Motivationstief

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Ich bin vor etwas mehr als 3 Jahren aus dem Krankenhaus weg, war 3 Jahre in einer orthopädischen Praxis, habe jetzt nach zwei "Fehlgriffen" in einer urologischen Praxis neu angefangen. Die Chefs sind total nett, zahlen nicht üppig (für mich aber nur sekundär) und das Team ist auch sehr aufgeschlossen und zugewandt.
Nach dem bisher erlebten Mist ist mir ein funktionierendes Team und eine angenehme Atmosphäre wichtiger als 200 Euro mehr auf dem Konto.

Was ich bei mir nur feststelle ist, dass mir nach 32 Berufsjahren nun sowohl Motivation als auch meine Begeisterung völlig abhanden gekommen ist. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre und auch dem ganzen Scheixx, den ich in der letzten Zeit erlebt habe bei den vorangegangenen Arbeitgebern, geh ich zwar arbeiten, aber meine Einstellung hat sich komplett verändert. Ich bin immer gerne arbeiten gegangen, habe mich gerne engagiert und fühlte mich mit meiner Arbeit verbunden und dafür verantwortlich.
All das ist weg... ich bin zwar pünktlich da, auch freundlich zu Kollegen und Patienten und mach auch meine Arbeit gewissenhaft.... aber ohne.... Herzblut...

Kennt das jemand? Geht sowas vorbei? Kann ich irgendwas dagegen tun?
 
Ja, das hatte ich auch.
Ich dachte, es läge am Job bzw. an der Klinik und habe dann gewechselt. Da war es zwar etwas besser, aber Freude an der Arbeit hatte ich nicht mehr. Ich war immer froh, wenn der Tag rum war.

Jetzt wo ich den ganzen Tag meine Akten studiere, geht es mir wieder gut. Ich gehe gerne zur Arbeit, finde die vielen unterschiedlichen Fälle hochinteressant.. Ich lerne jeden Tag was dazu und es gibt sogar wieder Tage, an denen ich auf die Uhr gucke und denke - ups schon Feierabend? Sogar nach meinem Urlaub freue ich mich wieder arbeiten zu dürfen. Ich habe nette Kollegen im Büro. Wir verstehen uns gut. Das Team ist insgesamt in Ordnung. Den einen oder anderen Doofkopf hat man ja immer.

Und tatsächlich habe ich noch keinen einzigen Tag den Patientenkontakt vermisst.
 
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Das kenne ich.

Ich hab darauf hin die Branche wechselt und die GuK Ausbildung gemacht. Damit kam auch die Begeisterung für den Job wieder.
 
Yo Standard. Aber hab mich arrangiert. Hingehen und abarbeiten, fertig. Dienst nach Vorschrift und fertig.
 
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Tja, vielleicht arrangier ich mich damit ja auch noch....
Im Moment wüsste ich auch nicht, was ich verändern muss, damit es wieder besser wird. Ich weiß genau, was ich nicht will (immerhin was :wink1:), aber nicht, was ich will.
Büro hab ich auch schon überlegt, bin mir da aber auch nicht sicher, ob mir das Spaß macht. Das Team, in dem ich jetzt bin, ist nett, die Patienten auch angenehm, aber irgendwas ist anders.... es fühlt sich leer und gleichgültig an.... ich würde es mal Berufsdepression nennen :confused:, im Privatleben kenn ich dieses Gefühl nicht.
 
Arbeit ist für mich ein notwendiges übel, muss halt sein. Ich geh hin, mach mein job und fertig.
 
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Arbeit ist für mich ein notwendiges übel, muss halt sein. Ich geh hin, mach mein job und fertig.
Und genau das ist für mich eine neue Erfahrung.... ich hab bis vor ? 2 ? Jahren immer gesagt, ich gehe gerne arbeiten und würde auch weiter gehen, wenn ich im Lotto gewinnen würde ... das sag ich jetzt nicht mehr.

Aber vielleicht ist das jetzt einfach so....
 
Urlaubsreif?
So geht es mir immer, wenn ich lange keinen Urlaub hatte. Ich hab absolut keine Lust mehr, zur Arbeit zu gehen, jede Tätigkeit, die man von mir verlangt, ist eigenlich zu viel, und es ist einfach nur anstrengend, seine Arbeit zu machen und dabei Patienten und Anghörige nicht merken zu lassen, dass man eigentlich lieber woanders wäre. Aber nach zwei, drei Wochen Urlaub ist wieder alles gut, und ich bin wieder motiviert.:wavey:
 
.... ich hab bis vor ? 2 ? Jahren immer gesagt, ich gehe gerne arbeiten und würde auch weiter gehen, wenn ich im Lotto gewinnen würde ... das sag ich jetzt nicht mehr.
Interessant. Dieser Gedanke mit dem Lottogewinn ("weiterarbeiten..."), den hatte ich auch mal. Heute würde ich wahrscheinlich sofort kündigen. Mir macht mein Job zwar noch irgendwie Spaß, aber wie du auch schon selbst angeführt hast: es liegt mehr am Team, als an der Arbeit. Die Arbeit ist ja nie weniger geworden, im Gegenteil. Würde ich (aus Lottogründen :-) ) kündigen, dann würde ich wahrscheinlich nur zur Gaudi noch ein, zwei Leasingdienste im Monat auf meiner jetzigen Station machen.

Möglicherweise hat diese Art zu denken nichts mit Berufsdepression zu tun, sondern ist schlicht Folge des Älterwerdens. Mir fällt jedenfalls bei mir selbst auf, dass mir so manche Situation, die mich früher eher angespornt hat, heute viel schwerer fällt (gehe steil auf die 50 zu).

Ein bißchen Motivation kann man zurückgewinnen, wenn man für sich neue Herausforderungen oder einfach neue Betätigungen sucht. Bei mir war das die Auseinandersetzung mit dem Katastrophenschutz... hat aber auch nur eine Zeit lang als Motivationsschub funktioniert. Dann die Beschäftigung mit Tarifpolitik und leidliches Engagement bei der Gewerkschaft. Aber hier fehlen mir nach nun gut 6 Jahren irgendwelche ernsthaften Fortschritte. Es gab zwar gute Etappensiege, aber mein Eindruck ist, damit haben wir nur eine noch größere Verschlimmerung der Situation abgewendet. Zum Besseren hat sich nichts entwickelt, trotz mittlerweile zahlreicher Tarifabschlüsse, die eigentlich dem Wortlaut nach echte Entlastung bringen müssten. Tun sie aber nicht....

Jetzt ist es abhängig von der Belastung auf der Station, ob ich meine Dienste angenehm empfinde oder nur noch Dienst nach Vorschrift mache, wie Flora. Bleibt es formuliert hat. Diese Tage kenne ich mittlerweile auch zur Genüge.

Gruß spflegerle
 
OK, schade. Wäre einfacher gewesen;)
 
Wenn Du nicht noch einmal was Grundlegendes änderst, geht das nicht wieder weg.
 
Interessant. Dieser Gedanke mit dem Lottogewinn ("weiterarbeiten..."), den hatte ich auch mal. Heute würde ich wahrscheinlich sofort kündigen. Mir macht mein Job zwar noch irgendwie Spaß, aber wie du auch schon selbst angeführt hast: es liegt mehr am Team, als an der Arbeit. Die Arbeit ist ja nie weniger geworden, im Gegenteil. Würde ich (aus Lottogründen :-) ) kündigen, dann würde ich wahrscheinlich nur zur Gaudi noch ein, zwei Leasingdienste im Monat auf meiner jetzigen Station machen.

Möglicherweise hat diese Art zu denken nichts mit Berufsdepression zu tun, sondern ist schlicht Folge des Älterwerdens. Mir fällt jedenfalls bei mir selbst auf, dass mir so manche Situation, die mich früher eher angespornt hat, heute viel schwerer fällt (gehe steil auf die 50 zu).

Ein bißchen Motivation kann man zurückgewinnen, wenn man für sich neue Herausforderungen oder einfach neue Betätigungen sucht. Bei mir war das die Auseinandersetzung mit dem Katastrophenschutz... hat aber auch nur eine Zeit lang als Motivationsschub funktioniert. Dann die Beschäftigung mit Tarifpolitik und leidliches Engagement bei der Gewerkschaft. Aber hier fehlen mir nach nun gut 6 Jahren irgendwelche ernsthaften Fortschritte. Es gab zwar gute Etappensiege, aber mein Eindruck ist, damit haben wir nur eine noch größere Verschlimmerung der Situation abgewendet. Zum Besseren hat sich nichts entwickelt, trotz mittlerweile zahlreicher Tarifabschlüsse, die eigentlich dem Wortlaut nach echte Entlastung bringen müssten. Tun sie aber nicht....

Jetzt ist es abhängig von der Belastung auf der Station, ob ich meine Dienste angenehm empfinde oder nur noch Dienst nach Vorschrift mache, wie Flora. Bleibt es formuliert hat. Diese Tage kenne ich mittlerweile auch zur Genüge.

Gruß spflegerle

Die 50 hab ich ja schon hinter mich gebracht...
Aber was du schreibst von neuen Herausforderungen ... das hat mich bis vor kurzem auch noch motiviert... ich habe im Januar noch die Prüfung zum Fachwirt gemacht... mittlerweile ist auch das mir egal,... weil ich -wie du oben schriebst- es ändert sich eh nix....

Im KH ist mMn sowieso Hopfen und Malz verloren... es gibt zu viele, die zu gerne jammern, aber nichts verändern wollen und meine Flucht in eine Praxis macht's auch nicht besser... nur anders.
Auch da brasseln die Ärzte vor sich hin, die Angestellten machen ihr Ding, richtiges Zusammenarbeiten stell ich mir auch anders vor.
Auch da kommt man sich wie ein Verschleißgegenstand vor.... Bezahlung oft fragwürdig, Ü-stunden inclusive, und wem´s nicht passt, der kann ja gehen...
Die Tatsache, dass die Bewerbungen nicht mehr säckeweise ins Haus flattern, haben die meisten auch noch nicht realisiert....
 
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Wenn Du nicht noch einmal was Grundlegendes änderst, geht das nicht wieder weg.
DAs fürchte ich auch..... nur mich jetzt sinnlos und überstürzt irgendwo zu bewerben, macht ja auch keinen Sinn. Und eine sinnvolle Alternative hab ich noch nicht gefunden....
Ich hab schon die Hoffnung, dass in der jetzigen Praxis noch was wachsen kann. Das Team (bis auf die Praxismanagerin) ist komplett neu zusammengestellt und muß sich neu finden. Insgesamt ein wirklich nettes Team und ein gutes Klima.... könnte ja noch werden....
KH-Pflege kommt für mich nicht mehr in Frage.
 
DAs fürchte ich auch..... nur mich jetzt sinnlos und überstürzt irgendwo zu bewerben, macht ja auch keinen Sinn. Und eine sinnvolle Alternative hab ich noch nicht gefunden....
Hast Du mal darüber nachgedacht, eine Einzelsupervision zu machen? Jemand mit einem guten Blick von außen kann Dir möglicherweise helfen, Deinen Weg zu finden. Kostet Geld, kann aber in diesem Fall als Werbungskosten abgesetzt werden, da berufsbedingt.
 
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Das wäre noch eine Möglichkeit! Ich werd mich mal umhören, ob jemand sowas in der Nähe anbietet...
 
Arbeit ist für mich ein notwendiges übel, muss halt sein. Ich geh hin, mach mein job und fertig.

Ja mittlerweile muss man es so sehen. Um sich selbst zu schützen wenn man zu viel reinsteckt wird es eh meistens (nicht immer) nicht geschätzt
Schwierig das passende zu finden