- Die Gesundheitsausgaben in Deutschland bezogen auf das BIP sind im internationalen Vergleich auf einem hohen Niveau. Ironischerweise geben die USA noch sehr viel mehr Geld aus (2016 17,1% des BIP versus 11,1% in Dtl.), haben dabei aber eine deutlich schlechtere Gesundheitsversorgung für ihre Bürger.
Ja, sowohl das deutsche als auch das amerikanische Gesundheitssystem sind berühmt oder besser gesagt berüchtigt dafür, extrem teuer zu sein. Das amerikanische ist auch hervorragend - aber nur für Leute, die es sich auch leisten können. Noch immer gibt es dort Leute ohne Krankenversicherung. Im Schnitt ist es also auch nur mäßig.
Das deutsche deckt zwar im Prinzip alle Bürger mit ab, bewegt sich aber im internationalen Vergleich auch eher im Mittelfeld als an der Spitze (auch wenn gern anderes behauptet wird). So war z. B. das britische ähnlich effizient wie das deutsche, aber deutlich billiger. Das lag daran, weil dort weit weniger teure Apparatemedizin benützt wurde, die Diagnostik aber trotzdem ähnlich gut war wie bei uns, indem die Ärzte mehr auf herkömmliche Art untersuchten. Daß man das dortige bislang sehr gute System inzwischen heruntergewirtschaftet hat und auf dem besten Weg ist, es kaputtzusparen, steht auf einem anderen Blatt - auch ein steuerfinanziertes System kann man kaputtmachen.
- Dass ich trotzdem den Begriff "Kostenexplosion" für treffend halte, entnehme ich der Tabelle der Daten aus Deutschland (s.o.). Dort kann man die Daten im Zeitverlauf nicht nur bezogen auf das BIP sehen, sondern auch die Gesamtausgaben in Mio. € und die Gesundheitsausgaben je Einwohner in €. Der Anstieg bezogen auf den Anteil am BIP ist tatsächlich nicht so aufällig und liegt, wie Romsen richtig aussagt bei unter 1% seit 2005.
Die nackten Zahlen sehen aber dtl. beeindruckender aus: von 2005 bis 2016 liegt ein Anstieg der Gesamtausgaben von >47% vor, geht man zurück ins Jahr 1992 ist es sogar ein Anstieg von 123%. Bei den Gesundheitsausgaben/Einwohner sieht es damit natürlich genauso aus. Die realen Kosten sind also durchaus stark angestiegen, da aber gleichzeitig die Wirtschaftsleistung in Dtl. ebenfalls gut gewachsen ist, ist der Anstieg am BIP nicht so auffällig.
Meiner Ansicht nach sagen die nackten Zahlen eher wenig aus, u. a. wegen der Inflation, und wie Du ja selber schon schreibst, wegen der gestiegenen Wirtschaftsleistung insgesamt.
Und sollte da tatsächlich irgendwas gestiegen sein, dann garantiert nicht wegen der Pflege - im Gegenteil, die wurde seit den 90ern konsequent kaputtgespart, die "schönen" Resultate können wir jeden Tag sehen...
Und am Ende solcher Zahlenjonglierereien bleibt die Frage: setzen wir das vorhandene Geld wirklich vernünftig ein?
Ich bezweifele das stark...
Zustimmung!
Ich sag nur: Überteuerte Arzneimittel, sinnlose und teure radiologische Untersuchungen...
Auf der anderen Seite z. B. Länder wie die skandinavischen, die einen deutlich höheren Anteil an ihrem jeweiligen BIP für die Pflege einsetzen als wir!