News Pflege: Fluch und Segen der Personal-Untergrenzen

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Verpflichtende Personalschlüssel für den Pflegedienst einzuführen finden selbst viele Klinikmanager richtig. Aber wie soll die richtige Zahl bemessen werden und vor allem, wo sollen die Pflegekräfte kurzfristig herkommen?

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"Es muss explizite Ausnahmeregelungen bei Nichtverfügbarkeit von Personal und unvorhergesehenen Notfällen geben", fordert Schmidtke."
Nein, auf gar keinen Fall.:dudu::deal:
"Es müssen jetzt schon wegen Personalmangels Stationen geschlossen werden, die Patienten werden dann durch ganz Bayern geschickt und keiner will sie aufnehmen", beschrieb Schmidtke die Situation, wie sie sich schon heute darstellt. Wie soll es dann erst nach der Einführung der Untergrenzen weitergehen?"
Dann muß es eben gnadenlos Schließungen und Bettensperrungen geben. So lange, bis genügend Pflegepersonal da ist.
Aber wie soll die richtige Zahl bemessen werden (...)?
Warum fragt man denn nicht bei sowas die Experten? Sprich Berufsverbände, den deutschen Pflegerat, pflegewissenschaftliche Institute?
 
@Martin H.,
aber er ist doch Experte - z.B. für Geldeinsparen und Gewinnmaximierung
Oder meintest du Pflegeexperte? :cheerlead:
 
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Oder meintest du Pflegeexperte?
Zum Beispiel. 8-)
Also halt Leute, die sich mit den fachlichen Erfordernissen der Personalbesetzung auskennen und nicht nur pauschal auf "so billig wie möglich" pochen.
Ich halte es daher auch für ein absolutes No-Go, daß Institutionen wie die DKG und die Kassen das quasi im Alleingang auskarteln.
 
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Den Satz finde ich immer witzig

""Für zielgenaue Personaluntergrenzen fehlen bisher die empirisch ermittelten und evident belegbaren Grundlagen
", kritisierte der Vorstandsvorsitzende des Klinikums Augsburg, Alexander Schmidtke. Fakt ist aber, dass eine bessere Personalausstattung zu besseren Ergebnissen führt."


Erinnert mich immer ein bisschen an den Satz:" Eine 50 % Fachkraftquote ist nicht wissenschaftlich begründet worden", aber Studien zeigen eindeutig, dass --> höhere Qualifikation = bessere Ergebnisse.

Drehen sich halt auch immer im Kreis mit ihrem Bullshit Bingo.
 
Den Satz finde ich immer witzig

""Für zielgenaue Personaluntergrenzen fehlen bisher die empirisch ermittelten und evident belegbaren Grundlagen
"
Klar, in Deutschland fehlen da bisher die Erfahrungen - da es das ja vorher noch nicht gab (ich glaub, einzige Ausnahme war bisher die Neonatologie (?)). Von daher ja mein Vorschlag, Leute mit Fachkenntnissen wie eben z. B. Berufsverbände/pflegewissenschaftliche Institute zu befragen. Nötigenfalls kann man Erfahrungen/Studien aus dem Ausland dazu heranziehen. Der Personalschlüssel muß ja auch nicht zwingend überall gleich sein; logisch wäre, in Bereichen wie Intensiv/IMC/Neurochirurgie/Neurologie/Innere etc. deutlich höhere Personaluntergrenzen zu setzen, als z. B. in der Augenklinik, Orthopädie etc.
Wichtig ist aber, daß auch in den Bereichen mit niedrigerer Personaluntergrenze überhaupt eine solche vorhanden und auch sinnvoll gesetzt ist - nicht daß dann bei Bedarf das Personal aus den Bereichen "wo ja eh nichts los ist" in die "pflegesensitiven Bereiche" nach Belieben abgezogen wird! :dudu:
 
Auch in Frankreich gibt's das nicht, ausser für einige Bereiche, wovon die Dialyse zum Glück einer ist (wer Französisch kann: Ratio d'IDE par patients en hémodialyse). Hier sind, sehr zum Gegrummel auch unseres Unternehmens, die Zahlen festgeschrieben (eine Pflegekraft für 2,6 Patienten) und dürfen nicht unterschritten werden. Dieser Schlüssel ermöglicht in einem Schwerpunktzentrum normalerweise ein sicheres Arbeiten.
Auf "klassischen" Stationen sieht es so ähnlich aus wie in Deutschland. Der tarifgebundene Öffentliche Dienst hat kein Geld mehr und spart am Personal. Die "Privaten" haben zwar mehr Geld, sparen aber auch, weil sie ja was verdienen wollen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Wer mal da reinschauen mag, find ich ganz gut - was die Übersicht anbelangt:
Leistungserfassung in der Pflege® (LEP®) – PflegeWiki
Diese Leistungserfassung wurde in der Klinik vor > 5 Jahren nach und nach eingeführt, ich selber hatte damit jedoch nix mehr zu tun. Fast alle Abteilungen verwenden sie inzwischen.
Damit hat man einen immensen Berg an Zahlen, Fakten, wo der gehortet und warum er nicht verwendet wird wird - DAS ist die Frage.
Damit kann konkret, auf die Klinik & auf die jeweiligen Abteilungen zugeschnitten - der Bedarf an Fachpersonal abgebildet werden.
Muss man nich das Rad neu erfinden oder so tun als ob man keine Ahnung hat, weil das klingt in meinen Ohren mehr als scheinheilig.
Wer so tut, als ob aktuell halbwegs stimmig der Personalbedarf gar nicht erfassbar ist, oder erst in seiner Perfektion angewendet werden sollte, kann und darf - :schraube:.
Wer sich hinstellt und so tut als ob man nicht längst wüsste, dass vielerorts das vorhandene Personal den deutlichst gestiegenen Aufwand nicht stemmen kann - :schraube:.
Als ich gelernt habe, kannte ich weder das Wort Noro, noch MRSA, noch war MRE oder MRGN relevant - alles beinhaltet Mehraufwand, erheblichen. Kommt zu vielen anderem (mehr hochaufwändig zu Versorgende, mehr Diagnostik, mehr Therapie, halbierte Verweildauer...) halt - auch - noch dazu, heute.

Zu jedem erfassten Mist (davon gibt es überall viel) KANN man für die entsprechenden Stellen eine wie auch immer geartete Statistik erstellen - findet man dann z.T. z.B. in den strukturierten Qualitätsberichten, den die Kliniken alle 2 Jahre veröffentlichen müssen, inzwischen. Mit Spannung warte ich da ümmer drauf, was in unserem so drin steht.
Theoretisch kann auch jeder mit der veralteteten, einfachen Abbildung namens PPR eine grobe Übersicht erstellen, dort wo z.B. LEP noch nicht eingeführt wurde.
Hat man doch früher auch, womit kontinuierlich ersichtlich war - was jeder auch durch die farbliche Unterscheidung schnell wusste - wir haben sehr, sehr viel zu tun, wenn wir z.B. 15 Patienten zu betreuen haben die in A3 eingestuft sind.
PPR hat man täglich erfasst - bis ... ja warum hat man das eingestellt?
Im System ist die Möglichkeit dazu immer noch hinterlegt, ist halt leer.
O.k., der Gedankengang ist nicht nett, weswegen ich das nicht weiter ausführen möchte, möge sich jeder seinen Teil denken.
Wenn man nu jault - wir haben nicht genügend finanzielle Ressourcen für das Personal - wieso haut man die Fakten denn nicht denjenigen um die Ohren die dafür verantwortlich sind?
Auch diesen Gedankengang - möge jeder selber weiterführen, wenn er sich vor Ort umschaut, wie sich Strukturen verändert haben, WO enorme Investitionen getätigt wurden, dabei mein ich nicht nur baulich, sondern auch u.a. in den Manager für dieses und jenes.

Angenommen, es käm die Mindestbesetzung, die mehr Kosten verursacht, wo müsste was wegfallen - Geld fällt ja bekannter Maßen nicht vom Himmel, dort wo es bislang versickert - wird es keiner freiwillig rausrücken, ohne gesetzliche Vorgaben.
Sprich, im ganzen System müsste sich gewaltig was ändern. Will man das, sieht man denn nicht die Notwendigkeit dazu, endlich mal für die Zukunft die Weichen zu stellen?
Mir fällt es mehr denn je schwer das zu erkennen, ohne irgendjemand an den Pranger stellen zu wollen - was sehr einfach wär, aber nicht fair. Was möglich ist, wird gemacht. Weil die legalen Voraussetzungen geschaffen wurden. An viel zu vielen Stellen.
Jugendliche Naivität - hatte so ihre Vorteile.

Was man ja auch gemacht hat, vor einigen Jahren - die DRG's eingeführt, übernommen von den Australiern. Mit entsprechenden Hintergedanken und Zielen vor Augen.
Ebenfalls in Australien GIBT es - etabliert - Instrumente mit denen TÄGLICH der Bedarf an Pflegepersonal erfasst wird. Ist der Bedarf höher als der vorhandene - gibt es mehr Personal. Punkt. Der Staat kontrolliert, ob die (fast ausschließlich staatlichen) Kliniken sich dran halten - ohne Vorwarnung (freilich, sonst taugt das ja nix) - wenn nicht, hat das finanzielle Konsequenzen. Punkt.

Prof. Michael Simon (den ich auch schon persönlich auf Vorträgen erlebt habe) fällt da m.M.n. sehr positiv auf, was das Thema betrifft, wer will kann mal in den Veröffentlichungen von 2017 stöbern, z.B. mit diesen Titeln:
  • "Ein internationaler Überblick über staatliche Vorgaben zu einer Mindestbesetzung im Pflegedienst der Krankenhäuser. Working Paper der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 27, Februar 2017."
  • "Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Forschung zur Frage eines Zusammenhangs zwischen der Personalbesetzung im Pflegedienst und der Ergebnisqualität deutscher Krankenhäuser"
HsH - Fakultät V - Personen - Simon, Michael, Prof. Dr. phil. (Prof.)

Irgendwann muss mal Schluss sein. Jetzt :-).
 
Wer mal da reinschauen mag, find ich ganz gut - was die Übersicht anbelangt:
Leistungserfassung in der Pflege® (LEP®) – PflegeWiki
Diese Leistungserfassung wurde in der Klinik vor > 5 Jahren nach und nach eingeführt, ich selber hatte damit jedoch nix mehr zu tun. Fast alle Abteilungen verwenden sie inzwischen.
Damit hat man einen immensen Berg an Zahlen, Fakten, wo der gehortet und warum er nicht verwendet wird wird - DAS ist die Frage.
Damit kann konkret, auf die Klinik & auf die jeweiligen Abteilungen zugeschnitten - der Bedarf an Fachpersonal abgebildet werden.
Muss man nich das Rad neu erfinden oder so tun als ob man keine Ahnung hat, weil das klingt in meinen Ohren mehr als scheinheilig.
:up:
LEP - super Hinweis; dieses Leistungserfassungssystem stammt aus der Schweiz und funktioniert dort seit Jahren bestens. Es ist m. W. viel umfassender als unsere alte PPR.
Das meinte ich z. B. mit meinem Hinweis weiter oben, man möge wegen entsprechender Vorerfahrungen (die es in D noch nicht gibt, u. a. weil man das auch lieber nicht so genau wissen wollte) evtl. auch einen Blick ins Ausland werfen, wo es ganz vieles bereits gibt! 8-)
Wie Du schon richtig schreibst: Man muß nicht das Rad neu erfinden und so tun, als wüßte man ja gar nicht, wie man das einschätzen oder an entsprechende Zahlen rankommen sollte (heul, grein:cry:)...
 
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Ich bin seit '76 im deutschen Gesundheitswesen (und seit '59 Mitglied des deutschen Staates). Meine Erfahrung besagt: Wir Deutschen wissen alles besser und müssen daher jedes Rad neu erfinden, da die bisherigen nicht auf Deutschland übertragbar sind. :cheerlead:
Ist überspitzt und sarkastisch, aber so denke ich durch meine gemachten Erfahrungen
 
Meine Erfahrung besagt: Wir Deutschen wissen alles besser und müssen daher jedes Rad neu erfinden, da die bisherigen nicht auf Deutschland übertragbar sind. :cheerlead:
Ist überspitzt und sarkastisch, aber so denke ich durch meine gemachten Erfahrungen
Das trifft es leider häufig ziemlich gut; siehe z. B. Toll Collect: Obwohl es im Ausland genügend gut funktionierende und ausgereifte Mautsysteme gab, mußte man auch hier das Rad neu erfinden... :roll: Kam uns recht teuer zu stehen. So kann man Steuergelder auch verbraten.
 
Oder Ganztagsbetreuung.

Es gäbe sogar in Deutschland funktionierende Systeme - aber nein - jede Schule probiert es irgendwie, anstatt sich die Schulen anzusehen, die es seit Jahrzehnten sehr gut machen. Denn die gibt es.
 
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Ich gestehe, dass ich das 114 Seiten umfassende Werk von Michael Simon (Pflegepersonal-Ergebnisqualität, Oktober 2017) vorab noch nicht gelesen hatte, nur ganz grob überflogen.
Was mich die ganze Zeit schon irritiert hat - wie man pflegesensitive Bereich ausmachen will, künftig für den Bedarf. Darauf liefert Simon sehr detailliert Antworten, die als Nebenaspekt einerseits auf einen sehr speziellen (& mir sympathischen) Humor schließen lassen, andererseits aber schon auch ganz schön erschrecken. Wenn DAS die Bemessungsgrundlagen werden sollen, gut Nacht.
Was m.M.n. Simon auszeichnet in allen seinen Veröffentlichungen - sogar ich komme problemlos damit zurecht, sprich: Andere, an entscheidender & relevanter Stelle, könn(t)en es auch.
 
Wie schon erwähnt, sind die Kapitel über die Studie des RWI sowie die Schreyögg/Milstein Expertise.

Im Bereich der Identifikation der "pflegesenstitiven" Bereichen besteht also noch einiges an Forschungsbedarf. National sowie International.