"Abgezockt und totgepflegt"

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von Aloha, 19.08.2006.

  1. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Sorry, dass ich nix optimistischeres hier rein bringe....

    Ich habe das Buch mit obigem Titel von Markus Breitscheidel gelesen und war doch recht geschockt!!! Mich wuerden mal Meinungen von anderen interessieren, die's auch gelesen haben.... Es muss wirklich dringend etwas getan werden!!! Ich finde es halt erschreckend, dass von den Einrichtungen, die er sich zufaelligerweise rausgepickt hat, nicht eine einzige dabei war, die einigermassen akzeptabel waere. Hat man denn was gehoert, wie die aufgefuehrten Haeuser reagiert haben?

    Das soll jetzt aber bloss nicht als Angriff auf die hier vertretenen Mitglieder verstanden werden!!! Denn:

    An dieser Stelle meinen allergroessten Respekt und Dank an alle, die ihren schweren Job in Alters-/ Pflegeheimen trotz aller Missstaende so gut wie moeglich machen, Zeit fuer die Bewohner haben, Ruecksicht nehmen, aus dem Frei einspringen, unbezahlte Ueberstunden machen, nebenbei noch ihre eigenen Familien versorgen undundund..... Wuensch Euch viel Kraft und Durchhaltevermoegen! :smlove2:
     
  2. michiko

    michiko Gesperrt

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    Der Titel des Buches ist sicher puplikumswirksam. Ist eben reißerisch aufgemacht - und das ist ja das Ziel. Es soll sich ja verkaufen, und da wird sich ein Titel wie: "Hier wird mit Herz gepflegt!" denkbar ungünstig auf die Verkaufszahlen auswirken.

    Wenn Pflegekräfte über diesen Titel geschockt sein sollten, muß man sich fragen,

    1. ob sie nicht wissen, wie alt diese Kamellen schon sind,
    2. ob sie selbst diese geschilderten Umstände erlebt haben
    3. ob diese Umstände in der Einrichtung vorkommen, in der sie selbst arbeiten
    4. ob sie selbst so arbeiten, wenn sie denn in ihrer Einrichtung vorkommen
    5. was sie persönlich getan haben, damit sie sich solchen Angriffen nicht ausgesetzt haben.

    Zu viele Fragen? Nun, die kann man auch nacheinander beantworten. Ich denke mir, wenn der Breitscheidel so sehr darüber entsetzt war, daß er das Buch geschrieben hat, warum hat er denn selbst so gearbeitet? Warum hat er denn nicht vor Ort was verändert? Ich schätze mal, das war gar nicht seine Absicht.

    Es ist müßig, immer nur mit einem Finger auf andere zu zeigen. Es selber besser machen ist angesagt. Und da scheitert es meistens. Mit dem Mund kann es jeder besser, das ist schon wahr.

    Johannes
     
  3. Moni

    Moni Junior-Mitglied

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    Hallo,

    hab das buch selber nicht gelesen, aber ich hab schon von diesem buch gehört. und ich muss sagen es wird doch in den medien regelrecht hochgepeitscht. und so ein titel zeigt mir doch, wie einseitig diese materie betrachtet wird.

    sicher gibt es misstände, aber muss man auch die vielen leute sehen die tag für tag darum kämpfen diese zu beseitigen. so ein buch verschärft doch nur das denken, dass überall nur abgezockt wird.

    für mich, völlig unrealistisch. ein buch mit dem nur geld gemacht wird und nicht unterstützend ist zum aufdecken evlt. misstände!

    liebe grüße
     
  4. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Hallo michiko, (hallo Moni)

    ich entnehme Deinem Beitrag und den Fragen die Du stellst, dass Du mehr als den Titel des Buches nicht gelesen hast.

    Ich persönlich habe das Buch gelesen.
    Markus Breitscheidel arbeitete im Vorfeld zur Vorbereitung seines Buches mit Günther Wallraff zusammen, der ebenfalls ein Begriff sein sollte.

    Ich kann nur empfehlen, das Buch erst zu lesen, und dann zu urteilen.

    LG
    Trisha
     
    #4 Trisha, 20.08.2006
    Zuletzt bearbeitet: 20.08.2006
  5. michiko

    michiko Gesperrt

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    Doch ich kenne das Buch von Wallraff. Habs gelesen, steht in meinem Schrank! Reicht das nicht? Ich denke, eins von dieser Sorte ist genug.

    Hast du diese beschriebenen Zustände selbst erlebt? Schreiberlinge, die sich ne goldenen Nase verdienen wollen, schreiben anders als die Wirklichkeit ist! In deutschen Pflegeheimen arbeiten ca. 500.000 Mitarbeiter. Sag, wieviel % davon machen eine in diesem Buch beschriebene Arbeit?

    Weißt du rein zufällig auch, wieviel % der zu hause pflegenden Angehörigen eine so beschriebene Arbeit abliefern? Nein? Na dann mal los! Erst mal Fakten ranschaffen, die aussagekräftig sind und dann nachdenken.

    Daß es keine Menschlichkeiten gibt, wo Menschen arbeiten, willst du doch wohl im Ernst nicht sagen, oder? Man sollte weniger erschrocken tun und mehr nach Ursachen und Hintergründen fragen. Dann kommen wir auch weiter. Ich für mein Teil handle übrigens so, daß Breitscheidel nicht eine Seite für sein Buch zusammenkriegen würde. Aber der kommt sowie so nicht her, gute Arbeit macht ja nichts her, nicht wahr? Und ich kenne nur wenige Pflegekräfte, die seinen Vorstellungen entsprechen. Und das ist auch normal.

    Den perfekten Menschen gibt es nicht. Und wenn ich bei Breitscheidel nachsuchen würde, würde ich garantiert auch fündig werden. Also - weniger Geschrei und mehr engagiertes Handeln. Das hilft garantiert weiter, als sein Buch.

    Johannes
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    offtopic

    Wirklichkeit ist wie der Name schon andeutet- erwirkt. Es ist das Konstrukt der Welt in unserem Kopf. Diese Vorstellung ist durch vielerlei Aspekte und Wertvorstellungen geprägt. Die Realität kann niemand von uns wahrnehmen. Wahrnehmung ist immer subjektiv.

    Fakten, in Anlehnung an ein Zitat- Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

    Ich möchte deine Fragen ergänzen:
    Wie stehts mit dem nachts waschen?
    Wieviele Hilfsmittel (z.B. WDM) stehen zur Verügung? Rollstühle angepaßt an Bew? oder Einheitsrollstuhl?
    Wie stehst mit der mangelnden Zeit für Spaziergänge u.ä.?
    In wievielen Einrichtungen bestimmt der Bewohner den Tagesablauf?
    Wie verbringen die Bewohner den Tag?
    Menschlichkeit, wie soll man das definieren? Offensichtlich ist es mehr als satt, sauber, sicher. Der Mensch ist ein kommunikatives Wesen. Und da wird wohl niemand bestreiten wollen, dass gerade dies in vielen Einrichtungen zu kurz kommt.

    Wir können nicht auf der einen Seite die z.T. unerträglichen Arbeitsbedingungen beklagen und auf der anderen Seite erklären: dem Pat./ Bew. gehts aber gut.

    Elisabeth
     
  7. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Hallo Johannes,

    Du haust um Dich, ohne das Buch gelesen zu haben.
    Du beurteilst das Buch und den Autor anhand seines Titels.

    Markus Breitscheidel greift nicht das täglich hart arbeitende Pflegepersonal an - im Gegenteil.
    Er schildert sachlich und konstruktiv.
    Keines seiner Erlebnisse und Erfahrungen lassen auf eigene Erfindungen schließen, die an den Haaren herbei gezogen sind, nur damit diese dem Leser zu Berge stehen.

    Abgesehen von negativen Berichten liefert er auch positiv Erlebtes.

    Ich kann also nur empfehlen, erst lesen, dann Kritik üben. Denn Deine Kritik passt in keinster Weise.
    Welche der beschriebenen Zustände? Du hast doch das Buch nicht gelesen...
    Aber um Deine Frage zu beantworten: ja, selbst erlebt. Und Berichterstattungen vieler Pflegekräfte aus Pflege- und Altenheimen...
    Hast Du die Prozentzahl parat? Oder ist es gar wirklich von Interesse, wieviel % schlecht und wieviel % gut arbeiten? In dem Buch wird die Arbeitsweise nicht bewertet, sondern nur sachlich berichtet. Denn: der Autor nimmt sich als Laie nicht heraus, das Pflegepersonal zu bewerten. Darauf geht er auch zu Anfang des Buches ausdrücklich ein. Wie empfohlen: selbst lesen.
    Ich verschaffe mir gerne Fakten. Deswegen lese ich und informiere mich sehr viel. Ja es wäre wirklich prima, wenn du ein paar Zahlen hast. Wenn Du mich so fragst, hast Du sicher Zahlen und Fakten zur Hand. Ich bin gespannt.


    LG
    Trisha
     
    #7 Trisha, 21.08.2006
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 21.08.2006
  8. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Ich habe eigentlich auch mehr an Kommentare derer gedacht, die das Buch gelesen haben....

    Wuerde es im Buch um die optimale, wunderbare, herzliche Pflege durch das freundliche Pflegepersonal gehen, haetten es mit Sicherheit nicht halb soviele Personen gekauft. Die Menschen sind sensationsluestern.... Ich schliesse mich da ja nicht aus.

    So richtig wusste ich auch nicht, was mich erwartet, als ich das Buch gekauft hatte - Johannes schrieb von reisserischer Aufmachung - haette ja tatsaechlich was in dieser Richtung sein koennen. Ist es aber definitiv nicht, es geht um erlebte Tatsachen und Fakten, die der Pflege-Laie M. Breitscheidel nach seinen Diensten dokumentiert.

    Alt ist es auch nicht (also keine ollen Kamellen...), das Buch ist ja relativ neu auf dem Markt - die Erlebnisse haben sich kurz vor Erscheinen des Buches abgespielt (also ein paar wenige Jahre waren es schon....).

    Noch wer, der es gelesen hat ??????
     
  9. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Hallo Aloha,

    zunächst fand ich es von Herrn Breitscheidel mutig, sich als Laie in die Pflege zu begeben.
    Noch mutiger, sich in den unterschiedlichen Pflegeheimen derart zu engagieren und sich einzubringen.
    Am mutigsten, darüber ein Buch zu schreiben.

    Das Buch ist wirklich sehr sachlich gehalten. Markus Breitscheidel zitiert Dialoge zwischen ihm und Kollegen, Vorgesetzten, Patienten. Er beschreibt viele erlebte Vorgänge Schritt für Schritt, ohne diese zu bewerten.

    Mein Mann ist selbst Buchautor und Journalist im Pflege- und Gesundheitswesen. Von daher kann ich versichern, dass man sich mit Bücher schreiben oder Artikel für Fachzeitschriften keine goldene Nase verdienen kann. Jedenfalls nicht mit solchen Büchern. Es handelt sich um ein nettes, kleines Zubrot, von dem man aber i. d. R. nicht leben kann.
    Wer solche Bücher schreibt, dem geht es nicht um Geld verdienen.
    So ähnlich wie wir Pflegenden unsere Arbeit auch aus Überzeugung heraus machen, nicht nur des (knappen) Geldes wegen.

    Wollte Herr Breitscheidel nur ein Buch schreiben über schlechte Zustände in Altenheimen, dann hätte er nur Interviews mit ein paar frustrierten Altenpflegern führen müssen. Da hätte er sicher genügend Infos zusammen bekommen, um sensationslüsternen Menschen einen Gefallen zu erweisen.
    So hat er jahrelang in unterschiedlichen Pflegeheimen als Hilfskraft bei wenigem bis manchmal gar keinem Gehalt geschuftet.

    Meines Erachtens sind die Berichte in den Tageszeitungen wesentlich schlimmer. Mit "Bild-Dir-Deine-Meinung" - Charakter wird über Missstände berichtet, ohne genauere Hintergründe und Details zu erfahren.

    Dieses Buch zeigt anhand konstruktiver und sachlicher Schreibweise auf, warum Dinge passieren, die nicht passieren sollen und dürfen.

    Zeit, aufzuwachen.

    LG
    Trisha
     
  10. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Danke Trisha fuer deine Antwort!

    Der Beruf deines Mannes klingt sehr interessant... und ich glaube gerne, dass es nicht soviel einbringt.

    LG Aloha
     
  11. andy1987

    andy1987 Senior-Mitglied

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    Hallo!
    also ich habe mir dieses Buch auch gekauft und lese es momentan zum zweiten Mal!
    Ich habe selbst ein dreimonatiges Praktikum im Altersheim abgeleistet, allerdings wurde in diesem darauf geachtet nicht nur so zu pflegen, sondern den alten Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen.
    Nun zum Buch: schon nach dem Lesen der ersten Seiten trieb es mir die Tränen in die Augen und ich wollte nicht glauben was ich da las. Aber es wird wohl definitiv so sein, dass manche Altenheim den Mensch als Mittelpunkt verloren haben. Aber daran sind sehr viele Faktoren, die in unserer Gesellschaft falschlaufen beteiligt (z.B. die empfohlenen Zeitkorridore oder der Personalmangel ... ---> das hat sich bestimmt kein Altenpfleger ausgedacht!!!)
    Markus Breitscheidel will in seinem Buch sicher nicht pauschalisieren, allerdings beruht das Geschriebene ja auf seinen Erfahrungen in Heimen in der ganzen Bundesrepublik. Mein Fazit: Dieses Buch ist sehr schockieren und zeigt einmal mehr, dass in so manchem Heim ziemlicher Handlungsbedarf besteht, um die "gefährliche Pflege" nicht die Oberhand gewinnen zu lassen!

    Viele Grüße :P
    Andrea
     
  12. auch ich habe mir das buch schon mehrmlas durchgelesen

    beim ersten mal war ich auch schockiert und dachte, das sowas nicht sein darf was da passiert

    beim zweiten mal bin ich etwas sachlicher an das buch herangegangen

    einiges was er schreibt mag schon den tatsachen entsprechen, man darf aber auch nicht vergessen das herr breitschneidel keine ausgebildete fachkraft ist
    viele fehler sind im buch zu finden, und auch einiges an pflegemassnahmen die er selber betrieben hat
    "zucker auf wundränder", mag ebenso gefährliche pflege sein

    natürlich ist es nicht richtig bewohner einfach zu sedieren aus medikamentevon dem nachlass von verstorbenen bewohner, nachts bewohner aus dem bett zu holen und zu waschen um nur einiges aufzuzählen

    aber warum hat sich herr breitschneidel dann nicht an die zuständigen ämter gewandt, anstatt noch munter mitzumachen, und zuzuschauen

    ein buch herauszubringen, um dann ordentlich die öffentlichkeit aufzumischen, halte ich jedenfalls nicht für sinnvoll

    das "pro seniore "dann auch noch sehr hervorragned abgeschnitten , da fühle ich mich schon für dumm verkauft

    also einiges mag schon stimmen, aber ein laie sieht einiges anders als eine ausgebildete kraft
     
  13. Reyna

    Reyna Senior-Mitglied

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    ich hatte mir das buch ebenfalls von einem kurskollegen ausgeliehen und gelesen...und das kurz vor meinem altenheim-einsatz...:wut:

    war dann umso positiver überrascht wie es auch anders sein kann..
    menschliche pflege, akzeptanz im miteinander, zeit nehmen,...

    aber das buch hat geschockt...habe davor auch mal diesen film von breitscheidel gesehen ( so ne reportage war das), weil der ja auch heimlich in den heimen gefilmt hat...da kamen mir fast die tränen vor wut....

    schwarze schafe gibts nun mal überall:x
     
  14. Coco206

    Coco206 Senior-Mitglied

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    Ich habe das Buch auch gelesen, meine Eltern ahben es mir geschenkt mit den Worten: "Wenn Du nicht selbst schon so etwas erzählt hättest, würden wir gar nicht glauben wollen, dass so etwas wirklich vorkommt.".

    Meiner meinung nach ein sehr gutes Buch, dass realistisch die Missstände in Altenheimen beschreibt.
    Ich habe insgesamt in vier verschiedenen Altenheimen gearbeitet und viele der Dinge, die Breitscheidel geschrieben hat, kommen mir sehr bekannt vor.

    Ich habe in diesen Heimen insgesamt 4 (!) Pflegekräfte erlebt, die sich wirklich gut um die bewohner gekümmert haben, die fachlich wie auch sozial kompetent waren! Eine traurige Zahl!
    Denn selbst bei den miesen Arbeitsbedingungen in den meisten Heimen kann ich trotzdem noch eine gute Pflege leisten, wenn ich dies wirklich will!


    Ein beeindruckendes Beispiel für mich (aber überhaupt nicht reißerisch):
    Ende letzten Jahres in einem neu eröffneten Altenheim.
    Eine bewohnerin, die im Rollstuhl sitzt und nicht spricht. Ein paar Tage hintereinander habe ich sie morgens versorgt. Am Frühstückstisch fragte ih sie etwas,sie antwortete mir klar und deutlich. Die Schwester, die neben mir stand, sagte erstaunt: "Was, die kann sprechen??!".
    Ja,und laufen mit irhem Rollator, der unbenutzt im Zimmer stand, konnte sie auch....
     
  15. airbrush

    airbrush Newbie

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    Ich habe das Buch auch gelesen und finde schon ein paar Paralellen zum Alltag
    z.B zu wenig Personal
    in einigen Heimen wird ein Toilettentraining mehr gemacht , denn die Bew. haben ja Inkoversorgung

    Nun das is meine Meinung ( bin froh das es in meinem Heim nicht ganz so trastisch ist, und wenig Personal zu Krankheitsspitzen und Urlaubszeiten ist normal , also ich kann mich über mein Team nicht beschweren)


    Allerdings lese ich nun im Gegenzug den zweiten Teil

    " Gesund gepflegt statt abgezockt "

    jeder der den ersten Teil gelesen hat, sollte auch diesen lesen und nicht immer gleich rum schimpfen , denn es gibt zwei Seiten der Medallie
     
  16. rudi09

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    Wir hatten in unserem KH einen Pfleger einer Zeitarbeitsfirma, der einen befristeten Vertrag bei uns abgelehnt hat, weil er einen unbefristeten in einem Pfelegeheim habe. Das Gespräch war am 20.12.. Am 1.1. hat er dort angefangen, gestern hat er eine Mail geschickt, ob das Angebot des befristeten Vertrages noch gilt. Er würde es dort nicht aushalten. Der Pfleger war äußerst kompetent in allen Belangen
     
  17. Patmuc

    Patmuc Stammgast

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    Hallo

    Ich habe das Buch nicht gelesen. Aber es scheinen sehr viele gekauft zu haben. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass es nicht nur ein ZUBROT für den Autor ist. Zumindest wenn man sich die Verkaufszahlen von 2005 anschaut, als das Buch erschienen ist.

    Meiner Meinung nach ist es Schade, dass es so viele Kritiker der Altenpflege gibt, die ihre Kritik zu sehr an die Pflegeheime richten.
    Die Pflegeheime, zumindest die Gemeinnützigen wollen und dürfen keinen Profit erwirtschaften. In einem solchen arbeite ich. Und wir arbeiten auch an unseren physischen udn psychischen Grenzen und vielen anderen in diesem Beruf wird es ähnlich gehen, wenn sie genau nachdenken und nicht alles schön reden.


    Ich habe zum Beispiel für eine Pflegestufe 2, die 120 Minuten benötigt bei der Einstufung des MDK viel weniger Zeit als diese 120 Minuten.

    - Der finanzielle Betrag aus dieser Pflegestufe zwei wird wiederum in Minuten umgerechnet. Das heißt, wieviel Minuten Pflegekraft kann sich das Unternehmen aus diesem Betrag leisten.

    - Dann haben wir ca. 85 Minuten. Von diesen 85 Minuten am Tag, das immer noch Bruttominuten sind, ist noch kein Urlaub abgezogen, den die Pflegekräfte ja auch noch haben. Wenn man Urlaub, Krank und Fortbildung mit 20 % berechnet haben wir noch 68 Minuten

    - Von diesen 68 Minuten arbeiten wir ca. 60-70 % an dem Menschen selbst. Da der Rest auf putzen, dokumentieren und sonstiges drauf geht.

    - Dann haben wir im Endeffekt noch ca. 45 Minuten zur Verfügung diesen Menschen zu pflegen. Mit Körperpflege, Toilettengängen, eventuell lagern und essen eingeben, Beschäftigung.... Wie kann man uns da noch aufbrummen 6-8 mal am Tag mit diesen Menschen Kontinenztraining zu machen (neuester Standard, der auch überprüft wird von den Behörden). Täglich an die frische Luft zu gehen....


    Es passt vielleicht nicht ganz zu diesem Thema. Aber wieso geht so ein Autor mit seinen Erfahrungen nicht mal an die Politik, um aufzuzeigen, dass die Grenzen erreicht sind.
    Wieso kaufen sich viele Laien solch ein Buch und lassen sich da so mitreißen, wie schlecht es doch in der Altenpflege ist.

    Ich finde solch eine Entwicklung äußerst traurig und denke, dass viele Menschen besser arbeiten würden, wenn sie den entsprechenden zeitlichen Rahmen hätten.

    Ich mache meine Arbeit sehr gerne, aber merke, dass auch ich an meine Grenzen stoße. Und wenn ich mal nicht mehr mit einem Lachen (das nichts kostet) zu meinen Kollegen und Bewohnern trete, weiß ich dass ich auch am Ende bin...

    Patrick
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Weil weder der Politiker und schon gar nicht der Laie an der Realität interessiert ist. Denn dieser ins Auge zu schauen, würde bedeuten: es ist mehr Geld für das System notwendig. Und da hört ja bekanntlich der Spaß auf.
    Es ist halt bequemer mit dem Finger auf die Symptome zu zeigen als an der Ursache zu "therapieren".

    Elisabeth

    PS Dank an Patmuc für das Aufrechnen der Zahlen.
     
  19. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Hallo airbrush,

    danke fuer den Hinweis mit dem 2. Teil - werde ich mir bestimmt mal ansehen, wenn ich mal wieder in Deutschland auf Besuch bin!

    Ist es lesenswert?

    LG Aloha
     
  20. palulu

    palulu Newbie

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    Moers
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    Hallo Ihr Lieben,
    ich habe gerade das Buch " Abgezockt und Totgepflegt" von Markus Breitscheidel gelesen, und kann mir gar nicht vorstellen das einem sowas passiert, wie Ihm angeblich. Und das dreimal hinter einander!!
    Schreibt mir doch bitte mal Eure Meinung und Erfahrung dazu!!

    Gruss Palulu :flowerpower:
     
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