http://berlin.verdi.de/berufe_und_b...rchen/charit/#verhandlungsergebnis-angenommenIn einer Mitgliederbefragung wurde das Verhandlungsergebnis angenommen...
http://berlin.verdi.de/berufe_und_b...rchen/charit/#verhandlungsergebnis-angenommen
Ja,ja, so stehts bei verdi.
Dabei unterschlägt verdi allerdings, dass sich zuvor in einer Gesamtmitgliederversammlung die überwiegende Mehrheit (72 od. 73%, kann mich nicht mehr genau erinnern) für eine Fortsetzung der Verhandlungen und deutliche Nachbesserungen ausgesprochen hatte.
Konkret ging es den Mitarbeitern vor allem darum, dass ein weiteres Jahr Ost/West-Teilung innerhalb der Charite nicht akzeptiert wird, dass die Laufzeit des Vertrages bis Ende 2016 als viel zu lang angesehen wird (Stichwort "Friedenspflicht" bis zum Ende der Tariflaufzeit), dass die Angleichung der Löhne an das Niveau des TVöD VKA bis 12/2014 zu lange dauert und dtl. früher erfolgt sein muss, und dass zur notwendigen Rekrutierung geeigneter Fachkräfte für die Intensiv- und OP-Bereiche dtl. zusätzliche Lohnsteigerungen erfolgen müssen, da ansonsten im Wettbewerb mit anderen Trägern kein geeignetes Personal mehr in ausreichender Zahl mehr angeworben werden kann.
Die Tarifkommission hat daraufhin die Verhandlungskommission angewiesen, die Verhandlungen fortzusetzen. Die Verhandlungskommission hat allerdings in einem Alleingang das Verhandlungsangebot des Vorstandes als Endversion paraphiert und somit vollendete Tatsachen geschaffen.
Dass jetzt in der Mitgliederbefragung 3/4 der Verdianer für eine Annahme dieses Vorstandsangebotes gestimmt haben dürfte größtenteils damit zusammenhängen, dass kaum noch jemand an eine erfolgreiche Wiederaufnahme des Streikes glauben konnte, nachdem die eigene Gewerkschaft einem derart in den Rücken gefallen ist.
Nun ist also wieder mal nur der kleinste gemeinsame Nenner als Ergebnis übrig geblieben. Das ist zugegebenermaßen deutlich besser als gar nichts, vor dem Hintergrund eines sehr erfolgreichen Streikes und der Erkenntnis, dass auch wir als Pflegepersonen wirkungsvoll wirtschaftlichen Druck ausüben können aber nicht wirklich zufriedenstellend.
Und es drängt sich der Verdacht auf, dass auch verdi als Gewerkschaft nicht anders denkt wie der Vorstand eines Betriebes bei Tarifverhandlungen: "... wie kommen wir billig aus der Sache heraus...?". Die Wiederaufnahme des Streikes hätte verdi natürlich einen Batzen an Streikgeldern gekostet. Nun hat verdi offensichtlich rund 700 neue Mitglieder im Rahmen dieser Tarifauseinandersetzung hinzugewonnen, das liebe Geld will festgehalten werden, da kann man es doch nicht gleich wieder als Streikgeld unters Volk bringen.
Schade nur, dass man jetzt wieder mit deutlichem Mitgliederschwund rechnen darf, gerade unter den neu gewonnen Mitgliedern ist doch der Frust recht hoch. Diese als Gewerkschaftsmitglieder zu behalten, wird wohl nicht bei allen gelingen.
Dabei denken natürlich die neuen Mitglieder auch wieder ein wenig zu kurz. Der nächste Streik kommt in 5 Jahren, da brauchen wir spätestens eine starke Gewerkschaft, die auf viele Mitglieder bauen können muss.
Also: tretet nicht gleich alle wieder aus, sorgt nur dafür, dass beim nächsten Streik die Verhandlungskommission kampfkräftiger ans Werk geht.
Gruß spflegerle