News Westerfellhaus: Auch die Altenpflege braucht Personaluntergrenzen

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Andreas Westerfellhaus , Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, wünscht sich Personaluntergrenzen nicht nur für Krankenhäuser, sondern auch für Pflegeheime. "Was für Kliniken gilt, muss auch für die stationäre Altenpflege gelten", sagte Westerfellhaus im Interview mit der in Berlin erscheinenden Zeitung "Tagesspiegel".

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hyperion87

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"Die privaten Anbieter sagen, bei der großen Nachfrage könne sich doch jede Pflegekraft ihren Arbeitgeber aussuchen.

Diese Argumentation ist zynisch. 80 Prozent der Pflegekräfte sind Frauen. Ein großer Teil ist teilzeitbeschäftigt, viel zu oft unfreiwillig. Im ländlichen Raum haben solche Arbeitnehmer keine Alternative. Und es macht mich auch wütend, wenn mir in München eine junge Frau sagt: Ich kann es mir hier nur leisten, als Altenpflegerin zu arbeiten, weil mein Mann Hauptverdiener ist. Das muss man sich mal vorstellen. Vielleicht hängt die schlechte Bezahlung ja genau damit zusammen: dass es sich um einen Beruf mit hohem Frauenanteil handelt."
 
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Romsen2014

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@hyperion87 Das ist doch aber auch nichts neues. Generell werden Frauenberufe schlechter bezahlt als andere Berufe. Siehe auch Sozialarbeiter etc. Da wird doch mit einkalkuliert, dass die Frau gar kein Interesse an der Bezahlung hat, da der Mann später eh Hauptverdiener ist (wenn auch nicht immer signifikant). Das böse erwachen folgt dann, wenn es in die Trennung geht. Generell mag ich das Beispiel München aber auch nicht, da sich das dort "leben" kaum noch einer leisten kann. Auch bei den "überdurchschnittlichen Verdienern" weichen diese ins Umland aus, weil sie diesen Wahnsinn nicht mitmachen wollen.

Aber ganz ehrlich, mich wundert es nicht in Bezug auf die Altenpflege. So wurde/wird sie über Jahre als unqualifizierte und etwas dümmere Stiefschwester der Krankenpflege angesehen. Ich bete nur, dass möglichst wenige sich in der neuen Ausbildungsordnung den speziellen "Altenpfleger" machen, sondern sich generalistisch Ausbilden lassen. Ich denke, dass dies der einzige Druck ist den man jetzt machen kann.

Zum Artikel:

Ist die Idee mit dem Crashkurs von der Hilfskraft zur examinierten Kraft nun endlich vom Tisch? Oder wird auf 190 Stunden aufgestockt?
 

Rhona_Licht

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Ich habe das Gefühl, der Zustand in der Pflege spiegelt eins der Hauptprobleme unseres gesamten Systems wieder, nämlich dass es nicht um die Menschen geht, sondern um den Profit.
Die Alten haben ausgedient, arbeiten nicht mehr, und alles, auf das sie reduziert werden, ist das Geld, das sie noch in ihre Gesundheit investieren müssen/können.
Dass Menschen, die sich zum Lebensinhalt machen, diese Menschen zu versorgen, keine attraktiven Arbeitsbedingungen mehr haben, zeigt mir, wie es hier um den sozialen Aspekt steht.
 

Martin H.

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@Rhona_Licht
Ich stimme Dir teilweise zu: In unserer gewinnorientierten Gesellschaft zählt in erster Linie der Profit. Daher haben letztlich alle sozialen Berufe ein Problem.
Aber wenn Deine Analyse 100% zuträfe, warum sind dann nicht die Arbeitsbedingungen in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege absolut traumhaft? Schließlich haben hier die Pat. noch nicht "ausgedient" - im Gegenteil, sie stehen ja erst am Beginn ihres Lebens und sind daher die Hoffnungsträger ihrer jeweiligen Gesellschaft.
 

Martin H.

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Im übrigen sind einige der Kommentare des Artikels unterirdisch... wie dort z. T. gegen Herrn Westerfellhaus gehetzt und mit falschen Behauptungen Stimmung gemacht wird, ist unterirdisch! :x
 

Romsen2014

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Ich habe das Gefühl, der Zustand in der Pflege spiegelt eins der Hauptprobleme unseres gesamten Systems wieder, nämlich dass es nicht um die Menschen geht, sondern um den Profit.
Im Bereich der Altenpflege gibt es nun einmal keinen sogenannten "Return-to Invest". Das heißt es bringt den Heimbetreibern nichts in gutes Personal zu investieren. Was bringt es ihnen. Mit besseren Outcomes lässt sich derzeit kein Geld verdienen.

Die Alten haben ausgedient, arbeiten nicht mehr, und alles, auf das sie reduziert werden, ist das Geld, das sie noch in ihre Gesundheit investieren müssen/können.
Wie man sieht, ebenfalls kein "Return-to Invest" für die Gesellschaft. Sie nehmen nicht mehr in der Gesellschaft teil, weil sie, wie du schon sagtest, der Gesellschaft nichts bringen. Das führt uns dann aber wiederrum zum Paradoxon der Kinderkrankenpflege. Obwohl ich aus subjektivem Empfinden das gefühl habe, dass diese Kinder Stationen schon immer eine Sonderstellung im Krankenhaus und sogar in der Gesellschaft hatten. Siehe z.B. das Benefitsspiel (letztes Wochenende?) in dem Promis für die Kinder kardio Station in Hamburg Eppendorf gekickt haben. Bringt zwar der Pflege erstmal nichts, weil damit meist Renovierungskosten bezahlt werden, aber immerhin. Also das Schicksal von Kindern ist hierbei der Gesellschaft schon relevanter. Könnte auch an der Emotionalität und auch bestimmt an dem hier wahrscheinlicheren "Return to Invest" für die Gesellschaft liegen.

Dieses Problem führt eben insbesondere Altenpflegekräfte zu folgender Frage:" Warum soll ich mich für Patienten aufopfern bzw. meine Zeit opfern, wenn der Rest der Gesellschaft sie mit aller Macht versucht sie von sich wegzudrücken?"
 
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Rhona_Licht

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@Rhona_Licht
Ich stimme Dir teilweise zu: In unserer gewinnorientierten Gesellschaft zählt in erster Linie der Profit. Daher haben letztlich alle sozialen Berufe ein Problem.
Aber wenn Deine Analyse 100% zuträfe, warum sind dann nicht die Arbeitsbedingungen in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege absolut traumhaft? Schließlich haben hier die Pat. noch nicht "ausgedient" - im Gegenteil, sie stehen ja erst am Beginn ihres Lebens und sind daher die Hoffnungsträger ihrer jeweiligen Gesellschaft.
Ja, das wäre die eins zu eins Schlussfolgerung dessen, doch scheint es mir, wenn ich da weiter gehe, eher so, dass der Einzelne, egal ob "ausgedient" oder jung, sobald er ein erhöhtes Pflegebedürfnis entwickelt, keinen nennenswerten Stellenwert mehr zuerkannt bekommt.
Das zieht sich auch durch die Medikation, die in vielen Fällen in erster Linie die Symptomunterdrückung zum Ziel hat, langfristig sogar gesundheitliche Beeinträchtgungen nach sich ziehen kann.
Wenn ich mich in meiner Generation umschaue, sehe ich viele junge Menschen, die eigentlich mal ein Jahr Auszeit, Ruhe und Erholung bräuchten, um allein die Schulzeit/Ausbildungszeit mal zu verarbeiten, doch der allgemein herrschende Druck, zu arbeiten um zu überleben, lässt die Menschen durchs Leben hetzen und hat viele ausgebrannte Männer und Frauen zur Folge.
Das ist hier jetzt vermutlich nicht der richtige Thread und ich schweife ab, aber das fiel mir zu deiner Aussage noch ein.
 
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