News Verdi-Experte spricht von "heiterem Berufebasteln"

Tja- Herr Dielmann kennt halt das Wort "bedarfsgerecht" nicht und scheint auch noch nie über den eigenen Tellerrand hinaus geschaut zu haben. Ist wieder mal ein schönes Beispiel dafür was rauskommt, wenn berufsfremde sich als Experten ausgeben wollen. Schade, dass sich die Altenpflege hier wieder mal instrumentaliseren lässt.

Elisabeth
 
Leider ist die Expertise bei Verdi im Bereich Pflege und Gesundheit sehr ausbaufähig. Mich wundert diese fragwürdige Argumentation leider nicht, seit ich die Ausführungen gegen die Pflegekammer gelesen habe.

Hier wird ja sogar kräftig mit dem bpa Stimmung gemacht. Obwohl ich nicht mal ein glühender Verfechter der Kammer bin und durchaus auch Schwierigkeiten sehe, kann ich diese Gewerkschaft seitdem nicht mehr ernst nehmen.
 
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Die Gewerkschaften haben sich selber ins Abseits geschossen. Hallo zusammen! :)
 
Hallo zusammen,

ich weiss, dass ich mit meiner Meinung zu diesem Thema mir wahrscheinlich keine Freunde mache.

Ich halte nichts von einer generalistischen Ausbildung. Aus der Sicht der Pädiatrie sogar für ziemlich schlimm. Die anschliessenden, aus meiner Sicht erforderlichen, Spezialisierungen dauern zu lang. Praktische Ausbildung erfolgt nur begrenzt in den verschiedenen Fachgebieten.

Ich und viele meiner Kinderkrankenschwester-Kollegen (Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in) wären ohne die Spezialisierung niemals in die Pflege gegangen, weil sie sich die Arbeit mit Erwachsenen nicht vorstellen konnten.

Und auch im europäischen Ausland war unsere Ausbildung gerne gesehen, zumindest hätten ich und mehrere meiner Kollegen entgegen anderer Aussagen (deutsche Kinderkrankenpflegeausbildung wird im Ausland nicht akzeptiert) schon vor Jahren und bis heute Angebote aus dem europäischen Ausland gehabt. Aber das nur nebenbei.

Gruss
Ludmilla
 
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Hatte vor dem Lesen des Artikels durch die ersten Meinungen schon schlimmste Befürchtungen, hinterher - nicht mehr.

Ludmilla - Du stehst nicht alleine da, mit Deiner Haltung. Packt man alles in 1 Ausbildung - kommt doch NICHTS richtig gutes bei raus. Nicht nach 3 Jahren. Die 3 Jahre jetzt sind doch schon so vollgestopft mit Lernstoffen, in den 3 etablierten Pflegefachausbildungen.
Eine generalistische Grundausbildung + zusätzliche Zeit für 1 Spezialisierung - o.k. Dann bin ich bei wenigstens bei 4 Jahren. Aber die maximal 3 Jahre - scheinen auch so eine ziemlich heilige Kuh zu sein?

Wenn Hr. Dielmann schreibt, dass die etablierte Altenpflegeausbildung gut für die Arbeit in der stationären Altenhilfe qualifiziert - was ist daran zu kritisieren? Versteh ich nicht. Wer ist so nett und erklärt mir das?
 
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Wie sieht die Klientel von morgen in der Altenpflege aus? Die Morbidität dürfte nicht geringer werden. Damit kommen die Altenpflegekräfte an ihre Grenzen.

Oder anders gefragt: warum gibt es nur in Deutschland die Aufsplitterung des Pflegeberufes in ganz viele Spezialisierungen?

Elisabeth
 
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Gerade die Gewerkschaft sollte gegen Primärspezialisierung sein. Eine einrichtungsorientierte Ausbildung ist ein Nährboden für Lohnsenkung. Dagegen können sich die Generalisten Bereiche aussuchen und dementsprechend auch die Bedingungen. Desweiteren sollte die Spezialisierung während des Berufs und mit entsprechender Erfahrung geschehen.
 
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Wie sieht die Klientel von morgen in der Altenpflege aus? Die Morbidität dürfte nicht geringer werden. Damit kommen die Altenpflegekräfte an ihre Grenzen.

Oder anders gefragt: warum gibt es nur in Deutschland die Aufsplitterung des Pflegeberufes in ganz viele Spezialisierungen?

Elisabeth

Guten Morgen,
zu deiner ersten Frage, die Klientel bleibt doch die Gleiche. Morbidität ist heute schon hoch, es kommt vielleicht noch das ein oder andere Lebensjährchen dazu, was aber meines Erachtens ohne Belang für die Pflege ist. Und warum damit Altenpflegekräfte an ihre Grenzen kommen verstehe ich nicht!

Zu deiner 2. Frage, warum es hier die Aufsplittung gibt..., ich weiss es nicht, halte es aber zumindest für Pädiatrie und Erwachsene für sehr sinnvoll. Ich habe den Eindruck, dass es deinerseits eine rhetorische Frage ist, magst du uns die beantworten...?

Gruss
Ludmilla
 
@ludmilla: was spricht gegen Spezialisierung in der Pädiatrie nach einer generalistischen Ausbildung? Certified Pediatric Nurse heißt es z.B. in USA.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Die Anzahl der pflegebedürftigen Klienten nimmt zu. Dank den "Segnungen" der modernen Medzin leben viele multimorbide Klienten länger. Ergo- die Anzahl derer, die auch eine medizinische Betreuung brauchen nimmt zu.

Dummerweise macht die Idee des Aufsplitterns nicht bei Gesundheits- und Krankenpflegern, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegern und Altenpflegern halt. Es wird in Deutschland weiter forciert. Der letzte Coup- die IPK- die Intensivpflegekraft. Aktuell noch kaum vertreten... aber die OTA hat ja auch mal klein angefangen.

Ich sehe die generalistische Ausbildung aus einem anderen Grunde kritisch. Die aktuellen Verlautbarungen zeigen in meinen Augen, dass die Qualität der Ausbildung weiter sinken soll/muss. Die Stundenanzahl nebst Verteilung ist identisch mit der aktuell üblichen. Das kann nicht funzen- es sei denn, man beschränkt sich auf das Wesentliche und arbeitet noch mehr mit Checklisten und laienorientierten Standards.

Übrigens- du bist doch sicher auch nicht als hochqualifizierte Fachkraft aus der Grundausbildung gekommen, oder? Sind wir nicht alle erst auf unserer Station spezialisiert worden? Ich habe mehrfach gewechselt inklusive von Kinderkrankenpflege in die Erwachsenenpflege. Und fand bestätigt, was mein alter Oberarzt aus der Kinderklinik schon immer meinte: gefüttert wird oben und trocken gelegt unten. Von daher- so unterschiedlich ist es durchaus nicht.

*fg* Wenn ich wählen müsste- ich würde immer die Kinderkrankenpflege-Ausbildung vorziehen. Wir haben mehr über nonverbale Kommunikation gelernt. Das kann man in allen Bereichen mehr als gut nutzen.

Allein ich befürchte, dieser Ausbildungsinhalt wird zugunsten der Medizin in der deutschen generalistischen Ausbildung gestrichen werden.


Elisabeth
 
Ich glaube da irrst du dich @Elisabeth Dinse. Die Kommunikation wird sehr wohl thematisiert, leider sind Methoden manchmal zweifelhaft.
 
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Wie geschrieben- Kommunikation, vor allem den nonverbalen Bereich, sehen viele als überbewertet. In der Kinderkrankenpflege-Ausbildung wirst du damit tagtäglich konfrontiert. Das schult ungemein.


Elisabeth
 
In der Krankenpflege aber auch. Schlaganfallpatienten, Menschen mit Demenz, sterbende Patienten. Es wird nicht überbewertet, aber Bastelspiele und Mandalamalen in der Ausbildung sind mMn keine geeigneten Methoden den Erwachsenen so was beizubringen.
 
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Womit wir bei der Möglichkeit der generalistischen Ausbildung sind. *fg*

Btw.- die Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation entwickeln sich im Laufe des Lebens weiter. Und ein dementer Mensch wird ja nicht zum Kind- auch wenn der Volksmund das gerne so sieht.
Es bräuchte also schon eine intensivere Ausbildung in dem Bereich. Das Zusammenlegen der Inhalte geht nur, wenn man dafür auch mehr Stunden vorsieht.

Elisabeth

PS: Ich glaub, im Herzen bleibt man immer Kinderkrankenschwester. *fg*
 
Nein, ich bin nicht als hochqualifizierte Kraft auf die Welt gekommen, aber ich hatte ausreichendes Basiswissen und Fähigkeiten in der Krankenbeobachtung von Kindern um relativ schnell selbstständig und vor allem eigenverantwortlich zu arbeiten.

Ich arbeite schon Jahre nicht mehr in der Pflege, aber habe durchaus schon erlebt, dass die examinierten Kinderkrankenpflegerinnen kaum mehr praktische Fähigkeiten haben, weil sie nicht mehr ausreichend Praxiseinsätze auf Kinderstationen haben, sie müssen ja ihre Einsätze in Psychiatrie, im ambulanten Bereich, usw., usw. machen. Das führt dann dazu, dass sie verantwortlich Tätigkeiten durchführen sollten, die sie teils noch nie durchgeführt haben. Dann fange ich in der Einarbeitung an, jemand das Legen einer Sonde (Tagesgeschäft auf Früh- und Säuglingsstationen), absaugen des NRR zu erklären.

Wenn jetzt noch eine generalistische Ausbildung kommt, dann hat die Pädiatrie nun wirklich die A-Karte gezogen, weil in der Ausbildung kaum noch das erforderliche Basiswissen vermittelt wird und man sich wahrscheinlich an der grössten Klientelgruppe, den alten Menschen, orientieren wird.

Was die nonverbale Kommunikation angeht, gebe ich dir uneingeschränkt recht. Es war bereits vor 30 Jahren (während meiner Ausbildung) so, dass die Kinderkrankenschwestern auf den Erwachsenen-Stationen sehr beliebt waren, weil sie eben was Krankenbeobachtung und nonverbale Kommunikation angeht besser waren. Ich will hier keinen Kleinkrieg zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, aber in der Erwachsenenpflege verlässt man sich allzu oft auf die Aussagen der Leute auch wenn es z.T. nonverbale Signale gibt, die dem komplett entgegen stehen. Ich habe mittlerweile auch reichlich Erfahrung mit der Kommunikation mit alten Menschen. Ich konnte hier seitenlang aus der privaten, wie auch beruflichen Erfahrung berichten, was die Gegensätzlichkeit zwischen den nonverbalen und verbalen Aussagen angeht.

In der Kinderkrankenpflege musst du beobachten um was zu erfahren. Man ist darauf angewiesen, weil kleine Kinder nicht ausdrücken was ihnen fehlt. Es reicht nicht, dass in der Ausbildung zu thematisieren und dafür zu sensibilisieren, sondern man muss es erfahren und üben.

Natürlich gibt es Patienten auch in den anderen Bereichen die eine entsprechende Fähigkeit voraussetzt, nur die Kommunikationsfähigkeit ergibt sich nicht automatisch aus den theoretischen Kenntnissen.

Gruss
Ludmilla
 
Basiswissen- was verstehst du darunter?

Wie funzt Wahrnehmung? Du kannst zwar eine Veränderung wahrnehmen. Um sie beurteilen zu können, braucht es theoretisches Hintergrundwissen. Die Grundlagen in Anatomie/Physiologie und Pathologie/-physiologie sind Bestandteil aller Ausbildungen. Außer den Umstellungsprozessen postpartum gibt es meines Erachtens keinerlei Unterschiede. Kinderkrankheiten sind heute keine Kinderkrankheiten mehr sondern können jeden befallen.

Das man sich in der Erwachsenenpflege allzuoft auf die Maschinen statt auf seine eigenen Sinne verlässt... dieses Phänomen findest du mittlerweile in der Kinderkrankenpflege auch.
Das das Thema nonverbale Kommunikation nicht unbedingt zu den Lieblingsthemen des medizinorientierten Nachwuchses in allen Ausbildungsrichtungen zählt... wer will es ihnen verdenken. Der Trend, dass virtuelle Kontakte zunehmen mit all den Folgen für die Kommunikation, geht ja auch an den Pflegekräften spurlos vorbei. Die zunehmende Technisierung und die damit verbundene Vorstellung, dass man alles messen kann, tut ihr übriges. Und das letzte Tröpfchen ist die unsägliche Entwicklung alles in Checklisten und Standards pressen zu wollen.

Aber all das bedeutet ja noch lange nicht, dass man eine generalistische Ausbildung für unsinnig erklärt. Es kommt auf die Inhalte und deren Vermittlung an. Und da sehe ich Probleme. Es wird scheinbar kaum geschaut, was verbindet uns. Man folgt dem typisch deutschen Pflegeverständnis und sucht nach den Defiziten und vergisst die Ressourcen.

Elisabeth
 
Ich denke, es ist das Thema. Es geht bei der Ablehnung der generalistischen Ausbildung mehr um Gefühle, weniger um Fakten. Altenpflege und Kinderkrankenpflege fürchten um ihre Stellung. Sie sind so sozialisiert worden, dass nur sie die entsprechende Klientel versorgen können.

Man kann die Gefühle natürlich negieren und wie schon so oft, was überstülpen. Man kann die Gefühle aber auch ernst nehmen und schauen, ob sie berechtigt sind.

Und ich finde es befremdlich, dass ein Gewerkschafter hier Öl ins Feuer gießt. Mit Gefühlen sollte man nicht spielen.

Elisabeth