Ethische Frage

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Ich versuch's kurz zu machen: mal angenommen, viele Möglichkeiten sind echt probiert und ausgeschöpft worden, nichts hilft wirklich, eine Bewohnerin, dement, mit abwehrendem Verhalten, ihr kennt das, die in ihrem, sry, Dreck, erstinkt (und die Mitbewohner auch), 2 Pflegekräfte am "Duschtag" und bei der Fußpflege zugegen sind usw. usf. Für alle Beteiligten ist das nicht schön (Tochter, Pflege, Bewohnerin).

Wäre es ethisch vertretbar der Bewohnerin ärztl. verordnet etwas am "Duschtag" zur Beruhigung (Lorazepam o.ä.) zu geben??
Hört sich vlt. etwas komisch an, gefügig machen, KO-Tropfen oder so... ?!

[Evtl. auch fürs Pflegepersonal xD]

Hat jmd Gedanken dazu?
 
Jetzt betreten wir moralisches Minenfeld mit Gummistiefeln.
Wenn du einer dementen Bewohnerin am Duschtag ein Benzodiazepin wie Lorazepam gibst, dann ist die entscheidende Frage nicht „hilft es beim Duschen“, sondern „warum bekommt sie es“.
Bekommt sie es wegen einer behandlungsbedürftigen Angststörung oder massiven Agitation, also Unruhe mit Leidensdruck? Dann kann eine ärztlich begründete, dokumentierte Gabe vertretbar sein. Bekommt sie es, damit die Pflege leichter durchführbar ist, sprechen wir von einer freiheitsentziehenden Maßnahme durch Sedierung. Das ist ethisch und rechtlich hochproblematisch. Ebenso; Benzodiazepine wirken angstlösend und dämpfend. Bei alten Menschen mit Demenz erhöhen sie aber das Sturzrisiko deutlich. Paradoxe Reaktionen wie stärkere Unruhe kommen ebenso manchmal vor. Die Halbwertszeit ist im Alter verlängert. Das bedeutet, die Bewohnerin ist unter Umständen den ganzen Tag benommen.
Wichtige Fragen sind also:
Liegt eine akute Gefährdung der Hautintegrität vor, etwa massive Intertrigo, Mykosen oder offene Stellen?
Ist die Abwehr angstgetrieben, traumabezogen, schambesetzt?
Gibt es Alternativen?
Zwei Pflegekräfte gleichzeitig wirken auf manche Menschen wie ein Überfall. Das Gehirn mit Demenz reagiert dann mit Abwehr, nicht mit Kooperation.
Rechtlich gilt: Sedierung zum Zweck der Pflegeerleichterung ist eine freiheitsentziehende Maßnahme. Dafür braucht es eine klare ärztliche Indikation und in vielen Fällen eine betreuungsrechtliche Genehmigung. Ohne das bewegt man sich auf dünnem Eis. Oder in einem Minenfeld.
 
Hey, danke! Alternativen.. ich wollte es nicht zu weit ausführen, ja gab's, verschiedene Ansätze über Biografiearbeit (Vorlieben, Körperpflege abends vlt.?, Mann/Frau, Tochter dabei) und Versuche z.B. "Heranführen" mit erstmal Händewaschen, Gesicht, abends mal ein Fußbad .... Entspannungsmusik im Hintergrund (Bach kommt ganz gut) xD... wollte es nicht zu weit ausdehnen, aber ich glaub, wir haben uns schon etwas Mühe gegeben ...
Eigentlich eine ganz Liebe, sofern man sie in Ruhe lässt, sie tanzt gerne und sucht Körperkontakt mit Umarmen und Händehalten ...

Aber Sie haben schon recht, in erster Linie wäre die Tavor-Gabe zur erleichterten Pflege gedacht o.0
Und in zweiter zur Beruhigung der Bewohnerin.
Der Hautzustand ist intakt.
Ich seh's ähnlich, problematisch. Es kamen schon die Gedanken auf: "Jeder hat das recht, in seinem Dreck zu sein" (Sry, für die Wortwahl, ist aber ein Zitat). Es ist aber halt auch eine 'Gemeinschaftsunterkunft' mit Mitbewohnern, Angehörigen, Tischnachbarn usw. , denen das auch nicht besonders gefällt ... man muss es natürlich auch nicht übertreiben mit der Körperpflege, Kleiderwechsel hilft auch schon, aber manchmal, naja ... es ist schwierig ...
 
Die Frau hat keinen Dekubitus, keine Haut Schäden, wie ist es mit waschen am Waschbecken, lässt sie das zu? Ich arbeite auf Intensiv und ja, oft wollen die Patienten, die verlegt werden nicht von uns gewaschen werden und sagen, nein,,mach ich auf Station. Da Versuche ich es immer dass ich Frage, schaffen sie es alleine, die Kollegen unten müssen viele Patienten versorgen.
Wenn sie immer noch nicht wollen und sie die angebotene Hilfe nicht wollen muss ich es akzeptieren.
 
Ja, eine kleine Körperpflege am Waschbecken gelingt manchmal. Untertags fragt sie, wo hier denn eine Toilette ist, wenn man sie begleitet, dann klappt auch meist die Intimpflege/Hautbeobachtung...

Mir ist ein Satz einer Kollegin in Erinnerung: "Frag' Dich, hat die Bewohnerin ein Problem mit einem bestimmten Verhalten? Oder hast Du ein Problem damit?" ... Die Bewohnerin hat es eher nicht ... wir / ich eigentlich auch nicht, räumen halt hinterher auf, putzen verpinkelte Stühle, Böden usw. (neben dem Dusch-/Fußpflegedrama gibt's da noch mehr) ... es sind aber auch noch Mitbewohner und Angehörige zugegen, oftmals mit ziemlichen Unverständnis, was die Erkrankung betrifft (ist ein sehr gemischter Wohnbereich).
 
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