News Händehygiene: Fortbildungen zu wenig praxisnah

Hygiene-Fortbildungen werden allzu häufig durchgeführt, damit man sagen kann, sie wurden durchgeführt.
Was fehlt ist ein didaktisches Konzept, das den tatsächlichen Transfer der erworbenen Kenntnisse in den Alltag ermöglicht. Dazu gehört auch eine offene Fehlerkultur innerhalb der Fortbildung, die eine Verhaltensänderung zulässt.
Stattdessen wird gelangweilt die Zeit abgesessen, eifrig genickt und hinterher alles genauso gemacht wie vorher.

In drei Wochen steht bei uns die nächste große Schulung an und ich ahne Schlimmes...

Hat jemand von euch positive Erfahrungen mit Hygiene-Fortbildungen?
 
Wenn mittlerweile 3MRGN-Patienten nicht mehr Isolationspflichtig sind, Angehörige beim Betreten von Iso-Zimmern keine Schutzkleidung anlegen müssen und bei Tbc-Patienten ein geöffnetes Fenster die notwendige Schleusen ersetzt, dann braucht man sich über ein solches Ergebnis nicht zu wundern.
 
Ich habe es noch gestern gesehen, das eine Gesundheits- und Krankenpflegerin, mit ihrer Hand den Händedesinfektionsspender betätigt hat, anstatt mit den Unterarm.
Das Hände desinfizieren nach dem Birmingham Modell ist auch flach gefallen.
Im Krankenhaus ist aus meiner Sicht auch die nötige Zeit, dafür nicht vorhanden.

Bei uns auf der Beatmungs - WG fehlt an den Patienten Zimmern, in den Waschraum der Toiletten und im Hygieneraum, der Aushang der Händedesinfektionsplan nach dem Birmingham Modell. (Das habe ich schon der PDL gesagt, aber nichts ist passiert.)
Na immer hin wurden die Desinfektionsspender auf eine vernünftige Arbeitshöhe angebracht (Damit wir kleineren Personen die auch benutzen können).

Eine witzige Idee von mir: Ich würde gerne Bakterien und Viren einfärben, damit sie sichtbar sind und besser bekämpft werden können. Schade nur, dass es so etwas nicht gibt und nicht geben wird.
 
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Wenn mittlerweile 3MRGN-Patienten nicht mehr Isolationspflichtig sind, Angehörige beim Betreten von Iso-Zimmern keine Schutzkleidung anlegen müssen und bei Tbc-Patienten ein geöffnetes Fenster die notwendige Schleusen ersetzt, dann braucht man sich über ein solches Ergebnis nicht zu wundern.
3MRGN waren auf "Normalstation" nie isolationspflichtig! Angehörige tragen im Zweifel die Keime von Iso-Patienten nicht zu anderen Pat. weiter (dennoch würde ich die Anlage von Schutzkleidung sowie die diesbezügliche Anleitung dazu befürworten!)! Ein geöffnetes Fenster bei TB-Patienten ist Quatsch (TB ist aber auch nicht gleich TB....)!
 
Ich habe es noch gestern gesehen, das eine Gesundheits- und Krankenpflegerin, mit ihrer Hand den Händedesinfektionsspender betätigt hat, anstatt mit den Unterarm.
Das Hände desinfizieren nach dem Birmingham Modell ist auch flach gefallen.
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Was ist falsch beim Bedienen des Spenders mit der Hand bei der hygienischen Händedesinfektion? Sieht natürlich besser aus und man kann sich besser von anderen abgrenzen, führt aber zum gleichen Ergebnis wenn ich den Spender mit der Hand, Ellbogen, Handrücken oder (sorry) Nasenspitze bediene: - Keimarme Hände = Ziel erreicht!!! Das Bedienen des Spender gehört zur Chirurgischen Händedesinfektion, weil hier über längere Zeiträume die Haut deer Hände benetzt bleiben muss und das Bedienen mit der Hand zu Rekontamination führen würde!
Da "Birmingham Modell" oder auch die Händedesinfektion nach Norm hat keine Vorteile gegenüber der individuellen Methode. Daher wird nicht mehr darauf hingewiesen, sondern die Aufmerksamkeit auf die gleichmäßige und ausreichende Benetzung, Mechanik und Zeit gelenkt, - mit demselben Erfolg.....
auch in der Hygiene gibt es immer wieder mal neue Erkenntnisse! Gerne mal beim zuständigen Personal nachfragen. Oder als Frage im Forum einstellen und nicht auf einmal gelerntem Beharren.
 
Musste das Birmingham Modell erstmal googeln :D

Kann mich da matras nur anschließen. Studien zeigen übrigens auch, dass ein individuelles Vorgehen sich positiv auf die Compliance der Händedes. auswirkt. Und die ist, bei gleicher Wirkung um einiges bedeutender als die "richtige Technik" der Händedes.
 
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@pepita-sheep Klingt nach einer guten Idee, die Viren und Bakterien einzufärben. Stellt sich die Frage, ob die zwei das so toll finden :-) Hilfreich wäre es allemal

@Leander Wenn Experten das so bestimmt haben, dann werden sie sich hoffentlich etwas dabei gedacht haben (Autoritäts-Argument)

Das "Birmingham-Modell" war mir als Begrifflichkeit ebensowenig bekannt. Es ist schlicht das Modell, was fast überall gelehrt wird (kreisendes Reiben, Handfläche auf Handrücken, ...)

@Romsen2014 Alles entscheidend bei der Technik sollte sein, dass die Hände wirksam desinfiziert wurden. Lustigerweise glaubt jeder, dass er es schon richtig macht. Man kann (und will?) ihnen in der Berufspraxis ja schlecht das Gegenteil beweisen.

@matras wie schnell kommen denn neue Erkenntnisse 1) zu den betreffenden Leuten und werden 2) auch von ihnen beherzigt? Ich nehme häufig eine Beratungsresistenz wahr nach dem Motto: "Das haben wir schon immer so gemacht"


Warum besteht bei der Frage der Betätigung des Desinfektionsmittelspenders keine Einigkeit?
Intuitiv gehe ich davon aus, dass es ausschließlich Vorteile hat, die Keimbelastung des Spenders zu minimieren. Unabhängig davon, wie lehrbuchhaft die anschließende Händedesinfektion durchgeführt wird.

Ich habe hier auf Seite 3 eine Gegenüberstellung der KRINKO-Empfehlungen von 2000 und 2016 gefunden:
https://www.kv-thueringen.de/mitglieder/hygiene/020_Zum-Herunterladen/060_Gegenueberstellung.pdf
- 2000: Spender sollten bequem per Ellenbogen, auf keinen Fall aber nur durch direktes Anfassen zu betätigen sein
- 2016: Spender müssen so zu betreiben und zu warten sein, dass eine mikrobielle Kontamination des Pumpkopfes problemlos vermieden wird

Ist mit Pumpkopf der Hebel gemeint? Kann auch mal den Ingenieur meinen Vertrauens fragen
 
  • Das Einfärben von Mikroorganismen halte ich für keine gute Idee (wird ja bei der Färbung nach Gram schon gemacht) - es macht sie halt nicht größer und daher kaum sichtbarer!
  • Die Individuelle Methode der Händedesinfektion (HD) ist gegenüber der Methode nach EN ("Birmingham-Model") gleichwertig und wird aus diesem Grund vielerorts nicht mehr verfolgt.
  • Die Infos und neue Erkenntnisse kommen so schnell zu den betreffenden Leuten, wie diese sich um diese bemühen (Stichwort: Holschuld) oder die betreffenden Fortbildungen besucht werden. Nicht: "das hat mir noch keiner gesagt" - Oder "hab ich noch nie gehört" sowie das schon erwähne "mach ich schon immer so" sollte in Zukunft die Rechtfertigung für Handlungen sein, sondern eine gezielte, nachvollziehbare und evidenzbasierte auf dem Level der Erkenntnisse orientiert fortlaufende berufliche Weiterbildung.
  • Die Einigkeit besteht beim Ziel der HD = Keimarme Hände! Erstaunlicherweise haben manche Mitglieder der KRINKO und andere "Expertengremien" auf Grund der praxisferne leider den Blick auf die effektive Zielerreichung verloren. Eine Glaubensfrage würde ich jedoch daraus nicht generieren wollen, wie gesagt das Ziel sollen die keimarmen Hände sein!
  • Mit "Pumpkopf" ist der Pumpkopf gemeint: Kontaminationen können eben auch Sporenbilder und Sporen beinhalten, diese können einen solchen Spender (Akloholische HD-Mittel sind nicht sporizid!) zu einem "Sporen-Spender" machen - also wenig zielführend
 
Was ist falsch beim Bedienen des Spenders mit der Hand bei der hygienischen Händedesinfektion?
Falsch will ich nicht sagen; aber so weit ich weiß, sind die Hände deutlich Stärker kontaminiert als die Ellbogen.
Zwar sind dann hinterher Deine Hände desinfiziert, aber der Nächste, der an den Spender langt, hat dann erst mal Deine Handkeime dran.
 
Falsch will ich nicht sagen; aber so weit ich weiß, sind die Hände deutlich Stärker kontaminiert als die Ellbogen.
Zwar sind dann hinterher Deine Hände desinfiziert, aber der Nächste, der an den Spender langt, hat dann erst mal Deine Handkeime dran.
Die er anschließend (hoffentlich) desinfiziert = keimarm!
 
Die er anschließend (hoffentlich) desinfiziert = keimarm!
Ja, schon. Aber es sind ja nicht immer nur die Handkeime. Wenn du einen Pat. mit Noro oder Clostridien o.ä. wickelst (ich weiß, wickeln darf man bei euch in der GUKP nicht sagen, bei uns in der GUKKP heißt es aber so, und ich weiß nicht, wie ihr es nennt...), hast du ggf. nachher auch Viren, Sporen oder Toxine an den Händen, da die Handschuhe nicht als 100%ig dicht gelten (wird bei jeder Hygiene-Fobi drauf hingewiesen). Und die Dinger will ich wirklich ungerne auf dem Spender haben, der neben meinem sauberen Pflegematerial, z.B. für einen VW steht. Und selbst wenn der Pat. nicht infektiös ist und da "nur" ein "normaler" E.coli drauf landet. OK, E.coli ist Schmierinfektion, Übertragungsrisiko nicht so hoch, aber trotzdem... Man muss es ja nicht provozieren.
 
Das ist egal ob "Handkeime", "E. coli" oder "Klebsiella spp"! Die selbe Diskussion wurde auch von der "Aktion sauberen Hände" im Zusammenhang zum Für und Wider von Kitteltaschenflaschen geführt! Auch hier selbes Ergebniss = Keimarme Hände!!!
Es sollte mal einfach den Ergebnissen der letzten Expertenkonsens vertraut werden und nicht jeder deren Inhalt am einmal Gelernten oder neu für sich deklinieren.....
....und die Keime, - auch der E. coli springt nicht vom Spender zu Deinen sauberen Pflegematerialien (Vektor = Hände)!
 
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auch der E. coli springt nicht vom Spender zu Deinen sauberen Pflegematerialien
Das weiß ich auch. Ich hab doch gesagt, E.coli ist Schmierinfektion. Aber es gibt ja auch genug aerogen übertragbare Keime.
Aber mir soll's egal sein. Es kann definitiv nicht schaden, den Spender mit dem Ellbogen zu bedienen, solange man von der Größe her drankommt (ist leider manchmal ein Problem für mich), und das werde ich auch weiterhin tun, denn schlechter als mit der Hand ist das ganz sicher nicht. Was andere Leute machen, kann ich eh nicht ändern.
 
Aber um zum Thema zurückzukommen und auch den Vorschlag von @pepita-sheep aufzugreifen...
Es gibt so Geräte, wo man die Hände nach der Händedesinfektion reinhält und die dann mit irgendeinem speziellen Licht (UV?) sichtbar machen, wo die Hände ausreichend mit Desinfektionsmittel benetzt sind und wo nicht. Damit kann ich zwar nicht die Keime sichtbar machen, aber ich kann überprüfen, ob die Händedesinfektion effektiv war. So ein Teil hatten wir in der Schule, und es wurde auch bei einer Hygiene-Fobi eingesetzt.
 
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Es kann definitiv nicht schaden, den Spender mit dem Ellbogen zu bedienen, solange man von der Größe her drankommt (ist leider manchmal ein Problem für mich), und das werde ich auch weiterhin tun, denn schlechter als mit der Hand ist das ganz sicher nicht.
Abgesehen von der Tatsache, daß sich die Frage (Spender mit Ellbogen oder Hand bedienen?) in der ambulanten Pflege eh nicht stellt (und in der ambulanten Intensiv auch eher weniger) und von daher für mich persönlich irrelevant ist, frage ich mich dann, warum das jahre- um nicht zu sagen jahrzehntelang empfohlen wurde.
Es gibt so Geräte, wo man die Hände nach der Händedesinfektion reinhält und die dann mit irgendeinem speziellen Licht (UV?) sichtbar machen, wo die Hände ausreichend mit Desinfektionsmittel benetzt sind und wo nicht.
Du meinst Schwarzlicht...
 
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Das Einfärben von Mikroorganismen halte ich für keine gute Idee (wird ja bei der Färbung nach Gram schon gemacht) - es macht sie halt nicht größer und daher kaum sichtbarer!

Ich sagte, das es eine witzige Idee ist von mir!

Mir ist klar, das es so etwas nicht gibt und nie geben wird.

Die Individuelle Methode der Händedesinfektion (HD) ist gegenüber der Methode nach EN ("Birmingham-Model") gleichwertig und wird aus diesem Grund vielerorts nicht mehr verfolgt.

Ich finde es wichtig, das die Hände desinfiziert werden.
Gründlich.

Aber jetzt mal ehrlich, wer in der Pflege kann sich die Zeit, für die vorgeschriebene Einwirkzeit der Händedesinfektion, von 30 Sekunden nehmen.
30 Sekunden, sind schon lang. Wirklich sehr lang.

Die Infos und neue Erkenntnisse kommen so schnell zu den betreffenden Leuten, wie diese sich um diese bemühen (Stichwort: Holschuld) oder die betreffenden Fortbildungen besucht werden. Nicht: "das hat mir noch keiner gesagt" - Oder "hab ich noch nie gehört" sowie das schon erwähne "mach ich schon immer so" sollte in Zukunft die Rechtfertigung für Handlungen sein, sondern eine gezielte, nachvollziehbare und evidenzbasierte auf dem Level der Erkenntnisse orientiert fortlaufende berufliche Weiterbildung.

Da werde ich mich vertrauensvoll an meine lang jährige Freundin wenden, die gerade die Umschulung zur Hygienefachkraft absolviert, um immer auf den neusten Stand zu sein. Ich weis, wie ich an wichtige Informationen komme.

das schon erwähne "mach ich schon immer so"

Dafür habe ich meine jungen Kollegen /innen, die gerade ihr Examen für die Gesundheits- und Krankenpflege abgelegt haben, das sind meine Informanden /innen, an sie wende ich mich, um auf den neusten Wissensstand zu sein (seit 1992 bin ich staatlich anerkannte Altenpflegerin).
 
Die Schulung mit Schwarzlicht ist bei uns auch verbreitet. Wenn man bereits zehnmal damit geschult worden ist hält sich die Begeisterung der Teilnehmer dafür jedoch in Grenzen. Nächste Woche ist es wieder so weit...
Vereinzelt wird auch nur theoretisch mit Beamer und Handout geschult, wenn das Schwarzlichtgerät kaputt oder verschwunden ist oder unsere HFK keine Zeit/Lust hat, alles aufzubauen.
@pepita-sheep Was glaubst Du wie viele Sekunden Einwirkzeit in der Praxis noch zumutbar wären? Meine innere Uhr tickt auch immer etwas schneller, wenn ich bis 30 zähle, ungeachtet irgendwelcher Zeitumstellungen :-)
 
@pepita-sheep Was glaubst Du wie viele Sekunden Einwirkzeit in der Praxis noch zumutbar wären? Meine innere Uhr tickt auch immer etwas schneller, wenn ich bis 30 zähle, ungeachtet irgendwelcher Zeitumstellungen :-)
So ganz unrecht hat sie aber nicht: Es gab zumindest für Intensivstationen in Kliniken umfassende Untersuchungen, daß dort die Arbeit eigentlich nicht zu stemmen ist, weil schlicht und ergreifend die Zeiten der Händedesinfektion sich derartig aufsummieren. Siehe z. B. Händehygiene auf der Intensivstation - Zustand kritisch?
Und das läßt sich mit Sicherheit auch auf fast alle stationären Bereiche übertragen.
In Bereichen wie z. B. der ambulanten Intensivpflege halte ich das allerdings für einen Witz. Hier hat man i. d. R. mehr als genug Zeit, die 30 Sekunden abzuwarten.