Es geht im Kern darum, dass viele Pflegekräfte eine Kammer mit ihren Aufgaben nicht als ihre Interessenvertretung sehen.
Da sprichst du große Worte gelassen aus.
Die Ursachen dafür sind aber vielfältig. Leider wird das "kostet Geld" Argument ohne Hinterfragen und Hintergrundwissen als häufigstes Gegenargument genannt und von den Lobbygruppen, die Nachteile durch eine Pflegekammer haben könnten, ausführlich genutzt.
Beispiele dafür sind :
Gewerkschaften, da sie als Gesprächspartner nur noch für Gehälter und Arbeitszeiten zuständig sind. Diskussionen über Personaluntergrenzen müssen (bei einer Bundespflegekammer) auch mit dieser geführt werden, da eine Kammer die Tätigkeiten, die eine examinierte Pflegekraft in welcher Zeit tun darf, festlegen kann. Alles was gesetzlich nicht festgelegt ist kann eine Kammer empfehlen. Sollte es dann zu einem Zwischenfall kommen ist diese Empfehlung rechtsverbindlich.(Siehe Beispiele der Ärztekammer)
Arbeitgeberverbände, da sie keinen Einfluß mehr auf die Inhalte von Aus-und Weiterbildungen mehr haben. Außerdem kann eine Kammer Tätigkeiten als "nicht delegierbar" festlegen. Somit muss ein AG die Stellen eventuell mit Fachkräften besetzen, die er zur Zeit mit Hilfskräften belegt.
Krankenkassen, weil sie bei Entgeldverhandlungen einen weiteren Partner am Tisch sitzen haben. Zur Zeit sprechen Gewerkschaften und Arbeitgeber "für" die Pflege. Somit ist bei Verhandlungen ums Geld der "Sparfaktor" immer leicht festzulegen.
Allen Gruppen fällt auch ein zweiter wichtiger Faktor weg: MACHT !!! Denn die Pflegekammer ist rechtlich der einzige Ansprechpartner für Regierungen, wenn es um pflegerische Fragen geht. Da es zur Zeit keine Interessensvertretung gibt, werden unsere Interessen von den oben genannten Gruppen "mit vertreten".
Natürlich dauert es, bis die Grundstrukturen stehen und die Pflegekammern sich um "die Highlights" wie beispielsweise "nicht delegierbare Tätigkeiten", und die damit verbundenen Elemente (wie dadurch entstehende Peronaluntergrenzen) kümmern können. Denn rechtlich müssen sie zuerst "ihre Hausaufgaben" machen und z.B. rechtlich verbindliche Aus -und Weiterbildungsverordnungen schaffen. Dazu sind sie rechtlich verpflichtet.
Natürlich können wir auf das alles verzichten. Aber dann darf sich aus unseren Reihen niemand mehr beschweren:
- wenn die Tätigkeiten von Ärzten und Arbeitgebern festgelegt werden.
- wenn Prüfungen von Fachfremden (z.B. Ärzten) festgelegt werden
- wenn Weiterbildungen nur noch dann angeboten und gemacht werden, wenn der AG was davon hat ( ich weiß, hört sich seltsam an. Aber ich kenne noch Zeiten, wo AG dich ausgelacht haben, wenn du eine Weiterbildung machen wolltet. Ging nur in der Freizeit. Es gab ja genug alternative Pflegekräfte, die "auf so einen Blödsinn" verzichtet haben)
- Wenn Pflegekräfte nach 20 Jahren weiter so arbeiten, wie sie es irgenwann einmal gelernt haben. Weil Weiterbildung "nervt"
- wenn wir auch langfristig von Ärzten und Verwaltungen nur "die Reste" bekommen. Denn sie haben mit uns die perfekte Gruppe derjenigen, die in keiner wichtigen Verhandlung mit am Tisch sitzen.
Und JA, bisher hat sich auch in Rheinland-Pfalz noch wenig getan, was man auf den ersten Blick sieht. Dazu sind solche (politischen) Gebilde zu schwer zu durchschauen. Solche Dinge brauchen Zeit.
Ich wünsche mir, dass es genug Pflegende gibt, die etwas weiter sehen. Denn für mich wird es in meinen übrigen etwa 15 Arbeitsjahren wenig greifbare Veränderungen durch eine Kammer geben können. Trotzdem bezahle ich heute schon freiwillig meinen Beitrag. Ich kann natürlich falsch liegen. Aber es nicht einmal mit einer eigenen Kammer zu versuchen würde bedeuten: langfristig weiterhin von anderen sagen lassen, was wir tun und wer wir sind und DEN MUND HALTEN.
Nachdenklich
Einer