Wir haben leider auch keine Stationsbesprechungen. Das Team ist sehr nett, ebenso die Stationsleitung, aber nachdem ich jetzt ein Jahr dort arbeite, stelle ich fest, dass ich mit einigen Dingen doch unzufrieden bin. Das sind oft nur Kleinigkeiten. Früher wurde z. B. der Termin für die nächste Blutabnahme von uns in die Kurve eingetragen, jetzt schreiben wir nur noch herein, wann die letzte BE erfolgte, und der Arzt soll den Termin für die nächste reinschreiben. Ich will jetzt hier gar nicht über Gründe diskutieren, warum das plötzlich so gemacht wird. Aber solche Sachen werden nicht als Dienstanweisung weitergegeben oder von mir aus auch einfach nur einen Zettel mit den Infos an die Pinnwand hängen, nein, es wird so peu à peu weitergegeben, bis es hoffentlich irgendwann alle wissen. Das ist nur ein Beispiel, davon gibt es aber einiges. Und wenn man z. B. durch Urlaub das Pech hatte, etwas nicht mitzukriegen, kommt dann auch schon mal ein dummer Spruch - gar nicht böse gemeint, wie gesagt, es ist ein nettes Team. Aber man kommt sich halt trotzdem blöd vor.
Ähnlich läuft es mit den Patienten. Wenn ich mehrere Tage am Stück Dienst habe, betreue ich meist die gleichen Patienten, ebenso meine Kollegen. Jeder von uns macht es dann letztlich so, wie er es für richtig hält. Auch hier gibt es keine groben Unstimmigkeiten, sondern auch nur Kleinigkeiten, z. B. das Rauchen. Wir sind eine geschlossene Station, also muss jemand mitgehen, wenn ein Patient rauchen will. Bei ein- und demselben Patienten läuft es dann u. U. eine Woche so, dass er nach Belieben rauchen darf, dann jede Stunde einmal, dann eventuell nur alle zwei Stunden einmal. Unsere Patienten sind im Allgemeinen Wochen bis Monate bei uns, und ich habe schon mal vorsichtig angefragt, ob man nicht mal Pflegevisiten machen könnten oder es zumindest ansatzweise mit Primary Nursing versuchen, damit einfach mehr Kontinuität in die Behandlung seitens der Pflege kommt. Leider sind die meisten meiner Kollegen schon seit zehn oder mehr Jahren auf der Station und trotz aller Nettigkeit wenig aufgeschlossen für Neuerungen. Unsere Stationsleitung sehe ich eher selten, zudem habe ich bisher noch einen befristeten Vertrag, so dass ich lieber nicht zu viel sage. Aber ich merke halt, dass mich die Situation auf Dauer frustrieren wird. Ich habe sogar schon mit dem Gedanken gespielt, mich woanders zu bewerben. Wir haben in der Nähe ein großes psychiatrisches Krankenhaus, das mich sehr reizen würde. Aber ich weiß ja nicht, was dann vom Team her auf mich zukommt.
Marlena