Ich sehe das mal aus der Sicht von jemandem, der das "andersherum" gemacht hat: von Deutschland nach Frankreich, vor jetzt achtzehn Jahren. Ich sprach kaum Französisch. Ich hatte noch nie in Frankreich gearbeitet und in einem so hoch spezialisierten Bereich wie der Dialyse auch in Deutschland nicht. Ich hatte dann Glück, denn ich fand eine Abteilung, die bereit war, mich aufzunehmen (besagte Dialyse), sich trotz meiner Sprachschwierigkeiten mit mir einzulassen und mich auszubilden. Die Arbeit macht(e) Freude (tut es noch). Ich blieb neun Jahre. Jetzt bin ich seit fünf Jahren in einem anderen Zentrum.
Aber es ist nicht nur die Sprachbarriere. Ich weiss nicht, wie es in anderen Ländern aussieht, aber in Frankreich sind zum Beispiel auch die Kompetenzen völlig anders, und ich musste so manches erst lernen, was hier selbstverständlich ist. Schon der Einstieg erfordert hier Abitur und die Ausbildung wird als "Studium" angesehen. Es gibt nicht so viele einzelne Fachbereiche mit jeweiliger Weiterbildung. Das Studium umfasst sie bereits.
Französische Krankenschwestern sind kaum beteiligt an der Grundpflege, sie koordinieren und übernehmen den technischen Teil (Vorbereitung und Durchführung vonTransfusionen fallen zum Beispiel in unseren Kompetenzbereich und nicht, wie in Deutschland, in den der Ärzte). Sie arbeiten jeweils zusammen mit einem Team von Krankenpflegehelfern. So ist oft auf den Stationen nur eine Krankenschwester im Dienst als Schichtleitung. So ist es auch in den Altenheimen.
Ich könnte mir vorstellen, dass es in anderen Ländern möglicherweise ähnliche Situationen gibt und diese Fachkräfte Probleme hätten, sich hier zu integrieren.
Mit anderen Worten: ich stelle es mir nicht so einfach vor, "mal eben" Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben.