Urinverlust zusätzlicher bei Einmalkatheterisierung im häuslichem Bereich

kathibeautiful

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Ist es möglich, das eine geringe Menge Urin bei der Einmalkatheterisierung neben dem Katheter abfließt??Meines Wissens ja, kann muss nicht.Die Pat.hat eine Überlaufblase und verkrampft vorher schon.Ich persönlich sehe darin die Ursache. Wie sind Eure Erfahrungen??
 

Neuromaus

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Überlaufblase heißt ja vereinfacht gesagt:
Blase ist spastisch, kann sich daher nicht normal entleeren (daher die Einmalkatheterisierung).
Wenn die Blase zu voll wird, ist der Blasendruck irgendwann so hoch, dass der Urin dann doch nach außen "gedrückt" wird.
Das ist zwar nicht der Idealfall, aber besser als ein vesikoureteraler Reflux (Urin gelangt von der Blase zurück in die Harnleiter und evtl. bis in die Nieren). Denn dieser könnte zur Pyelonehpritis und bei schweren Verläufen im schlimmsten Fall bis zur Urosepsis führen.
Das bedeutet:
Einnässen ist ein Zeichen dafür, dass zu spät katheterisiert wurde und dadurch die Blase schon zu voll ist.

Hier geht es aber nicht um Einnässen, sondern darum, dass Urin neben dem Katheter herfließt.
Ich kann dir nicht sagen, ob es dazu "allgemeingültige" Aussagen gibt, aber die Erfahrung bei mir und meinen Kolleginnen ist diese:
Wenn der Blasendruck sehr hoch ist (viel getrunken, länger nicht katheterisiert...) läuft deutlich häufiger Urin neben dem Katheter her als bei niedrigerem Blasendruck (wie gesagt, nur Beobachtung/Erfahrung von uns, kein Lehrbuchwissen!). Insbesondere ist es bei hohem Blasendruck häufig schwieriger, den Katheter einzuführen, so dass manchmal auf einen Katheter mit kleinerem Lumen ausgewichen werden muss, und in diesen Fällen läuft noch öfter Urin nebenher.

Was ich empfehlen würde (das sind die Dinge, die wir auch machen bei unseren Kiddies) wäre im ersten Schritt:
  • Einfuhrprotokoll mit Uhrzeit und Trinkmenge/sondierter Flüssigkeitsmenge
  • Ausfuhrprotokoll mit Uhrzeit und Urinmenge
  • im Ausfuhrprotokoll vermerken, ob der Patient zusätzlich eingenässt hat oder Urin neben dem Katheter hergelaufen ist
Im zweiten Schritt werden dann daraus Konsequenzen gezogen:
  • Flüssigkeitsmenge gleichmäßig verteilen (erfordert entsprechende Compliance, wenn der Patient selbst trinkt)
  • regelmäßige Katheterisierungszeiten einführen
  • unter diesen Maßnahmen die o.g. Beobachtungen fortführen
Im dritten Schritt werden dann die Maßnahmen, also in diesem Fall Flüssigkeitsmenge und -verteilung sowie Katheterzeiten angepasst. Evtl. kann es sinnvoll sein, abends ab ca. 2h vor dem Schlafengehen nichts mehr zu trinken und dann direkt vor dem Schlafengehen nochmal zu katheterisieren, damit die Blase nicht in der Nacht zu voll wird, weil man ja auf Dauer zu Hause nicht nachts katheterisieren will.
 

Neuromaus

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Oh, ups, ich hab ganz übersehen, dass es um Nephrologie/Urologie geht. Was ich geschrieben habe, bezog sich auf die Überlaufblase bei neurogener Blasenentleerungsstörung.
 
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