Ich hab jetzt nardes Rat befolgt und prompt schon Antwort erhalten, welche ich hier veröffentlichen darf:
"Sehr geehrter Herr H.,
gerne beantworte ich Ihnen Ihre Frage zur Kostenpflichtigkeit von Expertenstandards. Die Entwicklung von Qualitätsinstrumenten wie Expertenstandards oder Leitlinien kostet zwischen 150.000 – 300.000 € pro Entwicklung. Eine Aktualisierung kostet zwischen 100.000 – 200.000 €. Diese Kosten entstehen durch
- Personalkosten in den jeweiligen Geschäftsstellen für die Organisation der Sitzungen, der Kommunikationswege, der Moderation
- Die Erstellung von evidenzbasierten Literaturrecherchen (Honorar der Autoren, Beschaffung der Literatur) – das ist der Großteil der Kosten
- Reisekosten für Arbeitssitzungen
- Raum- und Technikkosten für die Sitzungen
- Druckkosten für die Publikation, Layout,
- Methodische und wissenschaftliche Begleitung der Implementierung
Indirekte Kosten, wie beispielsweise die Arbeitszeit der wissenschaftlichen Leitungen, der Koordinatoren, der Expertenmitglieder der Arbeitsgruppen werden nicht erstattet.
In der Medizin werden die Kosten von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften unter der Trägerschaft der AWMF (Deutsche Gesellschaft für Anästhesie, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie…) getragen, in denen Ärzte zahlende Mitglieder sind und/oder von medizinischen Stiftungen (z.B. Deutsche Leberstiftung, Parkinson-Stiftung etc.) . Für die Pflege gibt es wenig bis keine vergleichbaren Fachgesellschaften oder auch Stiftungen, die finanziell in der Lage sind, die Entwicklung von Qualitätsinstrumenten zu finanzieren. Daher hat das DNQP vor fast 20 Jahren zunächst mit einer Zuschussfinanzierung des Bundesministeriums für Gesundheit begonnen, Expertenstandards zu entwickeln und war von Anfang an bemüht, diese Entwicklung unabhängig von Interessensgruppen der Politik oder der Industrie zu gewährleisten. Daraus resultierte dann, dass der Verkauf dieser Standards die weitere unabhängige Entwicklung weiterer Standards ermöglicht. Letztendlich finanzieren die Mitglieder der Berufsgruppe der Pflegeberufe durch den Erwerb der Standards so die Entwicklung eigener, professionsbezogener Standards selbst. Genauso wie die Ärzte ihre Leitlinien über ihre Mitgliedsbeiträge in den Fachgesellschaften finanzieren.
Das DNQP fordert seit Jahren, dass die Entwicklung von Expertenstandards in die Hände eines unabhängigen Qualitätsinstitutes gelegt werden und von dort aus auch finanziert werden sollte. Dann könnten auch Expertenstandards kostenlos abgegeben werden. Möglicherweise wird sich das in Zukunft ändern, da dann Pflegekammern für die Qualitätsentwicklung der Pflegeberufe verantwortlich sind und durch die verpflichtenden Mitgliedsbeiträge über die entsprechende finanzielle Ausstattung verfügen.
Ich hoffe, Ihre Frage ist damit ausreichend beantwortet. Sonst können Sie mich gerne nochmals kontaktieren.
Mit freundlichem Gruß,
..."