„Bei all den vergangenen Versuchen, dem Pflegenotstand etwas entgegenzusetzen, war das Mittel der Wahl, möglichst viel Personal ungeachtet der Qualifikation einzusetzen“, so DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. „Das führt zwangsläufig zu einer Deprofessionalisierung, die offenbar politisch gewollt oder zumindest billigend in Kauf genommen wurde. Sich jetzt zu wundern, dass einzelne Mitarbeitende nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen, ist grotesk. Wenn der Minister das so sieht, sollte er schleunigst eine der zentralen Forderungen des DBfK und DPR umsetzen und für mehr Hochschulbildung in den Pflegeberufen sorgen. Dass der Minister Pflegewissenschaft im Expertengremium nicht berücksichtigt hat, zeigt allerdings, dass er seinerseits pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen wenig Relevanz beimisst. Schließlich trägt auch die Vernachlässigung pflegerischer Weiterentwicklung dazu bei, Patient:innen zu gefährden.“
Ja, da hat Prof. Bienstein zu 100% recht. Einerseits klopfen sich die Herren Politiker immer schön auf die Schultern, was sie nicht alles angeblich für die Pflege gemacht hätten (da spreche ich jetzt nicht primär Hr. Lauterbach an, sondern andere), wobei sich all die vollmundigen Dinge oft als halbherzig oder als komplette Luftnummern erweisen... egal, ob das die Generalistik ist oder die Akademisierung, die ja alle (mit dem Mundwerk) "ganz doll" finden - und dann wird z. B. die pflegewissenschaftliche Fakultät der PTHV dicht gemacht

... oder man kümmert sich einen Dreck drum, genügend der dringend benötigten Studienplätze für Pflegestudiengänge einzurichten; die Mindestpersonalquote ist - in ihrer derzeitigen Form - ein schlechter Witz; usw. usf.
Und auch in der Pandemie zeigt sich doch die absolute Geringschätzung der Pflege:
Die Expertise unseres Berufsstandes wird ganz einfach völlig ignoriert, sei es beim Angebot, bei der Corona-Impfkampagne selbständig (!) mitzuwirken oder wie Prof. Bienstein sehr richtig erwähnt, man ignoriert sie bei der Besetzung des Expertengremiums.
Ja, auch ich bin enttäuscht über Kollegen, die die Impfung verweigern, aber da muß in der Tat sich die Politik auch an die eigene Nase fassen. Denn hätte man den Karren nicht die letzten Jahrzehnte (nicht Jahre, sondern Jahrzehnte!) derart gegen die Wand gefahren und unsere Profession ausbluten lassen, dann müsste man jetzt nicht bangen, weil evtl. ein paar Hanseln ab Mitte März dem Beruf wegen der Impfpflicht den Rücken kehren.
Übrigens, in meinem jetzigen Job in der Suchthilfe gilt auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht; wir müssen aber in keinster Weise bangen, daß uns die Mitarbeiter fehlen, denn das Ganze wurde (auch von meinen Chefs) recht vernünftig angegangen und es gelten halt auch nicht derart prekäre Arbeitsbedingungen wie in der Pflege.
So haben wir ab 15. 3. nichts zu befürchten. Hat aber halt bei uns mit Pflege auch nix zu tun.