News Pflege ist nicht einfach

Ich finds immer lächerlich wenn manche Leute nachdem ich ihnen sagen meine Ausbildung geht 3 Jahre sagen "Was so lange für so ein Beruf was macht ihr da die ganze Zeit"

Was ist das denn für eine ignorante Aussage!
SO EIN BERUF???
Na toll.
Ja, ich denke, vielleicht steckt bißchen Wahres dahinter und wenn Pflegepersonal studieren würde, wäre das Ansehen für diese Berufsgruppe vielleicht doch etwas höher.
Allerdings möchte ich mir nicht vorstellen, dass in Zukunft nur noch Akademiker ans Krankenbett gelassen werden.
Die Zukunft sehe ich geteilt: die, die weiterhin praktisch und theoretisch über 3 Jahre ausgebildet werden und die, die auf die Uni gehen und dann etwas andere Aufgaben übernehmen.........so ähnlich wie in den USA.
Schwierig wird dann das Thema Gehalt, denn wer studiert hat wird dann sicherlich gleich viel besser bezahlt als jemand, der "nur" die Ausbildung genossen hat.
 
Was mich auch aufregt, die gute Frau von der Leyen will (Langzeit)Arbeitslose in die Pflege schicken um sozusagen Pflegekräftemangel und Arbeitslosigkeit in einem zu beseitigen. Wo bleibt denn da der Respekt vor dieser Arbeit?
 
Das sehe ich nicht so.
Es gibt den Mangel an Pflegepersonal, der wird in Zukunft durch die Überalterung Deutschlands noch viel gravierender.
Wie sehen Langzeitarbeitslose denn aus in deinen Augen, AngelOfTheDark?
So wie frisch von der Straße rein oder wie die typischen Harzer aus dem Tv?

Warum soll man Langzeitarbeitslosen Geld in den Rachen werfen fürs Nichtstun?
Man kann einige von ihnen sicher zu Pflegehilfskräften ausbilden, warum nicht?
 
Im Übrigen bedeutet es ja nicht, wenn Frau v. d. Leyen die Arbeitslosen ans Krankenbett schickt, dass sie dort bleiben.

Es gibt, auch in diesen Fällen, Probezeitgespräche und schriftliche Beurteilungen. Und diese werden relativ bald geführt und nicht erst nach 3 und 5 Monaten, sondern bereits nach 4 Wochen. Und da kann man bereits, bei einer ehrlichen Einschätzung, die Spreu vom Weizen trennen.

Ich gebe Betty Boo recht, es gibt sicherlich welche, die dort ihren Weg finden würden!:daumen:

Es kann sein, dass die Akademisierung der Pflege den Stellenwert unserer Arbeit erhöht, aber es liegt auch immer daran, wie ich mich und meinen Wert verkaufe. Egal, ob studiert oder nicht.
Und inwieweit die Mängel im personellen oder fachlichen Bereich an die GF herangetragen werden. Solange es immer MA und PDL´s gibt, die alles Unmögliche möglich machen, solange wird sich nix ändern!

LG opjutti
 
Nein ich habe ja nix gegen Arbeitslose nicht falsch verstehen. Wenn welche dort ihren Weg finden finde ich es ja gut aber für mich klingt das zm teil bisschen so "wenn die nix anderes finden schicken wir sie halt in die Pflege"
 
Ja genau.
Weil es in der Pflege einen Mangel an Arbeitskräften gibt.
Gibt sowieso noch jede Menge zu tun in dieser Republik, auch für Langzeitarbeitslose, wenn man mich fragt.
Aber mich fragt ja leider keiner.
Und die hochstudierten Politiker debattieren sich zu Tode und fahren einstweilen den Karren an die Wand.
 
Was mich auch aufregt, die gute Frau von der Leyen will (Langzeit)Arbeitslose in die Pflege schicken um sozusagen Pflegekräftemangel und Arbeitslosigkeit in einem zu beseitigen. Wo bleibt denn da der Respekt vor dieser Arbeit?

Den Spruch hat aber so ziemlich jeder CDU-Politiker in den letzten 25 Jahren gebracht. Spätestens seit der Ära Kohl wird dieses Thema jedes Jahr im Sommerloch wieder aufgewärmt.

Du glaubst aber nicht etwa, dass Frau Merkel - die den Satz letztes Jahr brachte - oder Frau von der Leyen auch nur einen Pfennig in Projekte steckten, um die Arbeitslosen (unter den drei Millionen sind sicher welche, die in der Pflege was taugen würden!) tatsächlich eine pflegerische Qualifikation zu ermöglichen?

Edit: Frau Merkel durfte den Satz vor zwei Jahren bringen; letztes Jahr hatte Kristina Schröder das große Los gezogen.
http://www.krankenschwester.de/foru...tz-bezieher-pflege-einsetzen-zuwanderung.html
 
Ich sehs ja. Um die Ausbildung in der Pflege zu machen wird man meistens in nen anderen Ort fahren müssen, zum Teil vielleicht sogar schon einige Kilometer. Bei mir ist das Wohnheim total überfüllt und ein Quadratmeter (sind 20-30 quadratmeter) kostet mehr als 10 euro. Und Essen, Arbeitsschuhe etc kosten ja auch noch Geld und wenn man in nen anderen Ort eingesetzt wird braucht man auch bei schlechter Verbindung führerschein und Auto. Klar gibts zuschüsse aber ich denke dass das ein mancher schon abschreckt insbesondere die, die an der Armutsgrenze liegen.
 
Armutsgrenze? Bei dieser Ausbildungsvergütung? Plus Kindergeld und Zulagen?

Ich will ja nicht sagen, dass Ihr mit dem Geld nur so um Euch werfen könnt, aber Armut ist was anderes.
 
Wenn mehr Personal da wär, man besser bezahlt würde, fielen mir spontan keine riesigen Defizite ein..
Zwei Schlüsselbegriffe, mit denen man eine Menge zum positiven wenden kann.


Wir haben eins der teuersten Gesundheitssysteme der Industrienationen, liegen in punkto Gesundheit aber irgendwo im unteren Mittelfeld. Uns fehlen bereits jetzt über 50.000 Leute allein in Krankenhäusern, von der Altenpflege ganz zu schweigen, bei einer Arbeitslosenquote von weit unter einem Prozent. Also faktisch Vollbeschäftigung. Der demographische Wandel wird den Pflegenotstand verschlimmern - dennoch sind sowohl Pflegestellen als auch Ausbildungsstellen in den letzten 15, 20 Jahren abgebaut worden. Die McKinley-Studie hat gezeigt, dass unser Gesundheitssystem praktisch nur noch deshalb funktioniert, weil die Beschäftigten langfristig Raubbau mit ihrer eigenen Gesundheit betreiben.

Was also bitte ist an unserem System hervorragend?
 
Das ist eine Frage der Perspektive. Wer hat den behauptet, das unser Gesundheitssystem hervorragend für die Pflege sein soll?
 
Ich meinte weniger das Gesundheitssystem im ganze, viel mehr die Pflege als einzelnes betrachtet, insbesondere die Ausbildung.
Teile der Politik wünschen eine Zulassung nur noch mit Abitur und anschließendem Studium.
Ich würde behaupten, dass min. 90% der Pflege nicht studiert hat. Und das interpretiere ich so, als sind alle Pflegekräfte derzeit nicht gut genug und sie machen ihre Arbeit schlecht.
Ich bin mir sicher, dass es hervorragend ausgebildete Pflegekräfte bei uns gibt, die man einfach nur zu schlecht bezahlt und die vorallem in den meisten Fällen stark unterbesetzt sind. Nur aus diesem Grund leidet doch das ganze. Wenn eine Pflegekraft nur vier statt vielleicht 16 Patienten hätte, steht pro Patient viel mehr Zeit zur Verfügung. Und da liegen doch wohl die meisten Probleme.
Ein Studium ändert nichts daran, dass einfach zu wenig Personal eingestellt wird und dass die Anzahl der zu betreuuenden Patienten doch häufig zu hoch ist.
 
Hm...., Studium hin oder her, ich denke insgesamt, die Pflege präsentiert sich schlecht.

Gestern war es wieder, ein Arzt: "Der Dr. YXZ hat doch den Pat, gefunden." Hallooo?, "wer" hat "den" Dr. informiert? "Wir"!
"Ich habe ein EKG geschrieben." Wer? "Wir" schreiben EKG`s und und und.

Fakt: "Das" Pflegepersonal ist "immer" die Zentraleanlaufstelle (für alle), wir werden (sind) "aktiv" und handelt (legen Hand an, geben weiter...).

Uns allen ist die Verantwortung in unserem Beruf bewusst, immer stehen wir mit einem Bein im Knast (die Konsequenz von "Pflegefehlern").

von Chris8411: Ich bin mir sicher, dass es hervorragend ausgebildete Pflegekräfte bei uns gibt, die man einfach nur zu schlecht bezahlt und die vorallem in den meisten Fällen stark unterbesetzt sind. Nur aus diesem Grund leidet doch das ganze.
Das Gesundheitssystem ist nicht zuständig für "Ein"stellungen, es ist immer die "haus"gemachte Personalpolitik, die über den Stellenschlüssel entscheidet. Verantwortlich ist immer die Geschäftsleitung, die widerrum sich PDL`s "ein"stellt, die Einfluss auf die Pflegeabteilung nehmen. Da schließt sich wieder der Kreis, wieso setzen sich PDL`s (eigentlich "unsere" ehemaligen Kolleginnen/Kollegen) nicht "für" mehr Fach-)Personal ein? Wieso unterstützen uns die Ärzte nicht, die die von den Informationen von uns abhänging sind?

Kuschen statt mucken, bück dich hoch...., man muss es sich schon leisten (finanziell) können "kein" Schwein zu sein, nur die die es sich leisten könnten sitzen genau wegen ihren (einstudierten) Verhalten da wo sie sind.


von Claudia: Die McKinley-Studie hat gezeigt, dass unser Gesundheitssystem praktisch nur noch deshalb funktioniert, weil die Beschäftigten langfristig Raubbau mit ihrer eigenen Gesundheit betreiben.
Na und? Warum haben wir "Pflege"wissenschaftler deren Studien keine Wirkung haben, alles bekannt, alles wird "hin"genommen, aber Konsequenzen hat es nicht. Nö, ist so und keine Panik auf der Titanic (bekanntlich untergegangen), wir "wissen" wenigstens "warum" die Pflege untergeht.
 
Das Gesundheitssystem ist nicht zuständig für "Ein"stellungen, es ist immer die "haus"gemachte Personalpolitik, die über den Stellenschlüssel entscheidet. Verantwortlich ist immer die Geschäftsleitung, die widerrum sich PDL`s "ein"stellt, die Einfluss auf die Pflegeabteilung nehmen.
Falsch. Bitte mach Dich mal mit unserem Gesundheitssystem vertraut. Das Gesundheitssystem entscheidet über die Finanzierung der Krankenhäuser. In unserem Land müssen Krankenhäuser Prognosen darüber abgeben, wie hoch ihre Auslastung sein wird - daran bemisst sich das Budget, das ihnen zur Verfügung gestellt wird. Vertue ich mich bei meiner Schätzung, werde ich zur Kasse gebeten.

Überleg doch mal, was z.B. der geplante Streik der niedergelassenen Ärzte für die Krankenhäuser bedeuten würde. Erstmal "nur" Mehrarbeit, weil die Leute in den Ambulanzen aufschlagen - damit allein würden wir ja noch fertig. Insgesamt wird das aber heißen, dass das Krankenhaus die Arbeit der Niedergelassenen übernimmt und dafür noch bestraft wird, weil es, wenn das länger dauert, definitiv über seine geplante Arbeitslast kommt. Man hätte den Ärztestreik schon bei den Prognosen mit einrechnen müssen - aber die müssen im Vorjahr abgeben werden.

Weder PDL noch Geschäftsführung dürfen mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Sie können nicht nach Lust und Laune Leute einstellen - abgesehen davon, dass niemand zum Einstellen auf dem Markt ist.

PDLs und Geschäftsführung, Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich wiederholt für mehr Personal eingesetzt. Letzte große Aktion: "Der Deckel muss weg" von 2009. Ergebnis: Geld vom Staat für 17.500 neue Pflegestellen. Und die sind nahezu alle besetzt worden.
 
Ich würde behaupten, dass min. 90% der Pflege nicht studiert hat. Und das interpretiere ich so, als sind alle Pflegekräfte derzeit nicht gut genug und sie machen ihre Arbeit schlecht.
Mit dieser Interpretation stehst Du aber ziemlich allein da. Kein Befürworter der Akademisierung hat das jemals behauptet.

Akademisierung ist kein Rezept gegen Personalmangel. Interessanterweise gibt es aber dort, wo Pflege bereits ein grundständiges Studium ist (also in allen EU-Ländern außer Österreich, Luxemburg und Deutschland) keinen Mangel an geeignetem Nachwuchs. Hierzulande haben Schulen wirklich Schwierigkeiten damit, geeignete Bewerber für die Ausbildung zu finden - eben weil hierzulande der Gedanken "Pflegen kann jeder (Depp)" vorherrscht. Darauf käme z.B. in Großbritannien kein Mensch.

Der Personalmangel kann nur durch einen Personalmix aus wenigen hochqualifizierten Leuten, die eine Menge weniger qualifizierte Leute gut führen können, behoben werden. Und für diese Führung genügt die bisherige Ausbildung einfach nicht. Wenn Du in der letzten Zeit mal ein deutsches Altenpflegeheim von innen gesehen hast, kannst Du das gut beobachten. Da wird dieser Personalmix nämlich schon längst praktiziert - nur ohne die fachlichen Führungskräfte.
 
von mir: Das Gesundheitssystem ist nicht zuständig für "Ein"stellungen, es ist immer die "haus"gemachte Personalpolitik, die über den Stellenschlüssel entscheidet. Verantwortlich ist immer die Geschäftsleitung, die widerrum sich PDL`s "ein"stellt, die Einfluss auf die Pflegeabteilung nehmen.

von Claudia: Falsch. Bitte mach Dich mal mit unserem Gesundheitssystem vertraut. Das Gesundheitssystem entscheidet über die Finanzierung der Krankenhäuser. In unserem Land müssen Krankenhäuser Prognosen darüber abgeben, wie hoch ihre Auslastung sein wird - daran bemisst sich das Budget, das ihnen zur Verfügung gestellt wird. Vertue ich mich bei meiner Schätzung, werde ich zur Kasse gebeten.
Okay und wer überprüft die "Stellen"-schlüssel, wer "gibt" an und wer stellt ein? Und was passiert bei einen "Über"schuß, wer bekommt und wohin geht denn dann das Geld?

Es liegt "immer" in den Händen der Geschäftsleitung. Wir haben "einige" Leute die auf "unseren" Stellenplan stehen aber nicht in der "24-Std.-Pflege" tätig sind und genau "da" fehlt es doch überall an Personal. SD, ND, Feiertag-Wochenenddienst, selbst der FD ist oft unterbesetzt.
 
Es ist eben nicht in den Händen der Geschäftsführung. Sie entscheidet nicht über die Einnahmen - die werden mit den Kostenträgern verhandelt, aufgrund eines völlig schwachsinnigen Systems, dass von Dir verlangt, in 2012 zu wissen, wie viele Entbindungen, Appendektomien oder Verkehrsunfälle in 2013 auf Dich zukommen. Und da kannst Du auch nicht einfach mal unbegrenzt nach oben gehen - die Kostenträger haben ihre eigene Prognose. Man muss gut begründen können, warum man mit dieser oder jener Anzahl rechnet. Es existiert eine Budgetdeckelung - dass KH darf nicht mehr einnehmen, als im Vorfeld verhandelt wurde - es darf aber auch keine Patienten ablehnen, weil es damit sein Budget überschreiten. Das gesamte System zielt - erfolgreich übrigens - auf Bettenabbau, Personalabbau, Krankenhausschließungen. In der irrigen Annahme, dass das Gesundheitssystem dann weniger kostet. Und das ist nicht der Wunsch von Geschäftsführung und PDL, sondern unserer Politiker. Es nennt sich Gesundheitsreform.

Ihr habt Leute auf dem Stellenplan, die gar nicht bei Euch arbeiten, oder wie soll ich Deine Aussage verstehen?
 
von Claudia: Ihr habt Leute auf dem Stellenplan, die gar nicht bei Euch arbeiten, oder wie soll ich Deine Aussage verstehen?
Die Leute sind im Vorruhestand, im MZ, Erziehungsjahr, eine befristete Zeit berentet und dann gibt es Personal was nicht auf unserer Station arbeitet, aber zum Beispiel in der Diagnostik tätig ist.
 
Und gegen all das kann die Geschäftsführung nichts tun. Sie unterliegt den Gesetzen unseres Landes und die gestatten z.B. Erziehungszeiten von drei Jahren pro Kind. Da kosten die Leute den Betrieb aber nichts. Im Mutterschutz auch nicht, da zahlt die Krankenkasse das Gehalt. Und der Vorruhestand bzw. die Altersteilzeit läuft ja sowieso aus, über diese Leute musst Du Dich also in ein paar Jahren nicht mehr aufregen...

(Interessanter Gedanke übrigens: Die sozialen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte abzuschaffen, um den Personalmangel zu beheben. Könnte von einer Partei stammen, die mit F anfängt.)

Da sich der Röntgenapparat noch nicht von allein einstellt, kann ich keiner PDL einen Vorwurf daraus machen, dass auch in den Funktionsbereichen Leute beschäftigt und bezahlt werden.