Symptom Kaltschweissigkeit bei Hypoglykämie

UrsFahrbach

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Salut zusammen,

kann mir jemand erklären warum bei einer Hypoglykämie kalter Schweiss als Symptom auftritt? Ich lese überall nur, dass es ein Anzeichen für den Unterzucker darstellt, nicht aber was da physiologisch genau dahintersteckt. Ich kann mir solche Sachen wesentlich besser merken, wenn ich die Funktionsweise dahinter verstehe, daher die Frage. (Und ausserdem aus reiner Neugier. :wink: )

Danke!

Urs
 

niesreiz

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Kaltschweißigkeit ist kein exklusives bzw. lediglich ein unspezifisches Symptom für eine Hypoglykämie (was nicht heißen soll, dass es zu vernachlässigen sein könnte ;) )... drum führen eventuelle Google-Suchen der Stichworte "Hypoglykämie", "Kaltschweißigkeit" & "(Patho-)Physiologie" nicht zur gesuchten Erklärung. Die Kaltschweißigkeit tritt dann auf, wenn der Körper übermäßigem Stress ausgesetzt ist und zu allem Überfluss auch noch seinen Kreislauf zentralisiert (periphere Vasokonstriktion). Folgende Links gehen noch etwas genauer auf das Phänomen ein.

Kaltschweißigkeit - DocCheck Flexikon
Kaltschweißigkeit || Med-koM
 
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Neuromaus

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bisschen off topic...: Scheint so, dass du doch etwas Interesse an deinem Einsatz in der Diabetologie gefunden hast. Schön. :wavey:
 
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UrsFahrbach

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bisschen off topic...: Scheint so, dass du doch etwas Interesse an deinem Einsatz in der Diabetologie gefunden hast. Schön. :wavey:
Ja, es hilft, wenn man sich ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetzt. Ich habe mir einiges an Materialien zu Diabetes und Endokrinologie allgemein heruntergeladen und angefangen, mich ein bisschen einzulesen, was ich auch weiter machen werde, bis zu meinem Praxiseinsatz im Dezember. :-)

@niesreiz Danke für Deine Antwort und die Links! Das führt natürlich zu der Frage: Warum bedeutet Unterzucker für den Körper Stress? Glucose wird als Energielieferant für den Zellstoffwechsel benötigt und eines der ersten Organe, das bei einer Unterversorgung mit Glucose in Mitleidenschaft gezogen wird ist das Gehirn. (Weshalb auch Symptome wie Verwirrtheitszustände oder eine Beeinträchtigung der motorischen Kontrolle auftreten.) Sinkt der Blutzucker unter eine bestimmte Schwelle, leitet der Körper Glycogenolyse ein, in der Glykogen zu Glucose abgebaut wird. Der Wikipediaartikel dazu (Glycogenolysis - Wikipedia) beschreibt, dass Glycogenolyse eine wichtige Rolle in der Fight-or-Flight-Response spielt, was ja ein typisches Merkmal, z.B. von Panikattacken ist. Führt das letztenendes auch zu dem Kaltschweisssymptom? Oder hängt das auch mit dem Verlust über den Muskeltonus zusammen oder generell damit, dass der Körper stark beansprucht ist mit der Aufgabe, das Glucoseniveau zu erhöhen? Wahrscheinlich mit allen drei Punkten?

Danke auf alle Fälle für den Denkanstoss, der mich zum weiterrecherchieren ermuntert hat! :wink:
 
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niesreiz

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Ja... so kann man es sich merken bzw. erklären. Ich jedoch, als Fan der Feynman-Methode würde es, in diesem Kontext, nicht so machen. ;)

Stell dir deine KollegInnen vor und wie die drauf sind, wenn sie mal wieder keine Pause machen können - ergo auch keine Zeit zum Essen haben (ihnen das Essen quasi verwehr wird). Das bedeutet deine KollegInnen sind genervt, grantig - gestresst. Wie wirkt sich das aus? Entweder sie essen doch irgendwie was zwischen rein oder sie kämpfen dagegen an (vorausgesetzt sie haben noch die nötigen Ressourcen dafür im Organismus). Und das, was da in Klammern steht, ist der Knackpunkt bei der Hypoglykämie und der Kaltschweißigkeit (wohlgemerkt, nicht allein bei der Kaltschweißigkeit, sondern speziell in dieser Kombination). Die Zellen, welche in der Summe ihrer individuellen Tätigkeiten bzw. Aufgaben den Organismus erst handlungsfähig/lebendig/lebensfähig machen, haben hunger. Hunger nach Zucker, welcher den Zellen als notwendiger Brennstoff dient. Nun fehlt aber in der Hypoglykämie der Zucker bzw. der Brennstoff. Die Zellen sind genervt, grantig - gestresst. Natürlich geben sie diesen Ärger weiter und alarmieren den Organismus, er solle gefälligst Brennstoff ranschaffen - dieser kann das aber nicht - weil, ist ja keiner da (es herrscht ja gerade Zucker- bzw. Brennstoffmangel). Organismus: "Crap!, hier stimmt was nicht, meinen Zellen fehlt Brennstoff und ich hab keinen mehr... an alle: Gefechtsbereitschaft herstellen." Der Körper schwitzt um schon mal in vorauseilender Bereitschaft die Klimaanlage hoch zufahren. Denn wenn es zum Gefecht/Kampf kommt, entsteht viel Hitze... und wer will in der Hitze des Gefechts schon nen Hitzekoller kriegen?! ;) Im gleichen Zuge fehlt aber die Gefechtsfähigkeit.... kein Brennstoff, kein Vollgas. Die Klima wird zwar hochgefahren, aber keine Hitze entsteht... weil ja nichts verbrannt wird. Auch das merkt der Organismus ziemlich flott und geht auf das Notfall-Sparflamme-Programm: "Ouh haueha... Kommando zurück, wir sind nicht Gefechtsfähig, weil kein Brennstoff da ist... alleine kommen wir gegen diesen Notstand nicht an - wir müssen Zeit gewinnen! Die Restenergie nur noch auf das aller Nötigste begrenzen. Die Extremitäten- und Körperrand-Versorgung wird nahezu eingestellt! Das Blut, mit dem letzten Rest an Nährstoffen versorgt nur noch die Kernorgane, ohne denen gar kein Überleben mehr möglich wäre!" Und siehe da... das ist die Kaltschweißigkeit bei der Hypoglykämie. Schweiß raus, um Kämpfen zu können - Blut aber zurück, um unter allen Umständen irgendwie überleben zu können bzw. um auf bessere Zeiten zu warten. Klingt ein bisschen paradox... aber so ist er nun mal, unser Körper - ein/e launische/r KollegeIn, welche/r nur Pause machen wollte und am Ende panisch und apathisch zugleich in der Ecke kauert und Hilfe von Extern braucht. :knockin: (zugegeben... der Abschluss ist etwas überspitzt... aber es erfüllt seinen Zweck der Eindrücklichkeit, wie ich meine, ganz gut.)

Nicht falsch verstehen, du darfst dir das gerne in seinen mikrobio-, patho- und physiologischen Abläufen merken... ist unter bestimmten Gesichtspunkten sicher auch nicht dumm (z.B: wenn es drum geht, wie Medikamente wirken und wie oder wann eventuell nicht). Wenn es aber darum geht, dass du eine Brück zwischen Zupflegenden, professionell Pflegenden und Ärzten sein willst (bzw. vielleicht sogar sein sollst) musst du eine Art "wissenskommunikativer Amphib" sein. Du sollst für jeden verständlich sein - und in erster Linie dem Zupflegenden, welcher nicht stets mit Leistungskurs Bio vor dir steht/sitzt/liegt, begegnet. Da taugt mir die Feynman-Methode ganz hervorragend.
 

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