News Pflege ist nicht einfach

von Claudia: Und gegen all das kann die Geschäftsführung nichts tun. Sie unterliegt den Gesetzen unseres Landes und die gestatten z.B. Erziehungszeiten von drei Jahren pro Kind. Da kosten die Leute den Betrieb aber nichts. Im Mutterschutz auch nicht, da zahlt die Krankenkasse das Gehalt. Und der Vorruhestand bzw. die Altersteilzeit läuft ja sowieso aus, über diese Leute musst Du Dich also in ein paar Jahren nicht mehr aufregen...
Wenn diese Leute den Betrieb nix kosten, warum wird dann nicht Personal als Ersatz eingestellt?
Alles sehr "un"transparent, "einige" Std. wurden für YXZ (zur Zeit im MZ erhöht), aber nie wurden diese Stellen wieder "komplett" besetzt.
Ich rege mich nicht über "diese" Leute auf, ich verstehe nur diese Personalpolitik mit der verbundenen vorgehensweise als verkappte Kostenreduzierung auf unseren Rücken.
Fakt, 5 Stellen sind weggefallen (die fehlen im 24 Std.-Betrieb), das wiederrum bedeutet eine Mehrbelastung des noch vorhanden Personal und das liegt sehr wohl in den Händen von der Geschäftsführung.
 
Erstens: Natürlich werden auch im Pflegebereich Stellen abgebaut, hausintern umverteilt usw. Und das macht fast jeder AG sozialverträglich über Erziehungszeiten oder Berentung - weil sich das besser anhört als Kündigungen. Auch das liegt aber daran, dass einfach nicht mehr Geld reinkommt. Die Geschäftsführung kann nur das Geld verteilen, das sie hat. Und die Pflege ist so eine praktische Berufsgruppe in dieser Hinsicht, die wehrt sich ja noch nicht mal.

Zweitens: Bei mir gibt es freie Stellen, die Geschäftsführung und PDL liebend gern besetzen würden. Wir bezahlen nach TVÖD, was jetzt im Vergleich mit anderen nicht schlecht ist. Wir bieten Wohnheim und Betriebskindergarten, Jobticket, etliche Fortbildungsangebote, betriebliche Gesundheitsförderung. Ich weiß nicht, wo Du wohnst, aber in meiner Gegend gibt's schlicht und ergreifend keine Leute. Und Projekten, um Leute heranzuziehen (wir hatten z.B. eines, bei dem Pflegekräfte aus dem Ostblock mittels eines Mentorensystems in der Ausbildung unterstützt wurden) wurden die Mittel gestrichen. Das war auch nicht der Wille der Geschäftsführung oder der PDL.

Du machst es Dir zu einfach. "Deine" Oberen sind ebenso Opfer des Systems wie Du. Ihre Macht ist sehr begrenzt. Du musst weiter oben ansetzen.
 
Pflegemanagement wird häufig als Verwaltung eines Mangels bezeichnet. Das klingt krass.. ist es doch eher die Gestaltung in Zeiten eines Mangels.
Das Rekrutieren von Personal treibt dabei manch seltsame Blüte... manchmal wäre das Geld besser aufgehoben, wenn man sich um aktives Personal kümmern würde, um die Fluktuation zu senken.

Wenn diese Leute den Betrieb nix kosten, warum wird dann nicht Personal als Ersatz eingestellt?
Da ist die pflegerische Leitung tatsächlich auch gefragt. Ich habe schon langgediente Pflegedirektoren erlebt, die keine Ahnung hatten, wann überhaupt Ausfallkosten für einen Mitarbeiter entstehen und wann nicht.... Akademisierung alleine wird so eine Problematik zwar nicht völlig beheben, aber zumindest den Grundstock dafür legen, daß betriebswirtschaftliche Zusammenhänge auch auf der Führungsebene in der Pflege ankommen. Ohne Wissen und Argumenationsgrundlage redet dich ein Verwaltungschef an die Wand... und sowas kommt tatsächlich vor.

ich verstehe nur diese Personalpolitik mit der verbundenen vorgehensweise als verkappte Kostenreduzierung auf unseren Rücken.
Tatsächlicher Personalbedarf und finanzierter -bedarf sind zwei paar Stiefel. Es gibt Anhaltswerte in den DRGs, aus denen sich der finanzierte Personalbedarf berechnen läßt; die sind bescheiden für die Pflege. Und die rechnen auch kein Mißmanagement anderer Berufsgruppen ein... und da Pflege sich für alles verantwortlich fühlt und für alles auch verantwortlich gemacht wird, kann der Personalschlüssel nicht ausreichen.

Heißt also.. knappes Personal, das sich um den Kram anderer kümmert bei fehlender Lobby und nicht wahrgenommener Professionalität... das auch noch relativ teuer ist... und erwartet, daß andere sich um eine Lösung kümmern.

...und wenn der Herr Doktor seine Arbeit abschiebt und die Pflegedienstleitung dies ganz klar zurückweist und der Pflegekraft den Rücken stärkt... macht sie es am Ende trotzdem... und jammert weiter, daß ihr Problem nicht gelöst wird.

Auch Führungskräfte resignieren irgendwann... vor der Politik und ihren Beschäftigten! (Wenn ich soweit bin, verlasse ich die Pflege, versprochen.)
 
...und wenn der Herr Doktor seine Arbeit abschiebt und die Pflegedienstleitung dies ganz klar zurückweist und der Pflegekraft den Rücken stärkt... macht sie es am Ende trotzdem... und jammert weiter, daß ihr Problem nicht gelöst wird.
Ganz genau. Durch pflegewissenschaftliche Studien belegt. Wir blockieren unsere eigenen Verbesserungsmaßnahmen und merken's nicht mal.