Pflegeübergaben

Hallo cosi,

da besteht aber ganz schnell die Gefahr von Überinformation. Die Kunst auf einer Intensivstation besteht doch auch darin, schnell das Wesentliche vom momentan Unwesentlichen zu trennen und Prioritäten zu setzen.

Wir versuchen daher immer die Übergaben zeitlich und inhaltlich zu begrenzen. Wir haben max. 20 Min. Zeit für die Übergabe für ges. 2-3 Patienten am Bett. In der Zeit müssen dann auch noch die Perfusoren verglichen werden u.s.w.

Mich persönlich stört es bei einer Übergabe immer sehr, wenn ich mit zu viel "Einzelheiten" geqält werde. Da laufe ich schnell Gefahr abzudriften und das Wichtige zu überhören.

Viele Grüße Susanne
 
Hallo Susanne,

dem widerspreche ich auch in keinster Weise und Du hast damit auch vollkommen Recht. Dennoch ist es für mich wichtig, dass ich so früh wie möglich die Info über die allgemeinen Gewohnheiten des Pat. weiß, damit ich prophylaktisch agieren und mir Zeit einsparen kann.

Es interessiert mich weniger, ob nun der Pat. am OP Tag mehr oder weniger Volumen erhalten hat bei einer guten LVF und ob er mit der Temperatur angestiegen ist über 38 /39 ° C.
Erstens mal kann ich das Alles lesen und zweitens sehe ich das anhand der Vitalparameter in der Kurve und ein Anstieg der Körpertemperatur auf 38/39 °C am OP Tag ist normal, da dies ein Ereignis auf ein Trauma ist und die Temperaturregulation eigenständig erfolgt.

Unwichtig betrachte ich auch ein VW nach Standard am OP- Tag. Wenn ein Kollege/in mir dann mitteilt (auch wenn ich das selbst auch tue), dass der VW gelaufen ist, dann ist das eigendlich ein Satz zu viel (da man das in der Kurve und am Pat. nachvollziehen kann). Selbst wenn nicht dokumentiert wurde ist es meist nachvollziehbar.

Unwichtig betrachte ich ebenfalls, ob der Hämofilter die ganze Zeit gut gelaufen ist. Wichtiger betrachte ich eher eine systemische Störung (z.B. Fehlermeldungen wie Blutdetektor defekt u.a.), dann werde ich womöglich bei der nächsten ähnlichen Fehlermeldung das Gerät stoppen und einen neuen Filter aufrüsten (das weiß ich aber dann schon und kann mir dafür im Vorfeld die entsprechenden Materialien besorgen sowie das neue Gerät). Also wieder Zeitersparnis, weil ich es schon weiß.

Dennoch bin ich nun nachdenklich geworden und frage mich nun ernsthaft, wieso wir immer wieder erwähnen, dass der Pat. kardiozirkulatorisch und respiratorisch stabil war (wieso eigendlich?). Wenn keine Veränderung eingetreten ist, dann brauche ich doch nicht soetwas zu übergeben (vorallem nicht an einen Kollegen/in die den Pat. schon kennt).
Vielleicht weil es toll klingt? *:knockin:
Morgen früh bei der Übergabe werde ich das dann mal wieder genauer an mir beobachten.

Herzliche Grüße, cosi