Menschenwürde unantastbar

@joerg:


Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Würde durch unsere Väter/Mütter, Großväter/mütter und Urgroßväter/mütter mit Schweiß, Blut und Tränen und auch unter Einsatz des eigenen Lebens erkämpft wurde.

Was sind wir bereit zu Tun um dieses Erbe, auch in Bezug auf unseren Beruf zu bewahren? - Ausser zu Jammern.

Die Pflegenden sind zu gar nix verpflichtet, ausser die Zustände zu erdulden und hinzunehmen, wenn sie den Allerwertesten nicht hoch bekommen.

Du solltest doch eigentlich meine Beiträge und meine Meinung mittlerweile kennen um festzustellen, dass das purer Sarkasmus war, oder?
 
Stellt sich dich die Frage: wo wird da bei wem die Menschenwürde verletzt? Der "Täter" kann die Situation net bewerten. Und ist es net auch im Sinne der Menschenwürde, dass ich solche kranken Menschen trotzdem als Mensch sehe und sie betreue nach bestem Wissen und Gewissen?

Menschenwürde ist sicher keine Einbahnstraße. Aber es kann vorkommen, dass einer sich verfährt und aus eigener Kraft net mehr umdrehen kann. Ich kann ihn jetzt ins Pflaster bügeln. ich kann aber auch anerkennen, dass ihm einfach die Fähigkeiten fehlen und versuchen ihm da zu begegnen, wo er steht. Und das sogar ohne jegliche Gegenforderung.

Elisabeth

Und wo bleibst DU dabei? Das grenzt ja auch an völlige Selbstaufgabe - die wir in anderen Threads immer so verteufeln...
 
Würde bedeutet Wertigkeit, Erhabenheit, Vornehmheit, Majestät erhabene Gesinnung, Autonomie und sittliche Selbstgesetzgebung; dem Menschen innewohnender Wert und innerer Rang, Menschenwürde; innere Haltung, die durch das Bewußtsein vom eigenen Wert oder von einer geachteten Stellung bestimmt wird; Echtheit. Ähnlich wie bei der Identität enthält Würde Selbstbild, soziale Aufgabe und Anerkennung durch bedeutsame Bezugspersonen sowie Selbstverantwortung. Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft ist Geistesfreiheit, und Würde heißt ihr Ausdruck in der Erscheinung. (Friedrich Schiller)

Würdigen bedeutet werten, anerkennen, achten, Achtung erweisen, respektieren, Respekt haben vor etwas, Respekt zollen, schätzen, hochschätzen, bewundern, von Bewunderung erfüllt sein für etwas, ehren, Ehrfurcht erweisen, in Ehren halten, Wert legen auf etwas. Weitere Begriffe, die damit in lockerem Zusammenhang stehen sind: Status, Ansehen, Bekanntheit, Beliebtheit, Berühmtheit, Namen, Popularität, Prestige, Renommee, Reputation, Ruf, Ruhm.

Ich denke, wir gehen konform, dass ein dementiell erkrankter Mensch net mehr in der Lage ist diese Aspekte zu überschauen und in sein Handeln einfließen zu lassen.

Wenn du die Pflege solcher Menschen als Selbstaufgabe empfindest, solltest du den Pflegebereich wechseln.

Wer pflegt um der Dankbarkeit willen, wird ganz schnell an seine Grenzen kommen.

Elisabeth
 
@Feli,
ich sehe das ganz genau so. Egal, ob jemand das bewußt tut oder ob er krank ist, ein Angriff auf mich verletzt meine Menschenwürde, ich kann das auch schlecht wegstecken. Es wird einfach eine Grenze überschritten.
Ich versuche das schon professionell zu behandeln, es bleibt trotzdem ein Problem.
Gruß, Marty
 
Ich denke, wir gehen konform, dass ein dementiell erkrankter Mensch net mehr in der Lage ist diese Aspekte zu überschauen und in sein Handeln einfließen zu lassen.

Wenn du die Pflege solcher Menschen als Selbstaufgabe empfindest, solltest du den Pflegebereich wechseln.

Wer pflegt um der Dankbarkeit willen, wird ganz schnell an seine Grenzen kommen.

Elisabeth

Egal, ob jemand das bewußt tut oder ob er krank ist, ein Angriff auf mich verletzt meine Menschenwürde, ich kann das auch schlecht wegstecken. Es wird einfach eine Grenze überschritten.
Ich versuche das schon professionell zu behandeln, es bleibt trotzdem ein Problem.
Gruß, Marty

Genau so wie Marty meinte ich das. Das hat überhaupt nichts mit Dankbarkeit zu tun! Ein Angriff auf die Menschenwürde bleibt, was es ist, egal, wer diesen verübt. Und gerade WEIL diese Menschen nicht in der Lage sind, diese Aspekte zu überschauen, ist es so schwer. Es bleibt eine Verletzung von jemandem, der dafür nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Und ja, das grenzt an Selbstaufgabe, denn ich muss meine eigenen Gefühle zurück stecken, denn sonst bekomme ich gleich gesagt, dass ich den Pflegebereich wechseln soll...
 
Zuletzt bearbeitet:
Kann ein Dementer werten, anerkennen, achten, Achtung erweisen, respektieren, Respekt haben vor etwas, Respekt zollen, schätzen, hochschätzen, bewundern, von Bewunderung erfüllt sein für etwas, ehren, Ehrfurcht erweisen, in Ehren halten, Wert legen auf etwas. Weitere Begriffe, die damit in lockerem Zusammenhang stehen sind: Status, Ansehen, Bekanntheit, Beliebtheit, Berühmtheit, Namen, Popularität, Prestige, Renommee, Reputation, Ruf, Ruhm.

Was greift er an- deine Wertigkeit, Erhabenheit, Vornehmheit, Majestät erhabene Gesinnung, Autonomie, deinen dir innewohnender Wert und innerer Rang. Greift er deine innere Haltung an, das Bewußtsein vom eigenen Wert, von einer geachteten Stellung?

Wenn er dies angreifen kann, dann lässt du den Angriff zu. Du wertest seine Handlungen al Angriff auf deine Person. In diesem Falle würdest du ihm die Menschenwürde verweigern.

Ist es net ein Zeugnis von Professionalität zu unterscheiden zwischen einem bewussten Angriff gegen meine Person und einem von mir so empfundenen Angriff durch einen Menschen der seine Handlungen net einschätzen kann? Der Laie wird hier keinen Unterschied sehen
Und Professionalität hat in meinen Augen nix mit Selbstaufgabe zu tun.

Wenn du das Zurücknehmen deiner Befindlichkeit, die Reflexion deiner Gefühle, das Abgrenzen in solchen Situationen als Selbstaufgabe verstehst, ists wirklich überlegenswert, den Pflegebereich zu wechseln. Auf die Dauer ist es net gut, sich zu verdrehen.

Elisabeth
 
Wenn er dies angreifen kann, dann lässt du den Angriff zu. Du wertest seine Handlungen al Angriff auf deine Person.
Elisabeth

Elisabeth, Du hast ja grundsätzlich Recht, aber ich bin - bei aller Professionalität - auch nur ein Mensch. Und als solcher darf ich auch Gefühle haben. Deine Argumente sind sachliche, rationale Argumente - wir bewegen uns da ergo auf zwei verschiedenen Ebenen.

Es ist ja auch nicht so, dass mich so ein Vorfall tagelang nicht loslässt und ich ewig darüber nachgrübeln muss. Nach so einem Ereignis gehen mir genau die Sachen durch die Kopf, die Du geschrieben hast, aber währenddessen empfinde ich eine Grenzüberschreitung.

Und wenn wir hier über Menschenwürde diskutieren, müssen die Gefühle der Pflegenden auch eine Rolle spielen...dürfen!
 
Und wenn wir hier über Menschenwürde diskutieren, müssen die Gefühle der Pflegenden auch eine Rolle spielen...dürfen!

Mir fällt spontan dazu ein anderer Thread ein, der das Thema glaub ich gut aufgreift: http://www.krankenschwester.de/forum/fachliches-pflegetaetigkeiten/21204-schwierige-patient.html

Ich denke, man muss sich selbst wert schätzen in so einer Situation und entscheiden: will ich das oder will ich das nicht. Kann ich das ertragen oder wird es mir zur Qual?

Und warum soll man als Pflegekraft net die Konsequenzen ziehen dürfen und sagen: nein, dass will ich nicht mehr. Warum darf man net wechseln, wenn man unter solchen Angriffen leidet? Ist man weniger professionell wenn man auf sich selbst und sein Bauchgefühl hört?

Elisabeth
 
Elisabeth, Du hast ja grundsätzlich Recht, aber ich bin - bei aller Professionalität - auch nur ein Mensch. Und als solcher darf ich auch Gefühle haben. Deine Argumente sind sachliche, rationale Argumente - wir bewegen uns da ergo auf zwei verschiedenen Ebenen.

Ja, genau da liegt der springende Punkt.
Ich kann nicht professionell fühlen, ich fühle als die Person, zu der mich meine biologische Ausstattung und die Summe meines Lebens gemacht hat. Ja, und ich bin unvollkommen. Das liegt in meiner Natur.
Ich kann professionell handeln. Das versuche ich zumindest.
 
Und warum soll man als Pflegekraft net die Konsequenzen ziehen dürfen und sagen: nein, dass will ich nicht mehr. Warum darf man net wechseln, wenn man unter solchen Angriffen leidet? Ist man weniger professionell wenn man auf sich selbst und sein Bauchgefühl hört?

Elisabeth

Ich leide und ich werde trotzdem nicht wechseln. Ich halte das aus, weil zu jedem Ding im Leben zwei Seiten gehören, die gute und die schlechte. Ich bin die, die freudig bewegt einer dankbaren Patientin die Medizin reicht, aber auch die, die manchmal durch knöcheltiefen Mist waten muß, bildlich gesehen.
Und erst in der Summe ergibt es ein vollständiges-menschenwürdiges- Bild.
 
Ich kann so oder so mit den Gefühlen umgehen. Ich kann zulassen, dass sie mich überschwemmen. Aber genauso kann ich mich abgrenzen.

Elisabeth
 
Zwischen "zeitweise an etwas leiden" und "überschwemmt sein" besteht ja nun ein himmelweiter Unterschied. Natürlich liegt die Gewichtung zwischen schönen und schlechten Momenten auf der positiven Seite. Ansonsten muß man wirklich gehen. Ich rede natürlich nur von mir.
 
Zwischen "zeitweise an etwas leiden" und "überschwemmt sein" besteht ja nun ein himmelweiter Unterschied. Natürlich liegt die Gewichtung zwischen schönen und schlechten Momenten auf der positiven Seite. Ansonsten muß man wirklich gehen. Ich rede natürlich nur von mir.

Geht mir genauso. Natürlich überwiegen die positiven Momente, und die negativen muss es ja auch geben - sonst wären die guten nur halb so gut. :emba:
Ich lass mich ja auch nicht von negativen Gefühlen überschwemmen, ich ärgere mich, versuche, die Dinge auf eine rationale Ebene zu bringen, und dann ist wieder gut.

Aber über den ersten Ärger muss man ja auch sprechen dürfen. Und Marty, der Satz:

Ich kann nicht professionell fühlen, ich fühle als die Person, zu der mich meine biologische Ausstattung und die Summe meines Lebens gemacht hat.
trifft es perfekt!
 
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