Ist die Lage auf dem Pflegesektor zur Zeit wirklich so dramatisch?

Marianne Trimmel

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03.06.2019
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Krankenschwester
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Assistenz Krankenschwester
Hallo Community!
Ich lese und höre immer wieder dass sich immer mehr Leute dafür entscheiden sich eine Pflegekraft aus dem Ausland kommen zu lassen und es garnicht erst versuchen sich jemanden im Innland zu organisieren. Wenn ich mir so ansehe wieviele junge Leute sich für eine Ausbildung auf dem Pflegesektor interessieren kann ich mir das gar nicht so richtig vorstellen.
Aber vielleicht wisst ihr da ja mehr und könntet mir diesbezüglich auf die Sprünge helfen wieso es zu so einer Entwicklung derzeit kommt?
 
Hallo Marianne,

Es ist eine Sache, sich für etwas zu interessieren, eine andere, es auch wirklich durchzuziehen und durchzuhalten. Ich denke zurück an meine Ausbildungszeit. Zu Beginn war unsere Klasse 27 Mann stark. Nach 3 Jahren haben davon 14 einen Abschluss gemacht. Nach einem weiteren Jahr arbeiteten nur noch 5 am Hause.
Die durchschnittliche Verweildauer einer PK im Beruf soll um die 7-8 Jahre betragen. Warum ist das so? Sicher nicht, weil wir arbeiten wie Schwester Stefanie. Das Bild, das die Bevölkerung von der Pflege hat, unterscheidet sich gravierend von der Realität. Vor dem Fernseher, selbst im Patientenzimmer, bekommt keiner das ganze Ausmaß unseres Alltags mit. Über die Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten unseres Alltags brauchen wir nicht zu diskutieren, das dürfte jedem klar sein. Und was wir von unseren politisch Oberen an Unterstützung bekommen, passt mit gutem Willen auf einen Notizzettel, mehr ist das nicht.
Wenn dann bei Berufsinteressierten zum ersten Male Wunschvorstellung Marke Schwarzwaldklinik auf Realität trifft, ist bei vielen der Ofen aus. Unter den derzeitigen Bedingungen kann man nicht lange im Beruf arbeiten, egal wie motiviert man an die Sache herangeht. Am Nachwuchs fehlt es, es scheint nur logisch, wenn man als AG seine Netze in anderen Gewässern auswirft.
 
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Es erstaunt mich, dass es in der heutigen Zeit noch mgl. ist, dass jemand nichts von den katastrophalen Zuständen inm Pflegeberuf mitbekommen hat. Wo arbeitest Du als "Assistenz Krankenschwester"?
Das ist aber m.E. nicht der Grund warum sich Leute Pflegerinnen aus dem Ausland kommen lassen. Insbesondere wenn ich eine 24/7 Betreuung brauche, können das in Deutschland nur die wenigsten bezahlen. Und gerade diese Menschen suchen nach Alternativen.
 
Ich lese und höre immer wieder dass sich immer mehr Leute dafür entscheiden sich eine Pflegekraft aus dem Ausland kommen zu lassen und es garnicht erst versuchen sich jemanden im Innland zu organisieren.
Wenn "Leute" für "sich" eine Pflegekraft holen, wird es sich um eine 24-Stunden-Hilfe handeln, die beim Betroffenen im Haushalt lebt und rund um die Uhr für ihn verfügbar ist, für vielleicht Euro 1200,- bis 1500,- brutto im Monat. Bei diesen Bedingungen müssen die Leute gar nicht erst versuchen, jemanden im Inland zu finden, denn das tut sich hierzulande keine/r an.

Wenn ein Arbeitgeber Stellen zu besetzen hat, sucht er schon zuerst im Inland - allerdings weiß er, dass der Markt wie leergefegt ist. Es gibt praktisch keine arbeitslosen Pflegekräfte. Entweder er wirbt sie der Konkurrenz ab - dazu muss er ihnen was bieten - oder er muss sich neue Märkte erschließen. Bei 40.000 unbesetzten Stellen in der Pflege müssen wir fast zwangsläufig auch Kollegen aus dem Ausland anwerben. Neue Zahlen der Bundesagentur: So viele Pflegestellen sind unbesetzt

Die dritte Möglichkeit bestünde darin, seine Leute selbst auszubilden - und da hat er im Inland erneut das Nachsehen. Denn:
Es interessieren sich nicht viele junge Leute für eine Ausbildung in der Pflege, und die sich dafür interessieren, bleiben nicht immer im Beruf.
 
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Claudia hat schon angesprochen, weshalb gerne auf 24h-Kräfte zurück gegriffen wird: Der Preis ist entscheidend.

Als Fachkraft würde ich mich auch nicht dermaßen unter Wert verkaufen, zumal es genug Stellen gibt, die auch höher dotiert ist.

Wenn jemand privat dazu bereit ist, mir 3000€ plus Zulagen zu bezahlen, dann werde ich diese Person auch professionell betreuen. Wenn der Preis deutlich unter meinen Vorstellungen liegt, dann darf diese Person weiter suchen.
 
Könnten damit Pflegehilfskräfte ohne Examen gemeint sein?
 
Unter den derzeitigen Bedingungen kann man nicht lange im Beruf arbeiten, egal wie motiviert man an die Sache herangeht.
Doch, es gibt Nischen, allerdings muß man die erst finden. Z. B. die ambulante Intensivpflege.
Aber ich geb Dir recht, die „typischen Jobs“ in der Pflege, z. B. im normalen Klinikbetrieb, das hält heutzutage kein Mensch mehr lange aus. Früher konnte man da durchaus mehrere Jahrzehnte arbeiten (das war normal!), aber heutzutage werden die Leute schon nach wenigen Jahren ausgebrannt und verschlissen.
 
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Früher konnte man da durchaus mehrere Jahrzehnte arbeiten (das war normal!), aber heutzutage werden die Leute schon nach wenigen Jahren ausgebrannt und verschlissen

Ist ja auch nicht selten, dass man als junge Fachkraft gerne ausgenutzt wird. Auch von den älteren Kollegen. 12 Tage Turns, Vom Nachtdienst am nächsten Tag in den Frühdienst (selbst Spätdienst fände ich eine zumutung), Schaukeldienste, die schwierigen Pat. werden einem zugeschoben etc pp. Immer mit dem Satz:" Du bist ja noch jung... soll sich mal nicht so anstellen!" Mein Favorit ist:" Früher haben wir hier mehr gemacht und gerissen!" Nur um dann 20 Minuten später über die katastrophalen Zustände heutzutage zu klagen.
 
Hallo Leute!
Danke für euren so zahlreichen Antworten. Eure Antworten sind ja sehr sehr unterschiedlich. Mitbekommen habe ich scho hin und wieder etwas von katastrophalen Zuständen auf dem Pflegesektor. Aber es war mir bislang ziemlich unverständlich wie es überhaupt dazu kommen konnte. Sollte die Politik nicht normalerweise bei solchen Trends Aktionen setzen um so etwas entgegen zu wirken?
So wie es aussieht ist es den Politikern offensichtlich egal was mit dem Pflegesektor geschieht sonst würde man wohl kaum immer öfter lesen dass sich mehr und mehr Leute an Pflegekräfte aus dem Ausland wenden.
Ich arbeite hauptsächlich bei einer privaten Pflegeagentur und nur von Zeit zu Zeit im lokalen Krankenhaus als Kinderkrankenschwester.
Allerdings habe ich nicht nur davon gelesen sondern es auch schon von vielen Bekannten gehört dass sich die Leute z.B. an Agenturen wenden wenn sie auf die Schnelle eine Pflegekraft benötigen.
 
Mitbekommen habe ich scho hin und wieder etwas von katastrophalen Zuständen auf dem Pflegesektor.
Langsam wird´s lächerlich.
Eine Pflegekraft, die so gut wie nichts von den katastrophalen Zuständen mitbekommen haben will?! :roll: Ja klar...
Ich arbeite hauptsächlich bei einer privaten Pflegeagentur und nur von Zeit zu Zeit im lokalen Krankenhaus als Kinderkrankenschwester.
Also was denn nun:
Krankenschwester oder Kinderkrankenschwester? :mrgreen:
Und nur zur Info:
Diese Berufsbezeichnungen sind (beide!) gesetzlich geschützt.
Wenn Du sie zu Unrecht führst, machst Du Dich strafbar.
Allerdings habe ich nicht nur davon gelesen sondern es auch schon von vielen Bekannten gehört dass sich die Leute z.B. an Agenturen wenden wenn sie auf die Schnelle eine Pflegekraft benötigen.
... und damit wären wir wohl beim wahren Grund dieses Threads angelangt:
Spam.
 
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Hallo Community!
Ich lese und höre immer wieder dass sich immer mehr Leute dafür entscheiden sich eine Pflegekraft aus dem Ausland kommen zu lassen und es garnicht erst versuchen sich jemanden im Innland zu organisieren. Wenn ich mir so ansehe wieviele junge Leute sich für eine Ausbildung auf dem Pflegesektor interessieren kann ich mir das gar nicht so richtig vorstellen.
Aber vielleicht wisst ihr da ja mehr und könntet mir diesbezüglich auf die Sprünge helfen wieso es zu so einer Entwicklung derzeit kommt?

Hallo Marianne,
wie man in der heutigen Medienlandschaft nicht mitbekommen kann, warum es solche Probleme auf dem Pflegesektor gibt, kann ich nicht nachvollziehen. Man kann diesen Informationen gar nicht ausweichen!
Dass die häusliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen seit mehreren Jahrzehnten von osteuropäischen Pflegekräften (überwiegend weil man eine angemessene Bezahlung deutscher -examinierter schon gar nicht- Pflegekräfte nicht leisten kann) ist ja nun kein neues Phänomen! Wo warst du die letzten 20 Jahre, dass du das nicht mitbekommen haben willst?
 
Danke für euren so zahlreichen Antworten. Eure Antworten sind ja sehr sehr unterschiedlich. Mitbekommen habe ich scho hin und wieder etwas von katastrophalen Zuständen auf dem Pflegesektor. Aber es war mir bislang ziemlich unverständlich wie es überhaupt dazu kommen konnte. Sollte die Politik nicht normalerweise bei solchen Trends Aktionen setzen um so etwas entgegen zu wirken?

Diese Probleme sind auch nicht "über Nacht" entstanden sondern begannen mit einem massiven Stellenabbau vor über 20 Jahren ...während die Artztstellen aufgestockt worden sind, hat man klammheimlich 70 TSD Pflegestellen eingespart. Durch aussetzen der PPR Mitte der 90er wurde der Bedarf nicht mehr erfasst und Einführung der DRGs war Pflege eben nur noch "Kostenfaktor" aber nicht erlösrelevant!
Stellen wurden nicht nachbesetzt, Teams überalterten , die Bedingungen wurden härter und schreckten immer mehr Jugendliche ab, immer mehr Fachkräfte gingen ins Ausland (bevorzugt Schweiz, Norwegen und Österreich).
Mittlerweile gehen Bewerberzahlen deutlich zurück, Abbrecherquoten in und Aussteigerquoten nach der Ausbildung nehmen zu, man findet keine Fachkräfte mehr um Stellen zu besetzen, Heime schliessen, ambulante Dienste müssen Verträge kündigen, Krankenhausbetten werden gesperrt und Notfälle werden abgewiesen....

Mit der konzertierten Aktion Pflege möchte man nun gegensteuern ...Schätzungen zur Folge haben wir im Jahr 2030 etwa 300 TSD unbesetzte Stellen im Pflegebereich.

Es wandern zur Zeit immer mehr Fachkräfte in zeitarbeitsfirmen ab- die Bezahlung ist teilweise überdurchschnittlich (eine ehemalige Schülerin bringt es durch flexiblen Einsatz im Radius von 150 km auf NETTO 4000,- !) .


So wie es aussieht ist es den Politikern offensichtlich egal was mit dem Pflegesektor geschieht sonst würde man wohl kaum immer öfter lesen dass sich mehr und mehr Leute an Pflegekräfte aus dem Ausland wenden.

Sprechen Sie von den über Agenturen vermittelten Personen, bevorzugt aus Polen, die 3 Monate in Haushalten leben und dort grundpflegerische und hauswirtschaftliche Leistungen gegen Entgelt, Kost und Logis anbieten?

Bitte beachten Sie, dass wir ein Forum für FACHkräfte sind.
Also GuKP, AP, GuKKP die in Institutionen angestellt sind und dort als AN tätig sind und auch idR tariflich entlohnt werden und zu üblichen Konditionen arbeiten ;-)

Unter Beachtung arbeitsrechtlicher Aspekte zum Tariflohn TvÖD (zuzuüglich 23 % AG Zulage) privat Pflegekräfte im Dreischichtsystem zu beschäftigen (jede deckt nur eine Schicht ab!)dürfte für einen Privathaushalt kaum möglich sein ;-)





Ich arbeite hauptsächlich bei einer privaten Pflegeagentur und nur von Zeit zu Zeit im lokalen Krankenhaus als Kinderkrankenschwester.
Allerdings habe ich nicht nur davon gelesen sondern es auch schon von vielen Bekannten gehört dass sich die Leute z.B. an Agenturen wenden wenn sie auf die Schnelle eine Pflegekraft benötigen.

Auch hier frage ich mich wieder, ob wir vom selben sprechen ....ich glaube kaum, dass die vermittelten Personen, die 24 Stunden im Privathaushalt leben und "allzeit bereit" sind wirklich Fachkräfte sind...
 
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Reaktionen: Martin H.
Ich lese und höre immer wieder dass sich immer mehr Leute dafür entscheiden sich eine Pflegekraft aus dem Ausland kommen zu lassen und es garnicht erst versuchen sich jemanden im Innland zu organisieren. Wenn ich mir so ansehe wieviele junge Leute sich für eine Ausbildung auf dem Pflegesektor interessieren kann ich mir das gar nicht so richtig vorstellen.

Wo haben Sie DAS denn gehört?
Bewerberzahlen gehen zurück, Schulen bekommen kaum die Kurse voll, die Zahl an Abbrechern in und nach der Probezeit nehmen deutlich zu und auch der Verbleib im erlernten Beruf ist nicht sehr lang ....
 
Wenn "Leute" für "sich" eine Pflegekraft holen, wird es sich um eine 24-Stunden-Hilfe handeln, die beim Betroffenen im Haushalt lebt und rund um die Uhr für ihn verfügbar ist, für vielleicht Euro 1200,- bis 1500,- brutto im Monat. Bei diesen Bedingungen müssen die Leute gar nicht erst versuchen, jemanden im Inland zu finden, denn das tut sich hierzulande keine/r an.

Richtig- als "persönlicher Pflegesklave" im Privathaushalt würde hier niemand arbeiten :-D
 

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