News Literaturliste zu Pflege und LSBTIQ* erschienen

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Das Thema "sexuelle und geschlechtliche Vielfalt" hat nun auch Einzug in die Rahmenpläne der Pflegeausbildung gemäß des neuen Pflegeberufegesetzes gehalten (Curriculare Einheit CE09).

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Und wie soll ein Schüler einen diversen Patienten, der sich als Mann fühlt aber biologisch und anatomisch eine Frau ist medizinisch und pflegerisch korrekt behandeln?
Oder haben Diverse Menschen einen eigenen Krankheits- und Anatomiekatalog?

Nicht jede jugendbewegung muss auch zwanghaft umgesetzt werden, nur weil man politisch korrekt sein will.
 
Interessanter finde ich die zukünftige Zimmerbelegung. Mir konnte man bis jetzt in meinem Haus nicht zufriedenstellend darlegen, nach welchen Kriterien ich einen diversen Menschen auf M/W-Patientenzimmer verteilen soll.
 
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Damit habe ich weniger Probleme. Auf einer ITS gibt es keine Trennung nach Geschlechtern oder Versicherungsstatus.
Apropos ITS: Beatme ich den oben genannten Pat. gemäss seiner Biologie als Frau und damit suficient, oder soll ich politisch korrekt sein und 'ihm' sein Gerät so einstellen , dass es zu einer Hyperkapnie kommen kann?

Dann hält 'er' zumindest die klappe und ich kann 'ihn' wenigstens richtig versorgen.
 
Interessanter finde ich die zukünftige Zimmerbelegung. Mir konnte man bis jetzt in meinem Haus nicht zufriedenstellend darlegen, nach welchen Kriterien ich einen diversen Menschen auf M/W-Patientenzimmer verteilen soll.
Hattet ihr das Problem denn schon mal? Falls ja, wie habt ihr es gelöst?
Apropos ITS: Beatme ich den oben genannten Pat. gemäss seiner Biologie als Frau und damit suficient, oder soll ich politisch korrekt sein und 'ihm' sein Gerät so einstellen , dass es zu einer Hyperkapnie kommen kann?
Ich denke, daß es hier nicht um biologische/anatomische Unterschiede geht, sondern um den Umgang mit solchen "diversen" Menschen:


"Menschen mit nicht-heterosexuellen Liebensweisen und anderen geschlechtlichen Identitäten werden in der Buchstabenfolge LSBTIQ* abgebildet: lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, intersexuell, queer bzw. questioning. Das *Sternchen steht für alle, die sich keiner Kategorie zuordnen wollen. Damit diese Menschen eine gute Pflege und Betreuung erhalten, müssten die sie begleitenden Pflegefachfrauen und -männer für die Lebenswirklichkeit dieser Menschen sensibilisiert sein und eine offene, bejahende Haltung zu einer für sie selbst möglicherweise befremdlichen Lebenswelt entwickeln und aufrechterhalten, so die BISS."


Aber das ist ein Irrtum, der in der Debatte häufig auftaucht und für Mißverständnisse sorgt:
Da geht´s nicht um biologisches Geschlecht (=sex), sondern um das soziale Geschlecht (=gender).
Das heißt ganz konkret: In dem von Dir beschriebenen Fall müsste dieser Pat. gemäß seiner Biologie als Frau beatmet werden, beim Umgang solltest Du aber halt Rücksicht drauf nehmen, daß "er" sich als Mann fühlt (obwohl er es biologisch nicht ist).
 
Ich hatte mal eine Patientin, die ein Mann war. Gesicht und Brüste waren schon weiblich, aber der Penis noch dran. Wir haben mit der Patientin abgesprochen sie in ein Frauenzimmer zu legen, sie sollte aber bitte darauf achten ihre Hose anzubehalten, um die anderen Patienten nicht zu irritieren. Ansonsten sprechen wir mit den Leuten.
Die Patientin mit Vollbart, die optisch so was von männlich war, sich aber wie eine feine Dame (naja, total tuntig) benommen hatte, die bekam ein Einzelzimmer.
Wir sind ein eher ländliches Krankenhaus mit sehr vielen, sehr ländlichen Patienten, wo sich das Verständnis für Menschen, die nicht der Norm entsprechen, eher in Grenzen hält.
Immerhin werden Pflegekräfte, die sichtbar Tätowiert sind, nicht mehr gefragt ob sie aus aus dem Gefängnis kommen oder vorher auf der Straße gearbeitet haben.
 
Hattet ihr das Problem denn schon mal? Falls ja, wie habt ihr es gelöst?
Nicht direkt.
Eine Patientin trug einst sehr maskuline Züge inkl. eines respektablen Bartes. Unser Glück war, dass sie wegen einer Infektion im Isozimmer liegen musste. Ein Mehrbettzimmer hätte für Irritation gesorgt, selbst nichtsahnende Kollegen mussten 2x nachchecken, ob diese bärtige Gestalt im Bett wirklich Frau XY war oder man sich nicht im Zimmer geirrt hat.
Künftig rechne ich aber schon mit einem Anstieg diverser Patienten. Es wäre gut zu wissen, wie wir dann verfahren sollen. Aktuell stellt sich das Problem für uns als Station nicht, da wir eh nur Isozimmer belegen.
 
Wir hatten kürzlich einen Patienten, der "untenrum" biologisch noch eine Frau war, durch die Hormonbehandlung jedoch schon Bartwuchs etc. entwickelt hatte. Er lag mit drei anderen Männern im Mehrbettzimmer und es hat sich niemand daran gestört; ich weiß nicht, ob die anderen Patienten es überhaupt mitbekommen haben. Chirurgen und Anästhesisten haben es natürlich gewusst.
 
Mal die Perspektive andersrum: Wie fühlt sich jemand unter'm LGBTIetc-Schirm, wenn nicht explizit darauf eingegangen wird? Im Falle der postpubertären Transsexuellen zB gibt es einfach irgendwann körperliche Auffälligkeiten, die auch durch beste Chirurgie nicht mehr behoben werden können. Und wenn ein offener Bartwuchs in einem Frauenmehrbettzimmer Schwierigkeiten macht, sollte von den Mitpatient*innen schlicht verlangt werden: Deal with it. Weshalb da getrennt werden sollte erschließt sich mir nicht, immerhin ist das "nur" eine genetische Fehlbildung, die nicht schnell genug mittels Pubertätsblocker behandelt wurde. Nach Hautfarbe, religiösem Empfinden wird ja (hoffentlich) auch nicht mehr getrennt.

Auch medizinisch gibt das natürlich Besonderheiten: Theoretisch können Transfrauen immer noch an einem Prostatakarzinom erkranken; die Untersuchung ist aber etwas umständlicher, da das Ding durch Testosteronblocker (Cyproteronacetat, Spironolacton, evtl Progesteron) deutlich zusammenschrumpft und lange nicht mehr die Größe bei einem regulären Cismann erreicht. Auch die Harnröhre wird etwas "gestaucht", da die umliegenden Schwellkörper durch das Östradiol angegriffen werden, was ein Katheterlegen schmerzhafter machen kann. Umgang mit Patienten, die erst vor ein paar Monaten ihre Geschlechtsangleichung hatten - das Dehnen der Neovagina muss fortgeführt werden, aber der Patient kann das womöglich direkt unmittelbar nach einem Eingriff oder aufgrund einer Erkrankung nicht vollständig alleine - was tun?

Direkt persönlicher Fall: Ich empfand den Umgang in einem örtlichen Krankenhaus während eines Aufenthalts wegen eines Oberbauchbruchs als so entwürdigend (unangemessene Fragen ("das hat jetzt nichts mit ihrem Eingriff zu tun, aber wollen Sie eigentlich eine Geschlechtsumwandlung?", mit Männern in ein Zimmer gesteckt, Missachtung meiner Identität), dass ich bis heute lieber mit einem Nabelbruch rumlaufe als diesen in besagtem Krankenhaus behandeln zu lassen. Wird gottseidank denn auch nicht mein Lehrkrankenhaus.

Um eine "Jugendbewegung" kann es sich da keinesfalls handeln, und ich glaube auch es gibt da deutlich mehr als man gemeinhin annimmt - nur sieht man die auch kaum, weil die aktiv verschreckt werden.