Suchtverlagerung?

narde2003

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Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich stelle immer wieder fest, dass ehemalige Drogenabhängige sehr gierig auf Süsskram und Zucker bzw. Honig sind. Ist das eine Suchtverlagerung oder woran liegt das?

Ich gönne ihnen den Zucker und Honig von Herzen, nur verwundert es mich einfach, dass 99% von ihnen extrem viel davon konsumieren.

Ich konnte in der Klinik schon regelrechtes "dealen" mit Honigpäckchen feststellen - für 1 Zigarette kostet 3 Päckchen Honig.:eek1:

Liebe Grüsse
Narde
 
Mir ist nur aufgefallen, dass solche Leute gerne doppelte Portionen bestellen - dazu dann Unmengen an Kaffee... Dieses Phänomen ist mir auch ein Rätsel.
 
Ausserdem triggert der Zucker die Ausschüttung von Endorphinen (z.B. Serotonin) im Gehirn. Die Endorphine werden auch Glückshormone genannt, weil sie einen starken positiven Einfluss auf die Stimmung haben.

Leider verschwindet der Zucker auch wieder sehr schnell aus dem Blut, sodass die Bauchspeicheldrüse heftig auf die Bremse treten muss und die Glücksgefühle schnell wieder nachlassen.

Also muss Nachschub her!

Und das ist das Gefährliche an Süssigkeiten. Ihre Wirkung beinhaltet den Drang zur Wiederholung und Übertreibung.

Kohlenhydrate

Dieses Phänomen scheint aber nur eingeschränkt zu funktionieren... ich werde nur dick davon. *heulschnief*

Elisabeth
 
ich stelle immer wieder fest, dass ehemalige Drogenabhängige sehr gierig auf Süsskram und Zucker bzw. Honig sind. Ist das eine Suchtverlagerung oder woran liegt das?

Du hast recht, das ist wirklich eine Suchtverlagerung.
Ich habe in einer Therapieeinrichtung für Drogen-, Medikamenten- und Alkoholabhängige gearbeitet. Die Klienten bekamen jede Woche ein Taschengeld und konnten mir eine Einkaufsliste schreiben. Aber ich musste aufpassen, dass jeder nur eine gewisse Menge an Zigaretten, Schokolade, etc. bekamen.

Gruß,
Lin
 
Hallo
Wir haben oft Alkoholiker auf Entzug und die sind auch ganz scharf auf Süßes.
Suchtverlagerung gibt es doch auch bei vielen Ex Rauchern anstatt Zigarette - Schokolade.
Alesig
 
mir hat mal ein Junky erklärt das der Zucker im ganzen Süßkram dafür sorgt das sich die Toxine schneller abbauen. Teilweise werden Süssigkeiten gegessen um von einem Horrortrip wieder runterzukommen. Woran das nun liegt kann ich aber auch nicht sagen.

Ich habe ebenfalls beobachtet das der Konsum von Süssigkeiten nach dem akuten Entzug nachgelassen hat.
 
Alkoholiker haben meist einen niedrigen Blutzuckerspiegel-die Gluconeogenese in der Leber ist gestört. Auch die Bauchspeicheldrüse kann geschädigt sein.
Auch andere Drogen schädigen die Leber dauerhaft, die ja Schlüsselfunktionen beim Kohlehydratstoffwechsel hat.
Möglicherweise wirkt der Süßkram nicht nur aufmunternd und als Ersatzhandlung, sondern ist auch ein Zeichen für einen dauerhaft niedrigen BZ-Spiegel.
 
Ich arbeite mit Drogen- und Alkoholabhängigen. Süßkram speziel ist mir bislang nicht so stark aufgefallen, jedoch durchaus eine Neigung überhaupt viel Nahrung zu sich zu nehmen. Da allerdings Viele auch ihre Ernährung vernachlässigt hatten, ist eine Gewichtszunahme bei Diesen durchaus erwünscht. Suchtverlagerung erleben wir aber eindeutig in übermäßigem Tabakkonsum und früher auch Koffeein (bis löslicher Kaffee bei uns verboten wurde). Des Weiteren der häufige Drang nach zusäzlicher Medizin zu bitten bei z.T. offensichtlich vorgeschobenen Gründen. Es ist oft nicht einfach zu erkennen, wann dies nur geschieht aus dem gewohnten Suchtverhalten des Patienten: "Probleme oder Leerlauf --> dann Konsum" Und sei es auch "nur" der Konsum beruhigenden u./o. schlafförderlichen Medikamenten.
 
hallo @ll,

und damit läuft sich wieder mal ein gutes thema tot. es wird versucht, physiologisch zu erklären, was warum passiert. wir reden von menschen, die meistens genau wissen, dass, wenn sie sich jetzt zum konsum entscheiden, alles auf der strecke lassen.
entscheidung zur entgiftung...
da wirds doch spannend, was bieten wir an, ausser regeln? kann doch mit kaffee und honig super gut sein, wenn die BEZIEHUNG stimmt.

gruss zur nacht
 
ups, off topic...,

aber wieviel kaffee konsumiert ihr denn so?

glg
 
Kaffee wenig, aber die Zigarette nach getaner Arbeit wirkt schon entspannend.
Das Thema war auch nicht "tot", wieso?
 
Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich stelle immer wieder fest, dass ehemalige Drogenabhängige sehr gierig auf Süsskram und Zucker bzw. Honig sind. Ist das eine Suchtverlagerung oder woran liegt das?
Hm, warum ist da das Thema tot? Das war die Anfangsfrage. *grübel*

@ Savannah
Mein Kaffeekonsum ist faktisch 0, aber so 2-5 Tassen schwarzen Tee trinke ich schon i.d.R. *schmunzel*

Aber ich denke mal, Du wolltest eher eine vergleichende Sichtweise anregen. Doch wenn man die Patienten mal befragt, geben Diese durchaus offen zu, dass sie in der Behandlung mehr Kaffee + Rauchwaren konsumieren als sonst.