Das Problem sind und bleiben die Arbeitsbedingungen.
Ganz genau das. Die Bezahlung geht (zumindest in der Krankenpflege) meist gut klar. Natürlich geht immer mehr und die Altenpflege stellt leider einen hohen Gap dar. Aber wenn ich nach ca. 2 Monaten im Dienst als examinierter Gesundheits-und Krankenpfleger, der exakt 2 Tage Einarbeitung hatte und danach vollständig für 15 Patienten darunter 5 Monitor Betten und einen Patienten, welcher langsam im Sterben liegt und dabei in einem Iso Zimmer befindet und daher der Situation gar nicht gerecht werden kann (was ja schon ohne Iso schwierig ist) alleine verantwortlich sein musste, sich Gedanken über einen "Pflexit" macht, sollte das zu denken geben.
Und bitte nicht falsch verstehen. Ich bin garantiert kein Sensibelchen. Jetzt komme ich damit gut zurecht aber auch nur, weil ich mir selbst Strategien angeeignet habe. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn die ersten nach einem Monat das Handtuch werfen. Ach ja, ich arbeite momentan nur 50%, da sich mein Studium im letzten Semester von einem Teilzeitstudium in ein Vollzeitstudium geändert hat.
Mir geht es auch gar nicht um die Aufgaben im allgemeinen. Aber die Rolle als examinierte Kraft und die gesamte Verantwortung nach 2 Tagen alleine Tragen zu müssen, war doch eine größere Bürde wie ich dachte. Und ich denke das geht jedem so. Egal wie gut er nun in der Ausbildung war. Ob Examen mit 1* bestanden hat oder gerade so durchgekommen ist. Ich denke, dass dies gerne Unterschätzt wird und gerne so abgetan wird mit "stell dich mal nicht so an."
Ich gebe auch offen zu, dass ich in meiner ersten Woche fast vor jedem Dienst gekotzt hätte, da es zu allem Übel auch noch eine, von den Kollegen bezeichnete, "Horrorwoche" war. Mir geht es auch gar nicht um den Stress, die hohe Belastung, damit kann ich Umgehen. Aber mir wurde jetzt im letzten Monat als "vollwertige" Pflegekraft klar, dass egal wie schlau ich bin, egal wie gut ich mich organisiere, egal wie schnell ich laufe, egal wie ich über mich selbst hinauswachse, egal wie gut ich das "Handwerk" der Pflege verstehe und egal wie viel Stress ich mir mache, ich weiß im schon vor Schichtbeginn, dass ich eine "optimale Pflege" nicht schaffen kann. Nur die bestmögliche. Oder anders gesagt. Ich weiß, dass ich meinen Beruf nicht gerecht werden kann und meine Arbeit nicht schaffen werde. Am Dienstag war z.B. ein ruhigerer Tag, genauso zwischen den Feiertagen. Da ist es mir dieser Gap besonders aufgefallen. Aber auf der Station soll die Besetzung noch weiter runter gefahren werden.
Aber das ist nur mal ein Bericht, wie es ja heutzutage laufen kann. Es gibt ja auch tausend positive Beispiele. Aber wenn man sich das mal durch den Kopf geht, braucht man sich nicht Wundern, warum manche den Job nach 3-4 Jahren hinschmeißen.
Und das letzte was ich mit diesem Post haben will ist Mitleid. Dafür bin ich nicht der Typ. Und ja, ich fordere im Rahmen dieses Forums viel und habe auch mal eine nicht so zurückhaltende Meinung

. Aber ich denke, dass wenn so eine Nachricht kommt, über irgendwelchen Imagekampagnen, passt ein Erfahrungsbericht sehr gut um die Hauptgründe zu erodieren. Und diese liegen (zumindest im Krankenhaus) nicht bei der Bezahlung.