Stiefkind Ohrenpflege!?

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Q

Quallenfuss

Gast
Hallo zusammen,

ich muss gerade einmal meinen Unmut rauslassen: ich hatte gerade eine Diskussion zum Thema "Ohrenpflege".
Dass es anscheinend nicht zur üblichen Körperpflege gehört, auch die Ohren zu reinigen - das habe ich schon vor langer Zeit festgestellt. Aber warum ist das so?
Wenn ich das Thema mal anspreche, dann begegnen mir Aussagen wie "man kann dabei das Trommelfell verletzen" usw. - aber was ist das Resultat!? Da liegen Patienten, denen im Verlauf des Aufenthalts VOR WOCHEN oder Monaten der Schädel (weg. neurochir. Eingriffs) rasiert wurde - dann versorge ich erstmals besagte Patienten, reinige die Ohren und finde allerhand Zeugs (Haare, Haare, Cerumen, Haare, Cerumen-Haar-Pfropfe, Cerumen usw). Es ist schier unglaublich, was man da so zu Tage fördert.
Das muss doch jucken! Die armen Patienten! Warum macht kaum jemand Ohren sauber? Es kann doch nicht nur die Angst vor der Durchstoßung des Trommelfells sein!? Es sollte klar sein, dass man nur das äußere Ohr reinigt und eventuelle Wattestäbchen nicht bis zum Anschlag reinsteckt und diese auch so hält, dass eine mögliche Kopfbewegung des Patienten ihn nicht verletzt. Was ist es? "Nur" Angst vor Verletzung? Ekel? Oder haben viele Pflegekräfte die Ohren einfach nicht auf dem Zettel? Viel Zeit beansprucht die regelmäßig durchgeführte Ohrenpflege nun auch nicht...
 
Was genau meinst Du mit Ohrenpflege?

Ich reinige das äußere Ohr mit dem Waschlappen, wenn der Patient das nicht selbst kann. Aber ich gehe nicht mit einem Wattestäbchen ins Ohr. So kleine Watteträger hab ich bei mir gar nicht zur Verfügung (und auch sonst würde ich das nicht tun. Erstens ist das sowieso umstritten, zweitens kann ich dem Patienten dabei Schmerzen zufügen, vor allem, wenn er nicht stillhält.
 
Das Ohrenschmalz wird von den Härchen im äußeren Gehörgang nach draussen transportiert und kann von dort aus mit einem Lappen entfernt werden. Wattestäbchen sind ein NO-GO in der Ohrenpflege, sei es bei Patienten, sei es bei Kindern.
Frag mal einen Kinder- oder HNO-Arzt.
 
Bei der Pflege mit Ohrstäbchen kann man genau den Effekt erreichen, den man nicht haben will. Man schiebt die "Schmutzpartikel" weiter ins Ohr hinein, anstatt sie hinauszubefördern. Wenn ich direkt am äußeren Rand des Gehörganges etwas sehe, entferne ich es auch, wenn ich sicher bin, dass ich es mit einem Wattestäbchen nicht nach hinten schiebe.

Gibt öfters ältere Menschen, die den Gehörgang vor dem Trommelfell richtig zugestopft haben mit Ohrenschmalz und diversen Partikeln. Ursache ist hier übertriebene Pflege. Tja wenn der HNO Arzt dann mal ein wenig spält, können diese Leute wieder richtig gut hören.
 
Kann mich dem nur anschließen. Wattestäbchen sind -auch in der HNO-Pflege- ein absolutes No Go! Der Gehörgang reinigt sich von alleine, die Ohrmuschel wird von mir ganz normal gewaschen.
Was mir immer auffällt und sauer aufstösst, sind die Dinge, die man so aus Bauchnäbel holen kann...brrrrr......da gibts auch viele blinde unter den Pflegekräften...
 
Ich kann mich nur anschliessen. Ohren reinigen sich von selber, Wattestäbchen soll man nicht benutzen. Mal davon abgesehen, dass es sehr unangenehm ist, wenn jemand anderes dir im Ohr rumbohrt damit. Lass es mal an dir selber ausprobieren!
Eine normale Reinigung mit dem Waschlappen bei der Körperpflege ist (zumindest für mich) so selbstverständlich wie die Reinigung der Nase und der Augen.
 
... Da liegen Patienten, denen im Verlauf des Aufenthalts VOR WOCHEN oder Monaten der Schädel (weg. neurochir. Eingriffs) rasiert wurde - dann versorge ich erstmals besagte Patienten, reinige die Ohren und finde allerhand Zeugs (Haare, Haare, Cerumen, Haare, Cerumen-Haar-Pfropfe, Cerumen usw). ...

Auch dei Selbstreinigung dürfte an ihre Grenzen stoßen, wenn da erst mal eine gewisse Meneg an "Fremdmaterial" vorhanden ist. Wie dann weiter? Was empfiehlt die HNO on diesem Falle?

Ich würd ja zur Anforderung eines Konsils neigen. Aber das dürfte so manchem Arzt nur schwer zu vermitteln sein.

Elisabeth
 
@litlesun
<satiremodusAN>Nun die Fusselsammlung im Bauchnabel hängt aber auch durchaus mit einer Mangelproduktion von Nabelschmalz zusammen.
Die Dinger sind ein Phänomen und wurden schon mehrfach analysiert<satiremodusAUS>

Ref.: Bauchnabelfussel

schönen Gruß
Druckerpresse (Fusselträger)
 
Auch dei Selbstreinigung dürfte an ihre Grenzen stoßen, wenn da erst mal eine gewisse Meneg an "Fremdmaterial" vorhanden ist. Wie dann weiter? Was empfiehlt die HNO on diesem Falle?
Ausspülen, würde ich sagen, aber ich weiß nicht, ob das bei einem neurochirurgischen Eingriff nicht kontraindiziert ist.
 
interessante diskussion hier. das führt mich zu der frage "inwieweit muß ich tätigkeiten verrichten vor denen ich mich richtig ekle?" nun kann man sagen, das gehört dazu, sonst hätte man ja einen anderen beruf wählen können. schließlich bekommen wir dafür geld. aber sieht man sich mal den "beruf" der prostituierten an, so stellt man fest, daß sie dinge die sie ekeln nicht macht (wohlgemerkt, ich rede hierbei von denen die diesem gewerbe freiwillig nachgehen).

ich will hier keinem auf die füße treten oder äpfel mit birnen vergleichen...
wollte nur mal meine gedanken äußern, aber das wird jetzt zu "off topic"

ich reinige aber auch nur den äußeren gehörgang und nehme den waschlappen.
oft denke ich mir, es gibt soviel kollegen die so klug daherreden aber wenn ich bei der körperpflege bin und dann auf "blumenkohlernte" bin, denke ich mir: "nicht reden sondern handeln"

in diesem sinne

lg gomorrha
 
Bei der Ganzkörperpflege reinige ich die Ohrmuschel mit einem feuchten Waschlappen, den äußeren Gehörgang so weit wie möglich ebenfalls mit einem feuchten Lappen. Nie im Leben würde ich bei einem anderen Menschen mit einem Q-Tip in den Gehörgang eindringen. Wenn das Ohr wirklich stark verschmutzt/verstopft ist, dann ist das ein Fall für den HNO-Arzt. Der kann dann mit Lampe und Gerätschaften den cerumen-Propf entfernen oder gegebenenfalls das Ohr spülen.
Was man privat mit seinen Ohren macht, muss jeder selbe wissen, da reinige ich auch mit einem Wattestäbchen, aber eben nicht IM Gehörgang. Wie schon geschrieben wurde, da riskiert man Trommelfellverletzungen und schiebt in jedem Fall den Dreck weiter rein.
 
Ich denke auch, dass der Selbstreinigung des Ohres Grenzen gesetzt sind. Das mag bei Menschen mit normaler Selbstpflegekompetenz hinlänglich reichen: man duscht, man badet, geht vielleicht mal schwimmen, taucht den Kopf unter Wasser, schwitzt idR nicht so stark wie ein Patient mit gestörten Temperaturhaushalt usw.
Und ich setze bei der Ohrenpflege folgende Dinge voraus bzw. beachte diese: Pat ist mit der Maßnehme einverstanden, auf Abwehrbewegungen/-reize/Schmerzen ist zu achten und ggf abzubrechen. Das Wattestäbchen reinigt alles "Äußere" - dieser weiße Watteaufsatz ist immer und zu jeder Zeit von mir zu sehen - das Trommelfell liegt dann noch ca 2cm weiter hinten! Zum Thema "Cerumen vorschieben": wenn man das Ohr vorher zB mit einer Pupillenleuchte inspiziert, sieht man, ob das Cerumen sehr weit hinten liegt oder weiter vorne. Wenn es vorne anliegt, dann kann man es problemlos mit einem Stäbchen entfernen ohne irgendwas reinzudrücken. Man stopft die Stäbchen ja auch nicht brutal und stumpfsinnig in die Ohren, sondern geht da sehr behutsam vor und nähert sich dem Cerumen von der Seite und nicht frontal. Ich kenn die allgemeine Lehrmeinung, die von Wattestäbchen abrät...aber ich kann die nur bedingt nachvollziehen.
Ich fasse das Ganze jetzt mal ganz ketzerisch und betont provozierend zusammen: wenn die Pflegenden die Ohrenpflege bei einem Langzeitpatienten (egal ob neurochir. Pat oder nicht!!) so dermaßen vernachlässigen, dass es zur Bildung enormer Cerumenpfropfen kommt, dann ist keiner verantwortlich - weil die Ohren sich ja selber reinigen und dann erfolgt ein ärztliches Konsil, um die Ohrenpflege durchzuführen. Das ist doch irgendwie nicht sehr förderlich für das Ansehen der eigenen Profession...
und wenn ich dann noch daran denke, dass dieses "Ohrenausspülen" regelmäßig von Arzthelferinnen durchgeführt wird...
 
Warium sollte sich ein Pfropf bilden? Ohne Manipulation entsteht er ja auch net.

Elisabeth
 
Ich kenn die allgemeine Lehrmeinung, die von Wattestäbchen abrät...aber ich kann die nur bedingt nachvollziehen.
Im Endeffekt sagst du das selbe wie alle Vorredner, du führst (deiner Beschreibung nach) den Q-Tip nicht tief in den Gehörgang ein. Ich verstehe das Theater deinerseits nicht. Wahrscheinlich machst du es wie alle anderen auch...
 
Bei dem Wort "Ohrenpflege" bekomme ich regelmäßig Stehhaare vor Unmut. Ich wasche meine Ohren im Rahmen meiner Körperpflege und nenne das "Ohren waschen". Nur, weil ich beatmet bin, wird aus diesem Vorgang nicht "Ohrenpflege". So, wie sich jeder normale Mensch die Ohren wäscht, sollte man es auch beim Patient machen.
Wenn da spezieller Dreck drin ist, z.B. nach Unfällen oder beim SHT, kann man Ohrenpflege machen bzw. von einem HNO-Arzt machen lassen.
Ein Cerumenpfropf kann übrigens auch entstehen, wenn man nicht im Ohr rumprockelt.