Frage zum Atemstillstand

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von Steffile, 22.03.2009.

  1. Steffile

    Steffile Newbie

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    Hallo!

    Ich glaube, ich stehe grad aufm Schlauch. Lerne grad Medizin, Notfälle bla bla...

    Nehmen wir mal an wir haben ein Kind, dass einen Fremdkörper aspiriert hat. Und es kommt dann zu einem Atemstillstand. Dann beatme ich doch nur, oder? Ohne Herzdruckmassage? Es hat ja dann wohl noch einen Kreislauf, oder nicht?

    Ich hab nämlich das hier gefunden, bei wikipedia:

    Zitat:
    Nicht angezeigt ist die Maßnahme bei bewusstlosen Patienten mit einem Atemstillstand in Folge der Obstruktion; bei diesen wird direkt eine Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen.
    Ohne Kreislaufstillstand eine Herz-Lungen-Wiederbelebung?

    In der Praxis können wir ja intubieren, aber was mache ich, sollte mir das z. B. im Supermarkt passieren? Soll ich dann solange Mund-zu-Mund-Beatmung machen bis der Notarzt kommt? Und weiterhin nebenbei den Kreislauf kontrollieren und im Falle eines Kreislaufstillstandes dann Herz-Lungen-Wiederbelebung?

    Nächstes Problem: Was mache ich, wenn der Gegenstand so groß ist, dass er direkt in der Luftröhre hängen bleibt, und die komplette Luftröhre zu ist, eine Beatmung also wohl nichts bringt. Das Kind aufn Kopf stellen bis es rausfällt? Was mache ich dann bei nem Erwachsenen mit 120kg? Oder einfach trotzdem beatmen?

    Was mache ich z. B. bei einem Asthmaanfall und folgendem Atemstillstand? Da sind doch die Atemwege komplett zugeschwollen, da bringt wohl nur eine Intubation was, oder?

    Vielleicht versteht ja einer, was ich meine, und mag mir helfen :emba:
     
  2. angie85

    angie85 Stammgast

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    hallo :-)

    also wir haben es so gelernt: hat ein kind etwas aspiriert (legosteine oder sowas) wird das kind in der regel zunächst mal husten. solange es das tut ermuntere ich das kind zum weiterhusten. hört das kind auf zu husten bekommt es 5 schläge auf den rücken, bzw. übers schulterblatt. dabei sollte der kopf der tiefste punkt sein. wenn das nix bringt macht man bei größeren kindern den heimlich-handgriff, auch 5 mal. bei säuglingen mache ich 5 thoraxkompressionen (nicht zur wiederbelebung, sondern um den fremdkörper raus zu bekommen). hilft das auch nix wird beatmet. auch falls der FK wirklich mitten in der trachea steckt und diese kompett verschließt. was soll passieren? im schlimmsten fall geht keine luft rein. im besten fall schiebst du mit dem druck den FK so weit runter, dass zumindest ein lungenflügel belüftet wird. auch beim asthmaanfall wird beatmet. auch hier kriegst du im schlimmsten fall eben nix rein. aber mit großer wahrscheinlichkeit geht was durch.

    ich nehme an, dass man bei FK-aspiration und atemsillstand deshalb mit der "normalen" reanimation beginnt, weil man (bzw laien) den puls bei bewusstlosigkeit nicht mehr kontrolliert. für laien gilt: bewusstlos + atemstillstand = reanimation. außerdem besteht mit der thoraxkompression weiterhin die möglichkeit, dass du den FK raus kriegst.

    natürlich kannst du, wenn dir so ein kind im supermarkt begegnet den puls kontrollieren, aber die zeit die vergeht bis du dir sicher bist, dass das kind (k)einen puls hat ist für das kind sehr lang. die kleinen haben ja noch nicht so große "sauerstoffreserven" wie erwachsene.

    lg angie
     
  3. mostbirne

    mostbirne Gast

    --> ERC Guidelines. steht alles drin und gibt inzwischen vielfach gute deutsche übersetzungen. da kannste alles nachlesen was momentan state of the art ist....
     
  4. Kodos

    Kodos Newbie

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    Rehabilitation
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    Praxisanleitung
    Hallo zusammen,

    aus meinen Erfahrungen kann ich sagen, dass es Angie85 ganz gut beschrieben hat, die offiziellen Richtlinien sind diesbezüglich gleich, nicht nur bei Kindern, sondern bei allen Patienten. Bei einem einsetzenden Atemstillstand besteht ja dann auch die Möglichkeit den FK zu entfernen, falls er sichtbar ist.
     
  5. Krotob

    Krotob Stammgast

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    246
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    Fachkinderkrankenpfleger
    Ort:
    Bayern
    Akt. Einsatzbereich:
    Kinderintensiv
    Hallo;
    Nein :-), nicht unbedingt, Kinder (je nach Alter )haben minimale Sauerstoffreserven, eine Hypoxie führt innerhalb von Sekunden zu einer Bradykardie.
    Im Fall der Fälle intubieren ? wird gar nicht so einfach sein, wenn die Luftwege blockiert sind :gruebel:.
    Über das Vorgehen im Supermarkt, später mehr ...
    Deine Frage auf den Asthamanfall verstehe ich nicht, Du gehst davon aus, dass die kompletten Atemwege zugeschwollen sind ...., d.h. keine Beatmung möglich ist, aber würdest intubieren (wo geht dann der Tubus hin)? Natürlich muss auch ein Asthma-Patient (mit Atemstillstand beatmet werden), natürlich mit unterstützender medikamentöser Therapie.
    Zu den Maßnahmen bei der Aspiration von Kindern ...
    Angi hat schon einiges dazu beschrieben, ich habe noch ein paar Ergänzungen ...
    Zunächst musst Du unterscheiden, ob das Kind "effektiv" hustet (d.h. das Kind wird panisch sein, husten, schreit mit Stimme), oder dies nicht mehr kann "ineffektives" Husten (Simmlosigkeit, leises oder stummes Husten, Atemnot mit Zyanose, zunehmende Bewußtsteinstrübung). Bei effektiven Husten (Husten ist die beste Maßnahmen, um den Fremdkörper zu entfernen), wird das Kind beruhigt und zum Husten ermutigt und der Zustand sehr genau beobachtet. Keine große Manipulation, da sich hier der Fremdkörper lösen könnte und somit es zu einer totalen Verlegung der Atemwege kommt. Ein Notruf ist natürlich obligatorisch !
    Hustet das Kind "ineffektiv" UND ist bewußtlos, dann wird unmittelbar mit der REANIMATION begonnen (für prof. Helfer 15:2).
    Hustet ein Kind "ineffektiv", ist aber bei Bewußtstein, dann folgt folgender Ablauf (man Unterscheidet Kinder unter und über einen Jahr):

    Säugling (< 1 Jahr):
    5 Rückenschläge (Kind in Bauchlage auf den Oberschenkel legen, Gesicht Richtung Knie, es folgen die kräftigen Schläge nach "cranial" zwischen die Schulterblätter.
    5 Thoraxkompressionen (Kind wird zurück in Rückenlage gelegt, tiefster Punkt sollte wieder der Kopf sein; die Kompressionen werden wie bei der normalen Reanimation durchgeführt, jedoch etwas langsamer und "ruckartiger"; dadurch soll über eine Druckerhöhung im Thorax der Fremdkörper mobilisiert werden)
    Dann sofortiger Wechsel zu den Rückenschläge, bis der Fremdkörper offensichtlich entfernt ist, oder das Kind bewußtlos wird. Ein Hilfe- bzw. Notruf ist natürlich so schnell wie möglich zu veranlassen. Bei allen Maßnahmen wird auch der Kopf untersützt (HWS !).

    Kind (> 1 Jahr):
    Man beginnt zunächst ebenfalls mit 5 Rückenschlagen, dabei soll der Kopf tiefster Punkt sein. Je nach Alter wird der Patient "übers Knie" gelegt oder anderweitig so gelagert.
    Danach folgen sofort 5 Oberbauchkompressionen. Dabei steht oder kniet der Helfer hinter dem Kind, man umfässt den kindlichen Thorax unter dessen Armen. Man macht eine Faust und legt diese zwischen Bauchnabel und Xyphoid. Mit der zweiten Hand umfasst man die Faust und drückt "kräftig" von dorsal nach cranial (von unten nach oben).
    Danach folgt ein sofortiger Wechsel zu den Rückenschlägen, der Wechsel wird durchgeführt, bis das Kind bewußtlos ist, oder sich der Fremdkörper löst und das Kind "frei" atmet.
    In jeden Fall muss eine Aspiration klinisch abgeklärt werden, insbesondere bei "Gegenständen" die sich zerteilen können (Apfel, usw.).Es können durch die Oberbauchkompressionen auch innere Organe verletzt werden. Bei "offensichtlichen" bzw. greifbaren Gegenständen im Mundbereich, können diese natürlich entfernt werden, aber es besteht die Gefahr, dass man durch Manipulation die Atemwege komplett verlegt, insbesondere wenn man blind versucht etwas zu entfernen !

    Hoffe ich konnte Dir etwas helfen !

    herzliche Grüße :-)
     
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