News Fragwürdige Ost-West-Lohnangleichung

Pfl. David

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Umschau | MDR FERNSEHEN | 08.04.2008

Fragwürdige Ost-West-Lohnangleichung

In den aktuellen Tarifrunden geht es auch um die Frage, ob die Löhne in Ostdeutschland weiter an das Westniveau angepasst werden sollen. Die Umschau zeigt, dass Arbeitnehmer im Osten trotz vermeintlicher Angleichungen nicht gleichviel verdienen.


Im Osten ist die Lohntüte für gleiche Arbeit kleiner

Gleiches Geld für gleiche Arbeit - dieses Motto hatte nach der Wende im Ost-West-Vergleich nicht gegolten. Vielmehr war es lange Zeit der sogenannte Produktivitätsunterschied, der die Einkommen im Osten deutlich hinter denen von Westdeutschland hinterherhinken ließ. Die Umschau berichtete bereits, dass Ostdeutschland in Sachen Arbeitsproduktivität aufgeschlossen hat. Fast 18 Jahre nach der Wiedervereinigung sind es deshalb besonders die Gewerkschaften, die eine Angleichung der Lohnniveaus fordern.

Beispiel öffentlicher Dienst
In einigen Bereichen wie dem öffentlichen Dienst gibt es bereits formal keine Ost-West-Unterschiede. Doch der Schein trügt. Die Gleichheit gilt nur für das Grundgehalt. Die westdeutschen Zuschläge und Sonderzahlungen gibt es im Osten nur in abgespeckter Form. Weiterhin arbeiten die Angestellten in Ostdeutschland 40 Stunden pro Woche und damit eine Stunde mehr als ihre Kollegen aus den alten Bundesländern.

zum Weiterlesen:
Quelle: Fragwürdige Ost-West-Lohnangleichung | MDR.DE
 
Und was soll uns das nun sagen?

Elisabeth (ebenfalls aus Neufünfland)
 
Ich finde die Angleichung überhaupt ist längst überfällig. In den neuen Bundesländern arbeitet man nicht schlechter als in den alten Bundesländern.
Komisch ist nur das der Staat keine Unterschiede bei zum Beispiel Lebensmitteln kennt. Denn die müssen in den neuen Ländern genauso teuer gekauft werden, auch mit weniger Geld im Geldbeutel.
Von einem "Einig- Deutschland" sind wir auch 18 Jahre nach der Wende meilenweit entfernt. Leider!!!
 
@Elisabeth

Wie, was soll uns das jetzt sagen?

Es sollte "nur" als Information dienen.
Die unterschiedliche Bezahlung von Ost und West, wäre doch ein gutes Diskussionsthema. Oder?


David
 
Wie du siehst haben wir uns an den Zustand längst gewöhnt. Die Revolutionäre von 89 sitzen wahrscheinlich wieder in der Hocke wie zuvor schon 40 Jahre... oder sie sind ernüchtert ob der Folgen ihres Aufbegehrens.

Solidarität- was ist das? Erst ich... dann der Rest der Welt- das ist die neue Devise/ Weltanschauung. Willkommen in der (besseren) Gesellschaftsordnung.

Elisabeth
 
Wie du siehst haben wir uns an den Zustand längst gewöhnt. Die Revolutionäre von 89 sitzen wahrscheinlich wieder in der Hocke wie zuvor schon 40 Jahre... oder sie sind ernüchtert ob der Folgen ihres Aufbegehrens.

Solidarität- was ist das? Erst ich... dann der Rest der Welt- das ist die neue Devise/ Weltanschauung. Willkommen in der (besseren) Gesellschaftsordnung.

Elisabeth

Dem Kommentar ist traurigerweise nichts hinzuzufügen...
 
@ Elisabeth

Ich kann dir nur beipflichten, schließlich komme ich auch von "drüben" (Sachsen-Anhalt), auch wenn es mich arbeitsmäßig von dort "weggetrieben" hat. Immer wenn ich wieder daheim bin, hab ich das Gefühl, dass es nur noch um das blanke funktionieren und überbrücken des Alltags geht (in finanzieller Hinsicht). Natürlich gibt es auch Bereiche wo die Differenzen kaum zu bemerken sind, doch fehlen mir Argumente und Verständnis, warum es in 18-Nachwendejahren noch keine Angleichung gegeben hat. Doch ist es auch schwierig dazu aussagekräftige Stellungnahmen von Verantwortungsträgern zu bekommen, wenn schon unsere eigenen Politiker nur Lohnangleichung nur als Wahlkampfthema propagieren und dann vergessen.
Man hat sich (leider) an die Situation im Allgemeinen gewöhnt und erachtet das Ganze als normal. Die Leute brauchen Arbeit und erst wenn sie diese haben, fragt man nach dem Lohn. Im Pflegebereich fragt man ja sogar erst nach Arbeit (obwohl genug davon da ist!!!), dann nach der Laufzeit des Vertrages (schließlich werden Halbjahresverträge langsam zum Standard) und dann erst nach dem Geld. Wer hat da dann also noch Zeit nach Ost-West-Angleichung zu fragen? :gruebel:

Ich find's frustrierend, zumal die Menschen es verdient haben, angemessen bezahlt zu werden. Aber mal schauen, vielleicht bringt die Diskussion hier neue Ansätze :mrgreen:...
 
Etwas politische Nachhilfe?

Profit
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Profit (von lat. profectus „Fortgang, Zunahme, Vorteil“) ist der auf dem Markt realisierte, in Geld ausgedrückte Mehrwert, der nach der Marxistischen Wirtschaftstheorie Ziel und Ergebnis des kapitalistischen Produktionsprozesses ist. Bürgerliche Theorien gehen zwar in der Regel ebenfalls davon aus, dass Unternehmen Gewinnmaximierung betreiben, doch bei Marx prägt dieser Sachverhalt die gesamte kapitalistische Gesellschaft, während er aus bürgerlicher Sicht nur eine Erscheinung neben anderen (Nutzenmaximierung der Konsumenten usw.) ist.
Profit – Wikipedia

"Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens."
Karl Marx; „Das Kapital“ MEW, 23-788

Mündiger Bürger, du hast gewählt- jetzt halts Maul.

Dieser Satz stand nach der Wende an einer Mauer in unserer Stadt. Und er sagt eigentlich alles aus. Wer erwartet hatte, dass die neue Gesellschaftsordnung besser ist als die alte wurde schnell eines Besseren belehrt. Wie immer gibt es Gewinner und Verlierer.

Manchmal kann man sich nur wundern über die jammernden Ex- DDR- Bürger. Hätten sie es nicht besser wissen müssen? Marx Lehren wurden doch vermittelt.
Es ging nicht um die Vereinigung von Familien- es ging um die Schaffung eines neuen lukrativen Absatzmarktes. Nun ist die Sahne abgeschöpft- der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Interessant wäre das Land nebst Bewohnern noch als Billiglohnland. Man könnte ggf. Transportkosten sparen. Aber da hat uns die Realität in Form von China u.ä. Staaten längst überholt. Die arbeiten für noch weniger Lohn.

Nochmal: Der sozialistische Anspruch-"Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung“- wurde abgewählt zugunsten der Gewinnmaximierung von Unternehmen. So ist das nun mal: man kann nicht alles haben.

Elisabeth
 
@Elisabeth - hätte ja nie gedacht, dass ich dir mal so aus vollem Herzen zustimmen würde nach unserer kleinen Schlacht damals!

Leider haben die (Wirtschafts-)Eliten, die Politiker an der Spitze und die Medien die Macht - und die Bürger glauben unbesehen deren Heilsversprechungen oder lassen sich abfüttern mit Fernsehen und Billigkonsum.
Selten, dass mal jemand eigene Gedanken wagt und sich überhaupt zu äußern traut. Gern wird in diesem Land erstmal anhand äußerer, oberflächlicher Merkmale in "besser als" und "schlechter als" unterteilt, um sofort einen "Wert" festzulegen.
 
Das klingt jetzt aber nach Resignation. Statt nach Schuldigen zu suchen, sollten wir da nicht besser überlegen, wie man die Situation bessern könnte? Völlige Gerechtigkeit und Freiheit gab es halt auch im Sozialismus nicht, sonst hätte es die Wende nicht gegeben. Ist somit der "Osten" nicht Paradebeispiel für das, was dem "Westen" noch bevorsteht? Wie schon erwähnt wurde, haben uns China u.ä. Staaten in der Wirtschaftlichkeit überholt. Doch zu welchen Kosten? Sollten also nicht vielleicht die Menschen in den "alten" (ich hasse diese Einteilung *grummel*) Bundesländern auf Gehalt und Zulagen verzichten und wie die Menschen in den "neuen" einfach mehr arbeiten?? Ist vielleicht eine etwas provokante Frage, aber doch nur eine weitere Sicht der Dinge.

LG - *das Leben ist schön...
 
Lies mal "Haben und Sein" von Fromm.

Der Mensch strebt stets primär nach dem Haben. Erst dies macht Gesellschaftsordnungen wie unsere eigene möglich. Ich muss keine Schuldigen suchen. Die Schuldigen finde ich in fast jedem von uns selbst. Der Anspruch: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Bedürfnissen" ist mit der menschlichen Spezies nicht realisierbar.

Warum soll jemand etwas abgeben von seinem Haben? Wer von uns weiß schon, was Hunger ist? Wer von uns hat tatsächlich nichts zu beißen auf dem Tisch? Schau in die Dritte Welt- dann weißt du, was ich meine. Die hätten allen Grund zu jammern. Deutsche jammern auf hohem Niveau. Und gerade der EX- DDR- Bürger kann dies besonders gut. 40 Jahre die Segnungen der Mangelwirtschaft überlebt und jetzt alles nachholen wollen. ... Was eigentlich?

Elisabeth
 
Hab ich gelesen, doch was dort nicht steht ist, dass jedes noch so geartetet Individuum die größtmöglichste Freiheit braucht um sich zu entwickeln.

Also, warum nicht Chancengleichheit schaffen? Mal schauen, was die Menschen daraus machen.
Doch und damit hat Fromm recht, soweit wird es nicht kommen - aber lass uns unsere Freiheit träumen und schon sind wir ihr ein Stück näher.
 
"Jammern auf hohem Niveau" - bei diesem Spruch muss ich grinsen, denn den pflegte unser alter Anästhesie-Chef, der alte Sozi, immer mal wieder zu äußern.
Jammern ändert nichts.
An das Gute lässt sich allerdings leichter glauben, wenn man einen Gestaltungsfreiraum hat. In einer hierarchie- und profitgeprägten Welt ist das nicht gerade einfach.
Zum Kämpfen braucht man Kraft und die muss man erstmal haben, wenn man mit den alltäglichen Widrigkeiten beschäftigt ist.
Übrigens jammern auch die Dritte-Welt-Bürger gern und lassen sich hängen, wie ich von einer beruflichen Entwicklungshelferin weiß. Scheint vollkommen menschlich zu sein, zu erwarten, dass die Hilfe von "oben" kommen soll und nicht primär bei sich selbst anfängt.
Ist alles ein bischen weit weg vom eigentlichen Thema...
 
Stimmt, aber solche gegensätzlichen Meinungen, Auffassungen und Vorbehalte müssen wohl erst einmal angesprochen werden, bevor man sich sachlich zu diesem Thema äußern kann. Danke jedenfalls für den Beitrag wider dem Jammern, da sind mir dann doch gerade die Argumente ausgegangen :mrgreen:

MFG Crusoe
 
... Deutsche jammern auf hohem Niveau. Und gerade der EX- DDR- Bürger kann dies besonders gut. 40 Jahre die Segnungen der Mangelwirtschaft überlebt und jetzt alles nachholen wollen. ... Was eigentlich?

Elisabeth


Mhm, das wollte ich jetzt so nicht auf mir sitzen lassen. Seit ich in Düsseldorf arbeite, habe ich diesbezüglich einen direkten Vergleich und kann nur sagen, dass die EX-DDR-Bürger eher gemeinsam und auf offener Straße jammern, während die, welche immer schon in der BRD gelebt haben, sich eher in ihren Stammkneipen, am Stammtisch in ner 5er-Runde ausjammern. Ich denke das ist der eigentliche Unterschied, nämlich der, dass das Jammern im Osten vielleicht mehr auffällt als im Westen.
 
Jammern und lamentieren- was bringts? Man muss doch endlich mal begreifen, dass man nicht alles haben kann.

Warum wird gejammert? Man bedeuaert, das man weniger hat als der andere... und vergisst dabei, das es Menschen gibt, die noch weniger haben.

Materielle Werte sind endlich. Unter dem Aspekt, dass Arbeit zukünftig nicht mehr für alle da sein wird... wonach soll man streben? Was wird mit denen, für die keine Arbeit mehr ist? Egal? Hauptsache ich habe mehr als jetzt?

Die Gesellschaft wird sich nicht ändern. Dafür müsste sich der Mensch ändern- egal ob der vom Stammtisch oder der von der Straße (wobei, wann gabs das letzte mal offfene Proteste? die Revoluzer sitzen doch wieder in der Hocke).

"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."
Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782)

Elisabeth
 
Was kann ich überhaupt von dem mitnehmen, was ich im Laufe meines Lebens erwerbe? Du hast recht, wenn du sagst Jammern lohnt nicht und ich soll mit dem zufrieden sein, was ich habe (Mit Absicht jetzt mal stark vereinfacht - bitte nicht falsch verstehen!). Mir geht es auch nicht darum, mehr in der Tasche zu haben, doch lebe ich mit der Auffassung irgendwann nach der Phase meines Sterbens wieder aufzuerstehen und dann Erfüllung zu finden. Dabei kann ich nichts von dem mitnehmen was ich habe, außer den Dingen, die ich in den Zeiten meines Lebens erworben habe. Mir liegt auch nichts an materiellen Dingen, außer denen, die ich zum leben brauche, mir liegt eher etwas an Freundschaft, Liebe und Freiheit. Und genau darum geht es mir. Ich lebe nicht um Möbel, Geld und Häuser zu erwerben. Mir wurde leben geschenkt, um es zu nutzen, um ein leben in der Liebe zu meinem nächsten zu leben. Denn es sind die guten Dinge die mein Leben reich machen und das sind dann auch meist die Kleinen. Ich brauche nicht viel, doch leben ich nicht auch für andere? Sollte man nicht leben um dafür zu "kämpfen", das alle Menschen gleich sind? Alle die gleichen Rechte und Freiheiten und somit die gleiche Chance auf Lebensentwicklung haben? Dabei geht es dann nicht mehr allein um Ost-West-Lohnangleichung, sondern um globale, um menschliche Ansprüche. Doch im Kleinen fängt es an. Wenn wir in unserem eigenen Land es nicht schaffen, allen die gleiche Chance zu bieten, sich zu entwickeln und ein Leben unter Lebenden zu leben, wie sollen wir es im ganzen schaffen? Es ist ein Anfang, ein Anfang unter vielen, aber immerhin... Zu schaffen ist das alles nicht gleich, nicht jetzt, vielleicht auch nie, aber der Weg ist das Ziel und ihn gemeinsam zu gehen, die Herausforderung. Ich als Einzelnen kann anfangen und nach mir kommen andere.

LG
 
Hallo Ihr,

habe mit Interesse Eure Diskussion verfolgt, und auch wenn es jetzt vielleicht offtopic ist, will ich doch auch etwas dazu sagen.

Ich bin prinzipiell ein relativ genügsamer Mensch, was materielle Dinge angeht.
Ich möchte weder reich noch berühmt werden und brauch´auch kein dickes Auto zu meinem Glück.
Und es ist schon richtig, daß in Deutschland niemand verhungern muß.

Aber mich stört, daß immer die, denen es im Grunde gut geht, davon reden, daß "auf hohem Niveau" gejammert werde.
Das ist doch genau das Prinzip unserer Gesellschaft:
Die "Oberen" bringen ihre Schäfchen ins Trockene und erzählen den "Unteren", daß sie doch froh sein sollen, nicht hungern zu müssen ...
wie zynisch !!!

Es ist die ungerechte Verteilung in unserer Gesellschaft, die die Menschen zum Jammern bringt, nicht der Mangel an sich.

Grüße, Schokofee
 
Und die Ursachen liegen in jedem Einzelnen von uns begraben: der Run auf immer mehr Haben. Oder willst du mir erzählen, dass du wenn du die Gelegenheit hättest über die Maßen hinaus zu verdienen, dies ablehnen würdest?

Die Wahrheit ist nun mal: Mündiger Bürger, du hast gewählt, jetzt halts Maul.

Elisabeth
 
...Die Wahrheit ist nun mal: Mündiger Bürger, du hast gewählt, jetzt halts Maul.

Elisabeth

Ich habe gewählt, aber das nimmt mich nicht aus der Pflicht mitzudenken und zu handeln. Meine Freiheit ist die der freien Wahl. Das schließt die Möglichkeit der Umentscheidung / Veränderung mit ein. Freiheit im Geiste heißt nun mal nicht, nicht auch mal einen Schritt zurück zu gehen und eine einmal getroffene Entscheidung zu überdenken und event. zu ändern. Nur weil ich gewählt habe, bin ich noch lange nicht aus der Pflicht, im Gegenteil, je mehr ich wähle, umso mehr bin ich verpflichtet mitzuwirken, im Großen und im Kleinen.