Wollen halt auch ihre Zeitschrift verkaufen.
So hatte ich es auch aufgefaßt!
Wenn es keine Studien gibt, die die Wirksamkeit einer Maßnahme überprüfen, oder wenn die bisherigen Studien ergeben haben, dass die Maßnahme nicht die erhoffte Wirkung erzielt, wie könnte der Artikel dann eine wirksame Maßnahme empfehlen? Ohne Daten?
Ein Hauptproblem, das ich hier sehe, ist, daß ja keine andere Maßnahme zur Kontrakturprophylaxe als Alternative erwähnt wird - und auch diese müßte dann erst noch getestet werden, damit es "Evidenz" gibt.
Mich würde das echt mal interessieren, aber ich habe in der Tat den Eindruck, daß das alles reichlich schwammig in den Fachbüchern ist... irgendwie schreibt einer vom anderen ab und teilweise widerspricht man sich auch.
Beispiel (ich hatte mich damals in einer Versorgung wegen eines Wachkomapat. damit beschäftigt, und es ging darum, wie ein Spitzfuß zu verhindern sei - und ein Spitzfuß ist nichts anderes als eine Sonderform von Kontraktur im Fußgelenk):
Die Frau des Pat. sowie einige aus meinem Team (insbesondere mein Teamleiter) beharrten auf der althergebrachten Methode, zwischen die Fußsohlen des Pat. und das Brett am Fußende des Bettes feste Lagerungsmaterialien "zu stopfen", damit die Füße nicht nach vorne fallen können... ich hingegen war strikt gegen diese Maßnahme, da ich einen neurologischen Hintergrund habe und aus Sicht des Bobathkonzeptes diese Maßnahme strikt abgelehnt wird:
"Eine besondere Spitzfußgefährdung besteht nur bei längerfristiger Rückenlage, da die Schwerkraft in dieser Position den Vorfuß des Pat. herabdrückt.
Zur Spitzfußprophylaxe darf keine Fußstütze eingebettet werden, weil sie durch den andauernden Druck am Fußballen über die positive Stützreaktion die Streckspastizität in Bein und Rumpf erhöht oder (nach Auslösung des Fluchtreflexes) eine Beugespastik im Bein provozieren kann." ("Pflege eines Menschen mit Hemiplegie nach dem Bobath-Konzept" S. 112, Lothar Urbas, 2. Auflage 1996).
Da mir diese Quelle allerdings ein wenig alt vorkam

, sah ich noch in "Altenpflege Heute" (2010) nach; dort wird auf S. 961 ebenfalls empfohlen: "Keine Kissen, Keile, Bettbretter o. ä. zur Spitzfußprophylaxe gegen die Fußsohlen legen.
Die beste Spitzfußprophylaxe bei Hemiplegie ist das Sitzen am Tisch."
Das Blöde war aber, daß in selbigem Lehrbuch auf S. 249 stand:
"Spitzfußprophylaxe bei Bettlägerigkeit
Weiche Fußstütze, z. B. Kissen, so gegen die Fußsohlen legen, dass Fußspitzen zur Decke zeigen" (wurde zwar weiter unten eingeschränkt, daß bei Halbseitenlähmung kein Druck gegen Fußsohle ausgeübt werden dürfe, aber trotzdem sehe ich da einen Widerspruch - denn auf S. 961 hieß es ja "KEINE KISSEN").

Ich wollte das hier nur mal loswerden, um zu zeigen, daß es mir hier nicht um irgendeine rein akademische Diskussion oder Rechthaberei geht, sondern ganz konkret um Fragen, welche Maßnahmen man nehmen soll, um dem Pat. nicht zu schaden - wenn es jetzt in dem verlinkten Artikel in "Altenpflege" heißt, daß Durchbewegen oder Mobilisation ja eh nichts bringt, dann frage ich mich, was der Autor dann bitteschön vorschlägt.
