Nachtbesetzung

malu68

Poweruser
Registriert
29.01.2011
Beiträge
1.029
Ort
NRW
Beruf
Krankenschwester, Fachwirt f.amb. med. Versorgung
Akt. Einsatzbereich
ZNA
Funktion
kommissarische Leitung ZNA
In unserer ZNA (Haus mit knapp 200 Betten) arbeiten wir nachts als alleinige Pflegekraft. Ohne Schüler, Praktikant oder sonst wen.
10 Stunden ohne Pausenregelung. (Dass das ein heisses Eisen ist, weiß ich, wird aber scheinbar von der Betriebsleitung ignoriert oder toleriert.....)
Mir geht es jetzt um die Frage, welche Argumente / Zahlen es braucht, um einen zweiten Nachtdienst zu begründen.
Laut der Statistik haben wir 2,1 Patienten pro Stunde in der Nacht, und diese Zahl würde einen zweiten Nachtdienst nicht rechtfertigen.

Das Argument, dass wir schließlich keine Zahlen, sondern Menschen behandeln, zieht natürlich nicht.
Es ist aber leider so, dass die Patienten teilweise sehr pflegeaufwändig / dement und damit auch sehr zeitintensiv sind. Auch befinden sich des öfteren renitente alkohol- oder sonstig abusus-betreibende Menschen bei uns.
Da wir dann auch noch die Patienten selbst zum Röntgen / CT fahren müssen, und der dortigen MTRA, die auch alleine Dienst schiebt, beim Umlagern etc helfen müssen, ist die ZNA hin und wieder minutenlang nicht besetzt. (Manchmal verbleibt der diensthabende Arzt in der ZNA)
Eine Kollegin berichtete mir jüngst, dass sie, als sie mit einer Pat vom Röntgen zurückkam, durch die Scheibe (die Ambulanz ist durch den Flur vom Rö durch eine Glasscheibe einsehbar) sah, wie ein dementer Pat im Untersuchungsraum über das Gitter der Liege zu klettern versuchte. Ihr blieb beinah das Herz stehen.....

Bei diesen 2,1 Pat/Stunde ist in feinster Weise der Aufwand ersichtlich und es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis da mal was schief geht. Uns allen ist der Nachtdienst alleine ein Graus, und jeder ist froh um jeden Nachtdienst, der ohne größere Zwischenfälle vorbei geht.

Manchmal gibt es natürlich auch ruhige Nächte, in denen sich gerade mal eine Handvoll Patienten zu uns verirren. Aber davon kann man nicht ausgehen. Es ist nunmal in einer ZNA so, dass keine 100% Auslastung des Personals zu jeder Zeit statt findet.
Ist hier nicht eine "prophylaktische Vorhaltung" zu rechtfertigen? Man kann ja durchaus pflegeferne Tätigkeiten, Bestellungen von Medis und Lagerartikeln sowie Kontrollen / Auffüllen von Vorräten in die Nacht verlegen, die im Tagdienst auch regelmäßig zu kurz kommen.....


Habt ihr da evtl noch Argumente pro zweitem Nachtdienst, oder steh ich auf verlorenem Posten?
 

AntjeX

Senior-Mitglied
Registriert
28.05.2009
Beiträge
157
Beruf
Krankenpflege
Argumente für einen zweiten ND habe ich keine aber ich würde mich mal erkundigen, wie die rechtliche Lage ist.

Was ich sofort machen würde, dafür sorgen, dass es eine Pausenregelung gibt.
Was die Betriebsleitung ignoriert oder nicht, wäre mir ziemlich egal.

Als zweites würde ich mir schriftlich geben lassen, dass die ZNA zeitweise nicht besetzt ist, wenn das nicht schon
in euren Arbeitsanweisungen fixiert ist, dass ihr zum Röntgen rüber müsst.

Darüber hinaus würde ich jede Überbelastung schriftlich anzeigen, wie renitente Patienten etc.
 

Resigniert

Poweruser
Registriert
27.12.2012
Beiträge
947
Beruf
GuK
Akt. Einsatzbereich
Innere Medizin
Argumente für einen zweiten ND habe ich keine aber ich würde mich mal erkundigen, wie die rechtliche Lage ist.

Was ich sofort machen würde, dafür sorgen, dass es eine Pausenregelung gibt.
Was die Betriebsleitung ignoriert oder nicht, wäre mir ziemlich egal.

das Thema haten wir schon mal für diese ZNA - dies empfindet niemand als Problem :kloppen:
 

-Claudia-

Board-Moderation
Teammitglied
Registriert
04.09.2004
Beiträge
12.310
Ort
Ba-Wü
Beruf
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Chirurgie
Funktion
Pflegeexpertin ANP
Die Nicht-Besetzung der Notaufnahme, während ihr Patienten zu Untersuchungen bringt, halte ich für problematisch. Was, wenn einer der 2,1 Patienten pro Stunde just dann zur Tür hineinmöchte? Welches Bild gibt das für Außenstehende?

Dagegen ist der demente Patient, der aus dem Bett klettert, auf vielen Allgemeinstation Alltag. Und da hast Du noch nicht mal das Sichtfenster von einem Raum zum anderen. Du wirst, egal bei welcher Besetzung, niemals alle Unfälle verhindern können.
 

malu68

Poweruser
Registriert
29.01.2011
Beiträge
1.029
Ort
NRW
Beruf
Krankenschwester, Fachwirt f.amb. med. Versorgung
Akt. Einsatzbereich
ZNA
Funktion
kommissarische Leitung ZNA
Nur zu meiner Info: Gibt es für Normalstationen nicht die Order, dass man die Station nachts nicht verlassen darf?
 

malu68

Poweruser
Registriert
29.01.2011
Beiträge
1.029
Ort
NRW
Beruf
Krankenschwester, Fachwirt f.amb. med. Versorgung
Akt. Einsatzbereich
ZNA
Funktion
kommissarische Leitung ZNA
das Thema haten wir schon mal für diese ZNA - dies empfindet niemand als Problem :kloppen:
Ich muss jetzt mal ganz naiv fragen: Ist es denn wirklich überall so, dass nachts eine Pausenablöse gewährleistet ist????

Selbst wenn bei uns ein Springer käme.... der kennt sich nicht aus, findet nichts und selbst die von Station können keine Patienten ins System aufnehmen... das können nur ITS und die anderen Funktionsabteilungen...
Also wäre das im Notfall, wenn in der Pause jemand mit nem akuten Infarkt etc vor der Tür steht - oder wie jetzt schon zweimal im Tagdienst passiert- zyantotisch im Rollstuhl von Angehörigen angekarrt wurde - auch keine Hilfe und der reguläre ND müsste wieder ran.....
 

-Claudia-

Board-Moderation
Teammitglied
Registriert
04.09.2004
Beiträge
12.310
Ort
Ba-Wü
Beruf
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Chirurgie
Funktion
Pflegeexpertin ANP
Nur zu meiner Info: Gibt es für Normalstationen nicht die Order, dass man die Station nachts nicht verlassen darf?
Nein, nicht das ich wüsste. Ich habe einmal in einer Klinik gearbeitet, da half man sich auf den Stationen gegenseitig, wenn es eine zweite Pflegeperson brauchte. Dazu musste natürlich einer seine Station verlassen. Die Klingeln ließen sich deshalb zusammenschalten.

Aber da ich bisher (je nach Haus) nachts für acht bis 24 Patienten zuständig war, die natürlich nicht alle in einem Zimmer lagen, konnte ich, auch wenn ich auf Station blieb, nicht alle Patienten gleichzeitig im Auge behalten. In zwanzig Jahren Pflegeerfahrung sind mir so mehrere Patienten aus dem Bett gestürzt. Nicht, dass ich das schön fand, aber ich konnte es nicht immer verhindern.
 

Resigniert

Poweruser
Registriert
27.12.2012
Beiträge
947
Beruf
GuK
Akt. Einsatzbereich
Innere Medizin
Ich muss jetzt mal ganz naiv fragen: Ist es denn wirklich überall so, dass nachts eine Pausenablöse gewährleistet ist????

Nein, aber wir sind dafür, dass es kommt und arbeiten daran, es sind auch nur noch 2 Stationen betroffen
In deinem vorherigen Thema war es allgemein nicht gewünscht von den Schreibern.
Dies durchzusetzen wäre auch der erste Schritt für eine nächtliche Zweierbesetzung, da die Pause ein Gesetzliches Muss ist.
Die 2. Kraft kann ja durchaus bei Leerlauf als Springer im Haus helfen, aber eben in der ZNA eingearbeitet und kompetentes Mitglied sein.
 

-Claudia-

Board-Moderation
Teammitglied
Registriert
04.09.2004
Beiträge
12.310
Ort
Ba-Wü
Beruf
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Akt. Einsatzbereich
Chirurgie
Funktion
Pflegeexpertin ANP
Die 2. Kraft kann ja durchaus bei Leerlauf als Springer im Haus helfen, aber eben in der ZNA eingearbeitet und kompetentes Mitglied sein.
Man müsste nicht unbedingt die ganze Nacht zu zweit sein. Eine Hauptnachtwache, die z.B. die Patienten zum CT bringt und sonstige Aufgaben erledigt, könnte auch eine Pausenablösung übernehmen. Eine Art hausinterner Springer, die überall da hilft, wo gerade Not am Mann ist.
 

Martin H.

Poweruser
Registriert
03.12.2016
Beiträge
3.636
Ort
Bayern
Beruf
Krankenpfleger
Akt. Einsatzbereich
Suchthilfe
Nur zu meiner Info: Gibt es für Normalstationen nicht die Order, dass man die Station nachts nicht verlassen darf?
Selbst wenn’s so wäre:
Was hilft Dir das, wenn am einen Ende der Station der demente Pat. aus dem Bett fällt, Du aber grad am anderen Ende bist? Davon kriegst Du null mit.
 
  • Like
Reaktionen: -Claudia-

Jillian

Poweruser
Registriert
29.10.2013
Beiträge
742
Beruf
GuKP
Akt. Einsatzbereich
Covid-Station
Nur zu meiner Info: Gibt es für Normalstationen nicht die Order, dass man die Station nachts nicht verlassen darf?

Die Order gibt es bei uns durchaus, ist aber nicht das Papier wert auf dem sie geschrieben steht. Es ist praktisch unmöglich das einzuhalten. Von Pausenablösung träumen wir schon sehr lange, und einen verfügbaren Springer hat man nur mit sehr viel Glück.
Wenn kritische Situationen auftreten, kann ich mich nach wie vor nicht zerteilen. Meldung schreiben hat sich bewährt um wenigstens den eigenen Ar*sch zu retten.
 

AntjeX

Senior-Mitglied
Registriert
28.05.2009
Beiträge
157
Beruf
Krankenpflege
Bei mir gibt es auch keine Pausenablöse weil dann müsste ein Kollege nachts aufstehen und von zu Hause kommen.
Hatten wir ja schon mal das Thema.
Aber es gibt eine offizielle Pausenregelung. Wir bekommen die Pause bezahlt und ich kann die auch nehmen.
Wenn nicht, würde ich mir die Zeit ganz sicher aufschreiben und wäre längst dagegen vorgegangen, wenn das vorkommen würde.
Im Notfall bin ich natürlich erreichbar, das ist kein Problem für mich.

Ein großes Problem für mich wäre es, wenn ich mehrmals im Monat um die 50 km nachts fahren müsste um
einen Kollegen für seine Pause abzulösen.
Dann hätte ich mir längst einen neuen Job gesucht.

Leuten, die ihre Pausen abgezogen bekommen von der Arbeitszeit und dann noch ohne Pause durcharbeiten oder auch bezahlte
"Pausenzeit" durcharbeiten, kann ich nur sagen, wehrt euch endlich.

Wenn man nachts nicht alleine im Haus ist, dann muss das klappen mit der Pausenablösung.
Wenn die Leute sich dann nicht auskennen ist das Sache des Arbeitgebers, nicht die der Kollegen.

Dass man die Station nicht verlassen darf bei einer Pause, das kenne ich nicht, würde ich auch nicht mitmachen.
 

niesreiz

Stammgast
Registriert
30.05.2008
Beiträge
314
Beruf
GuK für Notfallpflege, Student Berufspädagogik
Akt. Einsatzbereich
Interdisziplinäre Notaufnahme
Funktion
Praxisanleiter, MPG-Beauftragter
In deutschen Notaufnahme muss innerhalb der ersten 10 Minuten nach Eintreffen neuer Patient*innen eine qualifizierte Triage erfolgen. Steht so im g-ba-Beschluss (§ 12 Abs. 2) und ist auch für die organisatorische Ebene bindend, weil diese die Einhaltung dieser Richtlinie ermöglichen muss. Wenn du - aus welchem Grund auch immer - nicht jeden Patienten / jede Patientin innerhalb dieser ersten 10 Minuten einer qualifizierten Ersteinschätzung unterziehen kannst, reicht entweder der Personal nicht oder die Struktur ist fehlerhaft.

Ein weiteres Argument wäre der Facharztstandard, der z.B. (ebenfalls) in den ersten 10 Minuten nach Eintreffen von Patient*innen mit dem Leitsymptom Thoraxschmerz ein 12- bzw. 15-Kanal-RuheEKG + Befund durch die diensthabende Ärzte verlangt. Das Personal oder die Struktur muss so angepasst werden, das diesem Anspruch Sorge getragen werden kann. Hier sollte vor allem der ärztliche Leiter / die ärztliche Leiterin Druck machen, dass diese zeitkritische Ausschlussdiagnostik zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar ist.

Pausenablösung würde ich über den Personal-/Betriebsrat erwirken. Natürlich kann man sich das bezahlen lassen, dass man keine Pause macht und die Füße still halten. Wenn aber etwas passiert und es klagt jemand, fliegt einem dieses Konstrukt höchstwahrscheinlich gehörig um die Ohren. Ein Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin, welche keine Möglichkeit hatte eine Pause zu machen bzw. keine Pause gemacht hat (obwohl es das Gesetz verlangt) und einen Fehler macht, das kann schnell teurer werden, als ein zweiter Nachtdienst oder eine sinnvolle Ruf- oder Bereitschaftsdienstregelung.

usw... und so fort....

Der "verantwortungstragenden" Ebene sind diese Anforderungen bzw. die Umstände des Nachtdienstes (z.B.) in der Notaufnahme nicht immer so bekannt, bewusst bzw. transparent. Folge: schriftlich Anzeigen, auf die Missstände bzw. potentielle Gefährdung von Patient*innen mit der entsprechenden Argumentation hinweisen und den dringenden Handlungsbedarf gegen Unterschrift der Verantwortungstragenden anmahnen. Es darf am Ende keiner sagen können, dass er/sie das nicht gewusst hat, wenn etwas schief geht und jemand Schaden nimmt. Leider gibt es für die Notaufnahme noch keine Untergrenze fürs Pflegepersonal... vielleicht in ein paar Jahren - abwarten kann man das in meinen Augen aber nicht. ;)

Womit man argumentativ immer gut fährt, sind blanke Zahlen. Habt ihr irgendeine Möglichkeit eure Patient*innenzahlen mit z.B. der Fallschwere dieser oder eine Art "Pflegeminutenwert" für eure Arbeit in der Notaufnahme zu kombinieren. Wie soll ein Verantwortungsträger von euch verlangen können, dass ihr mehr arbeitet, als es zahlenmäßig überhaupt möglich ist. ;) Ein gutes Dokusystem bzw. aussagekräftige Kennzahlen sind hier der Trumpf in der Diskussion mit "oben". :deal:
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Like
Reaktionen: malu68

NetSpy

Newbie
Registriert
20.06.2003
Beiträge
5
Beruf
Fachkrankenpfleger
Akt. Einsatzbereich
Notaufnahme
Funktion
Leitung
Hallo Malu68,
neben der oben erwähnten zeitkritischen Triage würde ich auch den Arbeitssicherheitsbeauftragten mit ins Boot holen. Ich kenne deine Klinik und Klientel nicht, aber wenn ich hier an die aggressiven Intoxikationen denke, ist das nicht zu verantworten, alleine zu arbeiten.

Falls Ihr die Triage auswerten könnt:
- Wann nach Eintreffen wurde triagiert? Nicht innerhalb 10 Minuten?
- Wieviel der Patienten in Kategorie Rot, Orange, Gelb...?
2,1 Patienten/Nacht. In welchem Zeitraum? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst erstellt hast. Letztlich braucht es nur zwei "Rote" in der Nacht und du bist k.o.
 
  • Like
Reaktionen: malu68

Über uns

  • Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit mehr als 15 Jahren eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

Unterstützt uns!

  • Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!