine Ambition dieses Studium aufnehmen zu wollen. Alternativ, wie bereits gesagt würde ich sicherlich auch mit der Fachweiterbildung diesen Schritt gehen können, müsste aber sicherlich noch den Kurs zur Praxisanleitung dabei machen und all dies ist zumindest in meinem Haus nicht im Interesse der PDL, denn die Anästhesie ist halt ein abgeschotteter Haufen im OP, den die meisten nicht wahrnehmen...
 
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Martin H.

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Das hier wär z. B. eine Möglichkeit:


Und gilt wohl vom Abschluß her als gleichwertig zur FWB:

"Haben Studierende mit ihrem Bachelorabschluss automatisch die Fachweiterbildung in der Tasche?

Prof. Dr. Karen Pottkämper:
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat eine Gleichwertigkeit der Fachweiterbildung und des Bachelorabschlusses bestätigt. Das bedeutet, Pflegende mit einem B.Sc.-Abschluss in Erweiterter Klinischer Pflege können auf die Qualifikationsquoten der QM-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses angerechnet werden. Dahingehend sind Studium und Fachweiterbildung also formal gleichwertig. Allerdings ist die Qualifikation, die mit einem Studium erworben wird, theoretisch wie praktisch sehr viel umfassender als eine Fachweiterbildung und mit dem akademischen Grad Bachelor of Science auch international anschlussfähig."
 

doctorpolar

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Danke Dir Martin für diesen richtig klasse Link. Das hatte ich bislang überhaupt nicht auf dem Schirm. Nur ist Berlin nicht grade um die Ecke. Bei den ganzen Präsenztagen muss ich sicherlich gut verhandeln mit meinem Arbeitgeber. Aber es klingt richtig gut
 

Martin H.

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Das war jetzt nur ein Beispiel, gib einfach "Studium Anästhesie- und Intensivpflege" bei Google ein.

Weiteres Beispiel:

 

doctorpolar

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Besten Dank. Der Standort Köln ist weitaus näher für mich. Ich habe dort mal eine Emailanfrage gestellt.
Dann kann ich am Ende ja immer noch die Studiengänge vergleichen und gucken was mir eher passt.
 
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Kardionaut

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Wenn es die Möglichkeit gibt, würde ich Dir im Jahr 2021 (bald 2022) eine akademische Ausbildung empfehlen, besonders umso jünger du bist. Ich will meinen Gedankengang kurz erklären: Grundsätzlich schreitet die Akademisierung im Gesundheitswesen weiter voran, das kann man sinnvoll finden, oder nicht, man wird sich dem jedoch nicht verwehren können. Besonders unter dem Aspekt, das bereits mehrere Hochschulen Bachelorstudiengänge im Bereich Anästhesie/Intensivpflege anbieten, siehe oben. Was meine ich mit "umso jünger du bist"? Besonders ab dem mittleren Management wird sehr aggressiv akademisiert. Ich gehe davon aus, dass in 10 Jahren keine Führungspositionen (und damit meine ich schon ab Stationsleitung) mehr ohne akademische Ausbildung vergeben werden und wenn du z.B. noch > 30 Jahre bis zur Rente hast, wirst du zwangsläufig damit konfrontiert werden. Letztendlich betrifft das alle Bereiche, wer sagt dir, dass in 15 Jahren eine B.A. (Pflege/Medizin)-Pädagogik oder B.Sc. Pflege nicht der Standard ist um Praxisanleiter zu werden? Wer darüber lacht, solle sich mal ernsthaft fragen, ob Er/Sie vor 20 Jahren gedacht hätte, das im Jahr 2022 ein Masterstudium Voraussetzung ist, um in einer Krankenpflegeschule Pflege zu unterrichten? Mit Sicherheit nicht....
Mal davon abgesehen geht es ja immer auch um die persönliche Entwicklung. Der Anspruch an dich selbst, eigene Entwicklung und persönliche Erfüllung zu erfahren, dafür ist ein Studium besser geeignet als die Weiterbildung (meine persönliche Meinung, die keinen Anspruch auf Richtigkeit hat). Analytisches Evaluieren und Denken, ein Problem bzw. eine komplexe Fragestellung in angemessener Zeit zu erfassen und wissenschaftlich zu bearbeiten, eigene Ergebnisse oder Erkenntnisse mit aktueller oder neuerer Literatur zu vergleichen und zu diskutieren, habe ich persönlich nicht in der Fachweiterbildung gelernt. Allerdings ist diese bereits knapp zwei Jahrzehnte her, evtl. ist der Anspruch heutzutage ja auch ein anderer!?
Viele Grüße ;)
 
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Martin H.

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Wer darüber lacht, solle sich mal ernsthaft fragen, ob Er/Sie vor 20 Jahren gedacht hätte, das im Jahr 2022 ein Masterstudium Voraussetzung ist, um in einer Krankenpflegeschule Pflege zu unterrichten? Mit Sicherheit nicht....
Naja, 2002 war vom Bachelor/Master in D noch nix zu sehen, wenn dann Diplompflegepädagoge... :-) Und ja, irgendwie war das damals schon im kommen, aber daß es mal Voraussetzung wird? Keine Ahnung, kann ich nicht mehr sagen, was ich damals dachte.
Aber ansonsten geb ich Dir völlig recht!
 
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-Claudia-

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1992 (also vor knapp 30 Jahren) veröffentlichte die Robert-Bosch-Stiftung "Pflege braucht Eliten", in der sie eine akademische Qualifikation für Lehr- und Leitungskräfte forderte. Dank der Wiedervereinigung verfügte Deutschland damals über drei Studiengänge, bis zum Jahr 2000 waren 15 angestrebt (einer pro Bundesland, minus einer der Stadtstaaten).

Tatsächlich gab es im Jahr 2000 bereits 50 pflegebezogene Studiengänge, die Akademisierung nahm also ganz schön an Fahrt auf.
 

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